INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung. 1
2. Der kulturelle Faktor in den internationalen Beziehungen 2
2.1. Huntingtons Welt. 3
2.1.1. Kritik an Huntington 5
2.2. Die Dynamiken der internationalen Beziehungen 6
2.2.1. Die Dynamik der Staatenwelt. 6
2.2.2. Die Dynamik der Handelsstaaten. 7
2.3. Kultur und internationale Konflikte 8
2.3.1. Kultur als Ursache internationaler Konflikte 8
2.3.2. Kultur als Mittel der Verschärfung internationaler Konflikte 9
3. Der kulturelle Faktor in der Innenpolitik. 10
3.1. Kultur als Instrument von Machtpolitik. 10
3.1.1. Kultur als Mittel der individuellen und gesellschaftlichen
Krisenbew ältigung. 10
3.1.2. Mobilisierung um kulturelle Themen als Herrschaftstechnik. 11
3.1.3. Zusammenfassung. 12
3.1.4. Der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen. 12
3.2. Kultur als Konfliktursache in kulturell heterogenen Gesellschaften 13
4. Fazit 14
Literaturverzeichnis 16
I
1. Einleitung
Keine These hat die sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen in letzter Zeit so sehr bewegt wie Huntingtons These vom „Clash of Civilizations“. Er hat mit seinem Artikel in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ von 1993 und seinem drei Jahre später folgenden Buch die Diskussion um die Rolle des Kulturkonzeptes (wieder) angefacht. Ob es sich um aktuellere Ereignisse wie den Konflikt um die Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung oder die Aufstände in den französischen Banlieus handelt oder um Jahre zurückliegende Ereignisse wie die Kriege im ehemaligen Jugoslawien, stets bedient sich die Presse und die öffentliche Diskussion des Begriffes des „Kulturkampfes“ in Anlehnung an Huntingtons These. Für Huntington stellen kulturelle Aspekte die alles erklärenden Variablen dar. Konflikte entspringen für ihn hautsächlich aus kulturellen Differenzen. In dieser Arbeit sollen mit einem etwas differenzierteren Blick die kulturellen Faktoren sowohl in den internationalen Beziehungen als auch in der Innenpolitik betrachtet werden. Im Kern soll geklärt werden, wann kulturelle Differenzen als Mittel oder als Ursache auftauchen. Will man analysieren, ob kulturelle Faktoren als Ursache oder als Mittel anzusehen sind, muss man vorab definieren, wann welcher Fall vorliegt. Dabei geht es um das Verhältnis zwischen Politik und den (immer und überall vorhandenen) kulturellen Differenzen. Bedient sich die Politik kultureller Themen für die Durchsetzung politischer Ziele, dann wird Kultur instrumentalisiert. Ist es allerdings so, dass kulturelle Differenzen ohne Mobilisierung von politischen Führern selbst zum Gegenstand der Politik werden, dann begegnen wir Kultur in der Form der Ursache. Es geht also darum, woher der Input für die Beschäftigung mit kulturellen Themen kommt. Kommt er von der Politik selbst, dient er politischen Zwecken in Form von Macht u.Ä., kommt der Input von kulturellen Themen in die politische Sphäre von der Gesellschaft, liegt die Ursache in der Unvereinbarkeit unterschiedlicher Werte und Normen. An dieser Stelle will ich betonen, dass es in jeder industriellen Gesellschaft kulturelle Unterschiede gibt. Es geht also nicht um die prinzipielle Frage, ob es kulturelle Differenzen gibt oder nicht, sondern, wie gravierend die Unterschiede sind und wie dominierend die kulturelle Identität im Gegensatz zu anderen Identitäten wird. Zur groben Struktur der Arbeit ist zu sagen, dass die Arbeit in zwei große Blöcke aufgeteilt ist. Im ersten Block soll der kulturelle Faktor im Bereich der internationalen Beziehungen und im zweiten Block im Bereich der Innenpolitik beleuchtet werden.
Der Kulturbegriff, der der gesamten Arbeit zugrunde liegt, ist der erweiterte Kulturbegriff. Kultur ist demnach die Gesamtheit der von Mitgliedern geteilten Werte, Normen und Bedeutungen, die das Verhalten der Menschen bestimmen und die durch dieses Verhalten
1
hergestellten Artefakte. 1 Dabei dienen Kulturstandards als Handlungsorientierung, welche innerhalb der jeweiligen Gruppe eine reibungslose und effektive Interaktion und Kooperation ermöglicht. 2 Die Normen und Werte könnte man als kulturspezifische „Werkzeuge zur Daseinsbewältigung“ 3 ansehen.
2. Der kulturelle Faktor in den internationalen Beziehungen
Will man hinterfragen, welche Rolle der kulturelle Faktor in den internationalen Beziehungen (im Folgenden abgekürzt als IB) spielt, muss man zunächst bestimmen, was mit IB gemeint sein soll.
„Internationale Beziehungen sind das Gesamtgefüge aller grenzüberschreitenden Interaktionen zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren, die zu politisch relevanten Wertzuweisungen in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Herrschaft führen“. 4 IB lassen sich auf zwei Analyseebenen betrachten. Die internationale Politik ist die Ebene des internationalen Systems. Hier wird die aufeinanderbezogene Interaktion der Akteure betrachtet und welche Einflüsse die Struktur des internationalen Systems auf die Akteure hat. Der Bereich der Außenpolitik beschreibt die Aktionen der Akteure in die internationale Umwelt hinein und bewegt sich damit auf der nationalen Ebene. 5 Dabei sei an dieser Stelle angemerkt, dass die zentralen Akteure der Weltpolitik Nationalstaaten sind und in Folge dessen in den weiteren Ausführungen der Staat als Akteur im Vordergrund steht. Im Fokus der Analyse der kulturellen Faktoren in den IB soll in dieser Arbeit die Analyseebene des internationalen Systems und dessen strukturbedingten Wirkungen auf die Staaten stehen, da dies allgemeine Aussagen über die Rolle kultureller Faktoren zulässt. Der kulturelle Faktor bedeutet dabei konkret, zu untersuchen, welche Rolle es in den IB spielt, dass es Werte und Normen gibt, die in manchen Staaten mehr vorherrschen als in anderen (es gibt prinzipiell jeden Wert überall, nur werden sie unterschiedlich gewichtet 6 ) und es somit kulturelle Gemeinsamkeiten und Differenzen gibt. In diesem Block soll erarbeitet werden, welche strukturellen Grundbedingungen in den internationalen Beziehungen vorherrschen und wie sich diese zum Faktor Kultur verhalten. Doch bevor dies geleistet werden soll, kommt man bei dieser Thematik nicht darum herum, sich mit Huntingtons
1 vgl. Niklas, Hans: Kulturkonflikt und interkulturelles Lernen, in: Thomas, Alexander (Hrsg.) Kulturstandards in der internationalen Begegnung, Saarbrücken: Breitenbach, 1991, S. 125-140, S. 125
2 vgl. Roth, Juliana/ Christoph Köck (Hrsg.): culture communication skills - interkulturelle Kompetenz, München: Bayerischer Volkshochschulverband e.V., 2004, S. 9
3 Müller, Harald: Das Zusammenleben der Kulturen. Ein Gegenentwurf zu Huntington (2. Auflage), Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1999, S. 37
4 Czempiel: Ernst Otto: Die Disziplin ‚Internationale Beziehungen’ und die Bestimmung des Gegenstandes, in: Knapp, Manfred/ Gert Krell (Hrsg.): Einführung in die Internationale Politik, München: Oldenbourg Verlag, 2004, S. 4
5 vgl. ebd. S. 4 ff.
6 vgl. Maletzke, Gerhard: Interkulturelle Kommunikation. Zur Interaktion zwischen Menschen verschiedener Kulturen, Opladen: Westdeutscher Verlag, 1996, S. 81
2
weltpolitischem Paradigma auseinander zu setzen. Als Grundlage dafür soll zunächst in aller Kürze Huntingtons Theorie zusammengefasst werden.
2.1. Huntingtons Welt
Nach Huntington befinden wir uns in einem Abschnitt der Weltgeschichte, der geprägt ist von Konfrontationen zwischen Zivilisationen, 7 also nicht mehr zwischen Nationen, wie im multipolaren westlichen System bis zum zweiten Weltkrieg oder zwischen Ideologien in einem bipolaren halb-westlichen System im darauffolgenden Kalten Krieg. 8 Huntington will eine „Landkarte der Realität“ 9 entwerfen, die sich auf die kulturellen Faktoren als Erklärungsvariablen beschränkt. Er schreibt selbst, dass dies eine grobe Vereinfachung ist, es aber notwendig sei, zu abstrahieren, um den Blick für das Wesentliche zu erhalten. 10 Getreu seinem Motto „culture matters“ sind für ihn die zentralen Akteure der internationalen Politik die großen Weltkulturen:
• die westlich-christliche Kultur Europas, Nordamerikas und Ozeaniens; • die orthodox-christliche Kultur der slawisch-griechischen Welt; • die islamische Kultur, die sich im Bogen von Mittelafrika über den Nahen Osten bis nach Zentralasien und Indonesien ausgebreitet hat; • die afrikanische Kultur - was immer das sein mag; • die hinduistische Kultur Indiens; • die japanische Kultur;
• die konfuzianische Kultur Chinas und seiner ost- und südostasiatischen Peripherie 11
In diesem Fall wird Kultur nicht als Struktur einer bestimmten Gruppe verstanden, sondern als Gruppe selbst. 12 Für Huntington definieren sich die Kulturkreise sowohl über objektive Elemente wie Sprache, Geschichte, Religion, Sitten, Institutionen, als auch über subjektive Identifikationen der Menschen, wobei sein Fokus auf der Religion liegt. 13 Dabei stellt sich natürlich die Frage, wie Kulturen zu politisch handlungsfähigen Akteuren werden sollen. Die Welt des Politischen hat stets eine physische Dimension, am einfachsten sichtbar an der Territorialität eines Staates. Kultur ist nur in seinen materiellen Manifestationen (kulturellen Artefakten) physisch, der Kern in Form von Werten und Normen ist immateriell. Huntington
7 Zivilisation ist die bevorzugte Ausdrucksweise von Kultur im Angelsächsischen.
8 vgl. Huntington, Samuel P.: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, (9. Auflage) München: Europa Verlag, S. 72
9 Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 29
10 vgl. ebd, S. 29 ff.
11 vgl. Müller, Harald: Der Mythos vom Kampf der Kulturen. Eine Kritik an Huntingtons kulturalistischer Globaltheorie, in: E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit, 10 (1998), S. 262-264
12 vgl. Maletzke, : Interkulturelle Kommunikation, 1996, S. 16
13 Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 54 und S. 61
3
Arbeit zitieren:
Manuel Andersch, 2006, Kulturelle Faktoren in der internationalen Politik und in der Innenpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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