Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
1. Einleitung 5
2. Zur Biographie von Regina A. 6
2.1 Frühe Kindheit 6
2.2 Schulzeit und Pubertät 7
2.3 Berufliche Orientierung und Berufsausbildung 8
2.4 Berufsleben 9
2.5 Kuraufenthalt 2000/2001 9
2.6 Die Zeit nach der Diagnosestellung (aus Sicht der Betroffenen) 11
2.6.1 Wann kommt es zu einer „Attacke“ und was geschieht dann? 14
2.6.2 Wie oft kommt es zu einer „Attacke“? 15
2.6.3 Was hilft? 16
2.7 Aktuelle Situation (bis Dezember 2004) 17
3. Betrachtung der Biographie aus entwicklungspsychologischer Sicht 19
3.1 Die Krise des Einjährigen - Kleinkindalter (1 Jahr bis 3 Jahre) 20
3.2 Die Krise des Einjährigen unter isolierenden Bedingungen 22
4. Perspektiven für Regina A. 24
5. Schlussbemerkungen 25
Literaturverzeichnis 27
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Vorwort
Leben, was ist das
Ich lebe so vor mich hin, lebe ich überhaupt? Was ist das Leben? Das Leben ist ein Abenteuer, ein Kampf, aber es ist auch Freude und Trauer. Leben, heißt das, sich über einen Schmetterling auf einer Blume zu erfreuen? Oder sich trotz des Alterns immer noch über Erneuerungen zu wundern? Ja, bestimmt! Ich erhalte die Nachricht über den Tod einer lieben Person. Ständig berührt der Tod das Leben. Folgt nach diesem Leben noch ein Anderes? Das wissen nur die, die schon tod (sic!) sind. Viele Menschen, die ich geliebt habe, sind tod (sic!) - und dochsie leben in mir weiter. Eigentlich sind nur die Hüllen der Körper weg. Die Liebe, die sie mir gaben, die bleibt für mich erhalten.
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Manchmal möchte ich nicht mehr leben, aber eine höhere Macht und die Liebe zu meiner Familie bringen mich dazu, diesen Schritt zu weit nicht zu machen. Ein Zwiespalt tut sich in mir auf. Ich mag nicht mehr kämpfen und doch, ich kämpfe weiter. Ich kämpfe gegen die Demütigungen, gegen die Unlust und gegen die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Positiv denken, ich schaffe es, ich will es schaffen! Plötzlich wache ich aus meinen Gedanken auf. Aber eine Frage kreist weiter in meinen Gedanken umher: LEBEN, WAS IST DAS?? REGINA A. (2001)
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1. Einleitung
Das Gedicht im Vorwort „Leben was ist das“ von REGINA A. ist meiner Meinung nach ein guter Ausgangspunkt für diese Arbeit.
Der Leser erfährt bereits etwas über die Verfasserin, bekommt Einblicke in ihr Leben und kann sich dennoch kein genaueres Bild von ihr machen. Das soll mit dieser Arbeit durch den Ansatz der Rehistorisierung geändert werden.
Es geht in dieser Arbeit darum, die Lebensgeschichte von Regina A. zu begreifen und ein Verständnis für sie und ihr Verhalten zu entwickeln.
Die Frage, unter welchen Bedingungen sich ihre Persönlichkeit entwickelt hat, gibt Antwort auf das Vorhandensein bestimmter Symptome, wie zum Beispiel selbstverletzendes Verhalten. In Situationen starker Belastung ist die Selbstverletzung Reginas „Ventil“ um den Druck abzulassen. Des Weiteren werden noch andere Symptome benannt, mit denen sich Regina A. identifizieren kann. Das Hauptaugenmerk soll jedoch auf Reginas „Attacken“ liegen.
Anliegen dieser Arbeit ist es, zu zeigen, dass diese Symptome für Regina lebensgeschichtlich nachvollziehbare Muster darstellen.
Aus diesem Grund wird in einem Kapitel der Arbeit die Biographie von Regina A. unter entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten betrachtet. In diesem Kontext soll speziell die „Krise des Einjährigen“ im Blickpunkt stehen. Außerdem werden noch weitere Gedichte von Regina bzw. Auszüge aus E-Mails an mich in die Ausführungen mit einfließen, weil diese sehr gut ihre Stimmung zeigen.
Zum Abschluss der Arbeit soll kurz versucht werden, Perspektiven für Regina A. aufzuzeigen, die ihr Orientierung und Sicherheit vermitteln.
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2. Zur Biographie von Regina A.
Die folgenden biographischen Informationen konnte ich (Susanne Richter) persönlichen Aufzeichnungen von Regina A., Gesprächen mit ihr, ihrer Adoptivmutter und ihren Bekannten entnehmen.
2.1 Frühe Kindheit
Regina A. wurde im Oktober 1968 in K. geboren. Zum familiären Hintergrund, dem Verlauf der Schwangerschaft und der Geburt ist nicht viel bekannt. Die Mutter soll Alkoholikerin gewesen sein, aber es ist unklar, ob das schon während der Schwangerschaft der Fall war. Über den Vater konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Regina hat zwei ältere Brüder. Die Kinder sind jeweils in einem Abstand von einem Jahr zur Welt gekommen.
Aufgrund von Vernachlässigung sind die Kinder Ende November 1968 durch das Jugendamt den Erzeugern weggenommen worden. Sie kamen in ein katholisches Kinderheim in K., welches ausschließlich von Nonnen geführt wurde. Regina, als die Kleinste, wurde in einem Wäschekorb, in dem vermutlich Sauerstoffmangel herrschte, dorthin gebracht.
Während der Zeit im Kinderheim traten bei Regina, nach späteren Angaben einer betreuenden Ordensschwester, keine schwerwiegenden Krankheiten auf. Die Annäherung der zukünftigen Pflegeeltern verlief sehr langsam. Es war, vor allem für Herrn A., ein schwieriges Herankommen an Regina, weil sie im Großen und Ganzen nur weibliche Bezugspersonen gewohnt war.
Im Alter von knapp zwei Jahren kommt Regina nach K. zu ihrer erst Pflege- und dann Adoptivfamilie. Kontakt zu den leiblichen Eltern wird nicht erwünscht, da diese der Adoption nicht zustimmen wollten.
Regina wird von Anfang an sehr gut in die Familie integriert und liebevoll umsorgt. Die beiden Adoptivbrüder Carsten (sieben Jahre älter) und Sönke (fünf Jahre älter) werden auch bereits im Heim mit einbezogen.
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Regina scheint jedoch in ihrer Entwicklung etwas verzögert zu sein, denn sie hat mit drei Jahren noch nicht altersgemäß gesprochen. Außerdem ist auffällig, dass Regina in der ersten Zeit nachts im Bett ihren Kopf häufig hin und her geworfen hat. Zudem klammerte sie sehr an der Mutter und hat oft geschrieen.
2.2 Schulzeit und Pubertät
Regina wird 1975 eingeschult. Sie hat den Unterrichtsstoff nur langsam aufgenommen und wurde deshalb später von der vierten in die dritte Klasse zurückversetzt. Daraufhin hat sie auf den Schulhof „Ich bin doof.“ geschrieben.
Regina erlebte in der Schule noch einige andere Demütigungen, sie wurde zum Beispiel nackt in der Umkleidekabine von Jungen erschreckt oder auf dem WC von Mädchen über den Türrand hinweg „begafft“. Sie war immer ein Sonderling bzw. Außenseiter und hatte nur maximal zwei Freundinnen.
Wenn Regina wütend war, hat sie in ein Seil gebissen, Teller zerschmissen oder sich aus dem Bett auf Spielsachen fallen lassen.
In der Realschulzeit zog sich Regina viel in ihr Zimmer zurück und flüchtete mit Musik (hauptsächlich von Paola) in ihre Traumwelt.
Während der Pubertät hat Regina viel Krach mit ihrer Mutter. Sie wünscht sich zu der Zeit deswegen vermehrt eine andere Mutter. Diese sollte so sein wie Paola oder ihre Patentante. Sie drohte oft damit vom Balkon zu springen und ist einmal von Zuhause ausgerissen. Regina hatte aber das Gefühl, dass das erst keiner so richtig ernst genommen hat. Sie fuhr außerdem oft spät abends mit dem Fahrrad durch die Gegend. Nachdem sich Regina in eine andere Schülerin verliebt hatte, verstärkte sich ihre Außenseiterrolle noch. Sie wurde zudem auch wegen ihrer „Andersartigkeit“ gehänselt, weil sie sich in Kleidungs- und Musikangelegenheiten nicht der Masse anpasste. Nach einem Umzug nach C., der von Regina nicht gut gefunden wurde, verändert sich ihre Situation in dem neuen schulischen Umfeld nicht. Sie wird auch hier gehänselt und gedemütigt, indem sie, wiederum auf dem WC, von Mädchen in die Enge getrieben und geschlagen wird.
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Arbeit zitieren:
Susanne Richter, 2004, Borderline-Syndrom , München, GRIN Verlag GmbH
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