Gliederung:
1. Einführung 3
2. Die Ausgangslage - Deutschland nach dem 2. Weltkrieg 3
3. Die Konzeption einer neuen Wirtschaftsordnung 5
3.1. Geistige Voraussetzungen 6
3.2. Wirtschaftliche Voraussetzungen 7
3.3. Politische Voraussetzungen 8
3.3.1. Die soziale Marktwirtschaft und das
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 10
4. Soziale Marktwirtschaft - Synthese zwischen wirtschaftlicher Freiheit und sozialer
Gerechtigkeit 1 11
4.1. Wirtschaftliche Freiheit 11
4.2. Soziale Gerechtigkeit 11
5. Sozialpolitik in der Sozialen Marktwirtschaft 13
5.1. Historischer Exkurs - Die Bismarcksche Sozialgesetzgebung 13
5.2. Soziale Reformen während der Anfänge der Sozialen Marktwirtschaft 14
5.2.1. Das Beispiel der Rentenversicherung 15
6. Die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft 16
7. Literaturverzeichnis 17
1 Pilz, Frank: Die Soziale Marktwirtschaft. Konzeption - Wirklichkeit - Perspektiven, Bayrische Landeszentrale
f ür politische Bildungsarbeit, München 1973, 39
2
1. Einführung
Warum wird der deutsche Typus von Marktwirtschaft, eigentlich Soziale Marktwirtschaft genannt? Und welche Einflüsse und historischen Umstände führten dazu, dass die Alliierten nach dem Ende des 2. Weltkriegs keine Planwirtschaft in ihren besetzten Gebieten installierten, sondern den Deutschen die Möglichkeit gaben einen demokratischen Staat mit einer neuen Wirtschaftsordnung zu gründen? Zwei Fragen die sich einem stellen können, wenn man sich eingehender mit diesem Themenkomplex beschäftigt. Und die entscheidend sind, will man den Komplex „Soziale Marktwirtschaft“ besser verstehen. Um sie zu beantworten, was diese Arbeit im Folgenden versuchen wird, sollen nicht nur die deutsche Ausgangslage nach Kriegsende und die geistigen, wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen zur Einführung der Sozialen Marktwirtschaft untersucht werden. Auch die Soziale Marktwirtschaft an sich und die Bedeutung des Attributs „Sozial“ sollen genauer analysiert und anhand von Beispielen betrachtet werden.
2. Die Ausgangslage - Deutschland nach dem 2. Weltkrieg Das Ende des 2. Weltkriegs markierte den absoluten Zusammenbruch Deutschlands, sowohl militärisch, als auch politisch, wirtschaftlich und kulturell. Mit Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 war der weitere Verlauf der deutschen Geschichte völlig offen und lag in den Händen der vier alliierten Mächte.
Diese hatten Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt und jegliche politische Macht dem Alliierten Kontrollrat übertragen. Damit war de facto eine politische Teilung Deutschlands beschlossen, die von der Potsdamer Konferenz bestätigt wurde. Wirtschaftlich sollte Deutschland allerdings weiterhin als eine Einheit betrachtet werden. Da aber der Alliierte Kontrollrat nur einstimmige Entscheidungen verabschieden konnte und sich schon in dieser frühen Phase deutliche Interessenunterschiede zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion abzeichneten, bestand die wirtschaftliche Einheit nur auf dem Papier.
3
Aus diesem Grund und wegen der starken Zerstörung Deutschlands und dessen Folgen, welche sich am Besten durch ein paar Zahlen verdeutlichen lassen:
3,5 Mio. deutsche Kriegstote waren zu beklagen; - 10Mio. Flüchtlinge und Vertriebene mussten von 1945-1947 - eingegliedertwerden;
40 % der Bevölkerung waren unmittelbar Kriegsopfer; - 60% der Bevölkerung waren stark unterernährt; - 50% der Vorkriegskapazität der deutschen Wirtschaft war - zerstört; 2
40 % der Verkehrsanlagen waren durch Kriegszerstörung - verlorengegangen;
25 % der Fläche des Reichsgebiets von 1937 mussten - abgetretenwerden und das gesamte deutsche Auslandsvermögen wurde - beschlagnahmt, 3
beschlossen die Alliierten, die staatlich gelenkte Wirtschaftsordnung der Nationalsozialisten zunächst beizubehalten. Dies bedeutete eine Rationierung aller lebenswichtiger Nahrungsmittel und Verbrauchsgüter, die nur mit Lebensmittelkarten und Bezugsscheinen zu bekommen waren. Bezugsscheine brauchten die Betriebe außerdem um Roh- und Betriebsstoffe, aber auch Ersatzteile zu erhalten. Überdies gab es einen Lohn- und Preisstop, sowie die Kontrolle über die Außenwirtschaft, bezüglich der Ein- und Ausfuhr von Gütern, der Preise und Devisen. Und die Alliierten hatten Produktionsvorschriften und eine
Ablieferungspflicht für Produzenten aufrechterhalten. 4 Durch die strikte Rationalisierung, war die Bevölkerung gezwungen andere Mittel und Wege zu finden, sich mit den für ihre Existenz notwendigen Gütern zu versorgen. Manche kehrten zur Selbstversorgung zurück und begannen ihre Lebensmittel wieder selbst anzubauen, andere
2 Randak, Harald: Unsere Soziale Marktwirtschaft. Eine Einführung, Bayrische Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit, München 1995, S. 9
3 Lampert, Heinz/Bossert, Albrecht: Die Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland im
Rahmen der Europäischen Union, 14. völlig überarbeitete Auflage, München 2001, S. 80
4 Randak, Harald: Unsere Soziale Marktwirtschaft. Eine Einführung, Bayrische Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit, München 1995, S. 9
4
betrieben primitive Tausch- und Naturalwirtschaft oder besorgten ihre benötigten Waren auf dem blühenden Schwarzmarkt. Mit Geld konnte man zu diesem Zeitpunkt am wenigsten anfangen. Eine funktionsfähige Geldordnung gab es nicht mehr. Die sogenannte „Zigarettenwährung“ hatte die, obwohl im Überfluss vorhanden, wertlose Reichsmark abgelöst.
Unter diesen Umständen und mit diesen Voraussetzungen, war es undenkbar, dass Deutschland in absehbarer Zeit eine funktionierende Wirtschaftsordnung würde hervorbringen können.
3. Die Konzeption einer neuen Wirtschaftsordnung
Dieser Umstand kam den Alliierten und ihrer kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs betriebenen Politik zunächst entgegen. Diese Politik war von Rache- und Vergeltungsgedanken geprägt und verfolgte die Absicht, Deutschland militärisch, politisch aber auch wirtschaftlich am Boden zu halten. Dies sollte durch Reparationen und Demontage erreicht werden. Festgehalten wurden diese Ziele im sogenannten Morgenthau-Plan, der u. a. vorsah:
„die Demontage und Zerstörung aller Schlüsselindustrien, auf denen eine neue Rüstungsindustrie hätte aufgebaut werden können; die Bildung eines süddeutschen und eines norddeutschen Staates; die Zerstörung des Industriezentrums an der Ruhr; die Demontage und Verteilung von Industrieanlagen und industriellen Ausrüstungen an die Siegermächte; die Zwangsarbeit Deutscher im Ausland; die Rückführung Deutschlands auf das Niveau einer vorwiegend von der Landwirtschaft lebenden Volkswirtschaft.“ 5
Das es schlussendlich nicht dazu gekommen ist, haben wir unter anderem dem amerikanischen Expräsidenten Herbert Hoover zu verdanken, der als Kopf einer Sachverständigengruppe 1947 Deutschland bereiste und dessen drei Berichte die westlichen Alliierten unter Führung der Amerikaner dazu bewog ihre restriktive Politik zu ändern. Aus den sogenannten Hoover-Berichten ging hervor, dass mit der von den Alliierten betriebenen Politik das in Deutschland herrschende Elend
5 Lampert, Heinz/Bossert, Albrecht: Die Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland im
Rahmen der Europäischen Union, 14. völlig überarbeitete Auflage, München 2001, S. 80
5
Arbeit zitieren:
Jasmin Gally, 2004, Der Aufschwung der Sozialen Marktwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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