Inhaltsverzeichnis
1. Unterrichtsgegenstand: „Martyn Pig“ von Kevin Brooks
1.1. Zum Inhalt des Romans
1.2. Aufbau und Erzählstruktur
1.3. Figurenkonstellation
1.3.1. Martyn und seine Familie
1.3.2. Der Figurenkreis um Alex
1.6. Kriminalistischer Jugendroman
2. Zur Unterrichtsstunde
2.1. Thema der Unterrichtsstunde
2.2. Schwerpunktziele der Unterrichtsstunde
3. Geplanter Unterrichtsverlauf
3.1. Unterrichtsverlauf nach Phasen
3.2. Bemerkungen zum geplanten Unterrichtsverlauf
4. Didaktische Bemerkungen
4.1. Unterrichtsreihe
4.2. Begründung der Unterrichtsziele
4.2.1. Sachangemessenheit
4.2.2. Richtlinienangemessenheit
4.2.3. Schülerangemessenheit
4.3. Methodische Bemerkungen
4.3.1. antizipierender Leseprozess
4.3.2. Warum eine offene Form des Unterrichts?
4.3.3. Die gewählte Methode der „Projektarbeit“
5. Erwartete Tafelbilder / Arbeitsmaterialien
6. Literaturverzeichnis
1. Unterrichtsgegenstand: „Martyn Pig“ von Kevin Brooks
1.1. Zum Inhalt des Romans
Martyn ist ein Trödler, er liebt es, die Zeit verstreichen zu lassen: Abwarten und Tee trinken, mehrere Tassen, eine Kanne voll, Schokoladenkekse dazu essen, ein Bad nehmen, am Strand laufen in der Dezembereinsamkeit, nichts überstürzen, sich in den Kaufhäusern rumtreiben bei den Weihnachtseinkäufen, vom öden Festrummel angewidert. Entschlusslosigkeit und Fatalismus bestimmen sein Leben. Er hat kein Vertrauen in die Zukunft.
Martyns Vater ist ein Trinker mit Kindergeld, er braucht den Jungen - um den monatlichen Betrag von der Sozialhilfe zu kassieren und um am Morgen sein Erbrochenes aufzuwischen zu lassen. Als der Vater eines Tages im Suff gegen den Kamin knallt und tot zu Boden sinkt, ist Martyn endgültig ratlos. Er lässt den toten Mann erst einmal liegen. Die Stunden verrinnen, erst mal drüber schlafen, aber mit jeder Minute wird es schwieriger, den anderen, der Polizei sein Verhalten zu erklären. Mordverdacht droht. Dann kommt auch noch Tante Jean, also wird mit der Freundin Alex ein haarsträubender Plan ausgeführt. Der Vater wird, damit die Tante nichts merkt, mit einer "Grippe" ins Bett gepackt, Wick-VapoRub-Dünste überlagern den Leichengeruch. Plötzlich ist auch Geld im Spiel, 30 000 Pfund hat der Vater angeblich auf einem Konto, ein mieser Typ versucht eine Erpressung. Und was ist plötzlich mit Alex, Alex, die Schauspielerin werden will und die alle anderen nachmachen, jede Rolle spielen kann und dann spurlos verschwindet?
Fragen schwirren durch Martyns unruhigen Geist. Ist alles was wir erleben vorher- bestimmt, wie Einstein es sagt? Was ist am Ende richtig, was ist falsch?
1.2. Aufbau und Erzählstruktur
Das Buch Martyn Pig wird als Rückblick von der gleichnamigen Hauptfigur aus der Ich-Erzählperspektive erzählt. Der Teenager beschreibt auf 220 Seiten detailliert die Woche vor Weihnachten von dem Tag an, an welchem sein Vater in einem Streit mit ihm unglücklich stürzt und zu Tode kommt. Es liegt ein einsträngiger Handlungsverlauf vor. Jedem Tag ist ein Kapitel gewidmet. Den Abschluss bildet ein Epilog des Ich-Erzählers. Die Berichte beinhalten viele dialogische und monologische Sequenzen, die wegen ihrer kurzen Redebestandeile und schnellen Wechsel wiederholt kritisiert
wurden. 1
1.3. Figurenkonstellation
Das Personal konzentriert sich in erster Linie auf Martyn und das Nachbarsmädchen Alex, in das Martyn verliebt ist. Um Martyn zieht sich ein enger familiärer Figurenkreis bestehend aus seinem Vater und seiner Tante Jean. Neben der Mutter von Alex gesellt sich zu den Personen um Alex noch deren Freund, der 18-jährige Dean. Am Ende tritt eine dritte Figurengruppe um Inspektor Breece hinzu, der Behördenpersonal als Nebenfiguren beinhaltet (Kriminalmeister Finlay, die Polizeiwachtmeistern Sanders und Peter Bennett von der Sozialfürsorge). Breece hat nur eine kleine Rolle. Er ist der unverbesserliche Kriminale, der engstirnig seine Verbrechenstheorie verfolgt und von Martyns Schuld überzeugt bleibt, obwohl er ihm nichts nachweisen kann.
1.3.1. Martyn und seine Familie
Martyn ist 14. Sein Nachname „Pig“ setzt ihn unzähligen Hänseleien aus (vgl. S.8) 2 . Dazu kommt, dass Martyn Scheidungskind ist. Er lebt bei seinem Vater, Kontakt zu seiner Mutter besteht keiner mehr. Wie viele Jugendliche in seinem Alter ist er zum
1 vgl. z.B. Kevin Brooks: Martyn Pig. Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn. In: Literaturbeilage der NZZ am Sonntag. 15. August 2004: hier werden die Dialoge aus „hektisch“ und
„staccatohaft“ kritisiert.
2 Dieser Arbeit liegt folgende Textausgabe zugrunde: Brooks, Kevin: „Martyn Pig.“ Frome, Somerset: The Chicken House 2002. 220 Seiten. Im Folgenden wird nach dieser Ausgabe zitiert.
ersten Mal verliebt. Er kriegt schlottrige Knie und ist total durch den Wind (S. 24), wenn das Nachbarsmädchen Alex anwesend ist.
Martyns Vater ist hochgradiger Alkoholiker. Ständige Betrunkenheit und Wutausbrüche des Vaters gehören zum Alltag (vgl. S. 32ff). Martyn beschreibt ihn folgendermaßen: He could have been a handsome man if it wasn’t for the drink. Handsome in a short,
thuggisch kind of way. [...] - but he didn’t. He looked like what he was: drunk. Fat little
belly, florid skin, yellowed eyes, sagging cheeks and a big fat neck. Old worn out at forty.
(S. 9f) He was a drunken slob and he treated me like dirt.( S. 24) Martyns Vater kann wegen seines Alkoholismus nicht mehr für seinen Jungen sorgen. Der Teenager ist größten Teils auf sich selbst gestellt: Er führt den Haushalt und versorgt sogar dazu immer wieder seinen Vater (vgl. S. 25), der dazu oft zu betrunken ist. Aus Angst vor einer Heimunterbringung beklagt er sich nicht, sondern kompensiert die Verantwortungslosigkeit. Es könnte ja noch schlimmer kommen, denn da ist ja auch noch Tante Jean:
[...] Dad’s older sister. A terrible woman. [...] An angular woman, cold and hard, with
crispy blue hair and a face that makes you shudder. [...] [Her eyes ]have about as much
warmth as two depthless pools. (S. 10)
Tante Jean bemüht sich um das Sorgerecht. Martyn will aber auf keinen Fall zu ihr. Erst am Ende bemerkt er: „[She] is not as bad as I thought it would be“ (S.212). Man muss berücksichtigen, dass die Figuren alle durch die subjektive Sichtweise des Ich-Erzählers charakterisiert werden. Auch wenn Tante Jean bei ihrem Kontrollbesuch sehr pedantisch dargestellt wird, so ist sie doch die einzige, die sich nach Martyn erkundigt und Interesse an ihm zeigt (vgl. 90 ff).
Auf der einen Seite hat Martyn für einen 14-jährigen Jungen schon sehr viel Autonomie erworben. Auf der anderen Seite geht ihm darüber jedoch auch ein Stück seiner Jugend verloren. Er kann sich an niemandem orientieren. Reale Vorbilder fehlen ihm:. „It was such an alien concept - being proud of someone - [...].“ (S. 28). Als Folge flüchtet sich Martyn in seine Phantasie. Er lernt, Krimis zu mögen. Geschichten über Mord und Totschlag. Gangsterstorys, Thriller und Detektivromane. (S. 26). Diese Phantasie wird für ihn zur erschreckenden Wirklichkeit, als sein Vater stirbt. Martyn steigert sich in alle möglichen Szenarien einer eventuellen polizeilichen Untersuchung so sehr hinein und spekuliert auf eine Schuldzuweisung, bis er schließlich zur Überzeugung gelangt, dass es besser sei, den Tod seines Vaters zu verschweigen. Martyns Bekenntnis zur Lüge als Überlebensgarantie bleibt aber fragwürdig: „All you’ve got to do is to stick what you’ve already said, and if anything tricky comes up, you can’t remember.“(S. 216) Seine Ansichten sind von Misstrauen und Fatalismus
geprägt: „You see, it doesn’t matter what the police think, it doesn’t matter what they know, all that matters is proof. If they can’t prove something, there’s nothing they can do. [...] That’s justice“ (S. 216)
Man könnte manchmal glauben, hier würde ein Jugendlicher auf dem Weg in die Kriminalität dargestellt. So ist es aber keineswegs. Durchgehend ist Martyn glaubwürdig das Opfer seiner kläglichen Lebensumstände und seiner familiären Situation.
1.3.2. Der Figurenkreis um Alex
Das Nachbarsmädchen Alex ist knapp zwei Jahre älter als der 15-jährige Martyn (vgl. S. 19). Martyn verliebt sich schon bei der ersten Begegnung in sie. Er mag ihre lässige Art sich zu kleiden, ihr schwarzes Haar, ihre Art sich zu bewegen (vgl. 19f.). Alex wohnt alleine mit ihrer Mutter zusammen, seit diese ihrem alkoholabhängigen Mann den Laufpass gegeben hat (vgl. S. 26). Die Mutter ist „a sort of dumpy“ und wirkt „grey and tired“(S. 20). Die Ähnlichkeit mit ihrer Tochter ist aber nicht von der Hand zu weisen. Sie ist Schauspielerin, ihre Karriere scheint jedoch bereits nach einer größeren Rolle, die bereits 15 Jahre zurückliegt, erfolglos zu verlaufen (vgl. S. 27). Dennoch hat Alex in ihrer Mutter ihr Idol gefunden: Sie bewundert sie für ihre schauspielerischen Fähigkeiten und möchte ihr nacheifern. Auch sie will Schauspielerin werden. Sie zeigt gerne ihr Talent, alle möglichen Charaktere in sämtlichen Gefühlslagen darstellen zu können (vgl. S. 28).
Alex hat bereits einen festen Freund, Dean, den Martyn, von Eifersucht geprägt, folgendermaßen beschreibt:
He was eighteen, he worked in the Gadget Shop in town - computers, sound systems,
electronic stuff. He was an idiot. Ponytail, long fingernails, bad skin. His face was all the
same colour - lips, cheeks, eyes, nose - all rotten and white. (S. 21) Deans skrupelloser Opportunismus zeigt sich, als er zum Mitwisser von Alex’ und Martyns Vertuschungsaktion wird. Anstatt die Situation retten und die beiden vernünftig zu beraten, wird er zu Martyns Erpresser.
Alex mag Dean und verteidigt ihn. Selbst als dieser Alex und Martyn hintergeht und erpresst, äußert sie sich nicht negativ über ihn. Sie wendet sich zwar von ihm ab, Gefühle zeigt sie aber keine (vgl. S. 135).
Was in Alex vorgeht lässt sich schlecht sagen. Auf der einen Seite sprüht sie vor Charme und Idealismus, auf der anderen Seite scheint sich über alle Grenzen hinwegzusetzen, um ihr Ziel zu erreichen - egal ob es sich um Moral oder Gesetz
Arbeit zitieren:
Andreas Weidmann, 2006, Ein Unterrichtsentwurf für eine 10. Klasse Realschule im Fach Englisch zu "Martyn Pig" von Kevin Brooks, München, GRIN Verlag GmbH
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