RWTH Aachen
WS 2001 / 2002
Proseminar Neuzeit „Vom Dampfradio zum Transistor“
„Deutschland muss leben, deshalb muss Hitler fallen“
Der Radiosender des Nationalkomitees „Freies Deutschland“.
Ein Überblick.
vorgelegt als Hausarbeit im April 2002
von
Dominik Clemens
Inhalt:
1 Einleitung 3
2 Literatur- und Quellenlage 4
3 Redaktion, Technik, Sendezeiten 5
4 Programmstruktur 7
4.1 Nachrichten, Ansprachen und Kommentare 7
4.2 Der „Heimatdienst“ 8
4.3 Christen im Sender des NKFD 9
4.4 Kultursendungen 10
4.5 Operative Anweisungen 11
5 Resonanz und Reaktionen 12
6 Zusammenfassung und Ausblick 14
7 Literaturverzeichnis 15
1 Einleitung
Nach der Errichtung der faschistischen Diktatur im Januar 1933 mussten notgedrungen unzählige Antifaschisten aus Deutschland fliehen oder in den Untergrund gehen. Viele Kommunisten führte der Weg in die Sowjetunion, die dort Asyl fanden. Sie setzten dort ihren Widerstand gegen Hitlerdeutschland in den verschiedensten Formen fort. Nach der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad gründeten deutsche Kommunisten im sowjetischen Exil auf Initiative der KPD gemeinsam mit kriegsgefangenen Wehrmachtssoldaten am 12. und 13. Juli 1943 in Krasnogorsk in der Nähe von Moskau das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ 1. Der Gründung des NKFD war am 27. Mai 1943 der Vorschlag des Politbüros des Zentralkomitees der KPD zur „Bildung eines deutschen Komitees zum Kampf gegen Hitlerkrieg und Nazityrannei“2 vorangegangen. Die Gründungsversammlung des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ beschloss ein programmatisches Dokument unter dem Titel „Manifest des Nationalkomitees ‚Freies Deutschland’ an die Wehrmacht und das deutsche Volk“. In ihm wurden die Ziele des NKFD benannt. Der Krieg sollte sofort beendet werden, der Hitlerfaschismus gestürzt und eine demokratische Regierung in Deutschland errichtet werden.3 Diese Ziele wurden mit einem enormen Materialaufwand propagiert. Angesprochen werden sollten in erste Linie die Soldaten der Wehrmacht. Diese sollten zur Einstellung der Kampfhandlungen und einem organisierten Rückzug an die Reichsgrenze und schließlich zum Sturz Hitlers bewegt werden. Zur Propagierung dieser Ziele nutzte das NKFD die verschiedensten Formen der Propaganda. Massenhaft wurden Flugblätter über den deutschen Linien abgeworfen, aus den Schützengräben der Roten Armee wandten sich die Frontbevollmächtigten über Lautsprecher direkt an die Soldaten der Wehrmacht. Mit der Wochenzeitung „Freies Deutschland“ schuf sich das NKFD ein eigenes Organ. Am 20. Juli 1943 ging der gleichnamige Radiosender auf Sendung. Bislang wurde die Geschichte des Senders des NKFD kaum erforscht. Wenn überhaupt, ist er in Publikationen über das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ nur am Rande erwähnt. In dieser Arbeit soll ein knapper Überblick über den Sender gegeben werden. Wie arbeitete und setzte sich die Redaktion zusammen? Wie waren die technischen Voraussetzungen für den Sendebetrieb?
Wie war das Programm gestaltet? Und nicht zuletzt: Erreichte der Sender seine Adressaten, fiel die Rundfunkpropaganda des NKFD auf fruchtbaren Boden? Nach einem kurzen Überblick über die Literatur- und Quellenlage soll die Zusammensetzung der Redaktion, Umfang der Sendezeiten sowie die benutzte Technik des Senders grob umrissen werden. Im Hauptteil soll die Programmgestaltung beleuchtet werden; aufgrund des Umfangs dieser Arbeit kann dies jedoch nur skizzenhaft erfolgen. Schließlich soll geprüft werden, ob und wieweit Reaktionen auf die Sendungen des NKFD erfolgten.
2 Literatur- und Quellenlage
Der Rundfunksender des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ fand bislang nur wenig wissenschaftliches Interesse. Zwar sind vor allem in der DDR eine ganze Reihe Publikationen zur Geschichte des Nationalkomitees erschienen. Jedoch behandeln diese – wenn überhaupt – den Radiosender nur am Rande. Selbst in der unter der Leitung von Walter Ulbricht, der dem NKFD angehörte, erstellten achtbändigen „Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung“ wird der Radiosender nur in wenigen Zeilen erwähnt4, während der Tätigkeit des Nationalkomitees ein umfangreiches Kapital gewidmet ist. Eine Ursache für diese Tatsache mag darin liegen, dass Quellen zum NKFD nur schwer zugänglich sind. Lediglich eine kleine Anzahl von Mitschriften der Sendungen des Senders „Freies Deutschland“ wurde publiziert, meistens in Bänden, an deren Herausgabe ehemalige Protagonisten des Rundfunksenders mitgewirkt hatten. Andere Quellen zum Sender liegen praktisch gar nicht gedruckt vor. Weitere Quellen sind nur schwer zugänglich. Ein großer Fundus befindet sich verstreut in den verschiedenen Abteilungen des Bundesarchivs, in den ehemaligen Archiven der DDR, sowie in russischen Archiven.5 Zur Ergänzung der gedruckten Quellen wären für die Arbeit vor allem die von dem Seehaus-Abhördienst angefertigten Mitschriften der Radiosendungen des NKFD interessant gewesen. Ebenso die sich in den Archiven befindlichen Nachlässe ehemaliger Angehöriger der Redaktion des Senders „Freies Deutschland“. Ein weiterer Mangel ist, dass Veröffentlichungen in der vom Staatlichen Rundfunkkomitee der DDR herausgegebenen Zeitschrift „Beiträge zur Geschichte des Rundfunks“, die sich mit dem Sender „Freies Deutschland“ befassen, nicht berücksichtigt werden konnten.
[....]
1 Im Folgenden als NKFD abgekürzt.
2 Vgl. Aus dem Vorschlag des Politbüros des ZK der KPD zur Bildung eines deutschen Komitees zum Kampf gegen Hitlerkrieg und Nazityrannei vom 27. Mai 1943, abgedruckt in: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung (Bd.5), hrsg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin (Ost) 1966, S. 574f.
3 Vgl. Manifest des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ an die Wehrmacht und das deutsche Volk, abgedruckt in: Verrat hinter Stacheldraht? Das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ und der Bund deutscher Offiziere in der Sowjetunion 1943 – 1945, hrsg. von Bodo Scheurig, München 1965, S. 77ff.
4 Vgl. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.), Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung (Bd.5), Berlin (Ost) 1966, S. 359f.
5 Siehe dazu: Deutsches Rundfunkarchiv (Hrsg.), Inventar der Quellen zum deutschsprachigen Rundfunk in der Sowjetunion: Bestände in deutschen und ausländischen Archiven, Potsdam 1997.
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Dominik Clemens, 2002, 'Deutschland muss leben, deshalb muss Hitler fallen' - Der Radiosender des Nationalkomitees 'Freies Deutschland', ein Überblick, Munich, GRIN Publishing GmbH
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