Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung. 3
2. Historischer Hintergrund des Konfliktes. 5
3. Das Iranische Atomprogramm 12
3.1. Zivile oder militärische Nutzung? 12
3.2. Bedeutung für Teheran 18
3.3. Szenario: Iran wird Atomwaffenstaa 23
4. Die Iran - Politik der USA 25
4.1. Von der "Eindämmung" zum "Regime Change 25
4.2. Ausblick - Militärische Intervention? 29
4.3. Die Option des "Grand Bargain 31
5. Fazit 33
6. Literaturverzeichnis : 35
2
1. Einleitung
Seit im Frühjahr 2003 bekannt wurde, dass der Iran ein geheimes Atomprogramm unterhält, zeigen sich allen voran die USA besorgt und unterstellen dem Regime in Teheran die Absicht, Atomwaffen zu entwickeln. Von offizieller Seite wird jedoch immer wieder beteuert, das Programm diene lediglich dem friedlichen Zweck der Energiegewinnung, und selbst der internationale Atomenergiebehörde IAEA liegen bis heute keine einschlägigen Beweise dafür vor, dass der Iran den Erwerb von Atomwaffen beabsichtigt. Trotz alledem wird in den Medien immer wieder von angeblichen Kriegsplänen der US - Administration von Präsident Bush gegen den Golfstaat berichtet. Bush hat mehrfach klar gemacht, dass ein atomar bewaffneter Iran für die USA nicht akzeptabel ist. Was aber ist das besondere an der Tatsache, dass der Iran über ein Atomprogramm verfügt? Schließlich haben zuvor bereits Staaten wie Pakistan oder Nordkorea denselben Weg eingeschlagen, ohne dafür derart von den USA bedroht zu werden. Der Streit um das iranische Atomprogramm droht jedoch zunehmend in eine militärische Eskalation zu münden, vor allem vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Iran trotz der kürzlich beschlossenen Sanktionen gegen das Land keine Anstalten macht, seine Anreicherungsaktivitäten einzustellen.
Diese Hausarbeit soll aufzeigen, warum der Gedanke an einen nuklearen Iran die USA derart mit Sorge erfüllt. Zunächst möchte ich daher den Hintergrund des aktuellen Konfliktes untersuchen, indem ich auf die Entwicklung des Islamischen Regimes in Teheran eingehe, an der die USA alles andere als unbeteiligt gewesen sind. Dies ist hilfreich um das Bild zu verstehen, welches beide Staaten voneinander haben, da die Beziehung zwischen den USA und dem Iran geprägt ist von zahlreichen Traumata für beide Seiten.
Im Anschluss daran versuche ich eine der zentralen Fragestellungen dieser Arbeit zu klären, nämlich ob der Iran tatsächlich das Ziel verfolgt, Atommacht zu werden.
3
Daher soll geklärt werden, welche Anhaltspunkte dafür sprechen, dass die iranische Absicht, Nukleartechnik zu friedlichen Zwecken zu entwickeln, lediglich ein Vorwand ist. Es soll auch, zum besseren Verständnis der Situation, auf die Frage eingegangen werden: Welche Motive könnte die islamische Regierung des Iran für den Besitz von Kernwaffen haben? Zudem möchte ich untersuchen, welche Konsequenzen es nach sich ziehen würde, wenn der Iran offiziell in die Riege der Atommächte dieser Erde aufstiege.
Der letzte Teil der Arbeit befasst sich schließlich mit der Iran - Politik der USA, vor allem natürlich mit derjenigen der Bush - Administration. Insbesondere soll die Frage geklärt werden, wie die USA in naher Zukunft agieren werden, wenn die jüngst verhängten Sanktionen erneut keine Wirkung zeigen. Das bedeutet im Endeffekt: Wird es in absehbarer Zeit einen Krieg der USA gegen den Iran geben? Abschließend möchte ich noch kurz die Option des "Grand Bargain" erläutern, die meiner Meinung nach die derzeit beste Option einer diplomatischen Lösung darstellt.
4
2. Historischer Hintergrund des Konfliktes
Um nachzuvollziehen, was den Iran, etwa im Vergleich mit Pakistan oder Indien, die ebenfalls die Entwicklung eigener Nuklearwaffen anstrebten und erreichten, derart gefährlich für die USA macht, ist es angebracht, einen Blick auf die Islamische Republik Iran und ihre Entstehung zu werfen. Vor allem möchte ich aufzeigen, wie sehr die Amerikaner im Endeffekt an dieser Entwicklung beteiligt gewesen sind. Gero von Randow und Ulrich Ladurner bezeichnen die Nuklearfrage auch als „Kulminationspunkt“ in einer langen Kette von Krisen zwischen beiden Staaten. 1 Der Iran nimmt im Nahen Osten aufgrund seines politischen Systems eine Sonderstellung ein. Dieses System ist im Grunde genommen eine Art „Hybridsystem“, bestehend aus theokratischen und demokratischen Bestandteilen. Zwar werden vom Volk ein Präsident und ein Parlament gewählt, diese werden jedoch von der theokratischen Ebene überlagert. Die wahre Macht hat der auf Lebenszeit gewählte Oberste Religiöse Führer. 2 Diese Machtstrukturen, die als „Velayat e-faqih“ bezeichnet werden, sind wesentliche Errungenschaften der iranischen Revolution von 1979 unter Ayatollah Rohullah Khomeini, dessen Erbe in der Gegenwart nach wie vor präsent ist.
Um zu verstehen, wie es dazu kam, empfiehlt es sich bis zum Ende der Kolonialzeit zurückzugehen. Die Briten übten zu dieser Zeit großen Einfluss auf den Iran aus und verhalfen 1926 Resa Schah, der der Pahlawi - Dynastie entstammte, an die Macht in Teheran. Im Zweiten Weltkrieg hatte der Iran eine besondere geostrategische Bedeutung für die USA und Großbritannien.
1 von Randow, Gero; Ladurner, Ulrich: „Die iranische Bombe“, S.118
2 Ebd. S.87
5
Sie sprachen ihm aufgrund seiner Lage eine wichtige Funktion für die die britischamerikanischen Hilfslieferungen an die Sowjetunion zu und nutzen das Land als Versorgungsroute. Resa Schah sympathisierte jedoch mit den Deutschen und weigerte sich, mit den Alliierten zu kooperieren, weshalb er von ihnen 1941 ins Exil geschickt wurde und sein Sohn, Schah Mohammed Reza Pahlevi, an die Macht kam. Schon damals standen die reichen Ölvorkommen im Mittelpunkt des Interesses der Briten, die auch nach Kriegsende weiter großen Einfluss auf das Land ausübten. Der Großteil der iranischen Ölquellen befand sich zu dieser Zeit unter der Kontrolle der britischen "Anglo - Iranian Oil Company" (AIOC), die die einheimischen Arbeiter in ihren zahlreichen Bohrstationen für Hungerlöhne arbeiten ließ und lediglich 15% der Erträge aus dem lukrativen Ölgeschäft dem Iran zugestand während sie 85% selbst einbehielt. 3
Vor diesem Hintergrund ist es leicht nachzuvollziehen, dass der iranische Wider-stand gegen die AIOC, die Briten und den Schah, der der Ausbeutung der iranischen Ölvorkommen untätig gegenüberstand, stetig wuchs. Zu dieser Zeit baute eine Organisation, die sich die "Nationale Front" nannte, und die liberal und national orientierte Parteien unter ihrem Dach vereinigte, ihre politische Macht im Iran aus. Ihr Führer und damit die zentrale Figur in der anitimperialistischen Bewegung war der Politiker Dr. Mohammed Mossadegh, der für die Nationalisierung der iranischen Erdölindustrie und damit für eine nationale Unabhängigkeit des Landes warb. 4
Da die Briten zu Recht den Verlust der Kontrolle über das iranische Erdöl fürchteten, schmiedeten sie Umsturzpläne, die jedoch zunächst noch vom damaligen US -Präsidenten Harry S. Truman verhindert wurden. Truman befürchtete zum einen, dass der Iran bei einem Umsturz außer Kontrolle geraten könnte, was entsprechende Folgen für den Ölmarkt nach sich ziehen würde.
3 Die AIOC stellt im Übrigen die Wurzel des heutigen Mineralölkonzerns „BP“ dar
4 von Randow, Gero; Ladurner, Ulrich: „Die iranische Bombe“, S.120
6
Zum anderen wollte er verhindern, dass sich der Iran infolge eines Putsches auf die Seite der Sowjetunion schlägt. 5
Im Jahr 1951 wurde Mossadegh zum Premierminister gewählt und löste umgehend sein Versprechen, die Nationalisierung des iranischen Erdöls, ein. Als etwa ein Jahr später Präsident Dwight D. Eisenhower zum Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt wurde, verschärfte sich schlagartig die Iran-Politik der USA. Eisenhower propagierte eine wesentlich härtere Linie gegenüber Teheran. Aus diesem Grund schmiedete die CIA gemeinsam mit den Briten Pläne zum Umsturz von Mossadegh. Im Jahr 1953 betraten die USA so erstmals die politische Bühne des Iran und putschten Mossadegh in Kooperation mit dem Schah und den Briten im Rahmen der Operation "Ajax", die mit der unmittelbaren Gefahr einer Kommunistischen Machübernahme im Iran gerechtfertigt wurde 6 , aus dem Amt. Der Sturz von Mossadegh gilt bis heute als der entscheidende Wendepunkt in der Beziehung zwischen dem Iran und den USA, die zuvor nicht unpopulär in diesem Land gewesen waren. Es kam einer Sensation gleich, als die US - Außenministerin der Clinton Administration, Madeleine Albright, ein knappes halbes Jahrhundert später am 17. März 2000 in Washington verkündete: "1953 haben die USA eine besondere Rolle beim Sturz des populären Premierministers Mohammed Mossadegh gespielt. Die Regierung Eisenhower dachte damals, dass ihre Maßnahmen aus strategischen Gründen gerechtfertigt seien; aber der Putsch war eindeutig ein Rückschlag für die politische Bewegung des Iran (...)" 7
5 Ebd. S.121
6 Bayat - Philipp, Mangol: „Die Beziehungen zwischen den USA und Iran seit 1953“, S.30
7
Arbeit zitieren:
Christopher Schwarzkopf, 2007, Teherans Griff nach der Bombe – Die drohende Eskalation? Der Konflikt um das iranische Atomprogramm als vorläufiger Höhepunkt der krisenhaften Beziehung zwischen den USA und dem Iran , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Politische Bildung im vereinten Deutschland - eine Standortbestimmung
Politik - Didaktik, politische Bildung
Seminararbeit, 10 Seiten
Rasterfahndung - Innere Sicherheit im deutschen und europäischen Recht
Jura - Öffentliches Recht / VerwaltungsR
Hausarbeit, 50 Seiten
Die Bedeutung politischer Bildung für die Gesellschaft - explizit die ...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 11 Seiten
Welches Ziel verfolgt Machiavelli mit seinen amoralischen Ratschlägen ...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 24 Seiten
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und den USA
Konflikt oder gegenseitige Abh...
Seminararbeit, 19 Seiten
Das politische Konzept des Jihad in der Entstehung und Frühzeit des Is...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Menschenrechte in der internationalen Politik und die Kontroverse um d...
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Zwischenprüfungsarbeit, 34 Seiten
Die Sino-Afrikanischen Beziehungen
Win-Win-Zusammenarbeit oder Au...
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
Studienarbeit, 30 Seiten
Europarat - Hüter der demokratischen Sicherheit
Gemeinschaftskunde / Sozialkunde
Referat / Aufsatz (Schule), 7 Seiten
Die mittelschottische Aeneis-Übersetzung des Gavin Douglas - Strategie...
Magisterarbeit, 89 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Christopher Schwarzkopf's Text Teherans Griff nach der Bombe – Die drohende Eskalation? Der Konflikt um das iranische Atomprogramm als vorläufiger Höhepunkt der krisenhaften Beziehung zwischen den USA und dem Iran ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Christopher Schwarzkopf hat den Text Teherans Griff nach der Bombe – Die drohende Eskalation? Der Konflikt um das iranische Atomprogramm als vorläufiger Höhepunkt der krisenhaften Beziehung zwischen den USA und dem Iran veröffentlicht
Christopher Schwarzkopf hat einen neuen Text hochgeladen
Internationale Beziehungen aus der Perspektive nationaler Öffentlichke...
Beiträge zur Soziologie intern...
Paul Pachernegg, Christine Pichler, Christine Pilz, Dieter Reicher, Daniel Semper
0 Kommentare