Inhalt
1. Einleitung 3
2. Methodenmanual 6
2.1. Stichprobe 6
2.2. Fragebogen 6
2.3. Definition Sport bzw. Bewegung 9
2.4. Statistische Auswertung 10
2.5. Definition: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) 11
2.5.1. Allgemeine Darstellung 11
2.5.2. Die Colitis ulcerosa 12
2.5.2.1. Das Krankheitsbild und der Verlauf 12
2.5.2.2. Die Krankheitsursache 14
2.5.2.3. Die klinische Symptomatik der Colitis ulcerosa 15
2.5.2.4. Die Therapie der Colitis ulcerosa 16
2.6. Der Morbus Crohn 18
2.6.1. Das Krankheitsbild und der Verlauf 18
2.6.2. Die Krankheitsursache 20
2.6.3. Die klinische Symptomatik des Morbus Crohn 20
2.6.4. Die Therapie des Morbus Crohn 22
3. Resultate 24
3.1 Altersverteilung 24
3.2 Altersverteilung in den beiden Erkrankungsgruppen 24
3.3 Die Geschlechterverteilung der Probanden 25
3.4.Das Alter zum Erkrankungszeitpunkt 25
3.5. Krankheitsverteilung 27
3.6. Verlauf der Erkrankung 27
3.7. Dauer der Erkrankung 30
3.8. Behandlungsmethoden 31
3.9. Sportliche Aktivität vor der Erkrankung 34
3.10. Sportliche Aktivität trotz der Erkrankung 35
3.11. Zur Angabe von Gründen für die Teilnahme bzw.
Nichtteilnahme an Sport- bzw. Bewegungsangeboten 36
3.12. Beschwerden während sportlicher Betätigung 38
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Inhalt
3.13. Befinden während sportlicher Betätigung 40
3.14. Befinden nach sportlicher Betätigung 44
3.15. Angaben zu Sportarten und Häufigkeiten der Aktivität 46
4. Diskussion 50
5. Resümee 55
Literatur 56
Tabellen 58
Abbildungen 59
2
1. Einleitung
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) führen durch die Besonderheiten ihrer Symptomatik und ihres Verlaufes in ganz erheblichem Maße zu Beeinträchtigungen, die weit über das Leiden unter den Krankheitssymptomen selbst hinaus gehen und den Bereich des täglichen Lebens, der sozialen Beziehungen und der Psyche betreffen (vgl. Cuntz, Welt, Zillessen, S. 494). Sie sind - wie mehr oder weniger alle anderen chronischen Krankheiten - ein ganzheitliches Phänomen.
CED weisen einen geringen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung auf und sind Krankheiten mit nicht sichtbarer und schwer messbarer Behinderung, schubweisem Verlauf und großer Symptomvielfalt.
Sie führen häufig zu einer sozialen Stigmatisierung, auf Grund derer die Krankheitsbewältigung zunächst negativ beeinflusst zu sein scheint. Der häufigere Stuhldrang beispielsweise lässt einen CED-Patienten auf fast jedem Weg außerhalb der heimischen vier Wände in Gedanken eine „Toiletten-Karte“ erstellen, d.h., alle auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkauf zur Verfügung stehenden Toiletten werden für den „Notfall“ anfangs erkundet, bleiben dann immer gegenwärtig und abrufbar. Ein Kinobesuch beginnt mit der Suche nach einem geeigneten Platz, von dem aus man, ohne Aufsehen zu erregen, das stille Örtchen erreichen kann - und so sind Kinobesuch, Einkauf o.ä. oft auch nur möglich, wenn sich der Patient in Remission befindet bzw. unter einem sehr leichten Schub leidet. Neben der körperlichen Beeinträchtigung spielt die psychische Belastung hier eine enorme Rolle: Häufig sind Scham, Angst und Schuldgefühle gegenüber den Mitmenschen so groß, dass auf Unternehmungen außer Haus verzichtet wird. Die Patienten empfinden solche Gänge als derartig belastend, dass sie sich oft in eine selbstverordnete Isolation begeben, um diesen „Peinlichkeiten“ entfliehen zu können. Das soziale Umfeld kann hier anfangs selten
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Verständnis zeigen, denn oftmals ist es CED - Patienten unangenehm, über ihre Krankheit zu sprechen. Erst, wenn darüber Klarheit herrscht, können sich die verwunderten Blicke der Familie und Freunde, der Kollegen etc. in teilnahmsvolle, aber bitte nicht mitleidige Gesten wandeln.
Entscheidend im Umgang mit der Erkrankung aber ist, dass sowohl das soziale Umfeld als auch der Patient selbige nicht zu ihrem Lebensinhalt machen. Die Medikamenteneinnahme beispielsweise könnte doch den gleichen Stellenwert einnehmen wie das tägliche Obst oder die morgendliche Dusche?! Es ist keinem geholfen, wenn sich der Alltag nach einer Colitis ulcerosa oder einem Morbus Crohn richtet.
Die aktuelle Forschungsliteratur zum Zusammenhang von CED und Sport bzw. Bewegung beschränkt sich auf einige wenige Arbeiten, so unter anderem auf eine Studie der DSHS Köln unter Leitung von Dr. Martin Meller sowie auf ein Projekt des Institutes für Rehabilitation und Behindertensport der DSHS Köln (vgl. Seeck et al., 1990). Hier wurde unter anderem auch der positive therapeutische Einfluss von Entspannungsverfahren belegt (siehe auch Feiereis, 1996). Kanadische Wissenschaftler um CP Loudon konnten in einer Pilotstudie konkrete positive Einflüsse von Sport auf CED-Patienten aufzeigen. Eine amerikanische Studie um Ball erarbeitete einen Übungsleitfaden für die sportliche Betätigung von CED - Patienten.
Unter der Prämisse, dass die Verbesserung der Lebensqualität Hauptaufgabe sowohl der medizinischen Betreuung und Therapie als auch des Patienten selbst ist, stellt sich demnach die Frage, inwiefern Sport bzw. Bewegung zu einer solchen beitragen können.
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Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung soll die
Fragestellung sein, ob und wenn, welche Wechselwirkungen zwischen CED und sportlicher Aktivität bestehen - ob CED Einfluss auf die sportliche Aktivität der Patienten nehmen bzw. umgekehrt; und sollte dies der Fall sein, in welcher Hinsicht und welchem Maße. Sport bzw. Bewegung werden hier nicht als möglicher Therapiebereich behandelt, sondern als eine „selbstverordnete“ bzw. aus eigenen Bedürfnissen hervorgehende Aktivität der Patienten.
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2. Methodenmanual
2.1. Stichprobe
In einer Querschnittstudie wurden 47 CED - Patienten über einen standardisierten Fragebogen (siehe Anhang) zu ihren Sport- bzw. Bewegungsgewohnheiten befragt. Bei den Probanden handelte es sich um Patienten einer internistischen Arztpraxis in Berlin; die Probanden beantworteten die Fragen in der Praxis. Eingeschlossen in diese Untersuchung waren all jene , welche die Praxis im Zeitraum von Oktober 2002 bis Mai 2003 betraten.
2.2. Fragebogen
Der Fragebogen beinhaltet 4 Scores (sozialstatistische Angaben, Angaben zur Erkrankung, Angaben zu sportlicher Betätigung sowie zum Verhältnis von Erkrankung und Sport bzw. Bewegung). In den ersten 3 Items werden sozialstatistische Angaben (Alter, Geschlecht, Beruf) erfragt.
Anschließend sind Angaben zur Erkrankung (Art, der Erkrankung, Dauer, Verlauf, Behandlungsmethoden) gefordert. Hier ist zu beachten, dass sich der Verlauf über die Anzahl der Rezidive (1-2 Rezidive = leicht, 3-5 Rezidive = mittelschwer, 5 und mehr Rezidive = schwer) definiert. Diese Zuweisung wurde vorgenommen, damit die Probanden in der Lage sind, den Verlauf ihrer Erkrankung anhand eines Parameters zu beschreiben, der ihnen geläufig ist bzw. keine Rücksprache mit dem Arzt etc. erfordert. Das Item „Behandlungsmethoden“ verfügt über wahlweise 4 verschiedene Antworten (medikamentös, operativ, heilpraktisch, andere). Hier bleibt zu ergänzen, dass die von den Probanden angegebenen Präparate Gruppen zugeteilt wurde, um die Auswertungsergebnisse graphisch sinnvoll darzustellen.
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Nachfolgende Tabelle soll Aufschluss geben über die jeweilige Zuordnung der Präparate:
Die Items zu sportlicher Betätigung sind unterteilt in die Bereiche vor und während der Erkrankung. In beiden Bereichen wurden jeweils Sportart bzw. Bewegungsangebot sowie die Häufigkeit der Aktivität erfragt. Wurde die Frage nach sportlicher Betätigung während der Erkrankung vom Probanden verneint, interessierte der Grund; dies jedoch nur insofern, wenn die Erkrankung für die Nichtteilnahme ursächlich gemacht wurde. Im Gegensatz dazu sollten sich während der Erkrankung sportlich aktive Probanden erklären, aus welchen Gründen sie an Sport- bzw. Bewegungsangeboten teilnehmen (soziale Kontakte, gesundheitlicher Aspekt, Ausgleich, andere Gründe). Die Sportarten unterliegen einer Dreiteilung in gleichmäßige Bewegungsformen - im Sinne von zyklisch - und in ungleichmäßige Bewegungsformen - im Sinne von azyklisch bzw. einer Kombination aus gleichmäßig und ungleichmäßig. Nachfolgende Tabelle gibt Aufschluss über die Verteilung der einzelnen Sportarten:
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Bei den Items zum Verhältnis zwischen CED und Sport bzw. Bewegung werden potentielle körperliche Beschwerden (Krämpfe, Bauchschmerzen, häufigerer Stuhlgang, Übelkeit/ Erbrechen, Schwindel, andere) abgefragt sowie das subjektive Wohlbefinden beschrieben, welches über vier bzw. zwei Items in jeweils fünffacher Abstufung beurteilt werden sollte. Hier wurde für das Befinden während sportlicher Betätigung der Mittelwert aus den zwei jeweils positiven (leistungsfähig/ unverändert gut) bzw. negativen Items (schlapp/ unverändert schlecht) als Faktor berechnet, um eine ansprechendere graphische Darstellung zu ermöglichen.
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Damit die Wechselwirkungen zwischen CED und Sport komplexer beschrieben werden können, wurden die Items zur Erkrankung in primäre und sekundäre Krankheitsparameter zusammengefasst:
2.3. Definition Sport bzw. Bewegung
Wie definiert sich in dieser Untersuchung Sport bzw. Bewegung? Geht man vom lateinischen Ursprung des Wortes „Sport“ aus, welches sich von „disportare“ ableitet, bedeutet dies so viel wie wegtragen, im Sinne von unterhalten, zerstreuen (vgl. Rost, 1995). Genau dies macht den Begriff „Sport“ innerhalb dieses Untersuchungsfeldes aus: Unter Sport- bzw. Bewegungsangeboten wird hier all das verstanden, was die Probanden als körperliche Aktivität anführen. Dazu gehören ebenso lange Spaziergänge wie auch Gymnastik oder Fußball. Denn entscheidend ist, dass die Probanden in Momenten sportlicher Betätigung von ihrer
Erkrankung mehr oder weniger abgelenkt werden, ihrem Körper sogar bewusst Belastung zutrauen.
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Die in der Befragung festgelegte Unterscheidung zwischen Sport und Bewegung erschien hier durchaus sinnvoll, da auch jene Probanden erfasst werden sollten, die beispielsweise mit dem Rad zur Arbeit fahren oder regelmäßig spazieren gehen etc. Diese Differenzierung scheint allgemeinhin nicht von Bedeutung; CED-Patienten jedoch verlangen solche körperlichen Aktivitäten ein Maß an Überwindung ab, welches Nichterkrankten fremd sein mag.
Im Vordergrund steht demnach nicht das Leistungsmotiv im Sport, sondern das Motiv, durch Sport und Bewegung einen allgemeinen Ausgleich zu schaffen, gesundheitsfördernd zu wirken, soziale Kontakte zu pflegen bzw. zu erschaffen.
2.4. Statistische Auswertung
Die statistische Auswertung erfolgte über das SPSS - Programm Version 11. Die graphische Aufbereitung der Daten wurde ebenfalls über dieses Programm realisiert.
Sämtliche Mittelwertvergleiche wurden mit dem T - Test für unabhängige Stichproben bei Signifikanzniveau p = 0,05 absolviert. Als Korrelationsmaß dient der Pearson - Korrelationskoeffizient. Mit Hilfe der univariaten ANOVA bei gegebener Varianzhomogenität und Signifikanzniveau p = 0,05 konnten Einflüsse bzw. Wechselwirkungen analysiert werden.
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2.5. Definition: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)
2.5.1. Allgemeine Darstellung
CED betreffen erstmals besonders junge Menschen im Alter zwischen 20-30 Jahren. Die Häufigkeit dieser Erkrankung hat sich in den letzten 20 Jahren in Deutschland etwa verzehnfacht. Mit derzeit 300 000 betroffenen Bundesbürgern stellt sie insbesondere für die Altersgruppe der 20-30jährigen eine häufige Erkrankung des Magen-Darm-Traktes dar.
Die Ursache der Erkrankung ist bislang nicht bekannt, ebenso wenig die Einflussfaktoren für die unterschiedlich schwer verlaufenden Darmentzündungen. Demnach ist eine gesicherte Vorhersage des Krankheitsverlaufes nicht möglich.
Man geht davon aus, dass es sich um eine sogenannte polygene Erkrankung handelt, d.h., dass mehrere Risikogene gemeinsam mit Umweltfaktoren zum Ausbruch der Krankheit führen. So besteht beispielsweise ein bis zu 20-30fach höheres Risiko für Geschwister von Erkrankten und ein bis zu 100fach erhöhtes Risiko für Kinder mit erkrankten Eltern. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen konnten ein erstes Risikogen identifizieren. Dabei handelt es sich um das NOD2-Gen auf dem Chromosom 16(16q12). Dieses Gen ist an der Aktivierung von Entzündungsreaktionen als Antwort auf Bakterien im Darm beteiligt. Jedoch scheint das NOD2-Gen lediglich bei Morbus Crohn eine Rolle zu spielen, weshalb es zur nicht immer eindeutigen Differenzierung der Krankheitsbilder beitragen könnte.
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Arbeit zitieren:
Nicole Buchmann, 2004, Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) und Sport bzw. Bewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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