Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.3
2. Die Frontier-Theorie S.4
3. Die Charaktere in The Last of the Mohicans im Kontext der Frontier
Theorie S.6
3.1 Hawkeye als Ideal eines Frontiersman S.6
3.2 Major Duncan Heyward als Beispiel des
unangepassten Europäers S.8
4. Coopers Darstellung der Frontier S.10
5. Schlussbetrachtung S.12
6. Literaturverzeichnis S.14
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1. Einleitung
James Fenimore Cooper schuf in seinen fünf Lederstrumpfgeschichten, mit Natty Bumppo einen der ersten und wohl einen der berühmtesten Frontierhelden der amerikanischen Literatur (Clarke, 26). Cooper gilt zudem als Vater der amerikanischen Nationalität, da er Themen aus der amerikanischen Geschichte verarbeitete, sich klar zu einem amerikanischen setting bekannte und mit der Darstellung seiner indianischen Charaktere, deren Literaturwürdigkeit erstritt (Diedrich, 65).
In dieser Arbeit möchte ich aufzeigen, inwieweit Coopers Roman, The Last of the Mohicans (1826), als Darstellung der amerikanischen Frontier zu interpretieren ist. Es soll dargestellt werden, wie der Autor mit der Figur des Hawkeye einen Charakter geschaffen hat, der den notwendigen Prozess der Anpassung an die Umwelt des nordamerikanischen Kontinents erfolgreich meistert. Er kann deshalb auch als idealer Frontiersman, als Beispiel des neuen Menschen, des neuen Amerikaners betrachtet werden (Fussel, 68). Ausgehend von der evolutionistischen Frontier Theorie eines Frederick Jackson Turners, möchte ich beweisen, dass Natty Bumppo, aufgrund seines erfolgreiches Leben in der Wildnis der amerikanischen Frontierregion, als Wegbereiter der entstehenden amerikanischen Nation angesehen werden kann (Clarke, 29). Mit der Analyse des Charakters Major Duncan Heyward soll anschließend der starke Kontrast zwischen Hawkeye und den anderen Mitgliedern der weißen Rasse demonstriert werden. Er ist einerseits ein Repräsentant der im Verfall begriffenen europäischen Hegemonialmächte. Deshalb fehlen ihm, im Gegensatz zu Natty Bumppo, die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse um an der Frontier zu bestehen (Fussell, 40). Andererseits steht er aber auch für die Zukunft der weißen Zivilisation. Eine Zukunft, die aber nur durch Pioniere wie Hawkeye, realisiert werden kann. Neben der Analyse der handelnden Personen im Kontext der Frontier Theorie, möchte ich auch die literarische Darstellung dieser Region in Coopers The Last of the Mohicans untersuchen.
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2. Die Frontier Theorie
Vergleicht man den Begriff Frontier zunächst im europäischen und anschließend im amerikanischen Kontext, trifft man auf zwei grundverschiedene Konzepte. In Europa ist es die politische Grenze zwischen zwei Staaten, zwischen zwei Herrschaftsgebieten (Webb, 3). Eine Trennlinie, die nicht ohne weiteres überschritten werden kann. Im amerikanischen Sprachgebrauch verwendet man den Begriff Frontier hingegen für ein Territorium im Landesinneren, das sich, beginnend mit der Gründung von Jamestown, Virginia im Jahre 1607 bis zur vollständigen Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents im Jahre 1890 1 , kontinuierlich nach Westen verschiebt 2 (Webb, 5). Dieses Gebiet stellte eine Art Übergangszone zwischen bereits besiedeltem Land und noch unerschlossenem Land, zwischen weißer Zivilisation und Wildnis, dar (Wächter, 13). Es bezeichnet den Ort, an dem sich amerikanische Siedler sowohl im Kampf gegen die Indianer als auch im Kampf gegen die Natur bewähren mussten (Petersen, 57). Edwin Fussel nennt die Frontier auch common ground, da hier sowohl Indianer und Weiße, Mensch und Natur, Leben und Tod, als auch Himmel und Hölle aufeinander trafen (63).
Der amerikanische Historiker Frederick Jackson Turner (1861-1932) erweiterte 1893, im Rahmen seines vielbeachteten Aufsatzes The Significance of the Frontier in American History, den Frontierbegriff und erhob ihn zum Schlüsselbegriff seiner Interpretation der Geschichte der Vereinigten Staaten (Wächter, 13). Er stellt die These auf, dass die speziellen Bedingungen, mit denen die Menschen während der Besiedlung des Kontinents konfrontiert waren, den Grundstein für die amerikanische Demokratie und den typischen Charakter der amerikanischen Gesellschaft legten (Wächter, 108). Er betont, dass die Demokratie in den Vereinigten Staaten ein amerikanisches und kein europäisches Produkt ist. Sie entwickelte sich eben nicht im urbanen, zivilisierten und europäisierten Osten der USA, sondern im wilden, primitiven und agrarisch geprägten Westen. Frontier wird von Turner also nicht nur als geografischer Raum definiert, sondern auch als Gesellschaftsform, die immer dann entstand, wenn die Pioniere in ein unbesiedeltes Gebiet eindrangen, das Land
1 Fachterminus: closing of the frontier
2 Fachterminus: Westward Movement
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kultivierten und ihr soziales Zusammenleben gestalteten (Wächter, 14). Die hochzivilisierten europäischen Sitten und Kenntnisse erwiesen sich für die Siedler in der Wildnis als unbrauchbar. In einem Prozess der Anpassung an ihren neuen Lebensraum, verlor das europäische Erbe an Wirkungskraft und musste einer weitaus primitiveren, indianerähnlichen Lebensweise weichen (Wächter, 103) . Turner beschreibt diese, für das Überleben notwendige, Adaptation indianischer Praktiken in The Frontier in American History wie folgt:
The wilderness masters the colonist. It finds him a European in dress, industries, tools, modes of travel, and thought. It strips off the garments of civilisation and arrays him in the hunting shirt and the moccasins. It puts him in the log cabin of the Cherokee and Iroquois and runs an Indian Palisade around him. Before long he has gone to planting Indian crops and plowing wich a sharp stick; he shouts the war cry and takes the scalp in orthodox Indian fashion (4).
Für das Überleben in der Wildnis war eine harmonierende Gemeinschaft der Siedler essentiell wichtig. Schnell war klar, dass Privilegien Einzelner, traditionelle politische Führungsstrukturen und Klassenunterschiede innerhalb dieser Gemeinschaft völlig deplaziert waren. Es entstand eine hierarchielose Gesellschaft, in der politische Gleichheit nicht nur ein Dogma sondern tatsächlich Realität war (Wächter, 15). Der scheinbar unbegrenzte Vorrat an freiem Land sorgte für eine wirtschaftliche Gleichstellung der Gemeindemitglieder. Der Stolz auf das Erreichte und das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten ließ den typisch amerikanischen Individualismus entstehen. Dieser Individualismus war es auch, der die Siedler auf ihr erkämpftes und bewährtes Recht auf Selbstverwaltung pochen ließ. Diese zentralen Eigenschaften, soziale und ökonomische Chancengleichheit, Individualismus und Selbstverwaltung, machen laut Turner den typischen Siedler an der Frontier aus. Diese Eigenschaften zeichnen seiner Ansicht nach ebenso den typischen Amerikaner aus bzw. umschreiben die Grundsätze der amerikanischen Demokratie (Wächter, 109). Die Frontier, nicht die Städte im Osten, stellten den Schmelztiegel dar, der die diversen Rassen zu Amerikanern formte (Wächter, 105). Hier, in der sogenannten neighborhood democracy, findet sich die Keimzelle der amerikanischen Nation (Wächter, 109). Die Wildnis der Frontier zerstörte die althergebrachten Traditionen der europäischen Zivilisation und schuf somit die Voraussetzungen für eine neue soziale Evolution (Wächter, 105). Ausgehend vom Jäger, der als erstes das neue, unbekannte Territorium betrat, bis hin zum Farmer, der eine intensive, großflächige Landwirtschaft ermöglichte und somit die Voraussetzung für Urbanisierung und
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Arbeit zitieren:
Sebastian Selle, 2007, James Fenimore Cooper: The Last of the Mohicans - Eine Frontier Novel, München, GRIN Verlag GmbH
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