Gliederung
1. Einleitung 1
2. The Tooth of Crime und seine Hauptcharaktere 2
2.1 Handlung 2
2.2 Charakterisierung von Hoss 3
2.3 Charakterisierung von Crow 5
3. Verwendung von Sprache und Musik 6
3.1 Sprache 6
3.2 Musik 8
4. Inszenierung von Richard Schechner und der Performance Group 10
4.1 Schechners Performance Theory 10
4.2 Inszenierung von The Tooth of Crime unter Beachtung der
Einw ände Shepards 10
5. Schlusswort 14
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Gegen Ende der Sechziger Jahre zeichnet sich ein Wandel in der Ästhetik des Theaters ab: das klassische Sprechdrama verliert an Bedeutung, statt dessen rückt das non-verbale Theater in den Vordergrund, ein ’total theatre’, das den Charakter eines Gesamtkunstwerkes besitzt mit einer Gleichwertigkeit von Sprache, Musik und Tanz, visuellen und auditiven Effekten und einer spezifischen Raumgestaltung. Die konventionelle Dramenstruktur löst sich langsam auf. In diesem Zusammenhang verliert auch der Autor an Bedeutung, denn Texte werden oft nur noch als lose Vorlagen verwendet, mit denen der Regisseur sehr frei umgehen kann. Zu dieser Zeit entsteht Sam Shepards The Tooth of Crime, eines seiner meistgespielten Stücke, das am 17. Juli 1972 am Londoner Open Space Theatre von Charles Marowitz uraufgeführt wurde. Die amerikanische Erstaufführung fand durch Richard Schechner und seine Performance Group in New York statt, eine Aufführung, die den Widerspruch Shepards hervorrief, worauf in Kapitel 4 dieser Arbeit näher eingegangen wird. Shepard trifft genau den Geschmack der Zeit, da er kein Sprechtheaterstück, sondern ein Zusammenspiel von Text, Musik und tanzartigen Elementen konzipiert, in dem der nicht-kommunikative, klangliche Aspekt von Sprache gleichwertig, wenn nicht wichtiger ist als der rein kommunikative. Auch wenn es bei der Uraufführung noch heftig umstritten war, zählt The Tooth of Crime mittlerweile zu den besten Dramen nicht nur des Autors, sondern der siebziger Jahre überhaupt, wie auch Charles Bachman in seinem Essay über Shepard verdeutlicht:
„For several years Sam Shepard has been acknowledged as the most talented and promising playwright to emerge from the Off-off Broadway movement. Now, more than a decade after his work was first performed, he is increasingly recognized as one of the more significant dramatists in the English-speaking world.” 1
Problematisch wird der Zugang zu dem Stück jedoch aufgrund seiner Sprache. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Stars läuft als ein Sprechgesang in unterschiedlichen Dialekten und Jargons ab. Verschiedene Stile werden hier kombiniert, sowohl auf musikalischer als auch sprachlicher Ebene. In der englischen Uraufführung wurde der Text angeglichen, indem man englische Dialekte benutzte; in
1 Charles R. Bachman: „Defusion of Menace in the Plays of Sam Shepard“, in: Dorothy Parker (Hrsg.), Essays on Modern American Drama. Williams, Miller. Albee, and Shepard, Toronta: University of Toronto Press, 1987, S.163.
1
Deutschland wurde das Stück 1975 für die „Münchner Szene“ in bayrischen Dialekt übertragen.
Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte: in Kapitel 2 wird die Handlung kurz zusammengefasst und eine Charakterisierung der beiden Hauptcharaktere vorgenommen; in Kapitel 3 werden Sprache und Musik des Stückes untersucht; Kapitel 4 stellt eine Analyse der Schechner-Inszenierung und den daraus resultierenden Konflikt mit Sam Shepard dar.
2. The Tooth of Crime und seine Hauptcharaktere
2.1 Handlung
The Tooth of Crime behandelt ein eigentlich sehr altes Thema: die Ablösung eines alten Herrschers durch einen neuen, in diesem Fall zwei Rockstars, die sich einen harten Wettkampf liefern, aus dem schließlich der Nachfolger als Sieger hervorgeht. Shepard selbst hat gegenüber Schechner geäußert, dass der Plot an den Film High Noon erinnert 2 : zwei böse Jungs treffen aufeinander und es gibt den Showdown, zu dessen Ende einer stirbt. Hier sind es der alternde Rocker Hoss und sein stürmischer junger Konkurrent Crow, die um ihr Ansehen und ihre Stellung im Showgeschäft kämpfen. Dieser Kampf der Worte wird wie ein sportlicher Wettkampf von einem Schiedsrichter überwacht, der oft zugunsten Crows entscheidet. Hoss unterliegt am Ende und erschießt sich. Seine Freunde hadern nicht lange und schließen sich dem neuen König Crow an. Lange Zeit lässt das Stück aufgrund seiner Sprachverwendung den Leser bzw. den Zuschauer im Unklaren, ob es sich hier um den Kampf rivalisierender Rockstars oder Gangster handelt. Die beiden Kontrahenten benutzen ein Vokabular, das eher in das Umfeld eines Bandenkrieges passt als ins Showgeschäft.
Der Autor arbeitet in diesem Stück mit der Metapher der ‚Welt als Bühne’: jeder spielt nur eine Rolle, und es ist nicht möglich, die wahre Identität dahinter zu erkennen. Formal wahrt das Stück die aristotelische Einheit von Ort, Zeit und Handlung, auch
2 Siehe: Richard Schechner: “The Writer and The Performance Group. Rehearsing >The Tooth of Crime<”, in: Bonnie Marranca (Hrsg.): American Dreams. The Imagination of Sam Shepard, New York: Performing Arts Journal Publications, 1981, S.166.
2
wenn es nur aus zwei Akten besteht. Der erste Akt steigt direkt in die Handlung kurz vor dem Höhepunkt ein und schildert Hoss’ Situation und seine Vorbereitungen auf den Kampf. Crow wird schon sehr bald eingeführt als der gefährliche Gypsy, der gekommen ist, um Hoss herauszufordern. Im Mittelpunkt des zweiten Aktes steht der Wettkampf zwischen den beiden.
Shepard beschreibt eine Art Teufelskreis, der das Leben dieser Stars bestimmt: Um an die Spitze zu kommen, musste Hoss nicht nur Opfer bringen, sondern auch Konkurrenten ausschalten: „But that’s how we started ain’t it. We went up against the Dudes. Wiped ’em out.“ 3 Aber auch Crow ist sich, nachdem er seinen Vorgänger besiegt hat, bewusst, dass er eines Tages ebenso verdrängt werden wird: „Now the power shifts and sits till a bigger wind blows. Not in my life run but one to come. And all the ones after that. Changin’ hands like a snake dance to heaven.” 4
2.2 Charakterisierung von Hoss
Hoss wird bei seinem ersten Auftritt beschrieben als „a mean Rip Torn but a little younger“, „in black leather rocker gear with silver studs and black kid gloves“ 5 . Er tut alles, um seinem Image als harter Rocker gerecht zu werden, sei es durch die Kleidung, seine Wortwahl oder die Bewunderung seiner rebellischen Vorbilder „the big ones“ Bob Dylan und Mick Jagger 6 .
Zu Beginn des Stückes befindet sich Hoss in einer Krise, da er mit dem Rockgeschäft nicht mehr zu Recht kommt. Er ist ruhelos, fürchtet um seine Vormachtstellung und will um jeden Preis an der Spitze bleiben. In dieser Situation wird er jedoch mit der Gefahr konfrontiert, die von der Konkurrenz ausgeht, und muss sich auf den unvermeidlichen Kampf mit seinem Nachfolger vorbereiten. Shepard zeigt, dass sich unterschiedliche Stile durch ihre Reproduktion vermischen und etwas Neues kreieren können. Hoss zumindest ist überzeugt, dass er in einer Stiltradition steht, die er aber genutzt hat, um seinen eigenen Stil zu entwickeln. Er imitiert andere Stile, um ihre Verfügbarkeit zu zeigen. Dennoch ist er überzeugt,
3 Sam Shepard: „The Tooth of Crime“, in: ders., The Tooth of Crime and Geography of a Horse Dreamer. Two Plays by Sam Shepard, London: Faber & Faber, 1974, S. 9-81, S.23. [im Folgenden abgekürzt mit TC]
4 TC, S.75.
5 ebd., S.11.
6 ebd., S.16.
3
Arbeit zitieren:
Astrid Matron, 2004, Sam Shepard – The Tooth of Crime. Kommentar zum ästhetischen Stilwandel unter Berücksichtigung der Inszenierung von Richard Schechner, München, GRIN Verlag GmbH
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