Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Metaphysik 3
2.1. Was ist Metaphysik 3
2.2. Historische Betrachtung der Metaphysik 4
2.3. Kritik an der Metaphysik 6
3. Das absolute Prinzip in der europäischen Philosophie 6
3.1. Vom Animismus zum abstrakten absoluten Prinzip 6
3.2. Hellenismus und Christentum: Gott als absolutes Prinzip 8
3.3. Nachchristliche Metaphysik: Rationalismus und Idealismus......................................10
4. Das Gottesbild in der europäischen Philosophie 11
4.1. Scholastik: christlicher Gott hellenistisches Prinzip 11
4.2. Der Universalienstreit und die theologische Wende nach Ockham 12
4.3. Überwindung Gottes: die atheistische Philosophie 14
5. Schlusswort: Das Absolute heute- hat die Metaphysik eine Zukunft 15
6. Literaturverzeichnis 17
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1. Einleitung
„absolut, zu lat. absolutus >abgelöst< (gr. Apolytos), mit den Bedeutungen: in sich abgeschlossen, vollständig, vollkommen; von nichts anderem abhängig, für sich bestehend, keiner näheren Bestimmung bedürftig, unbedingt, uneingeschränkt. Das Absolute bez. Das, was als von keiner Bedingung abhängig gedacht wird...“ 1 .
Das Absolute ist das höchste Prinzip in der Philosophie und findet sich bei Platon als die Idee wieder, in der christlichen Philosophie als Gott und bei Schopenhauer als der Wille, das allem Sein zugrunde liegt.
Das Absolute ist ein Gegenstand der Metaphysik. Die Metaphysik basiert auf der Annahme, dass der menschliche Verstand die wahre Wirklichkeit erkennen und zum Urgrund des Seins intellektuell vordringen kann. Alle Philosophien vom Absoluten sind deshalb Metaphysiken, und so beginne ich diese Untersuchung über die Entwicklungsgeschichte des Gedankens vom absoluten Prinzip mit einer Darstellung der Metaphysik, ihrer Möglichkeiten und ihrer Grenzen.
2. Die Metaphysik
2.1. Was ist Metaphysik?
Aristoteles bestimmt die Metaphysik als eine theoretische Wissenschaft von der ersten Ursache des Seienden. So schreibt er: „Denn wer das Erkennen um seiner selbst willen wählt, der wird die höchste Wissenschaft am meisten wählen, dies ist aber die Wissenschaft des im höchsten Sinne Erkennbaren, im höchsten Sinne erkennbar aber sind das Erste (Prinzipien) und die Ursachen; denn durch diese und aus diesen wird das übrige erkannt, nicht aber aus dem Untergeordneten“ 2 . Die Wissenschaft, die die Prinzipien und die Ursachen von allem Seienden untersucht ist für Aristoteles die Höchste in der Hierarchie der Wissenschaften. Die Sammlung der Schriften des Aristoteles über die höchste Wissenschaft erhält die Bezeichnung „Metaphysik“ vom Redaktor Andronikos 3 . Später etabliert sich die Bezeichnung „Metaphysik“ für eine spekulative Philosophie von den ersten Ursachen des Seienden. In der Neuzeit untersucht die „allgemeine Metaphysik“ das Seiende als Seiendes, die „spezielle
1 Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Hamburg: Meiner, 1998, S.6
2 Aristoteles- Philosophische Schriften. Band 5. Hamburg: Meiner, 1995. S.5f.
3 vgl. Schupp, Franz: Geschichte der Philosophie im Überb lick. Band 1. Hamburg: Meiner, 2003. S. 303
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Metaphysik“ beschäftigt sich mit Gott, der Seele und den weltlichen Dingen. Die „allgemeine Metaphysik“, die höchste Wissenschaft des Aristoteles, erhält im 17.Jh. den Namen „Ontologie“ 4 .
2.2. Historische Betrachtung der Metaphysik
In der Antike wird die Metaphysik unter dem Namen „Epoptie“ geführt. Schmidinger schreibt: „Der Begriff „Epoptie“ stammt aus der Mysteriensprache und bezeichnet das Erfassen „vollkommener, einfacher, unbewegter und seliger Erscheinungen“ (Phdr. 250c; Symp. 210a). Bei Platon beziehen sich diese Erscheinungen auf die fundamentalsten Bestimmungen und tiefsten Ursachen der Wirklichkeit, d.h. auf die höchste Idee (des Guten und des Schönen) sowie auf das Göttliche“ 5 . Die platonische Ideenlehre ist das erste metaphysische System in der europäischen Philosophie, aber die Metaphysik selbst als eine spekulative Philosophie vom Seienden als Seiendem beginnt mit den Vorsokratikern, wobei Heraklit und Parmenides besonders zu erwähnen sind- die platonische Ideenlehre schöpft vielfach aus den Gedanken des Parmenides, und Heraklit ist der Begründer der Dialektik- er sagt, alles sei ununterbrochen in Veränderung, welche sich durch ein Wechselspiel von Gegensätzen vollziehe 6 .
Die aristotelische Metaphysik mit ihrer Lehre von der ersten und zweiten Substanz sowie der Kategorienlehre gilt bis ans Ende der Antike und später im Mittelalter, als die Schriften des Aristoteles im christlichen Abendlang wieder entdeckt werden. Thomas von Aquin bemüht sich um eine Synthese der Lehren der Bibel und der Kirchenväter mit der Philosophie des Aristoteles, um den im 12.Jh. durch die frühen Nominalisten Abaelard und Roscelin entbrannten Universalienstreit mit der scholastischen Methode zu lösen. Der Sieg der späten Nominalisten Duns Scotus und Wilhelm von Ockham im Universalienstreit bedeutet zunächst ein Ende der Metaphysik, bis Descartes diese im 17.Jh. neu begründet. Aristoteles begründete die Metaphysik von Außen, durch die Betrachtung der Dinge der Welt, Descartes begründet sie von Innen, vom Verstand her. Er zweifelt zunächst an der Existenz ihn umgebenden Dinge, an seinen Wahrnehmungen und gar an der Existenz der Außenwelt, bis er an einen Punkt gelangt, den er nicht mehr anzweifeln kann- an seinen Zweifel. Zweifelte man daran, dass man zweifelt, würde man sich selbst widersprechen.
4 vgl. Schmidinger, Heinrich: Metaphys ik. Ein Grundkurs. Stuttgart: Kohlhammer, 2000. S.17.
5 Ebd.,S.14.
6 vgl. Skirbekk, Gunnar / Gilje, Nils: Geschichte der Philosophie. Band 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1993. S. 24f.
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„Ich denke, also bin ich“ – postuliert Descartes den Wahlspruch des Rationalismus. Parmenides sprach von der Einheit des Denkens und des Seins- Platon gelangt zu dieser Einheit durch die vom Denken unabhängigen objektiven Ideen, die für ihn das wahrhaft Seiende sind und vom Denken erschlossen werden können, er postuliert ein absolutes Sein und schließt daraus auf das Denken. Descartes schließt aus dem Denken auf das Sein, denn was denkt, ist ein Seiendes.
Descartes belebt die Metaphysik wieder, indem er noch weiter geht, als die Nominalisten, die die Metaphysik zerstört hatten- der Frage, ob die Dinge, die jeweils nur als Einzeldinge erscheinen, in Universalbegriffe zusammengefasst werden können, ordnet er die Frage vor, ob all die erscheinenden Einzeldinge überhaupt real sind. Er legt nahe, dass man an der Realität der Einzeldinge genauso berechtigte Zweifel haben kann, wie an der Geltung der Universalien. Es ist möglich, meint Descartes, dass man seinen Augen nicht trauen kann, und dass die Wirklichkeit empirisch nicht erkennbar ist- in seinem methodischen Zweifel weitet er die Kritik an der empirischen Unerkennbarkeit der Universalien auf die gesamte Wahrnehmung aus.
Nicht die Sinnlichkeit, sondern allein das Denken kann nach Descartes etwas über die Wahrheit aussagen, und so wird das Denken selbst zum Prinzip der Philosophie. Es entstehen im 17.Jh. grandiose metaphysische Systeme (Spinoza, Leibniz) und im 19.Jh. bildet der Deutsche Idealismus einen Höhepunkt der spekulativen Philosophie. Hegel meint, Kants Philosophie zu vollenden, indem er sie scheinbar in ein höheres Ganzes integriert, aber verkennt, dass Kant der spekulativen Philosophie eine Absage erteilt und die Metaphysik ihrer Gegenstände entledigt. Schmidinger formuliert Kants Absage an die Metaphysik: „Die Wirklichkeit als Ganze kann niemals Gegenstand der menschlichen Erkenntnis in ihrer Endlichkeit sein“ 7 . Hegel postuliert das genaue Gegenteil und hebt die Endlichkeit der menschlichen Erkenntnis spekulativ auf, indem er ein absolutes Subjekt annimmt. Kants erneute Zerstörung der Metaphysik umfasst drei Schritte: erstens vermutet der Rationalismus die Wirklichkeit im denkenden Subjekt, zweitens wendet der Empirismus Lockes und Humes ein, dass das Subjekt alle Inhalte des Denkens aus der empirischen Wirklichkeit erhält und selbst zunächst leer ist- Locke bezeichnet den Geist des Neugeborenen als eine tabula rasa-, und drittens bleibt nur festzustellen, dass ein leeres Subjekt, welches sich auf seine sinnliche Wahrnehmung nicht verlassen kann, seine Wirklichkeit selbst konstruiert. Die Wirklichkeit des Subjekts ist stets eine subjektive Wirklichkeit, aber das Subjekt hat keine Möglichkeit, über diese subjektive Wirklichkeit
7 Schmid inger, Heinrich: Metaphysik. Ein Grundkurs. Stuttgart: Kohlhammer, 2000. S.18.
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Konstantin Karatajew, 2006, Das absolute Prinzip in der europäischen Philosophie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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