Universität Hamburg, Institut für Ethnologie
Seminar: „ Raumkonzepte in der ethnologischen Stadtforschung“
Wintersemester 2005/06
Räume der Obdachlosigkeit
von
Rieke Kea Leemhuis
Inhalt
1. Einleitung 1
2. Die ethnologische Felduntersuchung 1-2
3. Raum
3.1 Der Funktionswechsel von Raum 2-3
3.2 Territorien und Abgrenzung 3
3.3 Die Platten 3-4
3.4 Die Buden 4
4. Theoretische Grundlage (räumlicher) Ausgrenzung 5-6
4.1 Umlenkung und Vertreibung der Budengruppe 6-8
5. Zusammenführung der Ergebnisse mit der Theorie Bourdieus 9-11
6. Schlusswort 11-12
7. Literatur 13
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit stellt die Ausarbeitung eines Referats zum Thema Kultur der Obdachlosigkeit dar, das ich im „Seminar Raumkonzepte ethnologischer Stadtforschung“ gehalten habe.
Die Studie „Kultur der Obdachlosigkeit in der Hamburger Innenstadt“ bildet die Grundlage dieser Arbeit. Diese Studie untersucht eine bestimmte Gruppe von Obdachlosen (die „Budengruppe“) in einem begrenzten Feld. Von dieser Arbeit ausgehend möchte ich darstellen wie und wo Raum innerhalb dieser Untersuchung eine Rolle spielt. Dann werde ich auf die Vertreibung Obdachloser aus dem öffentlichen Raum eingehen. Zunächst sollen theoretischen Grundlagen dieser Vertreibung und Ausgrenzung erläutert werden. Dann werde ich Umlenkungs- und Vertreibungsstrategien am Beispiel der untersuchten „Buden Gruppe“ darstellen. Abschließend möchte ich die Ergebnisse mit der Theorie Bourdieus zusammenführen und hier mein Augenmerk auf den sozialen Raum und den Zusammenhang zwischen Macht und Raum legen. Aufgezeigt werden soll, welche Räume Obdachlose besetzten, welche Funktionen Räume haben können, wie konkrete Orte aussehen, die im Leben Obdachloser eine Rolle spielen und wo, wie und aus welchen Gründen es zu Ausgrenzung aus Räumen oder im Zusammenhang mit Räumen kommt.
2. Die ethnologische Felduntersuchung
Die Studie „Kultur der Obdachlosigkeit in der Hamburger Innenstadt“ ist die Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse einer Feldforschung im Jahr 2001 und einer kürzeren Nachfolgestudie Frühjahr 2002, die von Martin Gruber, Felix Axster und Jochen Becker in mehreren Abschnitten in Hamburg durchgeführt wurde. Projektleiterin war Frau Waltraud Kokot.
Mit Hilfe verschiedener Untersuchungsverfahren, bei denen die teilnehmende Beobachtung am Alltag der Untersuchten sowie Gespräche und Befragungen im Mittelpunkt standen, wurde die Innensicht einer Gruppe, das heißt ihre spezifischen Vorstellungen und Lebensweisen, auf der lokalen Ebene untersucht und beschrieben. In einem begrenzten Feld, dem Straßenzug Mönckebergstrasse und Spitalerstrasse wurde am Beispiel einer Gruppe von Obdachlosen deren Lebensform vor Ort untersucht. Ziel der Untersuchung war es kulturelle Muster zu entwickeln (Kokot 2004: 11).
Im Verlauf der Forschung etablierte sich eine Gruppe von Obdachlosen, ehemaligen Obdachlosen und der Szene nahe stehenden Personen als wichtigste Untersuchungseinheit. Sie nutzten alle in unterschiedlichem Ausmaß eine Jahrmarktbude und eine mobile Toilette, die in der Zeit von Dezember 2000 bis März 2001 auf dem Gedrudenkirchhof in Nähe der Mönckebergstrasse aufgestellt worden war. Diese Gruppe wurde im Folgenden als „Budengruppe“ bezeichnet. Die Mitglieder sprechen von sich als „Ritterrunde“ (Kokot 2004:19).
Für viele Obdachlose wirkte die Bude als Anziehungspunkt und sie verlagerten ihren Aufenthaltsort an den neuen Platz. Die Bude bestand aus zwei Räumen: einem Raum für Gepäck und ein Aufenthaltsraum. Beschwerden der Anwohner, geplante Bauarbeiten und das Ende der kalten Jahreszeit führten dazu, dass die Bude am 31. März 2001 abgebaut wurde (Kokot 2004: 21).
3. Raum
Insgesamt ist herauszustellen, dass sich die Studie mit der Stadt als Lebensraum, bzw. der Strasse als Wohnort beschäftigt. Sie ist Teil der Reihe „Lines- Hamburger Schriften zur ethnologischen Stadtforschung“ aus dem Institut für Ethnologie der Universität Hamburg, die das Forschungsfeld Stadt einem weiteren Publikum vorstellen möchte. Der urbane öffentliche Raum, spielt eine besondere Rolle in den Untersuchungen der „Lines Reihe“. Für die Untersuchten ist er z. B. Bühne (zum Beispiel für Straßenmusiker) oder Arbeitsplatz (zum Beispiel für Prostituierte) oder eben Wohnort, wie für die Obdachlosen. Ich möchte nun im Folgenden darstellen, wie und wo Räume konkret beschrieben werden.
3.1. Der Funktionswechsel von Raum
[...]
Arbeit zitieren:
Rieke Leemhuis, 2006, Räume der Obdachlosigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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