II
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1 Einleitung 1
2 KMU und Controlling. 3
2.1 Charakteristika von KMU 3
2.1.1 Quantitative Abgrenzung und Bedeutung 3
2.1.2 Qualitative Abgrenzung und Bedeutung. 5
2.2 Ausgestaltung des Controlling in KM.U 8
2.2.1 Controllingverständnis in KMU 8
2.2.2 Controllinginstrumente in KMU - Notwendigkeit und
Realisierung. 11
2.2.3 Einsatz der Zielkostenrechnung als Controllinginstrument -
laufend oder fallweise? 14
3 Das Controllinginstrument Zielkostenrechnung 17
3.1 Die Entstehung der Zielkostenrechnung 17
3.2 Die Grundidee und die Anwender der Zielkostenrechnung. 19
4 Rahmenbedingungen für die Anwendung der Zielkostenrechnung in KMU22
4.1 Typisierungsmerkmale und Anwendungsvoraussetzungen 22
4.2 Marktsegmentierung und Zielmarktbestimmung 26
5 Einsatz der Zielkostenrechnung als Controllinginstrument für KMU 31
5.1 Zielkostenfindung in KMU 31
5.1.1 Methoden der Zielkostenfindung 31
5.1.1.1 Market into Company. 31
5.1.1.2 Out of Competitor 34
5.1.1.3 Out of Company. 35
5.1.1.4 Out of Standard Costs 36
5.1.1.5 Into and out of Company 37
5.1.2 Selektion für das weitere Prozedere 38
III
5.2 Zielkostenspaltung in KMU 38
5.2.1 Komponentenmethode. 41
5.2.2 Funktionsmethode. 42
5.2.3 Die Conjoint-Analyse als Instrument zur Ermittlung der
Funktionswertigkeit aus Sicht der Kunden 43
5.2.4 Spezifika des Zielkostenkontrolldiagramms 45
5.3 Möglichkeiten zur Zielkostenrealisierung in KMU 47
5.3.1 Wertanalyse 49
5.3.2 Prozesskostenrechnung. 50
5.3.3 Benchmarking 53
6 Kritische Evaluation von Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes der
Zielkostenrechnung als Controllinginstrument für KMU 56
7 Ausblick 59
Literaturverzeichnis 60
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung bzw. beziehungsweise ca. zirka d. h. das heißt f. folgende ff. fortfolgende Hrsg. Herausgeber i. d. R. in der Regel i. e. S. im engeren Sinne IfM Institut für Mittelstandsforschung KMU Kleine und mittlere Unternehmen PC personal computer S. Seite sog. so genannte u. a. und andere US United States USA United States of America usw. und so weiter v. Chr. vor Christus vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel
V
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Verankerung des Controllings bei 51 bis 250 Beschäftigten.
Abb. 2: Verankerung des Controllings bei 251 bis 500 Beschäftigten.
Abb. 3: Einsatz der Zielkostenrechnung als Controllinginstrument
Abb. 4: Laufender vs. fallweiser Einsatz von Controllinginstrumenten
Abb. 5: Klassisches Kostenmanagement vs. Zielkostenrechnung
Abb. 6: Schrittfolge des STP-Marketings.
Abb. 7: Bestimmung der Zielkosten (Market into Company)
Abb 8: Zielkostenkontrolldiagramm
1
1 Einleitung
Die zunehmende Globalisierung, verbunden mit steigendem internationalem Wettbewerbsdruck, drängt Unternehmen dazu, die im Laufe der Zeit gewachsenen Strukturen und Managementinstrumente neu zu überdenken. 1 Der Wandel der Märkte, vom Verkäufer- zum Käufermarkt, zwingt die Unternehmen sich auf diese neue Situation einzustellen. 2 Seitens verantwortlicher Manager werden Stimmen laut, dass die Kunden nicht mehr bereit sind, die kalkulierten Absatzpreise trotz hervorragender Funktionen und Qualität zu bezahlen. Diese Feststellung kommt jedoch zu spät, wenn sich das Produkt bereits auf dem Markt befindet. 3 Die Folge ist eine Preisherabsetzung auf den Absatzmärkten. Dies wiederum führt zu der Notwendigkeit der Kostensenkung im Unternehmen. Die Reduktion der Kosten reicht aber für nachhaltigen Unternehmenserfolg nicht aus. Es wird eine strategische Erneuerung gefordert, 4 die das Überleben des Unternehmens sichert sowie Wettbe-werbsvorteile schafft bzw. erhält. 5
Die Planung neuer Produkte muss deshalb bereits im Entwicklungsprozess den auf dem Markt erzielbaren Preis und folglich, nach Abzug des Gewinnanteils, die eigene Selbstkostenobergrenze berücksichtigen. Dabei sollten die Kosten der einzelnen Produktfunktionen bzw. -komponenten in Relation zu den perzipierten Kundenbedürfnissen stehen. Nur so kann gewährleistet werden, dass der betriebene Aufwand vom Kunden wahrgenommen und ho-noriert wird. Eine konsequente Verfolgung dieser Prinzipien repräsentiert die Zielkostenrechnung. 6
Der Einsatz der Zielkostenrechnung wird in der Literatur nahezu durchgängig positiv bewertet. 7 Als Haupteinsatzbereiche sind vor allem Großunternehmen der Automobil- und Unterhaltungselektronikbranche zu nennen. 8 Aufgrund der in den letzten Jahren gestiegenen Popularität des Controllinginstrumen- 1 Vgl. Gaiser/Kieninger (1993), S. 55
2 Vgl. Daum (2002), Internetquelle
3 Vgl. Gaiser/Kieninger (1993), S. 55
4 Vgl. Zahn (1996), S. 8 ff.
5 Vgl. Horváth (1990), S. 178
6 Vgl. Gaiser/Kieninger (1993), S. 55
7 Vgl. Gaiser/Kieninger (1993), S. 55
8 Vgl. Seidenschwarz (1991a), S.193
2
tes Zielkostenrechnung, sind der Bekanntheitsgrad und die Anwendung dessen auch in anderen Branchen gestiegen. 9
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Möglichkeiten und Grenzen für den Einsatz der Zielkostenrechnung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aufzuzeigen. Dabei soll geklärt werden, welche Voraussetzungen für den Einsatz erfüllt werden müssen. Es stellt sich die Frage, ob der Einsatz der Zielkostenrechnung als Controllinginstrument für KMU Sinn macht.
Die Arbeit untergliedert sich in sieben Kapitel. Im Anschluss an die Einleitung beschäftigt sich Kapitel zwei mit den Charakteristika von KMU und der Ausgestaltung von Controlling in KMU. Dem schließt sich die Vorstellung der Zielkostenrechnung als Controllinginstrument in Kapitel drei an.
Im Kapitel vier folgt die Beschreibung der Rahmenbedingungen, die sich für die Anwendung der Zielkostenrechnung in KMU ergeben. Im Zentrum von Kapitel fünf steht der Einsatz der Zielkostenrechnung als Controllinginstrument für KMU. Als erstes werden die Methoden der Zielkostenfindung dargestellt und im Hinblick auf ihre Eignung analysiert. Im Anschluss folgt die Beschreibung der Zielkostenspaltungsmethoden. Hierauf wird auf die Conjoint-Analyse und das Zielkostenkontrolldiagramm eingegangen. Den Abschluss dieses Kapitels bilden die Möglichkeiten zur Zielkostenrealisierung.
Das sechste Kapitel setzt sich kritisch mit den Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes der Zielkostenrechnung in KMU auseinander. Die Arbeit schließt mit einem Ausblick.
9 Vgl. Franz/Kajüter (1997), S. 490
3
2 KMU und Controlling
Was sind eigentlich KMU? Welche Bedeutung haben KMU in der Unterneh-menslandschaft? Sind KMU aus organisatorischer Sicht in der Lage Zielkostenrechnung zu betreiben? In wie weit wird Zielkostenrechnung als Controllinginstrument eingesetzt? Diese und andere Fragen zu KMU erscheinen auf den ersten Eindruck als relativ einfach zu beantworten. Ein Blick in die vielfältige Literaturlandschaft beweist jedoch, dass es dazu eine Menge von Meinungen und Abgrenzungen gibt. 10
In diesem Kapitel sollen zunächst diese sowie weitere Fragen zu KMU geklärt werden.
2.1 Charakteristika von KMU
2.1.1 Quantitative Abgrenzung und Bedeutung
Kleine und mittlere Unternehmen 11 , wie in der Bezeichnung bereits deutlich wird, werden von Großunternehmen in quantitativer Weise unterschieden. 12 Quantitative Merkmale verweisen in erster Linie auf Beschäftigtenanzahl und Jahresumsatz, teilweise aber auch auf Bilanzsumme etc. 13 Hierzu ist eine Vielzahl von Abgrenzungen bzw. Definitionen in der Literatur zu finden, mit deren Hilfe Unternehmen in kleine, mittlere und große Unternehmen einge-ordnet werden können. 14 Eine explizite und allgemein gültige Definition gibt es jedoch nicht. 15 Stellvertretend wird hier die Einteilung des Instituts für Mit-telstandsforschung (IfM) Bonn 16 gewählt, welche sich in Deutschland in der
10 Vgl. Fröhlich/Pichler/Pleitner (2000), S. 11
11 Bei der Differenzierung der Begriffe ’Betrieb’ und ’Unternehmen’ handelt es sich zum
einen um eine technisch-wirtschaftliche Einheit und zum anderen um eine finanziell-
rechtliche Einheit, jedoch fallen diese Einheiten in dieser Arbeit i. d. R. zusammen. Des-halb werden in dieser Arbeit die Begriffe ’Betrieb’, ’Unternehmen’ sowie ’Unternehmung’
als Synonyme verwendet. Vgl. Blohm/Beer/Seidenberg/Silber (1997), S. 23; Pfohl
(2006), S. 2; Marx (1993), S. 5
12 Vgl. Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S. 23; Pinkwart/Kolb (2000), S. 5
13 Vgl. Krämer (2003), S. 9; Mugler (1998), S. 30; Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S.
23
14 Vgl. Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S. 23
15 Vgl. Rautenstrauch/Müller (2006), S. 226
16 Das IfM Bonn ist das maßgebliche und wohl älteste Institut für Mittelstandsforschung in
Deutschland, Vgl. De (2005), S. 176
4
Wissenschaft durchgesetzt hat und die nachstehende Klassifizierung vornimmt: 17
Kleinunternehmen:
- Anzahl der Beschäftigten: bis 9
- Jahresumsatz: bis unter 1 Million Euro Mittelunternehmen
- Anzahl der Beschäftigten: 10 bis 499
- Jahresumsatz: 1 bis 50 Millionen Euro Großunternehmen 18
- Anzahl der Beschäftigten: 500 und mehr
- Jahresumsatz: 50 Millionen und mehr
Die Erfassung und Bestimmung von KMU erfolgt seitens der Politik und Wissenschaft vorzugsweise nach zählbaren, quantitativen Kriterien. Die gute Datenverfügbarkeit eignet sich auch deutlich besser für statistische Erhebungen oder empirische Untersuchungen. 19 Die Abgrenzung sollte jedoch unter branchenspezifischen Aspekten vorgenommen werden, um Unterschiede in der Kapital- bzw. Beschäftigungsintensität der zahlreichen Branchen zu berücksichtigen. 20
Nach der Abgrenzung des IfM Bonn gehörten im Jahr 2005 ca. 3,4 Millionen Unternehmen zu den KMU. Dies macht eine Quote von 99,7 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen in Deutschland aus. Mit 19,88 Millionen Beschäftigten, welches 70,8 % aller in Deutschland Beschäftigten und 82,9 % aller Auszubildenden entspricht, wird der enorme Stellenwert von KMU deutlich. 21
17 Vgl. Welter (2003), S. 29; IfM Bonn (2006), Internetquelle; Die Definition des IfM Bonn
hat Gültigkeit seit Einführung des Euro am 01.01.2002
18 Das IfM Bonn zählt Unternehmen von weniger als 500 Beschäftigten oder weniger als 50
Millionen Euro Jahresumsatz zu den KMU. Hingegen rechnet die Europäische Union in
ihrer neuen KMU-Definition (seit 1. Januar 2005) nur Unternehmen von weniger als 250
Beschäftigten den KMU zu. Vgl. IfM Bonn (2006), Internetquelle; Europäische Gemein-
schaften (2006), Internetquelle
19 Vgl. De (2005), S. 174; Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S. 23; Marx (1993), S. 10
20 Vgl. Thomas (1994), S. 15; Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S. 23
21 Vgl. IfM Bonn (2006), Internetquelle
5
Zusätzlich zu der quantitativen Bedeutung erfüllen KMU aufgrund ihrer besonderen Merkmale noch weitere bedeutende Funktionen in einer Volkswirtschaft. Zunächst wahren sie die Gesetze einer Marktwirtschaft und den damit verbundenen Wohlstand, indem sie eine dezentrale wirtschaftliche Ordnungsfunktion übernehmen. Aufgrund der hohen Anzahl von KMU wird zudem in verschiedensten Wirtschaftsbereichen ein stark differenziertes Güterangebot sichergestellt. Insgesamt steuern KMU entscheidend dazu bei Monopolisierungs- sowie Konzentrationstendenzen, wie sie z. B. im Lebensmit-teleinzelhandel, Hotellerie, Gastronomie, Transportgewerbe und anderen Branchen bereits anzutreffen sind, in positiver Weise entgegenzuwirken. Darüber hinaus ermöglichen sie einen funktionierenden Sanktionsmechanismus für Unternehmen, die nicht mehr wettbewerbsfähig sind. 22 Des Weiteren erlangen KMU grundlegende und unentbehrliche Bedeutsamkeit in den Bereichen Umweltpolitik, Staatsfinanzen, Produktion und Wachstum. Vor allem ihre Bedeutung im Bereich Beschäftigung ist nicht zu unterschätzen, da sie den Großteil der Arbeitsplätze stellen, was bereits oben mit Zahlen dargestellt wurde. 23
2.1.2 Qualitative Abgrenzung und Bedeutung
Neben der quantitativen Abgrenzung, die nicht allein das Charakteristikum der KMU darstellt, gibt es eine ganze Reihe qualitativer Merkmale, welche die Besonderheiten und den eigenen unternehmerischen Charakter von KMU gegenüber Großunternehmen verdeutlichen. Insbesondere in Hinblick auf Führung, Finanzierung, Organisation usw. gilt dies. 24 Einige ausgewählte Merkmale sollen im Folgenden kurz skizziert werden:
Eigentümer geführte Unternehmen
Der Eigentümer spielt bei KMU eine wichtige und zentrale Rolle. Die meisten KMU werden vom Eigentümer, zum Teil auch stellvertretend für die restliche
22 Vgl. Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S. 23 f.; Mugler (1998), S. 44 ff.; Hamer (2006),
S. 33 f.; Zeitel (1990), S. 30 f.
23 Vgl. Hess (2006), S. 35; Hamer (2006), S. 34 f.
24 Vgl. Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S. 24; Fueglistaller/Müller/Volery (2004), S.
92;
Belliger/Krieger (2007), S. 9; Koch/Wegmann (1999), S. 13
6
Eigentümerfamilie, geleitet. 25 Dies geschieht i. d. R. durch unmittelbare Mitwirkung am Betriebsalltag und dem operativen Geschäft. 26 Diese Art der Führungsform tritt nach Berechnungen des IfM Bonn in ca. 95 % aller KMU auf und ist somit auch das am häufigsten genannte qualitative Merkmal zur Abgrenzung von KMU und Großunternehmen. 27 Der Betrieb wird oftmals in hohem Maße durch die Persönlichkeit und Verantwortlichkeit des Eigentümers geprägt. 28 Diese Faktoren bestimmen demnach auch über Erfolg oder Nichterfolg des Betriebes. 29 In KMU trägt der Eigentümer i. d. R. das unternehmerische Risiko selbst. Es besteht meist ein enges Verhältnis zwischen Eigentum und Haftung. 30 Die starke Bindung des Unternehmers an das Unternehmen, die durch großes Führungspotenzial gekennzeichnet ist, macht ein Aussteigen des Unternehmers aus dem Unternehmen nur schwer möglich. Dies kann bei kleinen Unternehmen sogar die Einstellung der Gewerbetätigkeit bedeuten, weil Führungswechsel nicht so einfach möglich sind wie bei managergeführten Großunternehmen. 31
Familienbezug
In vielen KMU arbeiten Familienangehörige mit im Unternehmen. Es handelt sich dann um sog. Familienunternehmen 32 , d. h. Besitz und Kontrolle des Unternehmens übernimmt die Familie bzw. der oder die Gründer. 33 Die Art und Weise, wie die Familie das Unternehmen prägt und führt, macht die Familie oft zum eigentlichen Erfolgsfaktor. Eigenschaften wie Fleiß, Bescheidenheit und Sparsamkeit sowie der Glaube daran, dass sie etwas Besonderes sind, gibt den Mitgliedern Selbstvertrauen, Kraft und Ausdauer. 34 So mag die Untersuchung zweier US-Wissenschaftler überraschen und auch zugleich bestätigen: das Ergebnis lautete, dass die Börsenperformance eines Drittels
25 Vgl. Dick/Pernsteiner (2006), S. 23 f.
26 Vgl. Fueglistaller/Müller/Volery (2004), S. 92; De (2005), S. 173; Pfohl (2006), S. 18
27 Vgl. IfM Bonn (2004), Internetquelle; Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S. 23
28 Vgl. Mugler (2005), S. 31; Kosmider (1994), S. 31; Fröhlich/Pichler/Pleitner (2000), S.
12
29 Vgl. Fueglistaller/Müller/Volery (2004), S. 92
30 Vgl. De (2005), S. 173; Klemmer/Friedrich/Lageman u. a. (1996), S. 19
31 Vgl. Fueglistaller/Müller/Volery (2004), S. 92; Pfohl (2006), S. 18
32 Zum Begriff Familienunternehmen vgl. z. B. Wimmer/Domayer/Oswald/Vater (2005), S.
6 ff.; Erhardt (2001), S. 9 ff.; Sudhoff (2005)
33 Vgl. Fueglistaller/Müller/Volery (2004), S. 94
34 Vgl. May (2004), S. 150 f.
7
von 500 erfassten Unternehmen, die sich teilweise in Familienhand befinden, besser als die von reinen Aktiengesellschaften war. 35
Finanzierungssituation
Die Finanzierung der KMU liegt oft im Familienbesitz. 36 Die Innenfinanzierung ist sehr beliebt, speziell in der Form der Selbstfinanzierung aus Überschüssen. 37 Mit dieser Art der Finanzierung kann sich die Unternehmensführung am ehesten der Kontrolle von Kapitalgebern entziehen. 38 Jedoch bleibt dies nur Unternehmen vorbehalten, die ausreichend hohe Überschüsse erwirtschaften. 39 Die Fremdfinanzierung kommt i. d. R. erst in Frage, wenn die eigenen Mittel erschöpft sind. 40 Zudem sind die Finanzierungsmöglichkeiten, aufgrund des mangelnden Zugangs zum anonymen Kapitalmarkt, meist restriktiv. 41
Organisation
Die Organisation in KMU ist gering formalisiert und stellt oft ein auf den Unternehmer ausgerichtetes Einliniensystem dar. 42 Die Informationswege sind kurz und es gibt kaum Abteilungsbildung. Die Weisungswege und die Kontrolle des Unternehmens erfolgen meist in direkten, personenbezogenen Kontakt. 43 Der Unternehmer plant wenig, entscheidet oft intuitiv und ist sehr flexibel. 44 Der hohe Grad der Flexibilität, gepaart mit einer hohen Anpassungsfähigkeit von KMU kann i. d. R. von Großunternehmen nicht erreicht werden. 45
Die hier ausgewählten Merkmale geben nicht sämtliche qualitativen Merkmale von KMU wieder und gelten auch nicht ausnahmslos für alle KMU. Je nach Größe, Branche und Ausrichtung des Unternehmens gibt es große Unterschiede inwieweit diese Merkmale zutreffen oder differieren. So unterschei-
35 Vgl. May (2004),S. 150
36 Vgl. Pfohl (2006), S. 20
37 Vgl. Hommel/Schneider (2004), S. 579
38 Vgl. Schäfer (2002), S. 127
39 Vgl. Pinkwart/Kolb/Heinemann (2005), S. 25
40 Vgl. Fueglistaller/Müller/Volery (2004), S. 93
41 Vgl. Pfohl (2006), S. 20; Marx (1993), S. 14
42 Vgl. Mugler (2005), S. 32; Pfohl (2006), S. 19
43 Vgl. Pfohl (2006), S. 19
44 Vgl. Fueglistaller/Müller/Volery (2004), S. 94; Pfohl (2006), S. 18
45 Vgl. Krakowski u. a. (1993), S. 11
8
det sich ein kleines Dienstleistungsunternehmen erheblich von einem Zulieferer der Automobilindustrie. Hinzukommend weisen KMU mit zunehmender Größe immer mehr Merkmale von Großunternehmen auf. 46 Resümierend ist festzustellen, dass in der Literatur die Stellung und Dominanz des Unternehmensleiters häufig pauschalierend als Strukturvorstellung von KMU genannt wird. 47
2.2 Ausgestaltung des Controlling in KMU
Der Einsatz der Zielkostenrechnung als Controllinginstrument erfordert primär die organisatorische Verankerung des Controllings im Unternehmen. So wird im Folgenden zunächst auf das Controllingverständnis in KMU eingegangen, sodann auf empirische Studien, die auf das Bestehen von Controlling in KMU eingehen sowie den Einsatz von Controllinginstrumenten, speziell der Zielkostenrechnung, untersuchen.
2.2.1 Controllingverständnis in KMU
Über das Verständnis von Controlling herrscht in der Literatur keine einheitliche Meinung. 48 Der Versuch den Begriff Controlling prägnant und einheitlich zu definieren scheint annähernd unmöglich zu sein. 49
In KMU erfolgt charakteristisch eine personenorientierte Koordination durch persönliche Weisungen. 50 Diese können sowohl das Handlungsergebnis als auch den Handlungsprozess betreffen. 51 Die Abstimmung verschiedener Führungsteilsysteme im Hinblick auf ihre Zielausrichtung macht Koordinationsbedarf nicht nur bezüglich der Ausführung, sondern auch in Bezug auf die Führung nötig. Aufgrund dessen und der ständig zunehmenden Komplexität und Dynamik der Umwelt ist die Notwendigkeit einer Koordination der Führungsteilsysteme, die sog. sekundäre Koordination, identifiziert worden. 52
46 Vgl. Fueglistaller/Müller/Volery (2004), S. 94
47 Vgl. Martin (2004), S. 5
48 Vgl. Weber (2006), S. 1125; Weber (2004), S. 618
49 Vgl. Klett/Pivernetz (2004), S. 13
50 Zur Koordination durch persönliche Weisungen vgl. z. B. Kieser/Walgenbach (2003), S.
109 ff.
51 Vgl. Ossadnik (2003), S. 22
52 Vgl. Horváth (2006), S. 110 f.; Ossadnik (2003), S. 23
9
Daraus wurde der Existenzanspruch des Controllings als selbständiges betriebswirtschaftliches Teilgebiet abgeleitet. 53
Die theoretische Legitimierung des Controlling wird in den Publikationen von Horváth 54 , Koch 55 , Schmidt 56 , Richter 57 , Küpper 58 , Weber 59 und Küpper/Weber/Zünd 60 deutlich. Hier wird die hauptsächliche Funktion des Controlling in der Koordination von Führungsteilsystemen ausgemacht. 61
In KMU spielt die Koordinationsfunktion eher eine zweitrangige Rolle. 62 Im Vergleich zu Großunternehmen sind KMU vielmehr durch die Fokussierung auf die Servicefunktion des Controllings gekennzeichnet. 63 Hierunter fällt die Bereitstellung von Instrumenten, Verfahrensweisen und Informationen, die der Führung des Unternehmens als Planungs-, Steuerungs- und Entschei-dungsgrundlage zur Prozess- und Kostenoptimierung dienen. 64
Das Verständnis von Controlling in KMU unterscheidet sich hauptsächlich in zwei Aspekten vom Controllingverständnis großer Unternehmen: zum einen handelt es sich in KMU üblicherweise um den Eigentümer selbst wenn vom Top-Management gesprochen wird und somit nicht um einen angestellten, auswechselbaren Manager. Dieser Eigentümer, der meist auch als Unternehmer fungiert, trägt i. d. R. das Risiko und die persönliche Haftung. Außerdem besteht eine starke Bindung zwischen beruflicher und privater Existenz des Unternehmers.
65
Zum anderen unterscheidet sich in KMU die Handlungsbasis im funktionalen Sinne des Managements von der der Großunter-
53
Vgl.
Ossadnik
(2003),S. 23 54 Vgl. Horváth (1978), S. 194 ff.
55 Vgl. Koch (1980)
56 Vgl. Schmidt (1986)
57 Vgl. Richter (1987)
58 Vgl. Küpper (1987), S. 82 ff.; Küpper (1988), S. 163 ff.
59 Vgl. Weber (1993), S. 1 ff.
60 Vgl. Küpper/Weber/Zünd (1990), S. 281 ff.
61 Die Koordinationsorientierung haben die aufgezählten Ansätze zwar alle gemein, jedoch
unterscheiden sie sich stark in Bezug auf die Auswirkung der Koordinationsfunktion und
des betrachteten Zielbezugs. Vgl. Ossadnik (2003), S. 23; Zur Systematisierung ver-
schiedener Ansätze vgl. Zenz (1998), S. 34 ff.
62 Vgl. Berens/Püthe/Siemes (2005), S. 188
63 Vgl. Ossadnik/Barklage/van Lengerich (2004), S. 622; Berens/Püthe/Siemes (2005),
S. 188
64 Vgl. Ruchhöft/Krey (2006), S. 230; Ossadnik/Barklage/van Lengerich (2004), S. 622
65 Vgl. Klett/Pivernetz (2004), S. 17; Diese Eigenschaften gehören zu den qualitativen
Merkmalen von KMU. Vgl. hierzu Punkt 2.1.2 in dieser Arbeit.
10
nehmen. In Bezug auf die klassischen Managementtätigkeiten lassen sich folgende charakteristischen Merkmale von KMU anführen: 66
Ziele des Unternehmens
Die Ziele des Unternehmens werden zumeist von den Präferenzen und der persönlichen Risikoneigung des Unternehmers beeinflusst. Anders als bei (börsennotierten) Großunternehmen gibt es üblicherweise keine Kontrollstelle (z. B. Aufsichtsrat) und auch keine Anlegerinteressen (z. B. shareholder). Bis auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften (z. B. Gläubigerschutz) ist der Unternehmer nahezu frei in seiner ökonomischen Zielfindung. 67 Planung und Kontrolle
Die strategische Planung in KMU ist eher selten. Das tägliche, operative Geschäft hat meistens Vorrang. Planungsinstrumente sind kaum vorhanden. Kontrollinstrumente sind nur in wenigen Fällen anzutreffen. In vielen Unternehmen ist die externe Rechnungslegung nicht auf dem neuesten Stand. Hinzu kommt, dass die Unternehmer i. d. R. keine betriebswirtschaftliche Ausbildung haben. 68
Organisation und Unternehmensführung
Die Organisation und Unternehmensführung von KMU ist oftmals in ihrer Hierarchie nicht allzu tief gegliedert und bis in die Details vom Unternehmer überschaubar. 69 Dieser weist zumeist auch eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auf und tritt zudem als Motivator für die Mitarbeiter auf. 70 Als nachteilig anzusehen sind die hohe Verantwortung und die, oft daraus resultierende, Überlastung des Unternehmensführers. Hinzu kommen die Abhängigkeit des Unternehmens vom Unternehmer und die damit verbundene, zumeist komplizierte, Austauschbarkeit desselbigen. 71
Es wird deutlich, dass die, oft auf große Unternehmen angepasste, Controllingkonzepte, welche vielfach in der überwiegenden Zahl der Veröffentlichungen zum Thema Controlling vorgestellt werden, nicht einfach auf KMU
66 Vgl. Klett/Pivernetz (2004), S. 17
67 Vgl. Klett/Pivernetz (2004), S. 17
68 Vgl. Klett/Pivernetz (2004), S. 17 f.
69 Vgl. Pfohl (2006), S. 19; Klett/Pivernetz (2004), S. 18
70 Vgl. Pfohl (2006), S. 19; Klett/Pivernetz (2004), S. 18
71 Vgl. Klett/Pivernetz (2004), S. 18
11
übertragbar sind. Teilweise sind diese Controllingkonzepte nicht auf KMU anzuwenden und müssten im Grunde völlig neu oder anders formuliert werden. 72
Diese Tatsache haben auch die Autoren John A. Welsh und Jerry F. White erkannt und 1981 einen Aufsatz mit dem Titel
„A small business is not a little big business“ 73
formuliert. Das Motto sollte auch bei der Konzipierung von Controllingkonzepten für KMU beachtet werden. 74
2.2.2 Controllinginstrumente in KMU - Notwendigkeit und Realisierung
Der Verbreitungsgrad von Controlling in deutschen Großunternehmen ist bekannter- und verständlicherweise hoch. Diese Verbreitung, sowohl in institutioneller als auch funktionaler Hinsicht, ist in KMU vergleichsweise weniger anzutreffen. 75 Jedoch wird aufgrund der steigenden Umweltdynamik undkomplexität dem Controlling ein immer größerer Stellenwert beigemessen. 76 Es ist gerade aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sehr bedeutend, KMU Controllinginstrumente zur Verfügung zu stellen, deren Einsatz auch für kleine Unternehmen kostengünstig möglich ist. 77 So stellen immer kürzer werdende Produktlebenszyklen, technische Neuerungen, ein steigender Kostendruck usw. die Unternehmensführung vor neue strategische 78 Herausforderungen. 79 Denn mit den Informationen aus der Finanzbuchhaltung und der Gewinn- und Verlustrechnung kommen KMU heutzutage nicht mehr aus. 80
72 Vgl. Klett/Pivernetz (2004), S. 18
73 Welsh/White (1981), S. 18
74 Vgl. Klett/Pivernetz (2004), S. 18
75 Vgl. Ossadnik/Barklage/van Lengerich (2004), S. 621
76 Vgl. Exner-Merkelt/Keinz (2005), S. 15
77 Vgl. Botta (2002), S. 77
78 Zum ’strategischen Rechnungswesen’ vgl. z. B. Ebert (1991), S. 287 ff.; Saari/Taulos
(1992), S. 334 ff., in Verbindung mit der Zielkostenrechnung vgl. z. B. Horváth (1990), S.
175 ff.; Zum ’strategischen Controlling’ in KMU vgl. Steinhübel (2006), S. 205 ff.; Zu ak-
tuellen empirischen Ergebnissen zum Stand des ’strategischen Controlling’ in KMU vgl.
Biel (2007), S. 11 f.
79 Vgl. Langguth (1994), S. 88
80 Vgl. Rade (1994), S. 42
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Lukas Bartylak, 2007, Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes der Zielkostenrechnung als Controllinginstrument für KMU, München, GRIN Verlag GmbH
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