Inhalt:
1 Einleitung 3
2 Sportorganisationen 4
2.1 Deutscher Reichsausschuss für Leibeserziehung (DRA) 4
2.1.1 Professionalisierung der Leibeserziehung 6
2.1.2 Der Konflikt zwischen Sport und Turnen 8
2.2 Zentralkommission Arbeitersport und Körperpflege (ZK) 13
2.3 Deutsche Jugendkraft (DJK) und Eichenkreuz 16
2.4 Wehrsport 17
3 Schlussbetrachtung. 19
Literatur 20
Onlinequellen : 20
2
1 Einleitung
Was Joachim Ringelnatz hier auf pointierte Art und Weise auf den Punkt bringt, entstammt nicht ohne Grund aus der Feder eines Schreibers der Weimarer Zeit. Der moderne Sport erfährt während der Weimarer Zeit einen enormen Aufschwung. Die Mitgliederzahlen in den Vereinen und Verbänden explodieren förmlich, der Grundstein für Sport als Wissenschaft wird mit der Gründung der Deutschen Schule für Leibesübungen gelegt, und auch generell im öffentlichen Leben rückt der Sport mehr und mehr in den Mittelpunkt und bestimmt die freie Zeit vieler Bürger der Weimarer Republik.
Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt sind die diversen Sportorganisationen, Verbände und Vereine der Weimarer Zeit. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über eben jene Sportorganisationen zu geben. Zu diesem Zweck werden nacheinander die beiden großen Dachorganisationen - der Deutsche Reichsausschuss für Leibeserziehungen und die Zentralkommission Arbeitersport und Körperpflege vorgestellt und die dort auftretenden Konflikte
thematisiert. Darüber hinaus werden auch mit der Deutschen Jugendkraft (DJK) und dem Eichenkreuz die beiden konfessionellen Sportverbände, sowie auch der Wehrsport als eine Sondererscheinung der Weimarer Republik in einem eigenen Unterkapitel behandelt.
2 Sportorganisationen
Wie bereits in der Einleitung schon erwähnt stieg die Zahl der organisierten Sportler und Turner während der Weimarer Zeit enorm an. Waren es vor dem Weltkrieg etwa 2 Millionen, stieg diese Zahl zu Beginn der Weimarer Republik direkt sprungartig an und erhöhte sich dann kontinuierlich bis zum Ende der Weimarer Republik bis weit über 9 Millionen Mitglieder in den diversen Vereinen und Verbänden.
2.1 Deutscher Reichsausschuss für Leibeserziehung (DRA)
Die mitgliederstärkste Sportorganisation der Weimarer Republik war der Deutsche Reichsausschuss für Leibeserziehung (DRA). Dieser war 1917 aus dem Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele (DRAfOS) hervorgegangen und ihm gehörten am Ende der Weimarer Zeit 38 Turn- und Sportverbände mit insgesamt über 7 Millionen Mitgliedern an.
Treibende Kraft des DRA zur Weimarer Zeit war neben dem ab 1919 amtierenden Vorsitzenden Theodor Lewald, vor allen Dingen auch Carl Diem, der von 1917 bis zur Zwangsauflösung 1933 Generalsekretär des DRA war. Die Ziele des DRA werden in der vorhandenen Sachliteratur unterschiedlich akzentuiert. Eine sehr detaillierte Analyse der politischen Ziele des DRA findet man bei Eisenberg 1 , während beispielsweise bei Beyer 2 politische Motive nur auf den Sport selbst bezogen Erwähnung finden.
1 EISENBERG, Christiane: „English Sports“ und deutsche Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte 1800-1939. Paderborn 1999, S. 342-386.
2 BEYER, Erich: Sport in der Weimarer Republik. IN: UEBERHORST, Horst (Hg.): Geschichte der Leibesübungen. Bd. 3/2. Berlin 1982, S. 659 ff.
4
Lässt man den DRA selbst mit offiziellen Zielsetzungen zu Wort kommen, erfährt man, dass er es als seine Aufgabe sieht, die „deutschen Leibesübungen treibenden Verbände“ in Form eines Bundes zu vereinigen und sie den Behörden gegenüber zu vertreten. 3 Dies sollte erreicht werden durch Vereinigung von gleich strebenden Verbänden, durch eine Vereinheitlichung von Sportverwaltungen und ein Einwirken auf Behörden und die öffentliche Meinung, durch die Schaffung von Einrichtungen zur Pflege von Sport, Spiel und Turnen, die Veranstaltung von Wettkämpfen und Schulungen und durch eine wissenschaftliche Erforschung der Methoden der körperlichen Übungen und nicht zuletzt durch eine Unterstützung der Leibesübungen treibenden Vereine und Verbände. 4 Diese Ziele verfolgte der DRA auch mit wechselndem Erfolg bis zu seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933. Ein bestimmender Machtkampf um Kompetenzen und Einfluss war dabei der, mit dem zu Beginn der Weimarer Republik mitgliederstärksten Verband, der Deutschen Turnerschaft (DT). Standen vor dem Weltkrieg ungefähr 1,3 Millionen organisierten Turnern insgesamt ca. 400.000 in bürgerlichen Sportverbänden organisierten Mitgliedern gegenüber und noch einmal nahezu ebenso viele in den Arbeitersportverbänden, so hatte sich dieses Verhältnis 1920 schon deutlich verschoben. Im Jahr 1920 hatte die DT noch 1,25 Millionen Mitglieder, die sich dann im Verlauf der Weimarer Republik bei etwas 1,6 Millionen einpendelten. In den Sportverbänden waren zu dieser Zeit bereits 750.000 und in den Arbeitersportverbänden ca. 640.000 Mitglieder organisiert. Diese Tendenz führte sich fort, so dass sich das
3 STADION-KALENDER Amtsblatt des DRA. Heft 2. Berlin 1917, S. 32. Zitiert nach: BEYER, S. 659.
4 A.a.O.
5
Verhältnis von 1914 - nahezu zwei Drittel der Sporttreibenden 5 in Turnvereinen - letztlich bis auf nicht mal mehr ein anteilsmäßiges Drittel gegen Ende der Weimarer Republik reduzierte. Zu bedenken hierbei ist aber trotz allem, dass auch bei der DT die Mitgliederzahlen im Verlauf der Weimarer Zeit anstiegen, allerdings bei weitem nicht in dem Maße, wie dies bei den Sport, Arbeitersport und auch den konfessionellen Sportverbänden der Fall war, die z.T. ihre Mitgliederzahlen verdrei- oder gar vervierfachen konnten.
2.1.1 Professionalisierung der Leibeserziehung
Mit den steigenden Mitgliedszahlen stieg auch die öffentliche Annerkennung und Unterstützung sportpolitischer Interessen. So forderte der DRA 1919 gemeinsam mit der Zentralkommission Arbeitersport und Körperpflege (ZK) die Einführung einer täglichen Sportstunde in den deutschen Schulen. Diese Forderung wurde nicht erfüllt, jedoch führte die stärker werdende Lobby der Leibeserziehung dazu, dass das Schulfach Leibesübungen bzw. Turnen 6 mit einem Erlass vom 13.11.1920 versetzungsrelevant wurde und die jeweilige Lehrkraft als „vollberechtigtes Mitglied“ bei den „Reifeprüfungskommissionen“ zu betrachten sei. 7 Diese Entwicklung konnte nicht ohne Folgen für die Ausbildung der entsprechenden Lehrer bleiben.
„Wenn aber die Körperübungen so hohe Aufgaben in der Erziehung der Jugend zu erfüllen haben, dann darf ihr Betrieb nicht dem Zufall und der Laune überlassen bleiben.
5 Sport im heutigen Wortsinn
6 was, wie wir im folgenden Kapitel noch erfahren werden, der Bedeutung nach, in der damaligen Zeit mit unserem heutigen Verständnis vom übergreifenden Begriff „Sport“ durchaus gleichzusetzen ist.
7 Vgl. BEYER, S. 666.
6
Arbeit zitieren:
Matthias Trumpfheller, 2006, Sportorganisationen in der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag GmbH
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