INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS II
1 PROBLEMSTELLUNG 1
2 DIE BILDUNGSSTANDARDS AN ALLGEMEINBILDENDEN SCHULEN. 3
2.1 Der Stein des Anstoßes: PISA und TIMMS 3
2.2 Was sind Bildungsstandards? - Definitionen und Charakteristika. 5
2.3 Welche Ziele werden durch die Einführung von Bildungsstandards verfolgt? 8
2.4 Bildungsmonitoring, Schulevaluation und Individualdiagnostik -
Die Bewertung von Bildungsstandards 10
2.5 Wie wird sich der Schulalltag durch Bildungsstandards verändern? 12
2.6 Herausforderungen bei der Umsetzung von Bildungsstandards und
Perspektiven für die Zukunft 13
3 BILDUNGSSTANDARDS IN BERUFLICHEN SCHULEN 15
3.1 Diskussion über Standards für die berufliche Schule. 15
3.2 Kompetenz als Bildungsstandard und deren unterschiedliche Definitionen. 18
3.3 Anregungen bzw. Konzeptionen für die Formulierung von Bildungsstandards
f ür den beruflichen Bereich 20
4 SCHLUSSBETRACHTUNG 27
Literaturverzeichnis 28
1 PROBLEMSTELLUNG
„Wenngleich in nahezu jeder öffentlichen Diskussion über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands darauf hingewiesen wird, dass eine hervorragende Bildung und Ausbildung der Schlüssel für individuelle Lebenschancen und ein Motor für gesellschaftliche Entwicklung und Innovation ist, so lässt sich in Wirklichkeit nirgends in Deutschland eine große Anteilnahme an Bildungsdebatten feststellen. […] Wenn unsere Bildungsreformen fruchten sollen, dann braucht es mehr Interesse am Thema Bildung und den Respekt unserer Gesellschaft vor pädagogischer Arbeit in unseren Schulen.“ 1
Die Worte der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan verdeutlichen, dass eine Förderung des Bildungssystems und erfolgreiche Implementation von Bildungsreformen nur unter der Anteilnahme und Mitwirkung der breiten Öffentlichkeit zu erreichen sind. Doch was macht Bildungsreformen in Deutschland überhaupt notwendig?
Durch das bestenfalls als mittelmäßig zu beurteilende Abschneiden Deutschlands in der internationalen Vergleichsstudie PISA hat die Debatte um das deutsche Bildungssystem an Brisanz gewonnen. Die für Deutschland unbefriedigenden Ergebnisse der PISA-Studie haben das Vertrauen in die Qualität des deutschen Bildungssystems in beträchtliche Mitleidenschaft gezogen. Die Kultusministerkonferenz stand diesbezüglich unter starkem Handlungsdruck und hat am 25. Juni 2002 die Erarbeitung von nationalen Bildungsstandards für bestimmte Jahrgangsstufen in den Kernfächern beschlossen. 2
Die Bildungsstandards stellen einen integralen Bestandteil des Bildungsplans 2004 dar. Sie sollen Bildungsgänge vereinfachen und in eine übersichtliche Ordnung bringen.
1 Kultusministerin Annette Schavan, zit. in: Höckele-Häfner, 2003, S. 7
2 Vgl. Klieme, 2002, S. 2; PHV, 2004
1
Bisher wurden sie nur für allgemein bildende Schulen entworfen und beziehen sich in ihrer Ausgestaltung auf die einzelnen Schularten (Grund-, Haupt-, Realschule und Gymnasium) und Fächer (bzw. die neu gestalteten Fächerverbünde). 3
Im Folgenden sollen die Bildungsstandards der allgemein bildenden Schulen näher untersucht werden, um im Anschluss daran die Frage aufzuwerfen, ob die Einführung von Standards auch für die berufsbildenden Schulen sinnvoll und geeignet wäre.
3 Vgl. Hentig, 2004, S. 9
2
2 DIE BILDUNGSSTANDARDS AN ALLGEMEINBILDENDEN SCHULEN
Zu Beginn des Schuljahres 2004/2005 werden an allgemein bildenden Schulen für bestimmte Klassenstufen im Rahmen der neuen Bildungspläne sog. „Bildungsstandards“ eingeführt. 4 Doch was sind „Bildungsstandards“ überhaupt und worin liegt ihre Begründung? Die Klärung dieser Fragen liefert die Grundlage für eine nähere Betrachtung der Ziele der Bildungsstandards und deren Erfolgsmessung. Anschließend werden die Auswirkungen der reformierten Bildungspläne auf den Schulalltag beschrieben. Die Analyse der Bildungsstandards an allgemein bildenden Schulen soll mit der Darstellung von Herausforderungen bei der Implementation einerseits und dem Aufzeigen von Zukunftsperspektiven andererseits abgeschlossen werden.
2.1 Der Stein des Anstoßes: PISA und TIMMS
Schon im Jahr 1997 wiesen die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie TIMMS (Third International Mathematics and Science Study) auf die mittelmäßigen Leistungen deutscher Schüler in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften hin.
Weitaus größere öffentliche Anteilnahme wurde allerdings den PISA (Programme for International Student Assessment) Studien der OECD in den Jahren 2000 und 2003 zuteil. Auch diese Studien enthüllten deutliche (Kompetenz-) Defizite der deutschen Schüler.
Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, beschreibt die Situation wie folgt: „Das schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler bei der internationalen PISA-Vergleichsstudie hat die großen Mängel des deutschen Bildungssystems offenbart. Aber PISA hat auch etwas Gutes bewirkt: Denn PISA kann man durchaus auch als Chance sehen! Endlich sind die Bildung und die Bildungspolitik auch in der öffentlichen Wahrnehmung ganz oben auf der Agenda! […]
4 Vgl. o.V., 2004b, S. 7
3
Unser Bildungswesen braucht einen grundlegenden Perspektivenwechsel. PISA hat uns bescheinigt, dass wir Weltmeister im „Auslesen“ sind und große Defizite bei der Förderung unserer Kinder haben. Die Leitmaxime des finnischen Bildungssystems sollte auch uns Verpflichtung werden: „Jedes Kind kann es schaffen, vorausgesetzt, wir sind gut genug, es entsprechend zu fördern.“ Wir müssen die unterschiedlichen Stärken eines jeden Kindes rechtzeitig entdecken und entsprechend fördern und zugleich Benachteiligungen frühzeitig ausgleichen und reduzieren.“ 5
Bemerkenswert an den Erkenntnissen der PISA-Studie ist allerdings, dass die Defizite der deutschen Schüler mitnichten flächendeckend, resp. homogen sind. Vielmehr wurde eine erschreckend große Kluft zwischen dem oberen und dem unteren Leistungsbereich festgestellt. Starke Schüler können sich durchaus mit der internationalen „Konkurrenz“ messen - schwachen Schülern dagegen fehlt es oft an den grundlegendsten Kompetenzen. Dieser Zustand ist ein Indikator dafür, dass in Deutschland zukünftig Mindestanforderungen gesetzt werden sollten, die den unteren Leistungsbereich anheben sollen. Dieses Vorhaben kann durch Bildungsstandards im Sinne von „Mindeststandards“ realisiert werden. 6
Des Weiteren wurde durch die Zusatzstudie PISA-E evident, dass in Deutschland auch zwischen den einzelnen Bundesländern deutliche Leistungsdiskrepanzen vorliegen. Ebenso sind die Benotungsmaßstäbe mitunter sehr unterschiedlich, was die Gerechtigkeit und Gleichheit von Bildungschancen im länderübergreifenden Vergleich nicht gewährleistet. Auch hier kann durch bundeseinheitliche Bildungsstandards Abhilfe geschaffen werden. 7
Schließlich deuten die Ergebnisse von PISA darauf hin, dass eine „systematische Qualitätssicherung“ in den Schulen, beispielsweise „durch Schulleistungsstudien, durch zentrale Prüfungen, oder durch ein dichtes Netz von Schulevaluationen“ 8 die Leistung der schulischen Arbeit erhöhen könnten.
5 Bulmahn, 2003, S. 177-178
6 Vgl. Klieme, 2003, S. 8
7 Vgl. Klieme, 2002, S. 2
8 ebenda, S. 2
4
Insgesamt wurden in PISA „insofern Standards gesetzt, als man (1) grundlegende Vorstellungen über Ziele und Inhalte von Bildung - orientiert an dem pragmatischen Konzept der Grundbildung und der Idee des lebenslangen Lernens - formuliert, (2) einige Kompetenzbereiche zur Erfassung ausgewählt und (3) konkrete Dimensionen und Stufen der zu erwerbenden Kompetenzen bestimmt hat.“ 9
Diese von PISA implizit vorgegebenen Paradigmen wurden bei der Entwicklung der Bildungsstandards berücksichtigt und aufgegriffen. Besonderer Wert wird dabei auf die Förderung von Sprach- und Lesekompetenz, mathematische Bildung und naturwissenschaftliche Bildung gelegt. 10
„Wurde unser Bildungssystem bisher ausschließlich durch den „Input“ gesteuert, d.h. durch Haushaltspläne, Lehrpläne und Rahmenrichtlinien, Ausbildungsbestimmungen für Lehrpersonen, Prüfungsrichtlinien usw., so ist nun immer häufiger davon die Rede, die Bildungspolitik und die Schulentwicklung sollten sich am „Output“ orientieren, d.h. an den Leistungen der Schule, vor allem an den Lernergebnissen der Schülerinnen und Schüler. Der Output von Bildungssystemen umfasst neben der Vergabe von Zertifikaten im Wesentlichen den Aufbau von Kompetenzen, Qualifikationen, Wissensstrukturen, Einstellungen, Überzeugungen, Werthaltungen - also von Persönlichkeitsmerkmalen bei den Schülerinnen und Schülern, mit denen die Basis für ein lebenslanges Lernen zur persönlichen Weiterentwicklung und gesellschaftlichen Beteiligung gelegt ist.“ 11
2.2 Was sind Bildungsstandards? - Definitionen und Charakteristika
Bildungsstandards stellen somit in gewisser Weise eine Antwort auf die durch PISA offen gelegten Missstände des deutschen Bildungssystems dar. Vor diesem Hintergrund sollte aber zunächst geklärt werden, was man konkret unter dem Begriff „Bildungsstandards“ versteht.
9 ebenda, S. 2
10 Vgl. o.V., 2004b, 8-9
11 Klieme, 2003, S. 6-7
5
Daneben ist es wichtig, das Konzept der Bildungsstandards nicht isoliert zu betrachten, sondern im Gefüge der Charakteristiken und Maßnahmen, die den Bildungsplan 2004 ausmachen.
Grundsätzlich gesagt legen Bildungsstandards auf nationaler Ebene für jedes Fach, bzw. jeden Fächerverbund fest, welche Fach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenzen die Schülerinnen und Schüler am Ende eines bestimmten „Bildungsabschnitts“ entwickelt haben sollen. Neben der reinen Wissensvermittlung zielen die Bildungs-standards auch auf herauszubildende Einstellungen, Interessen und Fähigkeiten ab - in diesem Zusammenhang spricht man von content standards, bzw. curricularen Standards. Darauf aufbauend legen sog. performance standards, bzw. Leistungs-standards einen genauen Zielerreichungsgrad fest. Während content standards also die allgemeinen Bildungs- und Kompetenzentwicklungsziele benennen, bestimmen die performance standards, wann und in welchem Ausmaß diese Ziele erreicht werden sollen. 12
Bildungsstandards sind „ausschließlich auf die Lernergebnisse ausgerichtet [also outputorientiert, MZ], nicht auf Lernprozesse oder beispielsweise die Ausstattung von Schulen. „Bildungsstandards“ in diesem Sinne standardisieren gerade nicht den Prozess der Bildung, das heißt Lehren und Lernen; sie definieren hingegen eine normative Erwartung, auf die hin Schule erziehen und ausbilden soll.“ 13 Durch Bildungsstandards werden Ziele verbindlich festgelegt, nicht der Weg dorthin!
Diese Programmatik gewährt den Lehrenden bedeutend mehr pädagogische Freiheiten und auch Verantwortung - besonders deutlich wird dies durch das Kerncurriculum/ Schulcurriculum-Konzept. Das Kerncurriculum beinhaltet verpflichtende Inhalte, die im Bezug auf die in den Bildungsstandards festgeschriebenen Kompetenzen grundlegende Anforderungen stellen. Durch das Kerncurriculum werden nur rund zwei Drittel der gesamten Unterrichtszeit verbindlich und bundeseinheitlich festgelegt. Das Schulcurriculum ergänzt und vertieft die Vorgaben des Kerncurriculums.
12 Vgl. o.V. 2004a; Klieme, 2002, S. 2-3
13 Klieme, 2002, S. 3
6
Arbeit zitieren:
Tanja Gesierich, Melanie Zabel, 2005, Einführung der Bildungsstandards in Baden-Württemberg an allgemeinbildenden Schulen - eine Alternative für berufliche Schulen?, München, GRIN Verlag GmbH
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