Einleitung 3
1. Quellenlage. 3
2. Definitionen 4
3. Die zeitgenössischen Gewerkschaften 5
3.1. Entstehungsbedingungen der Gewerkschaften. 5
3.2. Die ersten Gewerkschaften und Marx. 7
4. Die Marxsche Politikkonzeption 8
4.1. Ideengeschichtliche Grundlagen. 8
4.2. Die Arbeiterklasse und der Lohn. 9
5. Gewerkschaften als theoretisches Sujet im Marxschen Werk. 10
5.1. Theoretische Grundlagen der „Gewerksgenossenschaften“ 10
5.2. Funktionen der Gewerkschaften. 11
6. Marxsche Realpolitik und die Gewerkschaften. 13
6.1. Die Erste Internationale. 13
6.2. Kritik an der Institutionalisierung der britischen Gewerkschaften. 15
6.3. Allgemeine Forderungen an die „Gewerksgenossenschaften“ 16
7. Fazit. 18
Literaturverzeichnis. 20
2
Einleitung
Das Hauptseminar „Marx - Eine Kritik der Politik“ hat im Sommersemester 2004 versucht, einer „neuen Marx-Renaissance“ durch die Auseinandersetzung mit den „politischen Schriften von Marx“ 1 zu begegnen. Unter der Anleitung des Dozenten wurden unter anderem die politische Lage im Deutschland des 19. Jahrhunderts, die Entwicklung der Sozialdemokratie und die diversen Rezeptionen der Marxschen Theorie, besonders der unvollendeten Staats- und Ideologietheorie, diskutiert.
Als Schwerpunkt rückte immer wieder die Frage der Position Marx` zu zeitgenössischen und zukünftigen gesellschaftlichen Organisationen, Institutionen und Akteuren in den Mittelpunkt. In dieser Arbeit möchte ich - nach Darlegung der Anfänge der Gewerkschaftsbewegung - zunächst Karl Marx’ und Friedrich Engels’ Politikkonzeption vorstellen. Zentraler Gegenstand dieser Arbeit sind dann Thesen, Umgang und mögliche Entwürfe Marx´ und Engels´ zur Gewerkschaftsbewegung und ihren Organisationen. Dazu wurden sowohl Autoren von Primärquellen 2 , als auch Sekundärtexte renommierter Sozial- und Geschichtswissenschaftler herangezogen, deren Erläuterungen Aspekte des Marxschen Werks gegebenenfalls treffend zusammenfassen.
Tiefer gehende Dimensionen der deutschen Geschichte und der Entstehungsbedingen des Marxschen Werks wurden weitestgehend unberücksichtigt gelassen. Eine angemessene Betrachtung innerhalb dieser politikwissenschaftlichen Arbeit wäre aus Platzgründen nicht möglich gewesen.
1. Quellenlage
Die zum Thema vorliegenden Quellen sind in Umfang und Inhalt insgesamt sehr befriedigend. Auch das Thema betreffende Sekundärliteratur ist ausreichend vorhanden. Oft sind die als ergänzende Standardliteratur geltenden Werke sehr aktuell 3 .
1 Alles in HU zu Berlin. Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis. Institut für Sozialwissenschaften. Sommersemester 2004, HU Berlin, Berlin 2004, S. 47
3
Wie diese Arbeit auch zeigen will, haben gerade die Schriften von Marx selber nachhaltigen Einfluss auf die Arbeit in und die Kritik an den späteren Gewerkschaften und den ihr nahestehenden Parteien, vor allem der Sozialdemokratie, gehabt. Besonders hilfreich waren daher Rückgriffe auf Texte von Karl Marx und Friedrich Engels selber. Als Grundlagen dieser Arbeit dienen vorrangig „Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons ‚Philosophie des Elends’ “ 4 , „Das Manifest der Kommunistischen Partei“ 5 , „Allgemeine Statuten und Verwaltungs-Verordnungen der Internationalen Arbeiterassoziation“ 6 , „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ 7 und „Lohn, Preis, Profit“ 8 von Karl Marx und Friedrich Engels. Alle in dieser Arbeit verwendeten Zitate der beiden letzteren wurden den MEW - Marx, Karl und Engels, Friedrich. „Werke“, herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Band 1-43, Dietz-Verlag, Berlin 1956 - entnommen. Die in der vorliegenden Hausarbeit getroffenen Aussagen beziehen sich jedoch auch auf Texte aktueller Sozialwissenschaftler, so vor allem auf die „Kleine Geschichte der Gewerkschaften“ 9 von Michael Schneider, im Seminar gemachte Feststellungen und dem Studium einiger Presseerzeugnisse.
2. Definitionen
Zunächst sei auf die Begriffe Arbeiter, Angestellter und Beschäftigter hingewiesen. Wenn sie nicht im konkreten Kontext, oder in Auszügen aus dem Marxschen Werk, zwingend Unterschiedliches bezeichnen, sind sie synonym verwendet worden. Ebenso wurde mit den Begriffen Bourgeois, Kapitaleigner, Kapitalist und Unternehmer verfahren. Gleiches gilt für die Bezeichnungen Gewerkschaften, „Gewerksgenossenschaften“ 10 und Werksvereine, die auch bei Marx und Engels gleichbedeutenden Gebrauch finden. Da sich diese beiden Autoren oft eines generellen, universellen Anspruchs versichern wollten, wird auf die nationalen Gewerkschaften und Bezeichnungen nur dann eingegangen, wenn es auch bei Marx nicht um die Beschreibung abstrakter,
2 Marx, Karl und Engels, Friedrich
3 beispielsweise: Misik, Robert. Marx für Eilige. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2003
4 Marx, Karl und Engels, Friedrich. Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Band 1-43, Dietz-Verlag, Berlin 1956, Band 4
5 ebenda
6 ebenda, Band 17
7 ebenda
8 ebenda, Band 16
9 Schneider, Michael. Kleine Geschichte der Gewerkschaften. Dietz, Bonn 2000
10 Marx, Karl und Engels, Friedrich. Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Band 1-43, Dietz-Verlag, Berlin 1956, Band 17, Seite 443 ff.
4
allgemeingültiger politischer Bewegungen, sondern um konkrete Organisationen geht 11 . In dieser Arbeit sind - an den Marxschen Sujets und seinen Heimatorten orientierendsowohl die nationalen Bedingungen, als auch die Arbeiterorganisationen Englands, Frankreichs und Deutschlands Gegenstand.
Als Gewerkschaften gelten hier, und mit Vorbehalt in theoretischer Übereinstimmung mit den Marxschen und Engelschen Gedanken, „autonome Verbände von Lohnabhängigen, die sich zur (...) Durchsetzung ihrer Interessen sowohl im Betrieb wie allgemein in Wirtschaft und Politik zusammengeschlossen haben.“ Sie sind Ausgangspunkt der Arbeiterbewegung und stellen eine ihrer „organisatorischen Säulen“ 12 dar.
Während marxistisch die Aufnahme politischer, wissenschaftlicher und philosophischer Ideen von Karl Marx durch Rezipienten bezeichnet, meinen Marxsche Vorgehensweisen die unmittelbare Aktivität von Karl Marx bzw. die seiner direkten, zeitgenössischen politischen Helfer.
3. Die zeitgenössischen Gewerkschaften
3.1. Entstehungsbedingungen der Gewerkschaften
Die Bildung von Gewerkschaften, als Zusammenschlüsse abhängig Beschäftigter zur Durchsetzung gemeinsamer, zumeist arbeitsrechtlicher und sozialpolitischer Interessen, fällt zeitlich mit der Herausbildung des Industriekapitalismus zusammen. Allerdings gab es schon im 17. und 18. Jahrhundert durch die traditionell in Zünften organisierten Handwerker einen Brauch, auf den sich auch Marx immer wieder berufen wird. Diese Gesellenbünde, mit einer oft bis ins „Mittelalter zurückreichenden Tradition“, hätten allerdings kaum zu einer breiteren Idee und Bewegung geführt, wenn nicht „die wandernden Gesellen vor allem in der Schweiz und in Frankreich“ 13 mit freiheitlichdemokratischen Bestrebungen in Kontakt gekommen wären.
Zwischenzeitlich sind generell Assoziationen von Arbeitern jedoch in ganz Europa illegalisiert. Ein emanzipatorisches Potential von Gewerkschaften wird schon früh darin deutlich, dass sie während politischer und sozialer Krisen, sowohl im monarchistischen England 1799 durch den „Combination Act“, als auch im bürgerlichen Frankreich 1791
11 So beispielsweise die britischen Chartisten.
12 Alles Lösche, Peter zitiert nach Schroeder, W. und Weßels, B. Die Gewerkschaften in Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003, S. 65
13 Alles in Schneider, Michael. Kleine Geschichte der Gewerkschaften. Dietz, Bonn 2000, S. 25
5
verboten wurden. 14 Noch 1845 wurden in Preußen und anderen deutschen Staaten „Verabredungen von (...) Fabrikarbeitern zum Streik mit Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr bedroht“ 15 .
Sowohl in Deutschland, England und - in abgeschwächter Form - Frankreich, lassen sich die „Auswirkungen der Mechanisierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am deutlichsten ablesen“ 16 , also noch vor den bürgerlichen Revolutionen von 1848. Nun, mit der Durchkapitalisierung der Wirtschaft und dem „Siegeszug des Fabriksystems“ 17 , sprach man in Kirchen, Vereinen, und unter Intellektuellen von dem, was später als die „soziale Frage“ deklariert wurde.
Die Gesamtzahl aller in Industrie und Dienstleistung Erwerbstätigen stieg in Deutschland, in den Jahren von 1825 bis 1850 auf 38 auf 45 Prozent, bildete also schon die knappe Hälfte der arbeitenden Bevölkerung. In England gewannen die Industriearbeiter, besonders in der Textilbranche noch schneller an proportionaler Stärke.
Nachdem es seit Beginn der industriellen Revolution in Großbritannien Anfang des 19. Jh. zu verschiedenen Arbeiterunruhen gekommen war, wurde 1824 die Bildung von Gewerkschaften erlaubt. Ihren politischen Ausdruck finden die britischen Gewerkschaften in der Chartisten-Bewegung, die sich auch für ein allgemeines Wahlrecht einsetzt. So konstatiert auch Marx, das die inzwischen aufkommenden „Strikes, Koalitionen und trades unions (...) gleichzeitig mit den politischen Kämpfen der Arbeiter, die gegenwärtig unter dem Namen der Chartisten eine große politische Partei bilden“, ins Leben traten. Weiterhin stellt der noch junge Marx fest, dass die „ersten Versuche der Arbeiter, sich untereinander zu assoziieren, (...) stets die Form von Koalitionen“ 18 annehmen, also spontane und kaum programmatische Zusammenschlüsse sind. Auch gab es in vielen Ländern Europas seinerzeit „keine proletarische[n] Massenorganisationen“ 19 , denn auch die Arbeiterschaft als sozioökonomische Klasse musste sich noch entwickeln.
14 vergleiche auch Harenberg, Bodo (Hrsg.). Harenberg Kompaktlexikon. Harenberg, Dortmund 1996, S. 1034
15 Schneider, Michael. Kleine Geschichte der Gewerkschaften. Dietz, Bonn 2000, S. 23
16 ebenda, S. 20
17 Misik, Robert. Marx für Eilige. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2003, S. 47
18 alles in Marx, Karl und Engels, Friedrich. Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Band 1-43, Dietz-Verlag, Berlin 1956, Band 4, S. 180
19 Schneider, Michael. Kleine Geschichte der Gewerkschaften. Dietz, Bonn 2000, S. 26
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Arbeit zitieren:
Hannes Heine, 2004, Marx und die Gewerkschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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