Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Definition 4
3 Alemannisch Schwäbisch 6
3.1 Herkunft und Geschichte 6
3.2 Außengrenzen und Binnengliederung des Alemannischen 8
4 Sprachliche Eigenarten des Südalemannischen und des Schwäbischen 10
4.1 Phonologische Eigenarten 10
4.2 Morphologische Eigenarten 15
4.3 Syntaktische Eigenarten 21
4.4 Lexikalische Eigenarten 21
4.5 Beispiele 23
5 Abschließende Bemerkungen 24
Literaturverzeichnis 25
Anhang ..................................................................................................................................... 26 26
2
1 Einleitung
Das Thema dieser Arbeit ergab sich aus dem Seminar “Mündliche Kommunikation und Gesprächsanalyse“, dass ich letztes Semester besucht habe. Nachdem ich erfahren hatte, dass ich einen alemannisch-schwäbischen Vergleich anstellen sollte, sprach ich mit meinen Bekann- ten über das Thema Dialekt und bemerkte, dass sie alle ähnlicher Meinung waren. Sie bezeichneten Alemannisch und Schwäbisch als zwei eigenständige Dialekte, der eine wurde im Stuttgarter, der andere im Freiburger Raum angesiedelt. Auch darin, dass sie sich sprachlich völlig voneinander unterscheiden, waren sich alle einig. Aber sind Alemannisch und Schwäbisch wirklich zwei voneinander unabhängige Dialekte? Werden sie tatsächlich nur in den oben genannten Gebieten gesprochen? Wie und wann sind sie entstanden? Welche sprachlichen Ähnlichkeiten und Unterschiede weisen sie auf?
Dass diese Fragen nicht so einfach zu beantworten sind wurde mir bewusst, als ich den “Kleinen Dialektatlas“ von Klausmann, Kunze und Schrambke in den Händen hielt, auf dessen Einband eine Sprachkarte zu sehen war, die die unterschiedlichen Bezeichnungen des Wortes “Kartoffel“ in einem Teil (!) des alemannischen Sprachraumes zeigte (s. Anhang). Und auch die Tatsache, dass das Alemannisch in meiner näheren Umgebung von Dorf zu Dorf variiert (ich wohne in Neuenburg am Rhein), hier wird aus einem Gockel innerhalb weniger Kilometer ein Guuler, ließ mich die Komplexität des Themas “Dialekt“ erahnen. Aus diesem Grund habe ich mich bei meinem Vergleich auf das Südalemannische und das Schwäbische beschränkt und sprachliche Unterschiede innerhalb dieser Dialektgebiete außer Acht gelassen, da schon eine Auflistung der dialektalen Unterschiede innerhalb des Südalemannischen oder Schwäbischen eine ganze Arbeit füllen könnte. Ich habe das Südalemannische gewählt, da es im Gegensatz zum Oberrheinalemannischen, (das in Freiburg gesprochen wird) mehr sprachliche Unterschie- de in Bezug zum Schwäbischen aufweist.
Zunächst bestimme ich den Gegenstand meiner Arbeit, indem ich eine Definition des Begriffs “Dialekt“ gebe. Entstehung und Geschichte des Alemannischen und Schwäbischen und die Frage, ob es sich um zwei eigenständige Dialekte handelt, habe ich in Kapitel 3.1, ihre räumliche Ausdehnung in 3.2, geklärt. Anschließend habe ich beide hinsichtlich ihrer phone- tischen, morphologischen, syntaktischen und lexikalischen Eigenarten miteinander verglichen.
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2 Definition
Eine Definition des Begriffs “Dialekt“ zu geben, stellt sich als äußerst schwierig heraus, blicke ich auf die Vielzahl unterschiedlicher Ansätze bei der Begriffsbestimmung. Und auch Dittmar schreibt: Seine Bestimmung ist nicht weniger schwierig als die Definition von
Sprache überhaupt. 1
Nach Barbour/Stevenson bezeichnet der Terminus Dialekt, eine Gruppe von Mundarten, die einander in gewissen Aspekten gleichen und über ein weites Areal verteilt sind. Unter dem Begriff ´Mundart´, ist die typische Sprachform eines kleinen Gebietes (i. d .R eines Dorfes
und seiner Umgebung) zu verstehen. 2 Dittmar dagegen bezeichnet Dialekt als eine sprachliche
Varietät, denn ein und dieselbe Sprache kann, in Abhängigkeit von Sprecher, Umstand, Zeit und Ort, verschieden gesprochen werden und jede dieser verschiedenen Spielarten, kann als
Varietät bezeichnet werden. 3 Er definiert Dialekt also in Abhängigkeit von einer
übergeordnet-
en Sprache. Auch im Lexikon der Sprachwissenschaft wird Dialekt (griech. diá- lectos; Redeweise) als sprachliche Varietät, allerdings mit begrenzter räumlicher Geltung im Gegen- satz zur überdachenden Standardsprache definiert.
Als weitere Merkmale werden (a) ein hohes Maß an Ähnlichkeit zu anderen Sprachsystemen, so dass eine - zumindest partielle- wechselseitige Verstehbarkeit möglich ist, (b) regionale Gebundenheit, d.h. dass die regionale Verbreitung dieses Systems nicht das Gebrauchsgebiet eines anderen Systems überlappt und (c) keine Schriftlichkeit bzw. Standardisierung im Sinne offiziell normierter orthographischer und grammatischer Regeln, genannt. Im Gegensatz zu Barbour/Stevenson wird darauf hingewiesen, dass die Bezeichnung Dialekt in
der Regel synonym verwendet wird mit Mundart. 4 Bei Hafner findet sich noch ein weiteres
Merkmal. Er bezeichnet Dialekt als die regionaltypische Ausprägung einer Sprache in einer dazugehörigen Landschaft und betont, dass zum Dialekt meistens auch eine andere
Grammatik mit einem anderen Wortschatz gehört. 5
1 Vgl. Dittmar, Norbert: Grundlagen der Soziolinguistik - Ein Arbeitsbuch mit Aufgaben. Tübingen: Max Niemeyer Verlag GmbH & Co. KG 1997, S. 184
2 Vgl. Barbour, Stephen/Stevenson, Patrick: Variation im Deutschen. Soziolinguistische Perspektiven. Berlin: Walter de Gruyter GmbH & Co 1998, S. 60
3 Vgl. Dittmar, Norbert (s. Anm. 1), S. 173 4 Vgl. Bußmann, Hadumod (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Aufl. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag 2002, S.162 f.
5 Vgl.Hafner, Marcus: Eine Reise durch die Alemannische Sprache. 2. Aufl. Freiburg im Breisgau: Rombach Druck- und Verlagskaufhaus GmbH & Co. KG 2005, S.46
4
Löffler beginnt mit der Feststellung, dass sich Dialekt nicht aus sich selbst, sondern nur in Beziehung zu einer übergeordneten Sprache definieren lässt. Durch eine Reihe von Kriterien versucht er Dialekt von der Standardform abzugrenzen, wobei er feststellt, dass kein einziges komplikationsfrei gehandhabt werden kann. Zu diesem Ergebnis kommen auch Barbour/Stev- enson wenn sie bemerken, dass zwar alle Kriterien auf den ersten Blick sehr viel versprechend
erscheinen, aber nicht weiterhelfen, dem Ideal einer handfesten Definition näher zu kommen. 6
Dennoch unternimmt Sowinski den Versuch, Dialekt (Mundart) unter Berücksichtigung möglichst vieler Kriterien zu definieren:
„Mundart ist stets eine der Schriftsprache vorangehende, örtlich gebundene, auf
mündliche Realisierung bedachte und vor allem die natürlichen, alltäglichen
Lebensbereiche einbeziehende Redeweise, die nach eigenen, im Verlaufe der Geschichte
durch nachbarmundartliche und hochsprachliche Einflüsse entwickelten Sprachnormen
von einem großen heimatgebundenen Personenkreis in bestimmten Sprechsituationen
gesprochen wird.“ 7 Die Schwierigkeiten eine Definition des Begriffs “Dialekt“ zu geben, resultieren nach Barbour/Stevenson aus dem erheblichen Wandel, den er im Laufe der Zeit und bis in die Gegenwart hinein erfahren hat. Ihr Ziel, eine für alle Erscheinungsformen einer Sprache gültige Definition zu finden, liegt in ungreifbarer Ferne, denn „ die Suche nach einer (quasi) universell gültigen Definition kann eigentlich nicht anders als fruchtlos ausgehen, …weil man dabei unwillkürlich außer acht läßt, daß sowohl Sprache als auch unsere Rezeption von Sprache wandelbar und konstitutiv in komplexen sozialhistorischen Prozessen verankert
sind.“ 8
Neben der Festlegung von Dialekträumen durch sprachliche und räumliche Merkmale, sind neu- re Untersuchungen zum Dialekt zunehmend von soziolinguistischen und variations- linguistischen Fragestellungen geprägt, sie beziehen sich vor allem auf die unterschiedlichen Verwendungs- weisen von Dialekt und Standardsprache, die Entstehung von Varietäten mit größerer regionaler Geltung (Umgangsprache), den kommunikativ-funktionalen Einsatz unterschied-
licher Varietäten sowie mögliche Korrelationen zwischen Dialekt und Sozialschicht. 9
6 Vgl. Barbour/Stevenson (s. Anm. 2), S 61 f.
7 Löffler, Heinrich: Probleme der Dialektologie. Eine Einführung. Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft 1974, S. 9
8 Barbour,Stephen/Stevenson, Patrick (s. Anm. 2), S. 62. Zit. n. Mattheier 1983
9 Vgl. Bußmann, Hadumod (s. Anm. 4), S. 162 f.
5
3 Alemannisch/Schwäbisch
3.1 Herkunft und Geschichte
Um einen alemannisch-schwäbischen Vergleich anzustellen, erschien es mir wichtig, zunächst Herkunft und Geschichte des Alemannischen und Schwäbischen zu betrachten, um auch auf meine eingangs gestellten Fragen eine Antwort zu bekommen. Die heute im Südwesten des deutschsprachigen Gebietes gesprochenen Mundarten werden von der Sprachwissenschaft zum Alemannischen (auch Westoberdeutsch genannt) gezählt. Dieses “Alemannisch“ wird in sechs Staaten gesprochen. In Deutschland (Teile von Baden- Württemberg), in Frankreich (Elsass), in Österreich (Vorarlberg), im Fürstentum Liechtenstein, in der deutschsprachigen Schweiz, aber auch in kleinen Sprachinseln in Norditalien. Hier wird
deutlich, dass Dialektgrenzen nicht unbedingt mit Staatsgrenzen zusammenfallen. 10
10 Vgl. Post, Rudolf: Das Alemannisch – seine Herkunft und Geschichte
http://www.alemannisch.de/Aufsaetze_Verzeichnis/Unsere_Sproch/body_unsere_sproch.html# Zusammengespuelt 07.12.2005
11 ebd.
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Dass, die in den oben genannten Gebieten gesprochenen Mundarten als Alemannisch bezeichnet werden, ist noch gar nicht solange her. Es war Johann Peter Hebel, der mit seinem 1803 erschienenen ´Allemannischen Gedichten´ diese Bezeichnung geprägt hat. Hebel schreibt das Wort mal mit einem mal mit zwei l, heute hat sich die Schreibung mit einem l durchgesetzt. Archäologen und Historiker verwenden noch die historisch korrekte
Schreibweise alamannisch, Alamannen. 12 Aber woher kommt diese Bezeichnung?
Das Alemannische hat sich aus der Sprache eines Stammesverbandes entwickelt, zu dem sich gegen Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. einige kleinere germanische Bevölkerungsgruppen, zum größten Teil Sueben (Schwaben), in der Maingegend zusammengeschlossen hatten, die aus ihrer vorigen Heimat an der Elbe abgewandert waren. Am Limes (500 km lange Grenzbefestigung der Römer), der durch innerrömische Streitigkeiten von Truppen entblößt war, ließen sie sich nieder (in der südlichen Hälfte des heutigen Baden-Württembergs). Der römische Kaiser Caracalla dringt im Jahre 213 gegen die Germanen vor (später schloss er einen Bündnisvertrag mit ihnen). Bei den römischen Geschichtsschreibern, die darüber berichtet- en, findet sich nun erstmals die Bezeichnung “Alamanni“ für jene Gruppe von germanischen
´Barbaren´, die sich zu dieser Zeit zwischen Main und Limes befand. 13 Die Bedeutung des
Namens wird von einem dieser Schriftsteller zu Beginn des 3. Jahrhunderts erläutert. Er soll gesagt haben: „Zusammengespülte und vermengte Menschen“ seien die Alamannen, und „dies drückt auch ihre Benennung aus.“ Auch die heutige Deutung geht in dieselbe Richtung: Menschen oder Männer insgesamt, im Gesamten genommen. Doch wie konnte es plötzlich zu dieser unterschiedlichen Bezeichnung von Alemannen und Sueben kommen?
Die Lösung ist einfach: Sueben, also Schwaben und Alemannen, sind zwei Begriffe für ein Volk (nur der Stammesname der Sueben verliert sich im Laufe der Geschichte). Nachdem die Alemannen die Limesgrenze um das Jahr 260 endgültig überwunden hatten, expandierten sie zuerst nach Bayern, dann ins Elsass, ab dem 5./6. Jahrhundert schließlich auch in die
Schweiz. 14 Aus der Sprache dieser zusammen gewürfelten Bevölkerung Südwestdeutschlands
entwickelten sich Dialektgruppen (die aber alle unter dem Oberbegriff Alemannisch zusammengefasst werden), deren Gliederung im folgenden Kapitel geklärt wird.
12 Vgl. Post, Rudolf (s. Anm. 10)
13 Vgl. Klausmann, Hubert u.a.: Kleiner Dialektatlas. Alemannisch und Schwäbisch in Baden -Württemberg. 3.Aufl. Bühl: Konkordia Verlag GmbH, 1997, S.17
14 Vgl. Bassler, Harald/Steger, Hugo: Auf den Spuren der Sprache >>Alemannisch als Teil des Althochdeutschen<< In: Die Alamannen. Hg v. Archäologisches Landesmuseum Baden -Württemberg.
2. Aufl. Stuttgart: Verlagsbüro Wais und Partner 1997, S. 74
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Arbeit zitieren:
Stefanie Schlegel, 2005, Huus - Hous , München, GRIN Verlag GmbH
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