Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: 2
1. Einleitung 3
2. Werkbeschreibung und Entstehungsprozess von 7000 Eichen : 5
2.1 Die physische Dimension 5
2.2 Der Entstehungsprozess 5
2.2.1 Die Finanzierung 6
2.2.2 Zusammenarbeit mit der Stadt Kassel 7
2.2.3 Planung und Durchführung der Pflanzungen 7
3. Der erweiterte Kunstbegriff und die Soziale Plastik 8
3.1 Der erweiterte Kunstbegriff 9
3.2 Die Soziale Plastik 9
3.3 Die Vorgeschichte von 7000 Eichen 10
4. Die Rezeption von 7000 Eichen 11
4.1 Die negativen Reaktionen 11
4.2 Die positiven Reaktionen 12
5. Abschliessende Gedanken und Schlusswort 13
5.1 Das Verschwinden des Kunstwerkes 13
5.2 Weiterführende Projekte 14
5.3 Schlusswort 15
6. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Als seinen Beitrag zur documenta 7, 1982, hatte der Künstler Joseph Beuys die Pflanzung von 7000 Bäumen im Stadtgebiet von Kassel bestimmt. 1 Neben jedem gepflanztem Baum war eine Basaltsteinsäule aufzustellen. Die 7000 Säulen wurden zu Beginn der Aktion auf einen grossen Platz im Zentrum von Kassel transportiert und bis zu ihrer „Verwendung“ dort zwischen gelagert. Zur Abwicklung der Pflanzungen wurde ein Koordinationsbüro eingerichtet. Per Plakatwerbung und durch die Medien wurde jedermann aufgefordert, sich tatkräftig an den Pflanzungen zu beteiligen oder zum Gelingen der Aktion durch finanzielle Unterstützung in Form einer Spende beizutragen.
Diese für die damalige Kunstwelt ganz und gar ungewöhnliche Aktion war das bis heute aufwendigste, zeitlich und räumlich grösste Projekt in der Geschichte der documenta- Ausstellung. 2 Gleichzeitig markierte sie auch einen Höhepunkt im Schaffen des weltbekannten Künstlers. „Ich will mehr und mehr hinausgehen, um zwischen den Fragen der Natur und den Fragen der Menschen an ihren Arbeitsplätzen zu sein“ 3 , hatte Beuys vor der Eröffnung der documenta 7 in einem Interview verlauten lassen. Tatsächlich verliess er mit dieser Arbeit nicht nur den räumlichen Kontext der musealen Präsentation, sondern Drang mit ihr und durch sie tief in die Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger von Kassel ein. Er stellte die Aktion unter den viel sagenden Leitgedanken „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Beuys sah in ihr einen Heilungsprozess für all die dringenden Fragen der damaligen Zeit. 4 Das Projekt war somit eine „Probe aufs Exempel“ des von ihm seit langem propagierten erweiterten Kunstbegriffs, der in dem von ihm geschaffenen Begriff der sozialen Plastik seinen Abschluss findet. 5 Beuys wollte die Aktion nicht als ökologische Kleintat verstanden haben, sondern sie sollte übergreifen „auf ein grossgärtnerisches, parkgärtnerisches Tun an allen Stellen der Erde, wo noch Platz für einen Baum ist.“ 6 Angesichts der Realität – die Abholzung der grössten und ältesten Wälder unseres Planeten ging schon damals mit zunehmender Geschwindigkeit weiter – konnte man dieses Bemühen als blauäugig oder gar wirklichkeitsfremd ansehen. Andererseits musste man konstatieren,
1 Die grosse Mehrzahl der gepflanzten Bäume waren Eichen. Wo dies aus gartenbau-technischen Gründen nicht möglich war, wurden andere Baumarten verwendet.
2 Die documenta ist eine der weltweit grössten und wichtigsten Ausstellungen für Gegenwartskunst und findet seit 1955 alle vier oder fünf Jahre in Kassel statt.
3 Groener und Kandler 1987, S. 15 4 Groener und Kandler 1987, S. 16 5 Zweite 1991, S. 44 6 Altenberg und Oberhuber 1983, S. 68
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dass mit dieser Aktion sein Reden von der „sozialen Plastik“ konkret wurde - mit welchem Erfolg letztlich, das hängte nicht mehr von Beuys ab, sondern von denen, die seine Impulse aufgriffen, weiter trugen und verstärkten.
Mit «7000 Eichen» schuf Beuys ein „öffentliches“ Kunstwerk im wahrsten Sinn dieses Wortes. Die 7000 Baum-Stein-Paare sollten für die Bürgerinnen und Bürger von Kassel mehr als nur ein dekoratives Element ihrer urbanen Lebenswelt werden. Jeder zu pflanzende Baum bot ihnen die Chance aktiv an der Gestaltung ihrer Umgebung teilzunehmen und jeder gepflanzte Baum sollte sie als Mahnmal daran erinnern, ihre Lebenswelt nach freiem Willen zu gestalten.
In dieser Arbeit soll die Skulptur «7000 Eichen» im Hinblick auf ihren öffentlichen Charakter untersucht werden. Ihre Anlegung als Eingriff in den urbanen Lebensraum soll erörtert und ihre Beschreibung als „Konkretisierung der sozialen Skulptur“ kritisch hinterfragt werden. Dafür wird es notwendig sein, die verschiedenen Dimensionen dieses Werkes, ihre Entstehungsgeschichte und ihre Stellung innerhalb des Gesamtwerkes von Beuys zu beleuchten. Ausserdem wird zur Beurteilung der Arbeit auch die Rezeption in der Bevölkerung zu beachten sein.
Die Arbeit beginnt mit einer Werkbeschreibung und einer Darstellung des Entstehungsprozesses von «7000 Eichen». Danach wird der erweiterte Kunstbegriff von Joseph Beuys und der von ihm gebildete Begriff der Sozialen Skulptur vorgestellt. Dieses Kapitel beinhaltet auch einen kurzen Abriss über die Stellung von «7000 Eichen» innerhalb des Gesamtwerkes von Beuys. Im Anschluss daran wird die Rezeption des Werkes untersucht. Im abschliessenden Schlussteil soll die Frage geklärt werden, ob «7000 Eichen» tatsächlich die von Beuys beabsichtigte Wirkung zu erzielen vermochte.
Der Initiator des Projektes konnte die Pflanzung des 7000sten und letzten Baumes pünktlich zum Eröffnungstag der documenta 8 am 12. Juni 1987 nicht mehr miterleben. Joseph Beuys starb gut ein Jahr vorher an einer schweren Krankheit.
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2. Werkbeschreibung und Entstehungsprozess von «7000 Eichen»:
2.1 Die physische Dimension
Die Skulptur «7000 Eichen» bestand ganz zu Beginn aus einem Haufen von 7000 Basaltstelen, welche ab dem 15. März 1982 auf den Friedrichsplatz in Kassel transportiert wurden. Die Steinsäulen wurden in drei Steinbrüchen in der Umgebung Kassels abgebaut. Sie wiesen eine Länge von 120 bis 150 Zentimeter und einen Umfang von 30 bis 45 Zentimeter auf. Das Gewicht einer solchen Stele betrug je nach Grösse bis zu einer Tonne. 7 Beuys liess den grossen Steinhaufen keilförmig anordnen und pflanzte am 16. März 1982 an dessen Spitze, auf dem Rasenstück unmittelbar vor dem Eingang des Museums Fridericianum die erste Eiche. Neben dem noch jungen Baum wurde in kleinem Abstand eine Basaltsäule vertikal in die Erde gelassen, und zwar so, dass sie etwa mit halber Höhe in die Luft ragte. Dieses Baum- Stein-Paar war der Prototyp, dem noch 6999 weitere folgen sollten. Als Bestimmungsort für die Bäume und Steine hatte Beuys das gesamte Stadtgebiet Kassels gewählt. Möglichst viele Pflanzungen sollten dort durchgeführt werden, wo die Bäume laut Beuys am Dringendsten benötigt wurden: In der fast durchgehend asphaltierten Innenstadt. Ein Angebot der Stadt, an den neuen Tangenten und Ausfallstrassen die Pflanzung von etlichen tausend Bäumen zu bewilligen wurde von Beuys deshalb noch vor dem eigentlichen Beginn der Pflanzungen kategorisch abgelehnt. 8 Die 7000 Bäume sollten möglichst sichtbar in Erscheinung treten. Die Bürger und Bürgerinnen von Kassel wurden deshalb von Beginn an eingeladen, Vorschläge für die Standorte der Bäume zu machen. Sie machten davon reichlich Gebrauch. Nach Abschluss der Pflanzung des 7000sten Baumes im Juni 1987 lagen dem Koordinationsbüro immer noch über 3000 Anfragen für Baumpflanzungen vor.
2.2 Der Entstehungsprozess
Wenn man bedenkt, dass vor der grossen Pflanzaktion auf dem Stadtgebiet von Kassel gerade einmal 5000 Bäume gestanden haben, dann wird einem die Dimension dieser Pflanzaktion erst richtig bewusst.
7 Zweite 1991, S. 35
8 Hülbusch 1987, S. 92
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Arbeit zitieren:
Mike Bucher, 2004, Joseph Beuys - "7000 Eichen", München, GRIN Verlag GmbH
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