Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Entstehungsgeschichte 4
3. Erste Phase (1977-1980) 5
3.1 Punk als Randgruppenerscheinung 5
3.2 Philosophie und politische Motivation 6
3.3 Artikulation über Musik. 6
3.4 Reaktion des Staates. 7
4. Zweite Phase (1981-83) 7
4.1 Punk als Massenbewegung 7
4.2 Politische Ambitionen. 8
4.2.1 Friedensbewegung 9
4.2.2 Antifaschistische Bewegung 9
4.3 Artikulation über Musik. 10
4.4 Reaktion des Staates. 11
4.4.1 Beispiel Band Namenlos. 12
5. Dritte Phase 13
5.1 Punk als Auflösungserscheinung 13
6. Schlussbetrachtung. 14
Literaturliste 16
Anhang 1: 17
Anhang 2: 19
2
1. Einleitung
Mit dem Ende der 1970er Jahre entwickelte sich in der DDR, fern ab von der staatlich dosierten Kulturkost, eine äußerst lebendige Musik- und Kulturszene. Eine wichtige Rolle spielte dabei meiner Meinung nach die Punkbewegung. Dieser wichtigen Rolle möchte ich mit meiner Themenwahl gerecht werden und habe somit innerhalb der unabhängigen Kulturszene den Fokus auf die ostdeutsche Punkbewegung gelegt. In Anbetracht meines sehr politiklastigen Studiums zog mich mein Interesse zu den politischen Hintergründen der Bewegung. Ich beschloss meine Forschung auf die Frage der politischen Motivation und Ambition der Punkbewegung zu konzentrieren. So lautet denn auch meine Ausgangsfrage „Inwiefern war die ostdeutsche Punkbewegung politisch motiviert und ambitioniert?“. Bei der nun folgenden Literatursuche musste ich jedoch Kompromisse eingehen, denn die Materiallage erwies sich insofern als schwierig, als dass es keine wissenschaftliche Literatur zu meiner Fragestellung gab. Es stand viel Literatur in Form von Quellen zur Verfügung, die ich dann auch in meine Arbeit einfließen ließ.
Die Klärung meiner Frage habe ich in drei verschiedene Phasen eingebettet, die vorweg von einer kurzen Übersicht zur Entstehungsgeschichte des Punks begleitet werden. Innerhalb der Phasen werde ich verschiedene Punkte abarbeiten, die meiner Meinung nach für einen Überblick über die ostdeutsche Punkbewegung unerlässlich sind. Dabei verliere ich jedoch die Frage nach politischer Motivation und Ambition nicht aus den Augen. Die erste Phase, von mir festgelegt auf den Zeitraum 1977-80, gibt einen Einblick in die Anfangszeit der Punkbewegung, als Punks auf öffentlicher Straße noch als Ausnahmeerscheinung galten und Punkmusik noch in Garagen geboren wurde. Die zweite Phase, festgelegt auf die Jahre 1981-83, widmet sich dem Übergang der Kultur zur Massenbewegung. Ähnlich strukturiert wie die erste Phase, dient Phase zwei als direkte Gegenüberstellung und verdeutlicht dadurch um so mehr die Entwicklung der Punkbewegung. Die dritte Phase, begrenzt auf die Jahre 1984-89, fällt um einiges kürzer aus als die beiden vorherigen und dient dazu ein schlüssiges Gesamtbild zu erschaffen. Erkenntnisse und Ergebnisse meiner Forschung werden schließlich in meiner Schlussbetrachtung zusammengefasst.
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2. Entstehungsgeschichte
Das Wort „Punk“ wird heute in allgemein gebräuchlichen Übersetzungswerken folgendermaßen übersetzt: „1. Zunderholz n; Zündmasse f; F Mist m, Käse m; 2. sl. Miserabel, nichts wert. 1
Bereits im 16. Jahrhundert soll das Wort laut Oxford Dictionary mit einer eigenen Bedeutung belegt worden sein, die als Substantiv soviel wie „Hure“, als Adjektiv „verdorben, wertlos, ohne irgendwelche Qualitäten“ aussagte. 2 Andere Forscher wollen herausgefunden haben, dass es eine ursprüngliche Slangbezeichnung für schimmeliges, altbackenes Brot darstellt. 3 Allen Übersetzungen sind in ihren Bedeutungen oder in der Interpretation dieser die Attribute „wertlos, eklig und abstoßend“ gemein.
Wertlos, eklig und abstoßend, wie der Müll einer ganzen Gesellschaft, so fühlte sich Mitte der 70er Jahre ein Großteil der Jugend in Großbritannien. Punk wurde von vielen, vor allem von der Proletarierjugend, als Spiegelbild ihrer Lebenssituation verstanden. Diese war geprägt von Jugendarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und wachsender Aggressivität. Mit dem Punk-Sein, der bewussten Zurschaustellung von Hässlichkeit, lehnte sich die Jugend gegen konventionelle Wertevorstellungen der britischen Industriegesellschaft auf, in der einer arbeitslosen Jugend die Rolle des Versagers zugewiesen wurde. 4 Zeitgleich ging ein neu entstehender Musikstil gegen die konventionelle und alt gewordene Rockmusik vor. Bands wie Genesis, Supertramp oder Pink Floyd waren in den Augen der Jugendlichen nur noch ein Amüsement, welches der Regierung half, den Mob von der Straße fernzuhalten 5 . Auch war die damalige Musik mit ihrem Inhalt und den kommerziellen Auswüchsen (Konzerte, Schallplatten, usw.) weit entfernt vom Lebensalltag der englischen Jugendlichen.
Die alten Rockgiganten wurden ersetzt durch neue junge Bands wie den Sex Pistols, The Clash oder The Damned. Das hieß Rückentwicklung zur Primitivität, zur Urform des Rocks aus den Anfangsjahren. Dieser neue und außerhalb der Lebenszusammenhänge der Arbeiterjugend entstandene Musikstil fiel bei den Jugendlichen auf fruchtbaren Boden und bildete zusammen mit
1 Heinz Messinger/ Gisela Türck/ Helmut Willmann, Langenscheidts Taschenwörterbuch Englisch. Englisch-Deutsch, Deutsch-Englisch, 28. Aufl. Berlin 1998, S. 445.
2 o. Verf., Punk: Nadel im Ohr, Klinge am Hals, in: Spiegel, 4. 1978, S. 141.
3 Ebd.
4 Philipp Mühlberg/ Manfred Stock, Die Szene von Innen. Skinheads, Grufties, Heavy Metals, Punks, Berlin 1990, S. 163
5 Klaus Farin, Jugendkulturen zwischen Kommerz und Politik, Berlin 1998, S. 78
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dem wahrgenommenen Gefühl des nicht Wert seins eine Symbiose, die sich in einer neuen Jugendkultur manifestierte. Mittels Fernsehen, Radio und vor allem Printmedien verbreitete sich die neue Jugendkultur in ganz Europa, war doch die Jugendarbeitslosigkeit nicht nur in Großbritannien ein Problem.
3. Erste Phase (1977-1980)
3.1 Punk als Randgruppenerscheinung
Mit dem Ende der 70er Jahre fand die neu entstandene Jugendkultur Punk ihren Weg über den Ärmelkanal und zog auch Teile der sozialistischen Jugend der DDR in ihren Bann. Anders als in Großbritannien, wo die meisten Punks tatsächlich der Arbeiterklasse entstammten, wurde die ostdeutsche Punkszene von Beginn an von Kindern aus gutbürgerlichen oder SED-privilegierten Elternhäusern dominiert. 6 Anfängliche Zentren der neuen Jugendkultur fanden sich in Berlin und Leipzig, doch traten auch dort Punks in der Anfangsphase nur sehr vereinzelt auf und hielten sich vielmehr bedeckt. 7 Als Randgruppe mussten die Punker stets mit offenen Anfeindungen bis hin zu tätlichen Angriffen ihrer Mitmenschen rechnen. Angesichts dessen entwickelte sich unter den Punks ein großer Zusammenhalt, der die Existenz von republikweiten Kontaktnetzen und damit landesweite Zusammentreffen begünstigte. 8 Grund für viele Anfeindungen war das auffällige und meist abstoßende Äußere der Punks. Diese bedienten sich in Sachen Mode sämtlicher von der Gesellschaft verpönten und verdrängten Dinge. Alles was im konventionellen Alltag als obszön, abstoßend oder gar aggressiv gewertet wurde, fand das modische Interesse der Punks. Neben Irokesenschnitt, der Ratte auf der Schulter oder Hundehalsbändern, fanden auch Naziinsignien ihren Einzug in die Mode. 9 Besonderer Beliebtheit erfreuten sich kleine Plaketten mit Aufschriften wie z.B. „Anarchie“ o „Perestroika“, die an Kleidung und Taschen geheftet wurden. 10 Das Äußere eines
6 Ebd., S. 90
7 Peter Wensierski/ Wolfgang Büscher, „Wenn du unten bist, tauchst du ab“. DDR-Jugendszene (I): Punker und Aussteiger, in: Spiegel, 40. 1983, S. 122
8 Farin, Jugendkulturen, S. 89
9 Mühlberg/ Stock, Die Szene von Innen, S. 165
10 Michael Horschig, In der DDR hat es nie Punks gegeben, in: Ronald Galenza/ Heinz Havemeister (Hg.), Wir wollen immer artig sein.... Punk, New Wave, HipHop, Independent-Szene in der DDR 1980-1990, Berlin 1999, S. 20
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Punks, die demonstrative Hässlichkeit, sollte schocken und provozieren 11 und verfehlte dabei selten sein Ziel.
3.2 Philosophie und politische Motivation
Erklärtes Ziel der ostdeutschen Punks zu Beginn der Bewegung war die bewusste Abgrenzung vom starr reglementierenden Disziplinar-Regime der DDR 12 . Konformität, Zwang, Konvention - alles Begriffe, deren Missachtung für ostdeutsche Punks bezeichnend war. Vor allem richtete man seinen Frust gegen das Spießbürgertum der DDR. „Das Spießbürgerliche hat mich angekotzt. Ich bin gegen das Deutschsein. Der Deutsche ist für mich ein Kleinbürger und ein Spießer von Natur aus. Mich stört dieses ganze Getue, diese Maske, die da ist, die keiner abnimmt.“ 13 So schilderte ein ostdeutscher Punk sein Gesellschaftsbild. Politische Intentionen waren den Punks dabei prinzipiell fremd. 14 Der durchschnittliche Punk interessierte sich nicht für Konflikte in Nahost oder den Haushalt für die anstehende Legislaturperiode 15 . Reformdialoge oder die Idee einer Systemverbesserung, wie es bei einem Herrn Biermann der Fall war, war im Denken der Punks zu Beginn der Bewegung nicht existent. Dennoch war die Leitparole der Ruf nach Anarchie 16 , doch wurde dieser relativiert durch die Tatsache, dass viele diesen Begriff weder genau definieren, geschweige denn explizit ausführen konnten, wie man da hingelange oder welche Konsequenzen daraus entstünden. 17
3.3 Artikulation über Musik
Artikulation erhielt die Einstellung und Abgrenzung der Punks vor allem über die Musik, der so genannten Punk-Musik. In der Anfangsphase fungierten diverse Punkbands vorwiegend als Garagenbands, die öffentliche Auftritte mieden. Dementsprechend klein war das Publikum und die damaligen technischen Mittel zur Vervielfältigung von Tonträgern trugen auch nicht gerade zum Anwachsen desselbigen bei. 18 Beliebte Inhalte der Punkmusik waren die schon im vorherigen
11 Nikolaus Becker/ Gilbert Furian, „Auch im Osten trägt man Westen“. Punks in der DDR - und was aus ihnen geworden ist, Berlin 2000, S. 13
12 Ebd., S. 11ff.
13 Zitat: Wensierski/ Büscher, „Wenn du unten bist Tauchst du ab“, S. 131
14 o. Verf., Punk: Nadel im Ohr, Klinge am Hals, S. 144
15 Becker/ Furian, „Auch im Osten trägt man Westen“, S. 16
16 Ebd., S. 13ff.
17 Ebd., S. 27
18 Horschig, In der DDR hat es nie Punks gegeben, S. 22
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Arbeit zitieren:
Katrin Wissentz, 2006, Unabhängige Kulturszene ab Ende der 1970er Jahre - Punkbewegung in der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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