Inhaltsverzeichnis
1. Personen- und Untersuchungsdaten
2. Anlass der Begutachtung
3. Fragstellung
4. Eingesetzte Methoden
5. Lebensweltliche Bedingungen
5.1. Häusliche Rahmenbedingungen
5.2 Schulische Rahmenbedingungen
6. Individuelle Bedingungen
6.1 Sozialer- und emotionaler Entwicklungsstand, Bedürfnisse und Motive
6.2 Interessen, Spiel und Sozialverhalten
7. Darstellung der Ergebnisse
7.1 Art und Schwere der Verhaltensauffälligkeiten
7.2 Ort, Häufigkeit und Dauer der Verhaltensauffälligkeiten
7.3 Situationen in denen das Verhalten auftritt
7.4 Konsequenzen auf das Verhalten und die Reaktionen darauf
7.5 Normenfeststellung
8. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
8.1 Mögliche Ursachen für die Verhaltensauffälligkeiten
8.2 Motivation für das störende Verhalten (in der Schule)
8.3 Auslöser für das störende Verhalten
8.4 Situationen in denen das störende Verhalten nicht, oder nur selten auftritt
8.5 Zusammenfassung
9. Schlussfolgerung für dir Förderung
9.1 Förderziele und -inhalte (im schulischen Kontext)
9.2 Methoden der Förderung (in der Schule)
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Gutachten über den sonderpädagogischen Fördebedarf
1. Personen- und Untersuchungsdaten
Name: Tim (Name geändert)
Geburtsdatum: 20.05.1997
Alter: 6
Schule: Grundschule
Klassenlehrerin: Frau W.
Untersuchungszeitraum: 02.01.2004 - 23.01.2005
Untersucher: Katharina Strunck
2. Anlass der Begutachtung
Tim ist 6 Jahre alt und lernt seit August 2004 in der Klasse 1a. Tim ist nach Aussagen der Lehrerin ein intelligenter Junge. Er hat eine schnelle Auffassungsgabe und zeigt in keinem Fach Schwierigkeiten im Lern- und Leistungsverhalten. Schon in den ersten Tagen zeigte Tim aber ein sehr auffälliges Verhalten. Es stört den Unterricht, indem er mit Sachen wirft, durch den Raum läuft, nicht auf die Anweisungen der Lehrerin hört oder einfach reinruft. Er verweigert die Mitarbeit, zerstört Schuleigentum, schlägt andere Schüler und einmal auch eine Lehrerin. Anlässlich des störenden Verhaltens wurden Elterngespräche, Gespräche im Klassenverband und Einzelgespräche mit der Lehrerin und der Direktorin geführt. Anfangs wurde das Verhalten von der Lehrerin, soweit es ging auch ignoriert. Tim wurde darüber hinaus schon zweimal beim Montagstreffen vor der ganzen Schule wegen seinem negativen Verhalten getadelt. Diese Maßnahmen zeigten jedoch nur sehr kurzzeitigen oder gar keinen Erfolg. Die Klassenlehrerin und die Referendarin wissen nicht mehr, was sie mit Tim noch machen können. Um ungestört unterrichten zu können hilft häufig nur noch den Schüler aus der Klasse zu entfernen, und ihn für den Rest der Stunde zur Direktorin zu bringen. Damit leidet die gesamte Klasse unter dieser Situation.
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3. Fragstellung
Es soll untersucht werden in welchen Situationen Tim das auffallende Verhalten zeigt und welche Auslöser es dafür geben könnte. Tims Verhalten soll dabei in natürlichen Unterrichtssituationen und in der Pause dokumentiert werden. Gespräche mit Lehrern und dem Schüler sollen weiterhin mögliche Ursachen für sein Verhalten zeigen. Ziel der Diagnostik ist es Tims auffälliges Verhalten zu präzisieren, zu differenzieren, abzugrenzen und zu verstehen, um nach Möglichkeiten für einen angemessenen Umgang in der Schule zu suchen.
4. Eingesetzte Methoden
Da es sich um eine inoffizielle Begutachtung, durch eine nichtautorisierte Person handelt, standen nur einige Methoden zur Verfügung. Akteneinsicht, Elterngespräche und diagnostische Testverfahren, waren aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich. Befragung der Lehrer
Im Gespräch mit der Lehrerin wurden die häuslichen Verhältnisse, Informationen über den Kindergartenbesuch, die soziale Stellung in der Klasse, die bisherige schulische Entwicklung und der Leistungsstand des Schülers erfragt. Weiterhin wurde die Lehrerin gebeten das Verhalten von Tim ihr gegenüber und gegenüber den anderen Schülern, Situationen in denen er dieses Verhalten zeigt, die Konsequenzen und die Reaktion des Schülers darauf zu schildern. Die Lehrerin sollte weiterhin beschreiben, in welchen Situationen, dass Verhalten nicht auftritt, obwohl es zu vermuten gewesen wäre. Der Referendarin oder der Sportlehrerin wurden ähnliche Fragen gestellt. Befragung des Schülers
Im Schülergespräch wurde untersucht, inwieweit der Schüler sein Verhalten selber wahrnimmt. Welche Gründe er für sein Verhalten sieht, welche Intention er möglicherweise hat und wie er die Konsequenzen auffasst. Weiterhin wurden die häuslichen Verhältnisse, Interessen, Lieblingsfächer, Freundschaftsbeziehungen und das allgemeine Wohlbefinden in der Schule erfragt.
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Beobachtung des Unterrichts und der Pausen
Über einen Zeitraum von drei Wochen wurden Beobachtungen in den Fächern Deutsch, Mathe, Heimat- und Sachkunde, Ethik und Sport durchgeführt und dokumentiert. Die Beobachtungen erstreckten sich weiterhin auf die kleinen und großen Pausen, da es hier oft zu Zwischenfällen mit Schülern aus anderen Klassen kommt. Die Beobachtungen im Unterricht und in der Pause sollen Aufschluss über mögliche Auslöser für das störende und aggressive Verhalten geben. Sie sollen zeigen was der Schüler genau tut, welche Konsequenzen dies hat und welche Reaktionen darauf folgen. Dies wurde zwar schon von den Lehrern erfragt, durch die Augen eines unabhängigen Beobachters kann sich die Situation aber auch völlig anderes darstellen. Weiterhin sind die Lehrkräfte nicht in der Lage nur diesen Schüler zu beobachten.
Die durchgeführten Gespräche und natürlichen Beobachtungen sollen das Verhalten des Schülers Tim in verschiedenen Situationen, die Konsequenzen, die Reaktionen auf diese, mögliche Auslöser und Ursachen für dieses Verhalten darstellen, um nach Möglichkeiten für den Umgang mit diesem Verhalten zu suchen.
5. Lebensweltliche Bedingungen
5.1. Häusliche Rahmenbedingungen
Tim ist das einzige gemeinsame Kind der Eltern. Der Klassenlehrerin ist über Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, sowie über außergewöhnliche Krankheiten nichts bekannt. Die Mutter von Tim war bei der Geburt noch sehr jung, sie war gerade erst 18 geworden. Tims Eltern leben, seit er ein Jahr alt ist, getrennt. Die Eltern haben das gemeinsame Sorgerecht. Unter der Woche lebt Tim bei seinem Vater und am Wochenende ist er bei seiner Mutter. Diese Vereinbarung wird aber oft nicht eingehalten. Der Vater hat oft keine Zeit, so das Tim häufig über mehrere Tage bei seiner Großmutter väterlicherseits untergebracht ist oder auch unter der Woche bei der Mutter wohnt. Die Mutter des Jungen ist neu verheiratet. Sie hat mit diesem Mann ein weiteres Kind, einen zweijährigen Jungen. Der Vater hat häufig wechselnde Lebensgefährtinnen. Aus diesem Grund verändert sich die Wohn- und Lebenssituation von Tim ständig. Der Vater zieht mit Tim nämlich häufig bei seinen Partnerinnen ein. Momentan hat Tim sein eigenes Zimmer, mit einem eigenen Fernseher und einem eigenen Computer. Die Eltern von Tim verstehen sich nicht sehr gut. Es gestaltete sich äußerst schwierig, beide Elternteile und die Großmutter zum gemeinsamen Gespräch in die Schule einzuladen. Um schulische Belange
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Arbeit zitieren:
Katharina Strunck, 2004, Sonderpädagogisches Gutachten für ein Kind mit Beeinträchtigung im Verhalten, München, GRIN Verlag GmbH
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