II
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung Seite 1
2 Eisenstadt Seite 2
1. Phase: Motivbildung zur Migration Seite 2
2. Phase: Aktueller Migrationsvorgang Seite 3
3. Phase: Eingliederung d. Immigranten
in die Aufnahmegesellschaft Seite 4
3.a) Institutionalisierung der Rollenerwartung
und Verhaltensweisen im Alltag Seite 4
3.b) Anpassung der Immigranten an die
Anforderungen der Aufnahmegesellschaft Seite 5
3.c) Eindringen der Immigranten in institutionelle
Sphären der Aufnahmegesellschaft u. Verschmelzung Seite 6
3 Milton M. Gordon Seite 6
3.1 Einführungen in Gordons Sichtweisen Seite 7
3.2 Sieben Schritte zur Assimilation Seite 9
4 Vergleich der beiden Theorien/ Fazit Seite 12
5 Quellenverzeichnisse Seite 15
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1 Einleitung
Migration im Hinblick auf die Gesellschaftswissenschaften meint ganz simpel das Ein- und Auswandern von Menschen. Blickt man weiter in die Tiefe und betrachtet den Begriff unter soziologischen Gesichtspunkten, muss man der obigen Begriffsexplikation hinzufügen, dass Migration den dauerhaften Wechsel bzw. das Verlassen des Lebensumfeldes einer Person, sowie größeren Gruppen, als auch ganzer Gesellschaften in einem Wort zusammenfassen soll. 1 Allerdings existiert auch hier, wie in vielen anderen wissenschaftlichen Bereichen, keine einheitliche, allgemein anerkannte Definition; meist wird Migration als eine „Bewegung“ oder ein „Wechsel“ angesehen. 2
In der Vergangenheit ließ sich feststellen, dass Migrationsvorgänge zahlenmäßig ungemein zugenommen haben. Weltweit verlassen immer mehr Menschen ihre Heimat, um ihr Leben an einem anderen Ort wieder neu aufzunehmen. Schätzungsweise 150 Millionen Menschen leben heutzutage in einem Ort, in dem, oder dessen Nähe, sie nicht geboren worden. Die Motive für eine Migration sind ebenso individuell und vielfältig, wie die Kulturkreise, in denen solche Wohnortwechsel auftreten. Migration wird von vielen als ein globales Phänomen angesehen und es wird sich auch kein Land finden lassen, dass nicht mit grenzüberschreitenden Zu- und Abwanderungen zu „kämpfen“ hat. Jedoch ist es den Staatsregierungen bislang nicht gelungen durch geeignete Gesetzesvorlagen die Migration zu steuern und zu kontrollieren. 3 Vielleicht liegt dies daran, dass es den Verantwortlichen an Verständnis für die Migranten und ihre Motive fehlt. Um das zu ändern bedarf es einer „Greifbarmachung“ des Begriffs Migration. Die Gründe warum Menschen wandern, sind bei weitem nicht so banal, wie weitläufig angenommen; wie, dass Migration nur dann stattfindet, wenn Armut, Arbeitslosigkeit, etc. in einem Land vorherrscht.
1 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Migration_%28Soziologie%29
2 Vgl. Wittmann, Heinz (1975): Migrationstheorien, in: Sozialökonomische Schriften zur Agrarentwicklung, Heft 9, Saarbrücken, S. 8
3 Vgl. http://www.bpb.de/themen/8T2L6Z,0,0,Migration.html
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Deshalb brauchen wir Migrationstheorien, um die ganze Komplexität dieses Phänomens für alle einleuchtender zu gestalten. 4 Aus diesem Grund sollen in dieser Hausarbeit zwei Migrationstheorien vorgestellt werden, die zu erklären versuchen, mit welchen Hürden und Problemen Menschen konfrontiert sind, wenn sie ihre Heimat verlassen, und versuchen sich ein neues Leben in einem neuen Land aufzubauen.
Im Folgenden möchte ich nun die beiden Theorien von Shmuel N. Eisenstadt und Milton M. Gordon vorstellen und gegeneinander abgleichen und zwar mit der Absicht, deutlich zu machen, was im Unterbewusstsein des betroffenen Individuums und auch der jeweiligen Gesellschaft für Abläufe vor sich gehen.
2 Theorie von Shmuel N. Eisenstadt
Der 1923 geborene Shmuel Eisenstadt entwickelte bzw. publizierte seine Migrationstheorie in den frühen 50er Jahren und beschreibt sie als eine physische Transplantation des Individuums in eine soziokulturelle Umwelt des Lebens, die nicht mehr vertraut, sondern fremd sind. Diesen Vorgang der Migration gliedert er zunächst grob in drei Phasen: 5
1. Phase: Motivbildung zur Migration
In dieser ersten Phase verdichten sich zunächst Unsicherheit und Unzulänglichkeit der Gruppe oder des Individuums bezüglich der Lebensbedingungen, denen man an seinem angestammten Wohnort ausgesetzt ist/war, zu einem Motivbündel. Genauer gesagt, muss die Balance eindeutig zugunsten des Migrationsvorteils verschoben sein, um das menschliche/natürliche Beharrungsvermögen („inertia“) überwinden zu
4 Vgl. Kraler, Albert u. Parnreiter, Christof (2005): Migration Theoretisieren, in: PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Heft 140, 35. Jg., 2005, Nr. 3, S. 327
5 Vgl. Han, Petrus (2000): Soziologie der Migration, Lucius & Lucius Verlag, Stuttgart, S. 49
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können. Darüberhinaus üben die intervenierenden Hindernisse, mit ihren individuellen Schwierigkeitsgraden, einen maßgeblichen Einfluss auf die Personen aus; zu berücksichtigen sind hier z.B. die Entfernung oder wirkliche, physische Barrieren, wie die Berliner Mauer oder diverse Einwanderungsgesetze. 6 Daraufhin führen die Migrationsüberlegungen zur Aufgabe der gewohnten Lebensumwelt, da als einzige Problemlösung ein Wohnortwechsel angesehen wird. “Ein Individuum glaubt umso eher, dass die Handlungsmöglichkeit `Wanderung´ den erwarteten Erfolg haben wird, [...]
(b) je positiver entsprechende Erfahrungen seiner Bezugspersonen waren; (c) je weniger alternative Handlungsmöglichkeiten es wahrnimmt (...); (d) je konkreter die Alternative `Wanderung´ sich abzeichnet, d.h. je bekanner ihm bereits die Details seiner neuen Situation sind (...)“ 7 Die Motivbildung zur Migration geht nicht schnell und als Ad-hoc-Entscheidung von statten, sondern ist ein sich langsam verdichtender Dispositionsprozess 8 auf psychischer Ebene. Zudem wird während dieses Prozesses eine materielle und soziokulturelle Verbesserung am Zielort gedanklich vorweggenommen.
2. Phase: Aktueller Migrationsvorgang
In dieser zweiten Phase wird der alte Wohnort tatsächlich verlassen und die Migranten wandern in eine neue soziokulturelle Lebensumwelt ein. Allerdings würde der Begriff „Wohnortwechsel“ diese Phase nur peripher richtig beschreiben; vielmehr sieht man sich mit gravierenden sozialen Veränderungen konfrontiert, welche ein Aufgeben aller bisher erlernten sozialen Rollen, Interaktionen und Partizipationsbezüge nach sich ziehen. Der nun eintretende Prozess der Desozialisation meint den Verlust von gesellschaftlicher Verbindlichkeit gegenüber dessen, was während der Sozialisation erlernt wurde. Kurzfristige, existenzielle
Orientierungsstörungen, sowie Strukturlosigkeit des Lebens können mögliche Folgen dieser Desozialisierung sein. Die Ängste und Unsicherheiten der Migranten, die sie durch das Verlassen ihrer Heimat erfahren haben, addieren sich nun mit neuen Ängsten, welche
6 Vgl. Wittmann, Heinz (1975), bezugnehmend auf E.S. Lee, S. 19
7 Siehe: Wittmann, Heinz (1975), bezugnehmend auf Monika Vanberg, S. 64
8 Dispositionsprozess (psych.) = Einstellungsanpassung
Arbeit zitieren:
Markus Arndt, 2007, Migrationstheorien, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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