Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 4
2 Farbbezeichnungen 5
2.1 Allgemeines 5
2.2 Herkunft von Farbbezeichnungen 5
3 Mensch und Farbraum 6
3.1 Farbsysteme auf der Grundlage physiologischer Betrachtungsweise 6
3.2 Farbsysteme auf der Grundlage psychologischer Betrachtungsweise 8
4 Wahrnehmung von Farbe 10
4.1 Allgemeines zur Farbe in der Natur 10
4.2 Physiologische Aspekte der Farbwahrnehmung 10
4.2.1 Der Sehvorgang 11
4.2.2 Purkinjesches Phänomen 11
4.2.3 Simultan- und Sukzessivkontraste 12
4.2.3.1 Simultankontraste 12
4.2.3.2 Sukzessivkontraste 13
4.3 Beziehungen zwischen Physiologie und Psychologie der Farbwahrnehmung 13
4.3.1 Gedächtnisfarben 13
4.3.2 Farbverzerrung 14
4.4 Psychologische Aspekte der Farbwahrnehmung 15
4.4.1 Farbe und Form 15
4.4.2 Repräsentation von Farbe und Form im Langzeitgedächtnis 16
4.4.3 Beziehungen zwischen geometrischen Grundformen und den Primärfarben 17
4.5 Bedeutung der Farbe für das Erkennen von Szenen und Objekten 21
4.5.1 Erkennen von Objekten 21
4.5.2 Erkennen von Szenen 21
4.6 Farbe und Bewegung 22
4.7 Farbsymbolik 23
4.7.1 Allgemeines zu Farbsymbolik 23
4.7.2 Emotionalität von Farben 23
4.7.3 Beziehungen zwischen Farbempfinden und Sinneseindrücken 25
4.7.3.1 Temperatur einer Farbe 25
4.7.3.2 Gewicht einer Farbe 26
4.7.3.3 Farbe und Gehör 26
4.7.3.4 Wirkung von Farbe auf Geruch und Geschmack 27
4.7.3.5 Farbe und Haptik 28
4.7.4 Dimensionalität von Farben 28
4.7.5 Farbe und Harmonieempfinden 29
5 Kulturelle Aspekte der Farbsymbolik 31
5.1 Evolutionäre Entwicklung von Farbbezeichnungen 31
5.2 Allgemeine Einflussfaktoren 32
2
5.3 Neurophysiologische und Kognitivpsychologische Aspekte 33
5.4 Bedeutung der Sprache 34
Quellen - und Bildnachweis 35
3
1 Einleitung
» Die Farbe ist der Ort, wo sich unser Gehirn und das Weltall begegnen. « - Paul Cèzanne Das erste was ein Kleinkind von dieser Welt optisch wahrnimmt sind Farben. Es kann ab dem 4.Monat schon einzelne Farben unterscheiden. Es dauert jedoch wesentlich länger bis es vermag einzelne Objekte klar zu erfassen. /GeFu2.3/
Die Tatsache, dass ein gesunder Mensch schon seit seinem ersten Lebensjahr in der Lage ist optische (Farb-)Reize zu verarbeiten ist zugleich Vor- und Nachteil, wenn es darum geht, zu klären, welchen Einfluss die Wahrnehmung von Farbe auf uns hat. Ein Vorteil ist es, weil uns das Sehen von Farben so vertraut ist und jeder instinktiv bestimmte Assoziationen 1 mit bestimmten Farben verbindet. Ein Nachteil ist es deshalb, da dem Menschen durch diesen Umstand eine gewisse Objektivität gegenüber den Farben an sich fehlt und es daher schwer ist einen neutralen, vorurteilsfreien point of view für die Beschreibung der psychologischen Wirkung von Farbe auf den Menschen einzunehmen.
Die Diskrepanz zwischen uns vertrauten Phänomenen der Farbwahrnehmung auf unsere Psyche und der Schwierigkeit diese in Form wissenschaftlicher Modelle aufzuklären ist recht groß. Ein Maler beispielsweise weiß zwar wann er diese oder jene Farbe einsetzt um eine bestimmte Stimmung beim Betrachter hervorzurufen oder welche Farbkombinationen eher harmonisch und welche abstoßend wirken, jedoch sind solche Prozesse meist das Ergebnis langjähriger Studien und resultieren nicht zuletzt auch aus dem Besitz eines gewissen Erfahrungsschatzes und eines ausgeprägten kreativen Instinkts. Die Fragen die sich hier stellen sind also, welchen psychologischen Einfluss Farben auf uns haben und in wie weit dies wiederum unsere Wahrnehmung der Welt beeinflusst. Es lohnt sich also, die Erscheinung Farbe näher zu betrachten und die zahlreichen Wechselwirkungen zwischen Farbe und Bewusstsein zu untersuchen.
In der vorliegenden Arbeit wurde der Versuch unternommen, einen kleinen Überblick über verschiedene Bereiche der Farbwahrnehmung aus psychologischer Sicht zu geben.
1 seien sie nun emotionaler, kognitiver oder symbolischer Natur
4
2 Farbbezeichnungen 2.1 Allgemeines
Wenn man über Farbe spricht ist man oft gezwungen recht allgemeine Bezeichnungen für ganz spezifische (Farb-)Eindrücke zu wählen. Die meisten Farbbezeichnungen beschreiben eher ein gewisses Farbspektrum als einen ganz speziellen Farbton. Bezeichnet man zum Beispiel etwas als lila, so ist nicht eindeutig klar um welchen Fliederfarbton es sich genau handelt 2 . Wird etwas als purpurn beschrieben, versteht man darunter im deutschen ein Violett-Rot, im amerikanischen dagegen jedoch mehr ein Violett zwischen Rot und Blau. Oft versteht man also unter ein und demselben Wort ganz verschiedene Farbeindrücke. Die Gründe dafür sind vielseitig. Zum einen besitzt die menschliche Sprache nicht annähernd so viele Adjektive wie es Farbeindrücke gibt, zum anderen geht man in verschiedenen Kulturen verschiedenartig mit Farben um und schließlich erzeugt ein und der selbe Farbton nie genau den gleichen Farbeindruck bei verschiedenen Menschen. Eine eindeutig mathematische Zuordnung eines Farbeindruckes (den ein Mensch hat) zu einem bestimmten Farbton ist deswegen bisher noch nicht möglich. /Frie59/
2.1 Herkunft von Farbbezeichnungen
Viele Farbbezeichnungen gehen auf Tiere und Pflanzen zurück. So gibt es beispielsweise die Wörter zitronengelb, weinrot oder etwa kastanienbraun sowie mausgrau, fuchsrot oder elfenbein. Andere Bezeichnungen rühren von geografischen Begriffen her. Berliner Blau, Neapelgelb oder Magenta 3 sind einige Beispiele hierfür. Auch Naturerscheinungen sind für einige Farbbezeichnungen wie beispielsweise himmelsblau, Morgenröte (auch aurorarot) oder nebelgrau verantwortlich. Schließlich sind einige Farben auch nach Mineralien (und Erden) sowie Gebrauchsgütern benannt. Beispiele hierfür sind die Bezeichnungen lapisblau, türkis und ultramarin sowie flaschengrün, schokoladenbraun oder ziegelrot. /Frie59/ Aufgrund der unterschiedlichen Wahrnehmung von Farbe bei verschiedenen Menschen war es also offensichtlich schon in der frühen Menschheitsgeschichte wichtig einen bestimmten Farbeindruck durch dessen Zuordnung zu allgemein bekannten Erscheinungen bzw. Objekten zu charakterisieren. Dies wiederum ist für das Verständnis der Wahrnehmungspsychologie (was die Wahrnehmung von Farbe anbelangt) wichtig wenn es um das subjektive Farbempfinden sowie dessen Einordnung in bestimmte Begrifflichkeiten geht. Man erkennt schnell, dass die meisten der bereits erwähnten Farbbezeichnungen Grundfarbbegriffe wie Rot, Gelb, Grün usw. enthalten, aus deren Zusammensetzung dann neue Farbnamen entstehen. Diese als Grundfarben bekannten Bezeichnungen unterscheiden sich von den bereits erwähnten Begrifflichkeiten also dadurch, dass es sich hier um Urworte handelt. Indem man vor einigen tausend Jahren noch mit Blut malte, wurde das Blut zur Farbbezeichnung. Das Wort Rot dürfte nämlich mit dem Sanskrit-Wort ruh-ira (lateinisch: ruticus) zusammenhängen. Man kann in allen europäischen Sprachen überall dieselbe Wurzel dieses Begriffes finden. Wenn Rot Blut meint, können sich demnach alle Menschen vorstellen, um welchen Farbeindruck es sich hier handelt.
2 Die Bezeichnung lila leitet sich vom französischen Wort lilac ab, was Flieder bedeutet.
3 Der Begriff Magenta (bezeichnet ein kaltes Rot und) ist nach der Stadt Magenta in Italien benannt, wo
Frankreich 1859 die Österreicher besiegte, im gleichen Jahr da man erstmals das Fuchsin herstellte.
5
Auch bei der Farbe Weiß gibt es in vielen Sprachen gemeinsame Hinweise auf etwas allseits Bekanntes. Das Licht. Im Sanskrit lautet die Bezeichnung dafür candra (lateinisch: candidus). /Frie60/
3 Mensch und Farbraum
Um zu verstehen wie Farbe auf den Menschen wirkt ist es hilfreich sich zuallererst damit auseinanderzusetzen, wie man in der Vergangenheit versucht hat Farben in ein System einzuordnen. Diese Ordnungsversuche des Menschen entspringen nämlich bestimmten Empfindungen und Eindrücken die man hat, wenn man Farbtöne betrachtet. Die Auflistung aller Farbsysteme bzw. die Behandlung ihrer Entstehung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und auch am eigentlichen Thema vorbei gehen. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, wesentliche Versuche (und Methoden) der Farbraumerstellung aufzuführen um ein tieferes Verständnis für die uns innewohnenden subjektiven Farbbeurteilungen zu erlangen.
3.1 Farbsysteme auf der Grundlage physiologischer Betrachtungsweise
Erste Versuche eine gewisse Ordnung der Farben durchzuführen wurden beispielsweise schon von Leonardo Da Vinci (1452-1519) durchgeführt. Er hatte die Grundidee Farben polarisch als Ganzheit zu erfassen und bildete die Pole Schwarz-Weiß, Blau-Gelb und Grün-Rot. Dieses Denken blieb dann gerade für die physiologische Farbenlehre bestimmend. Auch Sir Isaac Newton (1643-1727) beschäftigte sich mit der Erstellung von Farbsystemen. Von ihm wurden die im Spektrum des weißen Lichtes bzw. im Regenbogen auftretenden Farben zuerst in einem Farbkreis zusammengefasst. /Frie63/
Auch Arthur Schopenhauer (1788-1860) befasste sich mit der Physiologie des Sehvorganges und ging bei der Erstellung eines Farbsystems von ungleich quantitativen Proportionen der Gegenfarben aus. Nach seinem Verständnis der Farbwahrnehmung steht einzig das Rot gegenüber Grün im Verhältnis 1:1. /Frie63/
Der Arzt und Physiologe Ewald Hering (1854-1918) unterschied, basierend auf Schopenhauers Theorie, drei Farbprozesse in der Netzhaut durch die jeweils Farbe und Gegenfarbe erscheinen: Gelb-Blau, Rot-Grün und Schwarz-Weiß. Er kam so zu seinen vier Urfarben Gelb, Grün, Blau und Rot. Es gab noch eine Reihe ähnlicher physiologischer Theorien auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.
Von einem regulären Farbsystem kann erst gesprochen werden, wenn auch die Helligkeit und die Sättigung eines Farbtons mit einbezogen und der Farbkreis zum dreidimensionalen Farbkörper wird.
Der erste Farbkörper wurde von dem romantischen Maler Phillip Otto Runge (1777-1810) geschaffen. Er machte den Globus zum Sinnbild der Farbenwelt. Sein Äquator stellte ein Farbband dar, das wiederum einem Farbenkreis entspricht. Dieser führte von Gelb über Grün nach Blau, von dort über Violett nach Rot und von Rot über Orange wieder zum Gelb zurück. Nun waren Farbenkreise in dieser Form nichts Neues aber durch die räumliche Darstellung in Form einer Kugel konnte nun jede der Äquatorfarben mit dem Nord- und Südpol über Längengrade miteinander verbunden werden. Setzt man in diesem Globus das Weiß an den Nordpol und das Schwarz an den Südpol stellen die einzelnen Breitengrade jeweils Stufen gleicher Schwarz- bzw. Weißabstufungen dar. /Frie64/
Genau in der Mitte dieses Globus befand sich ein mittleres Grau. Hier münden das Weiß des Nordpols sowie das Schwarz des Südpols und alle sich diametral gegenüberliegenden Farben (die sich gegenseitig zum Grau hin auslöschen).
Später schuf der Chemiker Wilhelm Ostwald (1853-1932) ein auf Runges Globus basierendes Farbsystem. Dabei platzierte er die Farben auf einem Doppelkegel bei dem ebenfalls Weiß oben und Schwarz unten situiert waren. Die breiteste Stelle des Kegels umfasste dabei ein Farbband. Die Farbreihen von der Vollfarbe zum Weiß hin nannte er dabei hellklare Reihen, die nach Schwarz dunkelklare Reihen.
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Arbeit zitieren:
Dipl.Ing (FH) Maik Brauer, 2006, Grundzüge der psychologischen Farbenlehre , München, GRIN Verlag GmbH
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