I
INHALTSVERZEICHNIS
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
I. PROBLEMSTELLUNG 1
II. DAS PHÄNOMEN DER ANGST UND PRÜFUNGSANGST 2
1. Definitionen 2
2. Die Trait- und State-Komponente der Angst 2
3. Das Phänomen der Prüfungsangst 3
III. MODELLE ZUR ERKLÄRUNG DER URSACHEN VON ANGST 4
1. Das kognitive Angstmodell 4
2. Die attributionale Theorie des Verhaltens 5
IV. DIE ERKLÄRUNG VON PRÜFUNGSANGST UNTER DEM ASPEKT DER KAUSAL-
6
ATTRIBUTIERUNGSTHEORIE
1. Die „naive Handlungstheorie von Heider 6
2. Mit Attributionen assoziierte Informationsmuster 9
3. Die Weiterentwicklung des Heider-Modells durch Weiner 10
1 0
3.1. Stabilität als Ursachendimension
1 1
3.2. Kontrollierbarkeit als Ursachendimension
4. Prüfungsangst im Leistungskontext 11
12
4.1. Stabilitätsdimension und Erwartungsänderungen
4.2. Die Lokationsdimension: Selbstwertbezogene Gefühle und
13
Leistungsmotivation
15
4.3. Kontrollierbarkeit und interpersonelle Urteile
1 6
4.4. Zusammenfassung
V. HANDLUNGSKONSEQUENZEN FÜR DEN LEHRER 1 7
1. Die state-Komponente der Prüfungsangst 17
2. Die trait-Komponente der Prüfungsangst 18
2.1. Wahrnehmung von fähigkeits- und zufallsabhängigen Aufgaben-
18
situationen
19
2.2. Attribution auf mangelnde Fähigkeit
20
2.3. Wahrnehmung von Kontrollierbarkeit
VI. SCHLUSSBETRACHTUNG 2
LITERATURVERZEICHNIS 2 3
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Abb. Abbildung bspw. beispielsweise Bd. Band BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung bzw. beziehungsweise ggf. gegebenenfalls Jg. Jahrgang Nr. Nummer S. Seite Sog. So genannt u.a. unter anderem vgl. vergleich vol. Volume vs. versus
III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1: Modell der kognitiven Verhaltenstheorie
Abb. 2: Wirksame Kräfte der Person und Umwelt
Abb. 3: Wirksame Kräfte der Person (differenziert) und Umwelt
Abb. 4: Personelle und situative Komponenten der naiven Handlungsanalyse
n a c h H e i d e r
Abb. 5: Das Konzept des „Könnens“
Abb. 6: Mit den Attributionen auf Person und Umwelt assoziierte Informations-
m u s t e r
Abb. 7: Zweidimensionales Klassifikationsschema für wahrgenommene Ursachen
von Leistungsergebnissen
Abb. 8: Resultierende Leistungsmotivation als Funktion des Leistungsmotivs und
der Prüfungsangst
Abb. 9: Teildarstellung einer attributionalen Theorie der Motivation
Abb 10: Aussagekraft von Prüfungen
I. PROBLEMSTELLUNG
„Wir leben heute in einer Gesellschaft, der sogenannten Leistungsgesellschaft, in der berufliche und soziale Positionen vorwiegend aufgrund von Leistung vergeben werden.
Diese Leistung eines jeden aber wird durch Prüfungen ermittelt.“ 1 Die Leistungsergebnisse
sind dann von wesentlicher Bedeutung, welche beruflichen Einstiegs- und Aufstiegschancen
ein Mitglied dieser Gesellschaft hat.
Dabei ist in leistungs- und konkurrenzorientierten, individualisierten Gesellschaften „Angst“
wohl als zentrales Element menschlicher Befindlichkeit anzusehen. Zu vermuten ist auch,
dass Ängste entscheidenden Einfluss auf menschliches Handeln und auf seine
Leistungsfähigkeit und damit auch Folgen für die kollektive Produktivität einer Gesellschaft
nehmen können. 2
Da Lehrer auf Angstgefühle ihrer Schüler als Ursachenfaktor für Lern- und
Prüfungsprobleme achten sollen, 3 ist es deshalb notwendig, sich mit dem Phänomen der
Angst im Kontext der Schule zu befassen. Deshalb muss die Frage nach den Ursachen von
Prüfungsangst gestellt werden: Welches sind die auf Schülerseite wesentlichen
Voraussetzungen der Entstehung von Angst? Wie äußern sich diese und welche Folgen
können sie haben? Antworten auf diese Fragen sind grundlegend zur Klärung des
Verhältnisses von Prüfungsangst und Schulleistung wichtig. 4
„Es ist anzunehmen, dass Prüfungsangst und Schulleistung in kausalen Wechselwirkungen
stehen.“ 5 Aus diesem Grunde soll in der vorliegenden Arbeit der Versuch unternommen
werden, die Ursachen von Prüfungsangst in Leistungssituationen mit Hilfe der
Kausalattributionstheorie unter Bezugnahme auf die Theorie der Leistungsmotivation
darzustellen. Da allgemein „Einigkeit darüber herrscht, dass die Leistungsfähigkeit des
Schülers ganz entscheidend von der Person des Lehrers mitgeprägt wird“ 6 , sollen im
Anschluss an die Darstellung der Ursachen von Prüfungsangst Möglichkeiten entwickelt und
erörtert werden, mit denen ein Lehrer diesem Phänomen wirksam begegnen kann.
1 Weiß, 1997, S. 9.
2 Vgl. Pekrun, 1991, S.164.
3 Vgl. Lukesch, 1986, S. 126.
4 Vgl. Pekrun, 1991, S. 165.
5 Pekrun, 1991, S. 167.
6 Gärtner-Harnach, 1972, S. 117.
II. DAS PHÄNOMEN DER ANGST UND PRÜFUNGSANGST
1. Defintionen
Allgemein wird unter dem Begriff der Angst ein Gefühlszustand verstanden, „in which the
individual anticipates harm“ 7 und der durch einen „als betont unangenehm erlebten
Erregungsanstieg angesichts der Wahrnehmung einer komplexen und mehrdeutigen
Gefahrensituation bestimmt wird“ 8 . Nach Schwarzer lässt sich das Phänomen „Angst“ in
drei Kategorien untergliedern: Die Existenzangst, die soziale Angst und die Leistungsangst.
Dabei definiert Schwarzer die Leistungsangst als „die Besorgtheit und Aufgeregtheit
angesichts von Leistungsanforderungen, die als selbstwertbedrohlich eingeschätzt werden“ 9 .
Prüfungsangst ist in Abgrenzung zur Leistungsangst die Bereitschaft, auf punktuell
auftretende, mündliche oder schriftliche Prüfungen mit Angst zu reagieren und versteht sich
als Teilaspekt der Leistungsangst. 10 Die Angst vor Prüfungssituationen ist besonders in der
Schule von Bedeutung. Sie äußert sich in der Furcht vor einem Versagen in Klassenarbeiten
und anderen Prüfungssituationen sowie in der Furcht vor dem sozialem Vergleich mit den Mitschülern und dem dadurch resultierenden Selbstwertverlust. 11 Im Kontext Schule spricht
Krohne in diesem Zusammenhang von Schulangst, einem Teilaspekt der Prüfungsangst, der
von Schülern in schulbezogenen, in der Regel leistungsthematischen Situationen erlebt wird und Konsequenzen auf das Leistungsverhalten hat. 12
2. Die Trait- und State-Komponente der Angst
Es hat sich in diesem Zusammenhang in der Forschung durchgesetzt, einen zeitlich relativ
kurzen, emotionalen Zustand des Organismus, genannt Zustandsangst (state), von einer Verhaltensdisposition, der Eigenschaftsangst (trait), begrifflich zu trennen. 13 Diese
Unterscheidung geht auf Spielberger zurück, der die trait- und state-Angst folgendermaßen
definiert: „The trait anxiety factor is interpreted as measuring stable individual differences in
unitary [...] (and) the state anxiety factor [...] defining a transitory state or condition of the
7 Lazarus/Opton, 1966, S. 229.
8 Scholz, 1995, S. 315.
9 Schwarzer, 1987, S. 94.
10 Vgl. Scholz, 1995, S. 315.
11 Vgl. Satow, 1999, S. 207.
12 Vgl. Krohne, 1977, S. 20
13 Vgl. ebenda, S. 18.
organism which fluctuates over the time.“ 14 Dabei kann die Zustandsangst als eine
spezifische Konstellation „subjektiver, physiologischer und verhaltensmäßig-motorischer Merkmale“ 15 beschrieben werden, die sich bspw. in der Schlagfrequenz des Herzens, der
Atemfrequenz, im Zittern der Stimme, Schweißausbruch, Tränen, einer verkrampften Körperhaltung usw. bemerkbar macht. 16
Die Eigenschaftsangst hingegen stellt ein Residuum vergangener Erfahrungen dar, das das
Individuum in unterschiedlicher Weise dazu benutzt, Umweltsituationen auf bestimmte
Weise aufzunehmen, zu verarbeiten und dann entsprechende Verhaltensweisen zu generieren. 17 Campell bezeichnet dies mit dem Konzept der „acquired behavioral disposition“. 18
Diese Definitionen besagen, dass die Zustandsangst - auch als „ego-threat“ 19 bezeichnet - ein
vorübergehender emotionaler Zustand ist, der in einer Situation ansteigt, die von einer
Person als bedrohlich eingeschätzt wird. Dieser Angstzustand wird vermindert, wenn die
bedrohliche Situation vorübergeht, oder wenn die Person die Situation nicht mehr als
bedrohlich einschätzt. Im Vergleich dazu wird die Eigenschaftsangst als „Ängstlichkeit“
verstanden. Personen mit hoher Eigenschaftsangst haben die Neigung, Situationen häufiger
und intensiver als bedrohlich einzuschätzen, als jene mit niedriger Eigenschaftsangst. 20
Angst als Eigenschaft stellt demnach das Persönlichkeitsmerkmal einer Person dar,
Situationen, die ihr Selbstwertgefühl ansprechen, unterschiedlich stark bedrohlich zu erleben und Zustandsangst zu generieren. 21
3. Das Phänomen der Prüfungsangst
Überträgt man das Modell der Trennung zwischen Zustands- und Eigenschaftsangst auf das
Phänomen der Prüfungsangst, so müssten sich Personen hinsichtlich ihrer Disposition, auf
solche Leistungssituationen mit Angst zu reagieren, ebenfalls unterscheiden. Heckhausen
beschreibt Prüfungsängstlichkeit als „eine Persönlichkeitsdisposition im Sinne eines Motivs.
Situationen der Leistungsbeurteilung werden als selbstwertbedrohlich erlebt und rufen einen
14 Spielberger, 1966, S. 13.
15 Krohne, 1977, S. 18.
16 Vgl. Scholz, 1995, S. 316.
17 Vgl. Krohne, 1977, S. 18.
18 Vgl. Campell, 1963, S. 94.
19 Hodapp/Laux/Spielberger, 1982, S. 174.
20 Vgl. Spielberger, 1966, S. 14.
21 Vgl. Kerres, 1988, S. 10.
Motivationszustand hervor, der durch Aufgeregtheit und Selbstzweifel-Gedanken gekennzeichnet ist. Die selbstwertbezogenen Gedankeninhalte ziehen einen Teil der für die Aufgabenlösung notwendigen Aufmerksamkeit ab und beeinträchtigen den Lösungsverlauf.“ 22
In Prüfungssituationen reagieren die Prüfungsängstlichen nach Spielbergers Trait-State- Angstmodellmit einer Steigerung der Zustandsangst, weil die Situationen von ihnen als bedrohlich eingeschätzt werden. 23 Jedoch hängt es vom Grad der Eigenschaftsangst ab, wie hoch die Zustandsangst dabei ausfällt. Hoch-Prüfungsängstliche sind durch eine hohe Eigenschaftsangst gekennzeichnet und reagieren in Leistungssituationen deshalb mit höherer Zustandsangst wie Niedrig-Prüfungsängstliche. 24 Der Grad der Eigenschaftsangst ist abhängig von früheren Erfahrungen in Prüfungen, d.h. von Prüfungserfolgen undmisserfolgen. Oft wird dieses Modell auch durch die „Zwei-Komponenten-Theorie“ von Liebert/Morris beschrieben, in der die state-Angst als Aufgeregtheit und die trait-Angst als Besorgtheit beschrieben werden. 25
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es sich bei der Prüfungsangst um eine Art Eigenschaftsangst handelt, die in der Prüfungssituation eine hohe Zustandsangst auslöst. 26
III. MODELLE ZUR ERKLÄRUNG DER URSACHEN VON ANGST
1. Das kognitive Angstmodell
Die kognitive Psychologie beschäftigt sich damit, wie sensorische Reize „transformiert, reduziert, elaboriert, wiederabgerufen und genutzt werden“ 27 . „A cognitive theory of behavior assumes that the first stage in the chain of events initiated by the stimulus situation and resulting in the behavioral act is the construction of a cognitive representation of the distal environment. The later events in the chain are instigated, modified and guided by this cognitive representation.“ 28 Die Umwelt wird also in einem ersten Schritt subjektiv nach einem kognitiven Schema interpretiert, was dann zu einem bestimmten Verhaltensmuster
22 Heckhausen, 1980, S. 249.
23 Vgl. Hodapp/Laux/Spielberger, 1982, S. 174.
24 Vgl. Kerres, 1988, S. 10.
25 Vgl. Liebert/Morris, 1967.
26 Vgl. Satow, 1999, S. 207.
27 Neisser, 1967, S. 4.
28 Baldwin, 1969, S. 326.
Arbeit zitieren:
Dr. rer. pol. Michael Ruf, 2001, Prüfungsangst - Zur Beschreibung und Erklärung eines pädagogisch-psychologischen Konstrukts, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Angststörungen im jüngeren Schulalter und Möglichkeiten einer schulisc...
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Zwischenprüfungsarbeit, 32 Seiten
Gewalt an Schulen und mögliche Präventionen
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Bewältgungsstrategien der Prüfungsangst
Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung
Diplomarbeit, 31 Seiten
Literatur und kreative Textarbeit
Französisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Unterrichtseinheit "Balladen" in Klasse 8 - Stunde "Der...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Annette von Droste-Hülshoff und ihr Balladewerk - Dargestellt am Beisp...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 30 Seiten
Drei ausgewählte Balladen der Annette von Droste-Hülshoff: "Der G...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Typologie und gattungshistorischer Ort der Drosteschen Ballade (Annett...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 21 Seiten
Prüfungsangst - Auslöser, Symptome und wie man sie behandeln kann.
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Seminararbeit, 26 Seiten
Bildungspolitik in Frankreich und Deutschland - Ein Vergleich
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit, 17 Seiten
Michael Ruf's Text Prüfungsangst - Zur Beschreibung und Erklärung eines pädagogisch-psychologischen Konstrukts ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Michael Ruf hat den Text Prüfungsangst - Zur Beschreibung und Erklärung eines pädagogisch-psychologischen Konstrukts veröffentlicht
Michael Ruf hat einen neuen Text hochgeladen
Pädagogisch-psychologische Diagnostik 2
Anwendungsbereiche und Praxisf...
Hans-Peter Langfeldt, Lothar Tent
Pädagogisch - psychologische Diagnostik I. Theoretische und methodisch...
Lothar Tent, Ingeborg Stelzl
Grundlagen und Anwendungsfelde...
Heinz Walter Krohne, Michael Hock
0 Kommentare