Abstract
Concerning theatre as well as political affairs Erwin Piscator is one of the greatest “theatre man” of the 20 th century. In addition to Max Reinhardt he carries weight as one of the revivers of the German stage. His political theatre dominantly influenced the development of the theatre of the twentieth. He tried to mechanize stage, stage setting and stage versions with unconventional means and productions. Because of the theatrestrange use of films, projects, montages’, running assembly lines, metal constructions and banners Piscator was a very controversial and often criticized artist. Especially his usage of the film is considered as demolition of the human stage art.
In this paper, which deals with Piscators political theatre between 1920 and 1930 and his style of production, I first worked out a historical brief outline of the political theatre in general. The purpose is to make understandable Piscators different stages of development concerning his theatre concept. In the second part of my paper I analyze his vision of the “total theatre” and the basic lines of sociological script edition.
His stage system and his style of production I reflect on the third part closer. I prove these revolutional revivals on the basics of the political revue “Trotz alledem!”.
2
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abstract 2
Inhaltsverzeichnis 3
I. Einleitung 4
II. Die Entwicklung des politischen Theaters 6
1. Das Russische Theater zwischen 1917 und 1924 6
2. Das politische Theater in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik 8
3. Das proletarische Theater 11
4. Piscator und die Berliner Volksbühne 14
5. Die Piscator - Bühnen 18
6. Ausblicke 25
III. Piscators Vision eines Totaltheaters 27
IV. Grundlinien der soziologischen Dramaturgie 29
V. Piscators Bühnensystem und Inszenierungsstil 31
1. Publikum 31
2. Schauspieler 34
3. Bühne und Technik 36
4. Dramaturgische Mittel 41
a) Montage 41
b) Film und Projektionen 42
VI. „Trotz alledem “ 46
1. Hintergründe 46
2. Die Inszenierung 48
3. Resümee 49
VII. Fazit 51
VIII. Bibliographie 54
3
I. Einleitung
Erwin Piscator gilt neben Max Reinhardt als einer der Erneuerer der deutschen Theaterbühne. Kein deutscher Theatermann des 20. Jahrhunderts hat mehr Aufsehen mit seinen Inszenierungen erregt und ist leidenschaftlicher kritisiert und umkämpft worden. Er hat die Theaterentwicklung in Deutschland und Europa maßgeblich durch seine Vielseitigkeit beeinflusst. Er war nicht nur Theater- und Filmregisseur, sondern auch Schauspieler, Künstler, Intendant und Theaterleiter. Piscator gilt gemeinhin als der Mann, der die Bühne, das Bühnenbild und das Bühnengeschehen technifiziert hatdurch die Verwendung theaterfremder Mittel wie dem Film, laufenden Bändern, Metallkonstruktionen und Projektionen. Die Elemente Epik, Politik und Technik formten seinen Stils, welche sich in seinen Arbeiten markant und vielseitig manifestierten.
Die Novemberrevolution und deren Scheitern haben das deutsche Theaterleben von Grund auf verändert. Die daraus resultierenden Veränderungen wurden in unterschiedlicher Art und Weise genutzt um die revolutionäre und klassenbewusste Bewegung voranzutreiben. Das daraus entstandene „Politische Theater“ ist eine der Theaterformen der Nachkriegszeit des I. Weltkrieges. Erwin Piscator und das politische Theater werden in diesem Kontext häufig miteinander in Verbindung gebracht.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, Piscators Bühnensysteme und seinen unverwechselbaren Inszenierungsstil unter Berücksichtigung der Entwicklung des politischen Theaters in einer zusammenfassenden Darstellung abzuhandeln. Da dieses umfangreiche Thema einer Eingrenzung bedurfte, steht Erwin Piscators Schaffensperiode von 1920 bis 1931 im Vordergrund. Um die Entwicklung dieser Theaterform in Hinblick auf Piscator herleiten zu können, ist es nötig, auch die Anfänge des politischen Theaters in Russland zu untersuchen.
4
In diesem Zusammenhang folgt die vorliegende Ausarbeitung einem chronologischen und fortlaufenden Prinzip. Im ersten Gliederungspunkt wird die Geschichte des politischen Theaters unter Piscator mit deren einzelnen Entwicklungsstadien dargestellt. Dieser Verlauf seiner Theaterlaufbahn soll einen Gesamtüberblick schaffen und ermöglichen, seine Theatertheorien im angewandten Kontext zu verstehen. Diese theoretischen Grundlagen werden in der zweiten Hälfte dieser Hausarbeit auf ihre Anwendung geprüft. Die technischen und natürlichen Mittel, die Piscators Inszenierungsstil und seine Bühnesysteme charakterisieren, sollen in diesem Rahmen einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Folgende Fragenstellungen sollen eine Analyse ermöglichen: Welche Medien nutzt Piscator in seinen Inszenierungen und welche Aufgaben und Funktionen habe diese? Wie werden diese Medien in seine Konzepte integriert und umgesetzt?
Anhand der politischen Revue „Trotz alledem!“ soll exemplarisch sowohl Erwin Piscators multimediale und politische Inszenierungskunst als auch deren Resonanz beim Publikum und den zeitgenössischen Kritikern untersucht werden.
Der vorgegebene Rahmen dieser Ausarbeitung und der umfangreiche Themenkomplex erfordern eine Komprimierung. Aus diesem Grund muss daraufhin gewiesen werden, dass diese Darstellung nur einen begrenzten Ausschnitt dieses Themas beinhaltet.
5
II. Die Entwicklung des politischen Theaters
1. Das Russische Theater zwischen 1917 und 1924
Die konsequenteste Form des politischen Theaters entwickelte sich nach der Oktoberrevolution 1917 in Russland als Mittel zum Aufbau der erstrebten neuen Gesellschaft. Der Proletkult (proletarische Kultur) - die von der Oktoberrevolution ausgehende kulturrevolutionäre Bewegung - geht von der Überzeugung aus, dass eine eigenständige proletarische Kultur gebildet werden müsse. Das Theater in Russland vollzog in den Jahren zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg einen fundamentalen Wandel. Es wurde in einer Weise in die politischen Prozesse involviert, wie es in dieser Form noch nie der Fall gewesen war. Zwischen 1917 und 1924 kam es zu einem engen Ineinandergreifen von Theater und Politik. 1
Es vollzog sich ein elementarer, nachhaltiger und radikaler Bruch mit jeglicher Tradition. Die zentrale theaterpolitische Forderung war die „Demokratisierung des Theaters“ 2 . Darunter verstand man einerseits die Verstaatlichung und totale Umgestaltung der gesellschaftlichen, kulturellen und sozialökonomischen Strukturen und andererseits die Entwicklung neuer Theaterformen, die den Bedürfnissen der russischen Bevölkerung in der Zeit des Umbruchs der nachrevolutionären Jahren angemessen waren. Dabei standen die politische Aufklärung sowie die Aussicht auf eine neue und starke Sowjetgesellschaft im Vordergrund. Die in diesem Zusammenhang entstandenen Organisationen und Schauspiel- und Theaterprojekte haben die Theatergeschichte maßgebend beeinflusst. In den Monaten, vor sowie nach der Oktoberrevolution 1917, wurde das Theater zum wichtigsten Massenmedium der Sowjetunion. Die Hauptursache für diese immense Wirksamkeit lag vor allem darin, dass die breite Masse der Bevölkerung Analphabeten waren und somit ein Medium benötigt wurde, dass nicht nur von den Intellektuellen und Gebildeten genutzt werden konnte.
1 Vgl. Brauneck, Manfred: Die Welt als Bühne. Geschichte des europäischen Theaters. Band 4. J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, Stuttgart - Weimar 1999.: 766
2 Brauneck, Manfred (1999): S. 810
6
Hinzu kam, dass die politischen Machtverhältnisse ständig durch den Bürgerkrieg von 1918 - 1923 wechselten und nur mit Hilfe der damaligen Theater- und Spielgruppen Volksaufklärung betrieben werden konnte. Bedingt durch die Größe des Landes, schlossen sich innerhalb kürzester Zeit Tausende von Theateraktivisten zusammen und bildeten damit mehr als 5000 Spielgruppen. Diese Agitpropgruppen durchquerten mit Sketchen, Straßentheateraktionen, Agitationszügen und -schiffen das Land und verbreiteten die Parolen der Revolution. 3
Eingeleitet wurde diese Entwicklung 1905, als es vermehrt zu Volksaufständen kam, die das gesamte russische Reich erfassten. Das Zarenregime mit seinem diktatorischen Terror und seinem unsozialen Rechtswesen realisierte in dieser Phase, dass es auf Dauer seine Machtposition nicht halten könne. Den Höhepunkt dieser Aufstände bildete der Sturm auf das Winterpalais in St. Petersburg, bei dem es zum Ausbruch der Oktoberrevolution kam und die Abdankung des Zaren 1917 in Folge hatte. Die Revolution wurde von dem Proletariat gefeiert und die Verbreitung der kommunistischen Ideen begann. 4
Im künstlerischen Bereich bewirkte diese Umbruchsphase eine unglaubliche experimentelle Kreativität. Besonders bei den Literaten und bildenden Künstlern fand die Revolution Anhänger, die mit ihren eigenen Mitteln der Kunst auf diese Bewegung eingingen. Einer der bekanntesten Vertreter war Maxim Gorki, der mit seinem Stück „Nachtasyl“ weltberühmt wurde. „Sein Drama war eine erschütternde Anklage gegen Willkür und Ausbeutung, ein erschreckendes Inferno menschlichen Leidens, moralische Verkommenheit und irdischer Resignation mit einem Schimmer übernatürlicher Weisheit.“ 5 Er wurde damit zur Symbolfigur für diesen revolutionären Kampf der Künstler.
Neben den Agitpropvorstellungen fanden zwischen 1918 und 1923 die weitaus spektakuläreren Massenveranstaltungen und Massentheateraufführungen mit Sprechchören und Gesängen, mit dröhnendem Aufgebot von Panzern und Geschützen
3 Vgl. Brauneck, Manfred (1999): S. 810
4 Ebd., S. 767f
5 Arpe,Verner: Bildgeschichte des Theaters. M. DuMont Schauberg, Köln 1962: S. 248
7
statt. Die imposanteste Massenpantomime war die „Erstürmung des Winterpalais“ am 7. November 1920, die anlässlich des 3. Jahrestages der bolschewistischen Oktoberrevolution vor dem originalen Schauplatz aufgeführt wurde. Mit mehr als 30.000 Akteuren, wurde dieses historische Ereignis theatralisch inszeniert und bot damit über 100.000 Zuschauern ein nächtliches Freilicht - Spektakel mit einem ungeahnten Ausmaß an Authentizität. 6
Meyerhold, Wachtangow und Tairow, die drei namhaften Regisseure der Oktoberrevolution, versuchten die leitenden Ideen dieser Bewegung im Theater unter ähnlichen Aspekten umzusetzen. 7 Ihr Grundgedanke war eine politische Interpretation des russischen Geschichtsverlaufs, bei der die Masse der Bevölkerung bzw. das Proletariat gleichzeitig Helden und Opfer waren. Meyerhold inszenierte seine Aufführungen mit einer neuen Methode, die es in diesem Rahmen im Theater bis dato nicht gegeben hatte. „Er verwendete Filmprojektionen, Jazz und Harmonika; er schürte das Tempo mit Maschinenlärm, Motorengeräusch und Räderrollen an; er montierte Metallkonstruktionen zum Bühnenbild, jagte Statisten durchs Parkett auf die Szene, ließ sie an Gerüsten hochklettern und an Strickleitern herabsausen. Er räumte mit den letzten bourgeoisen Restbeständen auf. Ihm ging es nicht um Stimmung, sondern um Agitation.“ 8
2. Das politische Theater in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik
Die Unvereinbarkeit von Theater und Politik galt bis zum Anfang des 20. Jahrhundert als Wesensmerkmal der Kunst. Die Durchsetzung des politischen Theaters nach 1918 bedeutete vor diesem Hintergrund eine Veränderung des ästhetischen Normengefüges. 9 Das Theater, das auf öffentliches Interesse abzielt, etablierte sich in dieser Zeit zu einem Medium, das am eindeutigsten die gesellschaftspolitischen Tendenzen und Strategien reflektierte. 10
6 Berthold, Margot: Weltgeschichte des Theaters. Alfred Körner Verlag, Stuttgart 1968: S. 451f
7 Vgl. Rühle, Jürgen: Theater und Revolution. Von Gorki bis Brecht. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1963: S. 127
8 Berthold, Margot (1968): S. 454
9 Vgl. Brauneck, Manfred (1999): S. 392
10 Vgl. Städtische Galerie im Ständelschen Kunstinstitut: Raumkonzepte. Konstruktivistische Tendenzen in Bühnen- und Bildkunst 1910 - 1930. Frankfurt am Main 1986: S. 268
8
Vorbereitet wurde diese Entwicklung durch die russische Revolution, die versuchte, ein neues völkerverbindendes Prinzip zur Geltung zu bringen. Die Euphorie des russischen Proletariats berauschte auch die europäische Arbeiterklasse, die sich dem Ideal der klassenlosen Gesellschaft in ihrer Heimat anschließen wollte. 11
Während jedoch die politische Theaterarbeit in der Sowjetunion erst nach der siegreichen Revolution in den Jahren 1917 - 1921/22 einsetzte und zugleich zu ihrem Höhepunkt gelangte, war das politische Theater in Deutschland nach 1918 ein Forum des Kampfes der Linksparteien. Im Vergleich zu Russland, wo das proletarische Theater in den Umgestaltungsprozess der Kulturrevolution integriert war, musste sich das deutsche proletarische Theater gegen ständige Verfolgung sowie gegen Zensur und die Konkurrenz des bürgerlichen Theaterbetriebs wehren. 12
Wie die Theaterepoche in Russland von großen Namen wie Stanislawski, Wachtangow, Tairow und Meyerhold beherrscht wurde, so prägten in Deutschland Reinhardt, Jeßner, Brecht und Piscator das Theaterleben. Jenen großen Theatermännern blieb der tief greifende Wandel der Gesellschaft nicht verborgen und sie trugen alle - jeder auf seine Weise - dazu bei, dass das Theater zu einem Forum der politischen Auseinandersetzungen wurde. 13 Erwin Piscator und das politische Theater werden häufig in einem Kontext genannt, da sein 1929 erschienenes Buch den Titel „Das politische Theater“ trug. Er selbst weist in seinem Werk daraufhin, dass „das politische Theater, so wie es sich in allen meinen Unternehmungen herausgearbeitet hat, […] weder eine persönliche Erfindung noch ein Ereignis der sozialen Umschichtung von 1918 allein“ 14 ist. Bevor es nach Piscators Meinung zu einem politisch - orientierten Theater kommen konnte, musste das Arbeiterpublikum überzeugt werden, dass das Theater keine „Feiertagskunst“ 15 sei, die Themen auf der Bühne als auch die Preise für Eintrittskarten dem Arbeiter und dessen Lebensstil entsprechen müssen.
11 Vgl. Berthold, Margot (1968): S. 459
12 Vgl. Brauneck, Manfred: Theater des 20. Jahrhundert. Programmschriften, Stilperioden, Reformmodelle. Rowolths Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1986a: S. 309
13 Vgl. Rühle, Jürgen (1963): S. 127f
14 Piscator, Erwin: Schriften 1. Das politische Theater. (Hg.) Hoffmann, Ludwig. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1968: S. 27
15 Ebd., S. 28
9
Die nach 1890 entstandenen Volksbühnen, die sich nach der Aufhebung des Sozialistengesetztes gründeten, waren eine Vorstufe des politischen Theaters. Sie wollten die Theaterkunst dem Volk nahe bringen und die Überwindung der Klassengesellschaft erreichen. Die Vorstellungen, die meist an Sonntagnachmittagen stattfanden, wurden in gemieteten Theatern mit wechselnden Schauspielern aufgeführt. Zur Aufführung kamen neben klassischen Dramen auch Werke von naturalistischen Autoren. Doch bis 1918 entwickelten sich die Volksbühnen zu reinen Abonnentenorganisationen, die jeden politischen Anspruch verloren hatten 16 .
So ergab sich zwangsläufig, dass sich das linke politische Theater in Deutschland, welches weder in den Volksbühnen noch bei den linksorientierten Parteien - wie der KPD - Unterstützung fand, in privaten Theatern entfaltete. Doch in diesen bürgerlichen Häusern wurde das Arbeiterpublikum kaum erreicht. 17
In Deutschland und in der Sowjetunion wurde das politische Theater der 20er Jahre in seiner Ästhetik durch drei Momente bestimmt, die in ganz unterschiedliche und gegensätzliche Traditionsbereiche verweisen. 18
- Der erste Bereich griff auf die einfachsten Theatermittel der volkstümlichen Spieltradition zurück und entwickelte daraus Formen der unmittelbaren Ansprache und des nahen Kontaktes zum Publikum. Politische Aufklärung fungierte neben spontanem Theaterspaß und Situationskomik.
- Im Gegensatz dazu formierte sich eine andere Richtung des politischen Theaters, die die totale Technifizierung der Bühne propagierte. Hierbei wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass technische Medien wie Radio, Film und Projektion sowie bühnentechnische Errungenschaften des futuristischen und konstruktivistischen Experimentaltheaters integriert worden.
16 Brauneck, Manfred/ Schneilin, Gérard (Hg.): Theaterlexikon. Begriffe, Epochen, Bühnen und Ensembles. Rowolths Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1986b: S. 1039
17 Vgl. Brauneck, Manfred (1986a): S. 310
18 Vgl. Brauneck, Manfred (1986a): S. 311
10
- Letztlich wurde vor allem in Deutschland das politische Theater durch Entwicklungen innerhalb des konventionellen Literaturtheaters bestimmt. Es waren zum einen die strukturellen Veränderungen der Dramaturgie und zum anderen die Thematisierung aktueller Probleme oder Zeitfragen, aus denen das so genannte „Zeitstück“ oder „Tendenzdrama“ entstanden ist. 19
Aus diesen Entwicklungen, die sich zum Teil auch überlagern bzw. ergänzen, entstehen vier Grundformen des politischen Theaters:
- die politische Revue mit stark agitatorischem Charakter
- das „epische Theater“ Brechts, welches am stärksten die Sprache nutzt und argumentierendes Aufklärungstheater ist
- das dokumentarische Theater, das durch die Verwendung von authentischen Zeitzeugnissen und Dokumenten charakterisiert wird
- das konventionelle realistische Theater, das politische Inhalte eindeutig parteilich behandelt. 20
Piscators Theaterkonzept in den Jahren 1920 bis 1930 ist dem Dokumentartheater am ähnlichsten. Die oben genannten ästhetischen Traditionsbereiche finden sich alle drei in unterschiedlicher Ausprägung in seinen Inszenierungen wieder.
3. Das proletarische Theater
Das erste proletarische Theater wurde von Karl - Heinz Martin und seinen Gesinnungsfreunden 1919 gegründet, um für Arbeiter in Wirtshäusern und Versammlungslokalen zu spielen. Nach der Premiere des Stückes „Freiheit“ von Herbert Kanz wurde es jedoch wieder aufgelöst. 21
Piscator, der durch Krieg und Revolution radikalisiert worden war und nach einer kurzen Zwischenstation 1919 / 1920 in Königsberg nach Berlin zurückkehrte, rief im
19 Brauneck, Manfred (1986b): S. 311
20 Ebd.
21 Vgl. Kusenberg, Kurt (1974): S. 29
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Quote paper:
Annyka John, 2007, "Erwin Piscator - Das politische Theater" - Theater zwischen Kunst und Politik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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