Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung. 1
2 Kognitive Informationsverarbeitung. 2
2.1 Das „Drei-Speicher-Modell“ von Atkinson Shiffrin (1968) 3
2.2 Konsistenztheoretische Modelle 4
3 Schema-Theorie 6
3.1 Soziale Schemata nach Fiske Taylor 8
3.1.1 Personen-Schemata 8
3.1.2 Selbst-Schema 9
3.1.3 Rollen-Schemata 9
3.1.4 Ereignis-Schemata 10
3.2 Erwerb und Modifikation von Schemata. 10
3.3 Einfluss von Schemata auf die Informationsverarbeitung 11
4 Musikalische Schemata. 13
4.1 Typen musikalischer Schemata. 14
4.1.1 Stil- und Formschemata 14
4.1.2 Strukturschemata 15
5 Determinanten der Musikpräferenz 16
5.1 Theoretischer Hintergrund 16
5.2 Einflussfaktoren. 17
6 Fazit. 19
7 Literaturverzeichnis 20
I
1 EINLEITUNG
„Über Geschmäcker lässt sich streiten.“ Dies gilt gleichwohl für jegliche Formen der Wahrnehmung über unsere klassischen fünf Sinne: So kann man sich über Skulpturen und Bilder (Sehen), kulinarische Vorlieben (Schmecken), den Duft eines Parfums (Riechen), die Beschaffenheit eines Wollpullovers (Tasten), aber natürlich auch über ein Musikstück im Radio (Hören) streiten. In allen diesen Feldern gibt es also keinen klaren, gesellschaftlichen Konsens darüber, wie etwas geartet sein muss, damit es „der Masse“ gefällt. Und um es auf den Bereich der Musik zu beziehen: warum scheint es dennoch Konsens darüber zu geben, was gefällt und was nicht? Nimmt man aktuelle Plattenverkaufszahlen als Indikator für Musikgeschmack, dann müssten die Musikproduktionen mit den meisten Abverkäufen von hoher gesellschaftlicher Akzeptanz sein - oder ist das schon Geschmack?
Auf dem Gebiet der kognitiven Psychologie zeichnen sich Theorien ab, die unterschiedlich Geschmackspräferenzen zu erklären versuchen. Eine, die Schema-Theorie, soll in dieser Hausarbeit als Arbeitsgrundlage dafür dienen, musikalische Präferenzen zu erklären. Wieso gefallen uns Musikstücke, Komponisten oder Interpreten besonders gut, andere wiederum gar nicht? Wie lassen sich die unterschiedlichen Musikgeschmäcker verschiedener Kulturkreise erklären? Warum erscheint uns ein fernöstliches Folklore-Stück schief und intonal?
Licht in das Dunkel dieser Fragen zu bringen ist vornehmliches Ziel dieser Hausarbeit. Dabei wird in Kapitel zwei auf kognitive Informationsverarbeitung eingegangen, die den Ausgangspunkt für die folgenden theoretischen Ansätze liefert. Einen Schwerpunkt findet sich in Kapitel drei, der sich mit der Schema-Theorie im kommunikationswissenschaftlichen Verständnis nähert. Diese Gewichtung rechtfertigt sich mitunter auch in dem Versuch an das im Sommersemester 2006 stattgefundene Seminar „Framing & Priming“ anzuknöpfen, in dem die Schema-Theorie eher Stiefmütterlich behandelt wurde. Den Brückenschla g bildet Kapitel vier, indem, anknüpfend auf vorangegangenes Kapitel, aufgezeigt wird, was musikalische Schemata sind und in welcher Form diese auftreten. Den Abschluss bildet Kapitel fünf, das mit der Beschreibung von Determinanten von Musikpräferenzen versucht, oben genannter Fragestellung näher zu kommen.
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2 KOGNITIVE INFORMATIONSVERARBEITUNG
Tagtäglich müssen sich Menschen in einer stetig wachsenden Informationsflut zu Recht finden. Darunter fallen nicht nur die massenmedial vermittelten Information wie Nachrichten, Werbung oder Unterhaltung, sondern auch zwischenmenschliche, soziale Kontakte und andere Kommunikationssituationen. Um mit dieser Masse an Informationen umgehen zu können, sind Menschen gezwungen, Informationen zu selektieren, zu strukturieren und diese letztlich zu interpretieren.
Zur Veranschaulichung dieses Vorgangs hat die psychologische Forschung in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Modellen hervorgebracht, die davon ausgehen, dass Individuen zur Verarbeitung von Informationen kognitive Strukturen besitzen, welche die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen erlauben (u.a. Anderson, 1996; Wessels, 1994; Fiske & Taylor, 1991). Zusammenfassend beschreibt Schenk (2002) diese Strukturen als „konzeptionell aufeinander bezogene und relationell verbundene Repräsentationen von Objekten, Personen, Situationen, Ereignissen und Handlungen“ (S. 270). Zum einen werden bestimmte Eigenschaften, die ein Objekt oder Ereignis definiert, zum anderen aber auch Relationen, die unter den Ereignissen, Objekten usw. bestehen, im kognitiven System gespeichert. Ein Mensch des europäischen Kulturkreises wird demnach bspw. die Situation vieler in schwarz gekleideter Menschen auf einem Friedhof als das Ereignis „Beerdigung“ in seinen kognitiven Strukturen hinterlegt haben. In diesen Strukturen finden sich die „konzeptionell aufeinander bezogene“ Information von schwarz gekleideten Menschen mit dem Objekt „Friedhof“, aber auch die Relation der Ansammlung von Menschen zu Blumen oder einem Pastor untereinander, wieder.
Dieser im Alltag ununterbrochen stattfindende Vorgang von Informationsverarbeitung beim Rezipienten legt den Schluss nahe, dass kognitive Strukturen aus Erfahrungen und Erlebnissen im Umgang mit Objekten, Personen etc. entstehen. Hierbei kommt ihnen die wesentliche Funktion der Vereinfachung zu. Erst durch die Verdichtung von Informationen wird es dem Rezipienten möglich seine komplexe Umgebung mit einer Hülle von Informationseinflüssen in wenige, relevante und handhabbare Kategorien zu reduzieren. Vorgänge, Ereignisse etc. die bereits in kognitiven Strukturen manifest sind, werden somit erkannt und in bestehendes Wissen eingeordnet. Aber auch im gegenteiligen Fall können kognitive Strukturen dazu beitragen Informationen zu verarbeiten, nämlich, wenn über ein Objekt, eine Situation oder dergleichen noch nicht ausreichend Informationen vorhanden sind. In diesem Fall übernehmen kognitive Strukturen eine Art „Füllfunktion“, indem sie dazu beitragen, dem Wahrnehmenden aus den gegebenen Informationen ein Gesamtbild zu generieren (vgl. Schenk, 2002, S. 269 ff.).
Grundsätzlich dienen kognitive Strukturen also der Organisation und Interpretation der Umwelt des Wahrnehmenden und bilden einen vorstrukturierten Rahmen in dem neue oder bereits bestehende Informationen eingeordnet werden (können). Sie sind somit verantwortlich für die Selektivität der Informationsverarbeitung. Auf Grund der bestehenden Informationen werden dabei niemals sämtliche, verfügbare Informationen zu einem Ereignis, Gegenstand etc. verarbeitet, sondern in erster Linie diese, über die bereits kognitive
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Strukturen vorhanden sind - was einhergeht mit der Ignoranz der restlichen Informationen. Trifft jedoch ein Objekt, Ereignis etc. auf eine bestehende, passende, kognitive Struktur wird dieser wesentlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet, da die Informationen hierzu leichter verarbeitet werden können. Diese Selektivität der Informationsverarbeitung ist nach Schenk (2002) auch „ein Grund dafür, dass verschiedene Inhalte [...] bei unterschiedlichen [...] Rezipienten voneinander abweichende Medienwirkungen entfalten“ (S. 270) können.
Wie bereits eingangs erwähnt sollen im Folgenden zentrale Annahmen zur Verarbeitung von Informationen vorgestellt werden. Hierbei werden zwei Modelle exemplarisch herangezogen, die augenscheinlich von besonderer Bedeutung sind. Zum einen das „Drei-Speicher-Modell“ und diesem folgend, konsistenztheoretische Betrachtungen.
2.1 Das „Drei-Speicher-Modell“ von Atkinson & Shiffrin (1968)
Das heute „einflußreichste“ (Heimbach, 2001, S. 81) Modell der Informationsverarbeitung von Atkinson & Shiffrin (1968) soll in diesem Zusammenhang exemplarisch Erwähnung finden. Das „Drei-Speicher-Modell“ ging ursprünglich von einem sequentiellen Informationsfluss aus und konstatierte sowohl die Existenz separater Kurzzeit- und Langzeitspeicher, als auch die Annahme der Weitergabe von Informationen in den Langzeitspeicher durch mehrmaliges Wiederholen von Informationen.
Atkinson & Shiffrin betiteln die drei Speichersysteme als Ultrakurzzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis. Am Anfang der Informationsspeicherung steht das Ultrakurzzeitgedächtnis, auch sensorischer Speicher genannt, dessen Kapazität entgegen seiner Speicherdauer sehr groß ist. Letztere liegt bei deutlich unter einer Sekunde, was zur Mustererkennung jedoch völlig ausreichend ist. Das Kurzzeitgedächtnis hingegen nimmt nur einen Bruchteil der wahrgenommenen Informationen wahr. Dieser Selektionsprozess ist laut Kannin g (1999) jedoch notwendig, da er einer „Überlastung des Informationsverarbeitungssystems“ (S. 145) vorbeugt. Im Kurzzeitgedächtnis wird nun die vom sensorischen Speicher entnommene Information in modifizierter Form temporär (etwa 15 Sekunden) zwischengespeichert. Diese Informationen können verloren gehen, lediglich durch interne Wiederholung kann eine kleine Informationsmenge zeitlich unbegrenzt erinnert werden und in das Langzeitgedächtnis überführt werden, denn „je öfter wir ein Item wiederholen, umso besser werden wir uns wahrscheinlich an dieses Item über eine lange Zeitperiode hin erinnern“ (Wessels, 1994, S. 134). Das Langzeitgedächtnis nimmt -in Analogie zu einem Computer- die Funktion der Festplatte ein und kann Informationen über lange Zeitperioden, „vielleicht sogar für immer“ (ebd.) behalten.
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2.2 Konsistenztheoretische Modelle
Diverse Untersuchungen weisen jedoch auch darauf hin, dass Wissen und Einstellungen -also Informationen die sich im Langzeitspeicher befinden- die Inhalte und die Art der Informationsverarbeitung im Kurzzeitspeicher beeinflussen. Hier sei insbesondere auf konsistenztheoretische Modelle verwiesen, die im Folgenden kurz dargestellt werden.
Einen sehr populären Ansatz liefert Festinger mit der „Theorie der kognitiven Dissonanz“. Dieses Dissonanzmodell geht davon aus, dass kognitive Elemente konsonant, dissonant oder irrelevant sein können. Individuen suchen demnach aktiv nach Informationen, die Dissonanz reduzieren und vermeiden Informationen, die eine Dissonanz auslösen, da diese als psychisch unangenehm empfunden werden. Die Informationssuche findet deshalb vornehmlich in solchen Quellen statt, die mit ihren bisherigen Meinungen übereinstimmen (konsonante Informationen), um zu vermeiden, dass die Dissonanz vergrößert wird. Unter irrelevanten Elementen versteht Festinger zwei völlig voneinander losgelöste Information. Den Ausführungen Festingers folgend ist die Konsequenz dieses Modells, dass Medieninhalte entsprechend der eigenen Meinung interpretiert werden.
„[...] a person might be expected to actively seek new information that would reduce the
total dissonance and at the same time, to avoid new information that might increase the existing dissonance“ (Festinger, 1957, S. 43).
Das Ausmaß der Dissonanz hängt letztlich von zwei Dimensionen ab. Zum einen von der Bedeutung der Information für die jeweilige Person, zum anderen von dem Verhältnis der dissonanten Informationen zu den konsonanten.
Festingers Theorie ist vielfach kritisiert worden. Die Kritik zielt vor allen Dingen auf den ungenauen Gebrauch des Begriffes der Kognition ab (vgl. Schenk, 2002; detaillierter Brown, 1965). Hierunter wird zunächst „any knowleldge, opinion, or [...] behaviour“, später dann „the things a person know about himself, about his behaviour, and about his surroundings” verstanden, wobei Wissen auch Einstellungen und Meinungen beinhaltet, da sich eine Person dieser bewusst ist. Nach Festingers Definition sind dies alles kognitive Elemente.
Wie die folgenden Kapitel drei bis fünf zeigen, werden kognitive Strukturen aus verschiedenen Positionen heraus betrachtet. Die am Beispiel Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz exemplarisch erläuterte Konsistenztheorien unterliegen dabei - wie der Name schon preisgibt - der Annahme, dass Menschen stets versuchen Informationen in Einklang mit ihren Einstellung, Meinungen und Überzeugungen zu bringen.
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Arbeit zitieren:
Kerim A. Herbst, 2006, Der einkomponierte Hörer - Musikpräferenzen unter besonderer Berücksichtigung der Schema-Theorie, München, GRIN Verlag GmbH
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