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Inhaltsverzeichnis
I Vorwort. 3
II Drehbuchtheorie. 3
1. Drehbuchanalyse nach Field und Dramentheorie 4
2. Das Drehbuchparadigma nach Field 6
III Drehbuchtheorie in ihrer Anwendung an Nosferatu. 7
1. Das dramaturgische Konzept Nosferatus. 7
2. Vergleich zum Drehbuchparadigma nach Field. 9
IV Schlusswort. 12
VI Sequenzliste 14
VII Literaturverzeichnis 17
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I Vorwort
Der Stummfilmklassiker „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“ des Berliner Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau entsteht 1922 zu einer Zeit, als das Medium Film noch in seinen Kinderschuhen steckt und ist zugleich die erste erhaltene Verfilmung, in der eine Vampirgestalt auftaucht. Murnaus „Nosferatu“ wurde im Laufe der Filmgeschichte Vorbild für unzählige Vampire im Film und findet auch fast 90 Jahre nach seiner Uraufführung im Zoopalast in Berlin 1 unzählige Rezipienten, wie etwa in der filmischen Hommage „Shadow of the Vampire“ aus dem Jahr 2000.
„Nosferatu“ gilt weithin als erste filmische Adaption des „Dracula“-Romans von 1897 des irischen Schriftstellers Bram Stoker. Zwar existierte schon kurz nach dem Erscheinen dieses Schauerromans eine Theaterfassung, doch „das nur einmal zu Bram Stokers Lebzeiten gespielte Stück war indessen lediglich eine dialogisierte Romanfassung, die mehr als vier Stunden dauerte“ 2 . Es bedurfte deshalb der Arbeit des Drehbuchautors Henrik Galeen, das Drehbuch für die Verfilmung zu verfassen. Da Murnau die Rechte an Stokers Roman nicht bekam, konnte „Dracula“ nicht originalgetreu übernommen werden. Änderungen, wie etwa die Namensgebung der Protagonisten oder der Ort der Handlung, mussten vorgenommen werden, bewahrten den Film jedoch nicht vor einer erfolgreichen Klage Florence Stokers, der Witwe Bram Stokers - alle Kopien des Films mussten vernichtet werden. Zurück blieben jedoch einige Kopien, die bereits ins Ausland gelangt waren. Der Film wurde so für die Nachwelt erhalten 3 .
Letzte Reste der Theaterfassung Draculas lassen sich in Galeens Drehbuch und der fertigen Verfilmung nicht von der Hand weisen. So ist es nicht zuletzt die dramaturgische Strukturierung des Films, gekennzeichnet etwa durch seine Einteilung in fünf Akte, die durch Schrifttafeln angekündigt werden, die den Film dem Theater verhaften. Diese klassische dramatische Struktur, wie sie schon Aristoteles in seiner Poetik propagiert und die von Gustav Freytag Mitte des 19. Jahrhunderts erweitert wurde, scheint also auch in diesem Frühwerk der Filmgeschichte erfolgreich angewandt worden zu sein. Es bietet sich daher an, die dramatische Struktur Nosferatus und ihre Wirkung auf den Filmrezipienten
1 Vgl. Loy, Arnold, Farin, Michael und Hans Schmid: Nosferatu. Eine Symphonie dies Grauens. München 2000.S. 62.
2 Prodolliet, Ernst: Nosferatu. Die Entwicklung des Vampirfilms von Friedrich Wilhelm Murnau bis Werner Herzog. Freiburg 1980. S. 18.
3 Vossen, Ursula: Horrorfilm. Stuttgart 2004. S. 41.
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einmal näher zu beleuchten und sie auch an modernen Maßstäben der Dramaturgie zu messen.
Grundlage dieser Filmanalyse soll daher das populäre „Handbuch zum Drehbuch“ des international bekannten Drehbuchautors Syd Field sein, das verspricht, eine „Anleitung zu einem guten Drehbuch“ 4 zu liefern. Dabei wird vorausgestellt, dass Fields Theorie sich hauptsächlich auf den US-Spielfilm bezieht und den europäischen Film aufgrund dessen Verhaftung an einem erhöhten künstlerischen Anspruch bewusst ausklammert. Dennoch ist es Ziel dieser Arbeit, Parallelen zwischen der Struktur Nosferatus und der Dramaturgie eines sogenannten „Blockbusters“ aufzuzeigen und Widersprüche zu erläutern. Im ersten Teil der Analyse soll daher zunächst die Drehbuchtheorie nach Syd Field näher vorgestellt werden. In einem weiteren Schritt wird die dem Film „Nosferatu“ immanente Struktur erörtert werden, bevor am Ende dieser Arbeit die Deckungsgleichheit respektive Ungleichheit „Nosferatus“ mit der modernen Dramaturgie des US-Spielfilms herausgestellt werden wird.
Die vorliegende Arbeit möchte durch die eingehende Analyse der Handlungsstruktur einen Schlüssel zum besseren Verständnis dieser ersten „Draculaverfilmung“ bieten 5 .
II Drehbuchtheorie
2.1 Drehbuchanalyse nach Field und Dramentheorie
Der Ausgangspunkt der Drehbuchanalyse nach Field ist eine Theorie der allübergreifenden und allgemeingültigen Dramaturgie. Schon im Vorwort zum „Handbuch zum Drehbuch“ lässt Brigitte Kramer keinen Zweifel daran, denn „überall auf dem Globus, wo es Kinos und Videos gibt, lacht und weint der Mensch über denselben Film“ 6 . Unterschieden wird hierbei jedoch stark zwischen dem amerikanischen Spielfilm und dem europäischen Film, zu dem „Nosferatu“ ja unverkennbar zu zählen ist. Charakteristisch für den europäischen Film ist nach Kramer dabei die Bemühung, filmische Strukturen oft zu verändern, um sich so den künstlerischen Anspruch zu sichern. Daher „[...] ist es kein Zufall, dass es kaum ein europäisches Buch zur Filmdramaturgie gibt“ 7 . Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein weiteres Charakteristikum des europäischen Films, das die Verfasserin benennt,
4 Vgl. Field, Syd: Das Handbuch zum Drehbuch. Übungen und Anleitungen zu einem guten Drehbuch. Frankfurt am Main 1998. [im Folgenden als „Field, Syd: Handbuch zum Drehbuch“ bezeichnet]
5 Vgl. Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse. München 2002. S. 85.
6 Field, Syd: Handbuch zum Drehbuch. S. 10.
7 Ebd. S. 11.
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nämlich „das Zusammentreffen mit Fremdem [, das] wir als großen Reiz, als Inspiration [empfinden]“ 8 . Betrachten wir Nosferatu unter rein inhaltlichen Gesichtspunkten, so haben wir es in diesem Film durchaus mit einem Zusammentreffen mit Fremdem zu tun, denn nichts anderes wiederfährt Thomas Hutter, als er auf das mysteriöse, nagetierähnliche Wesen trifft, welches Nosferatu darstellt.
Ein vor allem kommerziell erfolgreiches Drehbuch stellt Struktur, Handlung und Hauptfiguren in den Mittelpunkt. Eine „fieldsche“ Geschichte muss in einigen wenigen Sätzen zusammenzufassen sein, jegliche Nebenhandlungen werden zum zunächst unwichtigen Detail. Wichtig für die Geschichte als solche ist ein „[...] dichter, narrativer Handlungsstrang, eine Entwicklungslinie [, die den Ablauf] immer nach vorne in Richtung Auflösung hin [vorantreibt]“ 9 .
Mit Struktur meint der Autor nach eigener Definition vor allem „[...] das Verhältnis zwischen den Teilen und dem Ganzen“ 10 . Dieses Verhältnis ist in vielen Theorien zur Dramaturgie des Theaters, und in letzter Konsequenz auch des Filmes, von ganz entscheidender Bedeutung. „Von Aristoteles’ Poetik, so oft sie auch seit dem 18. Jahrhundert kritisiert wurde, sind die folgenreichsten Überlegungen zum Aufbau des Dramas ausgegangen“ 11 . Dieser propagiert seine Lehre der drei Einheiten, der Einheit von Handlung, Ort und Zeit, wobei die für den Dramenaufbau wichtige Einheit der Handlung bei Aristoteles ein „[...] kohärentes Ganzes [...] aus Anfang, Mittelteil (mit Wendepunkt) und Ende [darstellt]“ 12 . Diese Einteilung soll auch Grundlage für das Drehbuchparadigma nach Field sein, welches später ausführlicher dargelegt werden wird. Die aristotelische Dramentheorie wurde kontinuierlich weiter entwickelt „[...] und im 19. Jahrhundert entwarf Gustav Freytag (1863) daraus einen Idealtyp in Pyramidenform“ 13 . Dieser Dramenaufbau teilt in fünf, statt bisher drei Akte ein und definiert bestimmte Punkte innerhalb dieser fünf Akte als für die Handlung maßgebend. „Es [das Drama] steigt von der Einleitung mit dem Zutritt des erregenden Moments bis zu dem Höhepunkt, und fällt von da bis zur Katastrophe. [...] Diese Teile des Dramas, a) Einleitung, b) Steigerung, c) Höhepunkt, d) Fall oder Umkehr, e)Katastrophe haben jeder Besonderes in Zweck und
8 Ebd. S. 11.
9 Ebd. S. 24.
10 Ebd. S. 31.
11 Jeßing, Benedikt, und Ralph Köhnen: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Stuttgart 2003. S. 99.
12 Ebd. S. 100.
13 Ebd. S. 100.
Arbeit zitieren:
Selina Kunz, 2007, Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ - Eine Analyse der dramatischen Struktur anhand der Drehbuchtheorie Syd Fields, München, GRIN Verlag GmbH
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