Inhaltsverzeichnis
1. Einführung. 3
2. Anlass der Auseinandersetzung: Die 3. Relatio des Symmachus 4
3. Zur Argumentation des Bischofs Ambrosius im 72. Brief. 5
4. Der 73. Brief als argumentative Reaktion auf die 3. Relatio des Symmachus 11
5. Zusammenfassung und Ergebnis 15
6. Literatur und Quellen 17
6.1 Literatur. 17
6.2 Quellen 18
7. Abkürzungsverzeichnis und Erläuterungen 18
2
1. Einführung
Am Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. wurde in der Regierungszeit Theodosius’ das Christentum zur Staatsreligion erhoben. Nachdem die so genannte „Konstantinische Wende“ 313 zunächst das Ende der Unterdrückung des christlichen Glaubens darstellte, sollte es noch rund 80 Jahre dauern, bis der christliche Glaube als alleinige Religion die altrömischen Kulte aus dem öffentlichen Leben verdrängte. Diese Zeit ist geprägt von ideologischen und politischen Auseinandersetzungen christlicher und heidnischer Vertreter. Letztere wollten vor allem ihre über Jahrhunderte währende Stellung im Reich aufrechterhalten. Eine der bedeutendsten intellektuellen Auseinandersetzungen fand in den 80er Jahren des 4. Jahrhunderts statt. Sie handelte von dem Streit um den Victoria-Altar. Hintergrund ist die Entfernung eines heidnischen, der Siegesgöttin Victoria gewidmeten Altars aus dem Sitzungsgebäudes des Senats Curia Julia durch Kaiser Gratian im Jahre 382. 1 Aus Sicht der Anhänger des römischen Paganismus konnte diese Maßnahme, die in Verbindung mit weiteren Einschränkungen - wie beispielsweise der Streichung von finanziellen Privilegienzu sehen ist, nicht hingenommen werden. Die Proteste der Heiden äußerten sich daher bereits sehr früh: eine Gesandtschaft unter Führung des späteren Stadtpräfekten und überzeugten Anhänger der römischen Kulte. Symmachus reiste nach Mailand, dem Residenzort des Kaisers, um die Rücknahme der Beschlüsse zu erreichen. Allerdings scheiterte dieser erste Versuch, den Victoriaaltar wieder an seinen alten Platz zu befördern, an der Intervention des Bischofs Ambrosius von Mailand, der mit dem Papst Damasus und den christlichen Mitgliedern des Senats durchsetzen konnte, dass die heidnische Gesandtschaft nicht zum Kaiser vorgelassen wurde. Symmachus und Ambrosius sind die zentralen Personen, die beiden wichtigsten Kontrahenten in diesem Streit. Nach dem Tode Gratians unternahm Symmachus erneut den Versuch, den Kaiser - nun dessen Halbbruder Valentinian II.umzustimmen, indem er diesem seine 3. Relatio zukommen ließ, in der er die Notwendigkeit erläutert, dem Heidentum die alten Privilegien zuzugestehen und den Victoriaaltar an seinen ursprünglichen Platz zu stellen. Erneut intervenierte Bischof Ambrosius mit zwei Briefen an den kaiserlichen Hof, und zwar wieder mit Erfolg. Der in Trier geborene Kirchenvater erreichte es, den wankelmütigen Valentinian endgültig auf seine Linie zu bringen: mit dem Ergebnis, dass der Kaiser die Bitten Symmachus’ und damit die Anliegen der Heiden ausschlug.
1 Wytzes, J.: Der letzte Kampf des Heidentums in Rom. Leiden 1977, S. 4
3
Besondere Aufmerksamkeit verdienen bei der näheren Betrachtung dieses Streits die 3. Relatio Symmachus’ und die sich darauf beziehenden Briefe 72 und 73 2 von Ambrosius, die den Streit dokumentieren. Da Ambrosius letztlich überzeugender auf den jungen Kaiser Valentinian II. und seine Berater gewirkt haben muss, soll in dieser Seminararbeit die Argumentation Ambrosius’ in seinen beiden Schreiben an Valentinian untersucht werden. Besonders wird der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert der christliche Glaube bei den Erläuterungen des Bischofs einnimmt. Abschließend sollen in einem kurzen Fazit die Ergebnisse dieser Untersuchung zusammengefasst werden. Beginnen wird die Studie mit einer inhaltlichen Zusammenfassung der 3. Relatio Symmachus’, da Ambrosius Antwort somit verständlicher und die Bearbeitung seiner Argumentation nachvollziehbarer wird. Anschließend - im Hauptteil dieser Seminararbeitsollen die beiden Briefe Ambrosius’ unter dem Aspekt der Fragestellung untersucht werden.
2. Anlass der Auseinandersetzung: Die 3. Relatio des Symmachus
In seinem Schreiben an den Kaiser, der sog. 3. Relatio, erinnerte Symmachus, der zu diesem Zeitpunkt Stadtpräfekt Roms war, daran, dass er bereits einmal versucht hatte, bei Gratian Gehör für sein Anliegen zu finden, was allerdings von „schlechten Leuten“ hintertrieben worden sei. 3 Gemeint sind hiermit offenbar Ambrosius und der Bischof von Rom, Pontifex Damasus, die verhinderten, dass die Gesandtschaft unter Führung Symmachus’, die kurz nach der Entscheidung Gratians bei diesem vorsprechen wollte, am Mailänder Hof vorgelassen wird.
Anschließend kommt Symmachus bereits auf den Streitgegenstand, den Victoriaaltar, zu sprechen. Er betont die Verdienste und den Nutzen der Göttin Victoria für das Römische Reich, bevor er auf die eigentliche Funktion des Altars aus Sicht der Heiden eingeht: dieser sichere, so Symmachus, die Eintracht aller Senatsmitglieder und verhindere Meineide. Es wird weiterhin deutlich, dass im heidnischen Verständnis vor dem Altar ein Eid von den Mitgliedern abzulegen sei- Symmachus scheint hier keine Ausnahme bei den christlichen Senatoren zu machen, im Gegenteil: er gebraucht mehrfach das Wort „omnia“ (alle)- diese Aussage wird Ambrosius später als ein wesentlicher Angriffspunkt und der Argumentation gegen diesen Altar dienen. Weiterhin ermahnt Symmachus den Kaiser, aus dem „lapsus“ 4 , dem Fehltritt, des Constantius (II.) zu lernen. Er will hiermit offensichtlich daran erinnern,
2 Nach neuer Nummerierung, vorher 17 (72) und 18 (73)
3 Nach der Übersetzung von Wytzes, S. 201
4 Vgl. Rel. Symm. In: Wytzes, S. 202 (lateinischer Originaltext)
4
dass bereits dieser Herrscher den Victoriaaltar entfernt habe, und zwar während eines Rom-Besuchs im Jahre 357. 5 Dieser Fehler dürfe sich nicht wiederholen, stattdessen solle der Empfänger der Schrift 6 , Kaiser Valentinian, sich andere Taten des Constantius zum Vorbild nehmen. Dieser habe beispielsweise auf die Streichung von Privilegien (wie sie Gratian vorgenommen hat, Anmerkung d. Verfassers) verzichtet. Schließlich erläutert Symmachus die Notwendigkeit der Privilegien für heidnische Priester. Seiner Ansicht nach resultiert aus der Streichung der Vorrechte der Verlust des Wohlwollens der Götter, der zu Missernten und Hungersnöten führte.
Abschließend fordert er den Kaiser nachdrücklich auf, die Beschlüsse des Bruders Gratian zu korrigieren.
3. Zur Argumentation des Bischofs Ambrosius im 72. Brief
Schon in der Begrüßungsformel des 72. Briefes, der Anrede, wird deutlich, worauf sich Ambrosius’ Argumentation im Wesentlichen stützen wird: auf den christlichen Glauben und die Hoffnung, dass dieser bei dem Empfänger des Schreibens so sehr verinnerlicht ist, dass die glaubensorientierten Argumente des Bischofs bei Valentinian auf fruchtbaren Boden stoßen werden. Ambrosius bezeichnet den jüngeren Bruder Gratians als den „christianissimo imperatori“ 7 , den „christlichsten Kaiser“ -man beachte den Superlativ-, womit gleich zu Beginn des Briefes eine Erwartungshaltung des Kirchenvaters deutlich wird: er setzt voraus, dass Valentinian ein christlicher Herrscher ist und als solcher auch im Namen des Christentums regiert.
Die Vermutung, dass christliche Argumente bei den Überzeugungsversuchen Ambrosius’ eine wesentliche Rolle spielen werden, bestätigt sich bereits im ersten Absatz des Briefes. Der Kaiser diene dem allmächtigen Gott und dem heiligen Glauben, so Ambrosius. Des Bischofs ablehnende Haltung zum heidnischen Glauben kommt ebenfalls schon im ersten Abschnitt des Briefes zum Ausdruck, wo dieser aus dem Psalm 95 zitiert; dort heißt es, dass die Götter der Heiden Dämonen seien. Dieses Bibelzitat bleibt kein Einzelfall, Ambrosius wird noch weitere Male in beiden Briefen den Rückgriff auf die Heilige Schrift vornehmen. Dieser Teil seiner Argumentation ist von großer Bedeutung, da er zeigt, dass der Bischof tatsächlich in
5 Vgl. Dassmann, Ernst: Ambrosius von Mailand. Leben und Werk. Stuttgart 2004, S. 84
6 Laut Dassmann ist es unklar, ob Symmachus die Bittschrift persönlich vortrug o. nur überreichen konnte.
Dassmann, S. 84
7 Ep. 72 (17). In: Richard Klein: Der Streit um den Victoriaaltar. Die dritte Relatio des Symmachus und die
Briefe 17, 18 und 57 des Bischofs Ambrosius von Mailand. Einführung, Text und Erläuterungen. Darmstadt
1972, S. 117
5
Arbeit zitieren:
Robert Liniek, 2007, Der Streit um den Victoriaaltar und die Argumentation des Bischofs Ambrosius von Mailand, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Alltag und Erziehung im mittelalterlichen Kloster
Ein kompakter Überblick
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Mittelalterliche Erziehung mit Schwerpunkt ritterliche Erziehung
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hausarbeit, 24 Seiten
Elemente der höfischen Erziehung und ihre Darstellung in Gottfrieds ...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die mittelalterliche Ausbildung in der Literatur
Am Beispiel von Gottfrieds von...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 21 Seiten
Robert Liniek hat den Text Der Streit um den Victoriaaltar und die Argumentation des Bischofs Ambrosius von Mailand veröffentlicht
Robert Liniek hat einen neuen Text hochgeladen
Ambrosius von Mailand und die Trinitätstheologie
Kirchen- und theologiegeschich...
Christoph Markschies
Das Psalmenverstandnis Des Ambrosius Von Mailand: Ein Beitrag Zum Deut...
H. J. Maur, Hansjorg Auf Der Maur, H. J. Auf Dermaur
Sichere Erbfolgeplanung für Si...
Hans Flick, Frank Hannes, Christian von Oertzen
0 Kommentare