Inhalt
Inhalt.............................................................................................................................. 2
Einleitung 3
1. Die höfische Welt 4
2. Höfische Gestalten 5
2.1. Der Prinz 5
2.2. Marinelli. 7
2.3. Graf Appiani 8
2.4. Gräfin Orsina. 9
3. Das Bürgertum. 11
3.1. Odoardo und Claudia Galotti. 11
3.2. Emilia Galotti. 13
4. Schluss. 16
5. Literaturverzeichnis. 17
Prim ärliteratur 17
Sekund ärliteratur. 17
2
Einleitung
„Unter den geistigen Vorkämpfern des deutschen Bürgertums war Lessing nicht der genialste, aber der freieste und wahrhaftigste und vor allem der bürgerlichste; was immer wieder an seine Schriften fesselt, auch an die totgeborenen oder längst abgestorbenen, ist der Charakter dessen, der sie schrieb.“ 1
Dies schrieb Franz Mehring über Gotthold Ephraim Lessing in seinem Buch die „Lessing Legende“. Lessings Drama „Emilia Galotti“ möchte ich mich in dieser Hausarbeit widmen. Besonders eingehen möchte ich auf den Konflikt zwischen adeligen und bürgerlichen Gestalten am Beispiel der einzelnen dramatischen Personen. Ich habe versucht die Dramengestalten zu charakterisieren und so die Unterschiede zwischen den höfischen und den bürgerlichen Gestalten aufzuzeigen.
Die Uraufführung von Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichem Trauerspiel „Emilia Galotti“ war am 13.3. 1772 in Braunschweig. Doch die Entstehungsgeschichte reicht viel weiter zurück. Schon seit 1756 beschäftigt sich Lessing mit dem Stoff der klassischen Virginia Geschichte. Sein fertiges Stück wurde als Protest gegen fürstliche Willkür und die Moral der Mächtigen verstanden.
1 Mehring, Franz: Die Lessing-Legende. Berlin: Weiss 1946
3
1. Die höfische Welt
Lessings „Emilia Galotti“ spielt in einem kleinen Fürstentum in Italien. Die Figur des Prinzen Hettore Gonzaga ist zwar frei erfunden, aber es gibt tatsächlich ein Adelsgeschlecht Gonzaga in Italien. Doch Lessing wollte nicht die italienischen Verhältnisse darstellen, sondern die im 18.Jahrhundert in Deutschland. Für die Kritik an der Kleinstaaterei musste Lessing eine historische Umgebung erfinden, da er als Angestellter am Braunschweiger Hof keine offensichtliche Kritik an der Monarchie wagen konnte. Zwischen dem damaligen Regenten von Braunschweig, dessen Bibliothekar Lessing war, und dem Prinzen in Emilia Galotti gibt es viele Parallelen. Der Fürst in Braunschweig liebte die Kunst und war ebenso verschwenderisch wie Gonzaga. Seine Mätresse die Gräfin von Bresconi diente als historisches Vorbild für die Gräfin Orsina. Sowohl Karl von Braunschweig als auch der Prinz in Emilia Galotti symbolisieren einen Typ des Monarchen, der in Deutschland in dieser Zeit sehr verbreitet war. Deutschland um 1770 war in eine Vielzahl von kleinen und beinahe winzigen Fürstentümern gegliedert, die absolutistisch regiert wurden. Obwohl Absolutismus 1 nicht unbedingt gleichzusetzen ist mit Unterdrückung und Despotismus, war leider nur für wenige deutsche Fürsten der aufgeklärte Absolutismus eine anstrebenswerte Staatsform. Da im 18. Jahrhundert die Kirche stark an Einfluss einbüsste, wandten sich viele Regenten mehr den weltlichen Freuden zu, als nach christlichen Lebensmustern zu leben. Die von Lessing in Emilia Galotti dargestellten Verhältnisse am Hofe Gonzagas entsprechen exakt denen zur damaligen Zeit. Man könnte fast sagen, er missbraucht seine Macht, um Emilia zu gewinnen, und durch dieses Vorhaben zerstört er die Familie Galotti. Auffällig ist auch, dass Lessings Trauerspiel nicht an einem offiziellen Hof spielt, sondern immer nur im Lustschloss des Prinzen. Denn selbst der Prinz ist am Hof ständiger Beobachtung ausgesetzt, und dort könnte er falsche Spiele wie das mit Emilia nicht vollziehen. Genau das unterscheidet ihn von einem „echten“ aufgeklärten Herrscher.
1 Absolutismus, Staatsform, in der die Herrschaftsgewalt im Staat weitgehend beim Monarchen liegt
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Auch der Graf Appiani muss unter dem Verhalten des Prinzen leiden. Wenn man die Geschichte betrachtet wird man feststellen, dass die Macht des Absolutismus auf der Entmachtung von kleineren Fürsten und Grafen beruht. Den Grafen bleibt also nur die Wahl zwischen Rückzug aus der Politik oder der Übernahme eines Amtes am Hof des absolutistischen Herrschers. Meiner Ansicht nach kritisiert Lessing nicht die Gestalt des Prinzen an sich, sondern das System im Ganzen.
2. Höfische Gestalten
2.1. Der Prinz
Der Prinz Hettore Gonzaga ist das Paradebeispiel eines Staatsoberhauptes im 18.Jahrhundert. „Eingesperrt“ in ihr Land sind sie schwächlich, verwöhnt und maßlos geworden. Kennzeichnend hierfür ist das Verhältnis des Prinzen zu seinem engsten Angestellten und Vertrauten. Der launische, weinerliche Prinz liefert sich Marinelli (seinem Kammerherren) und dessen Willen fast widerstandslos aus, besonders auffällig in I/VI 1 . Auf der anderen Seite ist er aber dekadent, ohne moralische Grundsätze und unfähig, ein Land selbstständig zu regieren. Diese Unfähigkeit und Hilflosigkeit scheint er am Schluss des bürgerlichen Trauerspiels zu erkennen, als er seinem Gegenspieler Odoardo Galotti zuruft:
„ O Galotti, wenn sie mein Freund, mein Führer, mein Vater sein wollen?“
(75,9f.). In dieser Passage des Stückes könnte man Sympathie für den hilfesuchenden Prinzen empfinden, wüsste man nicht, was er Emilia bereits angetan hat. Für die Verbindung zwischen Herrscher und Vertreter der bürgerlichen Ideale ist es zu spät, die Politik bleibt in den Händen Marinellis.
1 Alle Zitate nach: Werk in Einzelausgaben - Gotthold Ephraim Lessing. Hrsg. von Winfried Woesler. Tübingen: Niemeyer 2004 (Zitierweise: I/1 = 1.Akt, 1.Szene, bzw. 20, 12= Seite 20,Zeile 12)
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Arbeit zitieren:
Julia Grubitzsch, 2006, Der Konflikt zwischen Adel und Bürgertum in Gotthold Ephraim Lessings "Emilia Galotti", München, GRIN Verlag GmbH
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