Gliederung:
1. Definitionen
Politisches Informiertheit
-
Politisches Wissen
-
Politische Involvierung
-
Politische Interesse
-
2. Politisches Interesse
2.1 Faktoren für Politisches Interesse
2.1.1. Bildung
2.1.2. Geschlecht
2.1.3. Alter
2.1.4. Weitere Faktoren
2.2 Erklärungen für die Zunahme von Politischem Interesse
2.2.1. Postmaterialismus
2.2.2 Politicization
3. Politische Apathie und Postmodernismus
3.1. Das Politische Interesse in den europäischen Ländern
4. Vergleiche zwischen Ost- und Westdeutschland
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
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1. Definitionen: Politische Informiertheit - Politisches Wissen -Politische Involvierung - Politisches Interesse Bevor man sich dem komplexen Themenbereich des Politischen Interesses und der Politischen Involvierung nähern kann, ist es wichtig diese Begriffe erst einmal zu definieren. Allerdings muss man dabei feststellen, dass dies einige Schwierigkeiten bereiten kann, da die einzelnen Begriffe teilweise nicht eindeutig voneinander zu trennen sind. Auch werden im Zusammenhang mit Politischem Interesse und Politischer Involvierung weitere zahlreiche Begriffe aufgeführt, die Teil dieses komplexen Themenspektrums sind.
Zum Beispiel ‚political awareness’ unter dem man das Ausmaß an bewusster Beschäftigung mit der Politik, also das politische Bewusstsein eines Individuums versteht. Oder ‚political saliency’, die individuelle Einschätzungen der Bürger, über die Bedeutung von Politik im Kontext mit anderen Lebensbereichen, wie Familie und Kinder, Arbeit und Beruf, Freizeit und Erholung, etc.
‚Political sophistication’, nämlich die Fähigkeit zur strukturierten Aufnahme und Verarbeitung von politischen Informationen, ist eine Grundvoraussetzung für den folgenden Begriff der Politischen Informiertheit.
Hier ist es zum Beispiel nicht möglich, den Begriff eindeutig zu definieren. Um Politische Informiertheit genau eingrenzen zu können, müsste man zuerst festlegen welcher Grad von Politischer Informiertheit bei einem Individuum vorhanden sein sollte. Kenntnisse über politische Institutionen, Gesetze und Verfahren können ebenso gefordert sein, wie das Wissen über aktuelle politische Geschehnisse und Zusammenhänge, national wie international, oder politische Parteien, ihre Programme und Kandidaten. Wenn man die Politische Informiertheit als Skala betrachten würde, ergäben sich mit steigenden Skalenwerten, immer höhere Anforderungen an das politische Wissen des einzelnen Bürgers. Das gewonnene politische Wissen des Bürgers ist auch der aussagekräftigste Indikator für die Politische Informiertheit. Dieses lässt
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sich in objektives politisches Wissen und subjektives politisches Wissen unterteilen.
Das objektive politische Wissen bezeichnet das Faktenwissen das jeder einzelne Bürger über das gesamte Themenfeld der Politik besitzt oder besitzen sollte. Will man sich methodisch der Frage nach dem objektiven politischen Wissen nähern, muss zuerst geklärt werden, was politisches Wissen überhaupt umfassen soll. Die allgemein anerkannte Definition zu dieser Fragestellung lautet: „Political knowledge [is] the range of factual information about politics that is stored in long-term memory.” (Maier, 2000,143)
Um objektives politisches Wissen der Bürger der Bundesrepublik Deutschland zu erfassen, werden meist Strukturen des politischen Systems in Deutschland abgefragt. Durch Fragen nach der Bedeutung der Erst- und Zweitstimme bei Wahlen oder der Frage nach der Anzahl der gesamtdeutschen Bundesländer.
Das subjektive politische Wissen ist das Wissen, dass der einzelne Bürger glaubt über die Politik zu besitzen. Auch zur Erfassung dieses Wissens existiert ein spezielles Item. Es wird nach den wahrgenommenen Positionen einzelner Parteien in unterschiedlichen Sachgebieten gefragt. (Maier, 2000,144)
Und das subjektive politische Wissen lag in der Bundesrepublik Ende der 90er Jahre deutlich höher als das objektive politische Wissen. Trotzdem wird Politische Informiertheit als unverzichtbare und wichtigste Eigenschaft eines „zuverlässigen Demokraten“ eingestuft. Ohne sie wäre ein „zurechtfinden in der politischen Wirklichkeit“ nicht möglich. (Neller, 2002, 363-367)
Als wichtigste Faktoren für Politische Informiertheit werden neben Politischem Interesse, auf das ich später in diesem Kapitel noch ausführlicher zu sprechen kommen will, Bildung, aber auch Alter und Geschlecht genannt. Dazu zählen dann noch individuelle Faktoren wie das Einkommen oder der soziale Status.
Was ein in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewinnender Faktor für Politische Informiertheit geworden ist, ist die Möglichkeit der umfangreichen Mediennutzung. Ob Printmedien, Fernsehen oder die ‚neuen’ Medien, dem Bürger stellt sich eine ungeahnte Fülle an
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verschiedensten Informationsmöglichkeiten. Dies hat allerdings zur Folge, dass Nachrichten und aktuelle Meldungen die über die Medien verbreitet werden, meist schon einen Prozess durchlaufen haben, indem sie gefiltert und bewertet worden sind, bevor sie beim eigentlichen ‚Konsumenten’ der Informationen ankommen. Dies kann die Urteilsfähigkeit des Mediennutzers stark beeinflussen, was den Medien eine gewisse Verantwortung zukommen lässt.
Mediennutzung und Politische Informiertheit stehen also in einem nicht unerheblichen Zusammenhang. Wobei man die Qualität der Medien genauso unterscheiden muss, wie die Intensität mit der sich der Bürger mit den verschiedensten Medien kritisch auseinandersetzt. Das weiter oben als wichtiger Faktor angeführte Bildungsniveau spielt hierbei zum Beispiel eine große Rolle. Je umfangreicher die Bildung und das Politische Interesse, desto höher der Grad der Politischen Informiertheit und die Bereitschaft sich mit dem komplexen politischen Themenbereich auseinander zusetzen. Sie begünstigt dadurch politische
Beteiligungsbereitschaft. (Neller, 2002, 368)
Die Politische Informiertheit ist bedeutender Bestandteil weiterer Konzepte und wird häufig im Kontext mit anderen Begriffen genannt. Einer dieser Begriffe lautet kognitive Orientierung oder Politische Involvierung. Er beschreibt die „Aufmerksamkeit“ die ein Individuum den politischen Geschehnissen entgegenbringt oder bringen sollte. Mit dem Maß dieser „Aufmerksamkeit“ beschäftigt sich die Demokratietheorie. Sie lässt sich in drei Kategorien aufteilen. Die elitistische Demokratietheorie, die partizipative Demokratietheorie und die realistische Demokratietheorie. Während die elitistische Demokratietheorie von einem sogenannten ‚political fool’ ausgeht, einem Individuum das Politik für unwichtig hält, das kein Politisches Interesse hat, sich deshalb nicht mit ihr beschäftigt oder Informationen über politische Themen beschafft, weil es außerdem nicht die Möglichkeiten hat sie zu verarbeiten, geht die zweite Kategorie von dem genauen Gegenteil aus. Hier spricht man von einem ‚super citizen’. Er hat alle die Möglichkeiten und Interessen die der ‚political fool’ nicht hat und nutzt diese auch.
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Arbeit zitieren:
Jasmin Gally, 2004, Politisches Interesse und Politische Involvierung, München, GRIN Verlag GmbH
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