I.) Einleitung
I.) Einleitung 2
Eingrenzung : Warum Kaukasus und Zentralasien? 4
II.) Außenpolitische Zielsetzung der Türkei nach dem Ost-West Konflikt und
tats ächliche Entwicklungen in Zentralasien und auf dem Kaukasus 6
1.) Entwicklungslinien türkischer Zentralasienpolitik. Die Pantürkische Idee
und ihre Umsetzung und Perspektiven 6
Turkish republics to accept Turkey as a “Big Brother 7
2.) Aktuelle Ziele türkischer Zentralasienpolitik: 13
3.) Der Südkaukasus als Bestimmungsfaktor türkischer Außenpolitik. 15
Der Berg-Karabach Konflikt: 16
Georgien : 20
4.) Zusammenfassung. 22
III.) Die Türkisch- Russischen Beziehungen und ihre Perspektiven: Eine Option
zu Europa? 25
1.) Entwicklungslinien. 25
2.) Perspektiven 27
IV. Zusammenfassung: 30
Literatur - und Quellenverzeichnis: 33
2
I.) Einleitung
Die geostrategische Lage der Türkei hat sich seit dem Ost-West Konflikt und dem Zerfall der Sowjetunion dramatisch geändert. Der gefallene Eiserne Vorhang präsentierte neue souveräne Staaten mit alten Problemen. Ethnologische Gegensätze auf dem Kaukasus, reformfällige Herrschaftsstrukturen in Zentralasien. Hinzu kommt die Eröffnung einer neuen Runde des „Great Game“ mit den Etiketten „War on Terror“ und Ressourcenzugang 1 . Die Türkei erkannte diese neue Lage sehr wohl als Chance, die bisherige Wahrnehmung von Außenpolitik als Sicherheitspolitik konnte nicht aufrechterhalten werden. Schon Kemal Atatürk hatte darauf hingewiesen das große Reiche zerbrechen können und neue Staaten entstehen, dies könne auch für die Sowjetunion gelten und damit auch für die Turkvölker hinter dem Eisernen Vorhang. Man solle auf diesen Moment vorbereitet sein. 2 Im historischen Kontext also eine Ausstiegsklausel der passiven „Friede in der Heimat; Friede in der Welt - Politik“.
Aktive Außenpolitik war gefordert und wurde, durch die Reisediplomatie des damaligen Präsidenten Turgut Özal (1989- 1992), auch schlagartig umgesetzt. Die nachfolgenden Legislaturperioden waren danach jedoch nicht durch außenpolitische Stringenz geprägt, weshalb sich heute die Frage nach einer türkischen außenpolitischen Strategie stellt, zumal der Beitritt in die Europäische Union noch lange nicht als gesicherter Prozess bewertete werden kann. Ist die Türkei damit auf dem Weg zur Regionalmacht, zum Vermittler aufgrund pan-türkischer Einflusssphären oder zeichnet sich ein noch grundlegenderer Strategiewechsel ab? Gerade der letzte Punkt ist Parallel zu Tiefpunkten türkischer EU- Vollmitgliedschaftsbestrebungen oft diskutiert. Klar ist, der Kaukasus und Zentralasien bieten Chancen und Perspektiven für die Türkei.
1 Rothacher, Albrecht (2007). Das neue „Große Spiel“ - Zentralasien und der Kampf der Großmächte; in: Blätter für deutsche und internationale Politik 1/2007, S. 102
2 Vgl.: Koknar, Ali M.(2005). „Turkey´s Security Relations in Central Asia“; in: Eurasia in Balance Hrsg.: Cohen, Ariel, zitiert von Ozkan, S. (2000), Ataturk ve Turk Dunyasi” (Ataturk and the turkish World) S.101
3
Unter der Annahme die Vollmitgliedschaft der Türkei bleibe eine unbekannte Variable, da sich auch zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwierige Verhandlungen abzeichnen ist es von großem Interesse die tatsächlichen Chancen und Perspektiven der Türkei auszuloten. Unter den genannten Vorraussetzungen kann der türkischen Führung die verschiedensten Ambitionen unterstellt werden.
Die Selbstwahrnehmung der Türkei als „Schlüsselstaat“ 3 lässt verschiedenste Spekulationen über die Absichten türkischer Außenpolitik zu, unter anderem auch die Abkehr von der jetzigen
Hauptprämisse, der europäischen Mitgliedschaft. Diese Entwicklung wäre wahrlich ein Strategiewechsel in Ankara. Indizien für solche Ambitionen vor dem Hintergrund der schwierigen Beitrittsverhandlungen könnten massive Spekulationen über weitere türkische Optionen auslösen.
Diese Arbeit soll solchen Spekulationen, durch Analyse türkischer Möglichkeiten, entgegentreten. Die Leitfrage für die zusammengetragenen Erkenntnisse soll lauten: Welche Möglichkeiten und Perspektiven hat die türkische Außenpolitik auf dem Kaukasus und in Zentralasien vor dem Hintergrund türkisch-russischer Kooperation und Konfrontation? Reichen diese Perspektiven tatsächlich aus, um von einem Strategiewechsel 4 in Ankara zu sprechen?
Eingrenzung: Warum Kaukasus und Zentralasien?
Die Eingrenzung auf den Südkaukasus und Zentralasien vor dem Hintergrund türkischrussischer Kooperation und Konfrontation ist keineswegs willkürlich gewählt. Die Spekulation reichen, wie vorgestellt, von Regionalmachtbestrebungen bis zur Relativierung der westlich Grundausrichtung der Türkei. Indizien für die Extrempunkte dieser Spekulationen werden sich im Nahen Osten nur schwerlich herausfiltern lassen.
3 Bağcı, Hüseyin (2000). “Die“Grand Strategy” der Türkei“; in: Studien und Berichte zur Sicherheitpolitik Hrsg.: Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie Wien, S. 14
4 Strategiewechsel im Sinne dieser Arbeit wären politische Bemühungen die darauf abzielen weitere Optionen zur EU bereitzustellen.
4
Die nach wie vor starke Kooperationsbeziehung mit Israel und den USA, die politische Präsenz der Region und die damit verbundene hohe Anzahl externer Akteure sind schlechte Rahmenbedingungen, die außenpolitischen Absichten Ankaras genauer zu betrachten. Es kann in der betreffenden Region nicht von einer Vormachtstellung der USA gesprochen werden, die ethnisch-kulturelle Verbindung der Türken ist größer als zu den arabischen Staaten im Süden und die westliche Medienöffentlichkeit hat die Region noch nicht für sich entdeckt, wie dies zum Beispiel im Nahen Osten der Fall ist. Zuletzt dürfen außerdem Regionalmachtbestrebungen oder strategische
Partnerschaften mit den arabischen Staaten im Süden der Türkei, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, als unwahrscheinlich bewertet werden.
In dieser Arbeit soll daher die Zielsetzung und Umsetzung türkischer Außenpolitik auf dem Kaukasus und in Zentralasien untersucht werden. Russland als hauptsächlicher Einflussfaktor auf beide Regionen kann bei dieser Analyse nicht ausgeschlossen werden. Die türkisch russischen Kooperationsbeziehungen und Perspektiven müssen daher ebenfalls analysiert werden. In der Konklusion soll dann versucht werden herauszustellen, welche Möglichkeiten die türkische Außenpolitik besitzt und welche Spekulationen damit ausgeschlossen werden können oder näher in Betracht gezogen werden müssen.
5
II.) Außenpolitische Zielsetzung der Türkei nach dem Ost-West Konflikt und tatsächliche Entwicklungen in Zentralasien und auf dem Kaukasus
1.) Entwicklungslinien türkischer Zentralasienpolitik.
Die Pantürkische Idee und ihre Umsetzung und Perspektiven
Türkische Zentralasienpolitik 5 im Sinne der vorliegenden Arbeit bezieht sich auf die Länder: Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgistan 6 . Aserbaidschan befindet sich geografisch auf dem Südkaukasus, aus Perspektive der türkischen Außenpolitik gehört Aserbaidschan allerdings zum geografisch übergreifenden Komplex der Turkvölker. Dies hat zur Folge das Aspekte türkische Kaukasus wie Zentralasienpolitik ihre Schnittmengen in den Beziehungen zu Aserbaidschan finden können.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion bemühte sich die Türkei die neuen Staaten möglichst schnell anzuerkennen und diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Präsident Özal (1989 - 1993) machte sich im März auf den Weg nach Moskau, auf dem Rückweg besuchte er Kasachstan und Aserbaidschan. Aserbaidschan wurde sogar noch vor dem offiziellen Zerfall der UdSSR im November 1991 anerkannt. Kurz darauf folgten gegenseitige Besuche der neuen Staatspräsidenten aus Usbekistan, Turkmenistan und Kirgistan. Schließlich wurden alle neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, am 16. Dezember 1991, durch die Türkei anerkannt. Im Frühjahr 1992 folgten Reisen durch alle Turkstaaten entweder mit Ministerpräsident Demirel oder Präsident Özal. Diese verstärkte Reisediplomatie war Ausdruck der türkischen Erwartungen über eine neue pantürkische Konstellation, von der Adria bis an die Chinesische Mauer. 7
5 Wie bereits in der Formulierung der Fragestellung erwähnt, wird dabei der Bezug zur Russischen Föderation mit in Betracht gezogen, andere Akteure können in dieser Arbeit nur am Rande erwähnt werden.
6 Der Begriff „Turkvölker“ umfasst die gleichen Staaten inklusive Aserbaidschan und exklusive Tadschikistan.
7 Vgl. Rothacher, Albrecht (2007). S. 103
6
Doch wirtschaftliche wie politische Ambitionen wurden früh enttäuscht: „The Turkish government as well as the Turkish entrepreneurs, who expected
to be given preferential treatment in the region, were disappointed by the reluctance of the
Turkish republics to accept Turkey as a “Big Brother”. 8
Die türkische Öffentlichkeit hatte durch die Reisediplomatie ebenfalls den Eindruck die neuen „Bruderstaaten“ würden sich positiv auf die Türkei auswirken. Die vielen Staatsbesuche suggerierten den Beginn einer neuen politischen Konstellation auf dem Weg der Einigung. „Mit einem Mal gab es außer der Türkei noch andere souveräne Staaten in denen “Türken“ den Ton angaben, in denen eine verwandte Sprache gesprochen wurde und die kulturelle Gemeinsamkeiten mit Anatolien aufwiesen. Die Isolation der Türkei zwischen Europa auf der einen Seite, zu dem man gehören wollte, aber abgewiesen wurde, und der arabischen Welt auf der anderen Seite, zu der man nicht gehören wollte und die der Türkei gleichfalls höchst reserviert gegenüberstand, schien mit einem Schlag beendet.“ 9 Trotz Ablehnung der Rolle des „Großen Bruders“ musste die Türkei ihr außen- und sicherheitspolitisches Koordinatensystem neu definieren. Aus dieser Sicht ist der Versuch, sich mit pantürkischen Tönen als potentielle Regionalmacht zu positionieren, durchaus verständlich. Die Türkei hatte ihre feste Rolle in der Bipolaren Welt verloren und damit auch die „großen, aber überschaubaren sicherheitspolitischen Risiken“ 10 . Die neue Situation mit religiösethnischen Konfliktlagen in politisch schwachen Ländern gestaltete sich partiell sogar komplexer und unberechenbarer. 11 Man kann daher zunächst attestieren, dass es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion tatsächlich einen Strategiewechsel in der türkischen Außenpolitik gab.
8 Vgl.: Koknar, Ali M.(2005). S.103
9 Kramer, Heinz (1995). Zentralasien im Interessenfeld der Türkei; in: Stiftung Wissenschaft und Politik AP 2930, S.14
10 Pradetto, August/ Bahadir, Tural/ Starke, Michael (2005). „Türkische und europäische Sicherheitsperzeptionen im Horizont eines EU-Beitritts der Türkei“; in: Die Türkei auf dem Weg in die Europäische Union - Aspekte und Perspektiven. Hrsg.: Europäische Akademie Berlin, S. 53
11 Vgl. ebd.
7
Arbeit zitieren:
Tobias Herzog, 2007, Strategiewechsel in Ankara? - Eine Analyse der Gestaltungsmöglichkeiten türkischer Außenpolitik in Zentralasien und auf dem Kaukasus vor dem Hintergrund russisch- türkischer Kooperation und Konfrontation, München, GRIN Verlag GmbH
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Tobias Herzog hat den Text Strategiewechsel in Ankara? - Eine Analyse der Gestaltungsmöglichkeiten türkischer Außenpolitik in Zentralasien und auf dem Kaukasus vor dem Hintergrund russisch- türkischer Kooperation und Konfrontation veröffentlicht
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