Die Fußball-WM 2006 sorgte nicht nur in Deutschland für einen Boom. Weltweit rückte dieser Sport wieder für sechs Wochen in den Fokus der Weltöffentlichkeit und führte zu einem neuen internationalen Ansehen der Bundesrepublik. Die Deutschen präsentierten sich entgegen der Stereotype als freundlich, aufgeschlossen und ausgelassen. Ein Grund war sicherlich, dass sich auch immer mehr Frauen für diesen männlich konnotierten Sport interessieren. Doch woher kommt diese Verbindung zwischen Fußball und Männlichkeit? Wie wird diese Männlichkeit hergestellt, welche Rollen gibt es und wie reagiert der Fußball auf Andersartigkeit? In diesem Werk versuche ich einen Überblick über Fußball und Männlichkeit zu geben, sowie Antworten auf die gestellten Fragen zu liefern.
Struktur der Arbeit
1 Einleitung
1.1 Die Entstehung des Fußballs
1.2 Fußball im 20. Jahrhundert
1.3. Fußball im 21. Jahrhundert
2. Fußball und Männlichkeit
2.1 Herstellung und Aneignung von Männlichkeit
2.2 Rollenbilder
2.3 Inszenierung von Fußball
2.3.1 Außerhalb des Spielfeldes
2.3.2 Auf dem Spielfeld
3. Andersartigkeit im Fußball
3.1 Fußball und Homosexuelle
3.1.1 Fußball und männliche Homosexuelle
3.1.2. Fußball und weibliche Homosexuelle
3.2 Frauen und Fußball
3.2.1 Frauenfußball
3.2.2 Fußball und Frauen
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die tief verwurzelte Verbindung zwischen Fußball und Männlichkeit, analysiert die Mechanismen der Identitätskonstruktion in diesem Sport und geht der Frage nach, wie der Fußball auf Andersartigkeit sowie die zunehmende Präsenz von Frauen reagiert.
- Konstruktion von Männlichkeit durch militärisch geprägte Traditionen und Sprache.
- Einfluss von Medien, Kommerzialisierung und moderner Stadioninszenierung auf das Rollenverständnis.
- Die Rolle von Gewalt und Abgrenzung in Fußballfangruppen.
- Umgang mit Homosexualität als Tabuthema im Männer- und Frauenfußball.
- Perspektiven der zunehmenden Emanzipation von Frauen im Kontext einer tradierten Männerdomäne.
Auszug aus dem Buch
2.1 Herstellung und Aneignung von Männlichkeit
Seit sich Fußball immer mehr als ein regelhaftes Spiel mit einem Wettbewerbscharakter herauskristallisierte, ist dieses Spiel in den meisten Ländern eine vornehmlich männliche Sportart.
Eine wichtige Rolle für die Dominanz des männlichen Geschlechts in dieser Sportart spielte das Militär, als institutioneller Ort hegemonialer Männlichkeit, welcher seit seiner Erschaffung ausnahmslos Männern vorbehalten war, sich aber seit ein paar Jahren als traditionelle Männlichkeitsmaschine immer mehr abdankt und an Prägekraft verliert. Das britische Militär ließ seine Soldaten in den Kolonien regelmäßig Fußball spielen um die Moral aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Disziplin zu fördern und den Körper zu tüchtigen. Zudem verbreiteten die Briten den Sport in den besetzten Gebieten und veranstalteten Freundschaftsspiele gegen lokale Mannschaften. Kurz darauf wurde Fußball in den Schulplan aufgenommen, allerdings nur für Jungen, da Mädchen als zu schwach angesehen wurden um diesen Sport auszuüben.
Dass das Militär den Fußball geprägt hat, ist auch daran zu erkennen, dass viele Begriffe aus dieser Sportart aus dem Kriegsjargon entlehnt sind:
Schießen, Kämpfen, tödlicher Pass, Leitwolf, vom Platz fegen, Todesstoß versetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Boom des Fußballs, stellt die Forschungsfrage nach der Verbindung zwischen Fußball und Männlichkeit und gibt einen historischen Abriss über die Entstehung und Entwicklung des Sports.
2. Fußball und Männlichkeit: Dieses Kapitel analysiert, wie der Fußball als reservierte Männerwelt durch militärische Traditionen geprägt wurde und welche Rolle Rollenbilder sowie die Kommerzialisierung heute spielen.
3. Andersartigkeit im Fußball: Der Abschnitt befasst sich mit der schwierigen Integration von Homosexuellen und Frauen in den Fußball, die nach wie vor als männlich dominierter Raum wahrgenommen wird.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass der Fußball auch durch die stärkere Partizipation von Frauen und Familien primär eine männlich geprägte Arena bleiben wird.
Schlüsselwörter
Fußball, Männlichkeit, Männerdomäne, Frauenfußball, Homosexualität, Gewalt, Rollenbilder, Kommerzialisierung, Stadioninszenierung, Identität, Geschlechterkonstruktion, Fans, Sportsoziologie, Maskulinität, Emanzipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die soziologische Konstruktion von Männlichkeit im Fußball und analysiert, warum dieser Sport trotz gesellschaftlicher Veränderungen als bastionäre Männerdomäne wahrgenommen wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese des Fußballs, der Inszenierung von Männlichkeit (z.B. durch Sprache und Fan-Gewalt) sowie dem Umgang mit Homosexualität und dem wachsenden Einfluss von Frauen.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es zu ergründen, wie Männlichkeit hergestellt wird, welche Rollenbilder im Fußball existieren und wie der Sport auf die zunehmende Präsenz von "Andersartigkeit" reagiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt einen soziologischen Ansatz, um den Habitus im Fußball zu analysieren, gestützt durch historische Analysen und die Auswertung von Medienbeispielen und Fangruppen-Verhalten.
Welche Aspekte werden im Hauptteil fokussiert?
Im Hauptteil werden neben den historischen Wurzeln insbesondere die Inszenierung des Sports auf und außerhalb des Spielfeldes, das "Macho-Verhalten" in Fangruppen und die Tabuisierung von Homosexualität betrachtet.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Sie zeichnet sich durch die Verknüpfung von Fußballhistorie mit soziologischen Theorien über Männlichkeitskrisen und die Untersuchung der wachsenden Kommerzialisierung als Faktor für den Wandel im Stadion aus.
Inwiefern beeinflusst das Militär laut Autor den Fußball?
Das Militär diente historisch als Ort hegemonialer Männlichkeit; die Übertragung militärischer Disziplinierung und Begriffe (z.B. "Todesstoß") prägte den Sport nachhaltig.
Warum wird David Beckham als Beispiel für ein Rollenbild angeführt?
Beckham wird als Repräsentant einer "femininen" Männlichkeit kontrastiert zu eher traditionell maskulinen Spielern wie Torsten Frings, um die aktuelle Spannung zwischen technischem Können und dem klassischen Bild des "Abräumers" aufzuzeigen.
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- Steven Oklitz (Author), 2007, Fußball und Männlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72577