1. Einleitung 1
2. Biographie und Bibliographie 2
2.1 Biographie Feyerabends 2
2.2 Bibliografie Feyerabends 2
3. Der Gedanke Paul Feyerabend s „Anything goes“ dargelegt 4
3.1 Einleitung Theorieteil 4
3.1.1 Makroebene 5
3.1.2 Mesoebene 5
3.1.3 Mikroebene 7
3.2 Terminologie und Vorgehen Feyerabends 8
3.2.1 Kontrainduktives Vorgehen 8
3.2.2 Konsistenzbedingung 10
3.2.3 „Absurde“ Gedanken 11
3.2.4 Quant. Unstimmigkeiten und qual. Fehlschläge 12
4. Galileo Galileis Turmargument 14
4.1 Einleitung Analyseteil 14
4.2 Beobachtungsbegriffe und natürliche Interpretationen 14
4.3 Methode der Anamnesis 15
4.4 Entschärfen mittels ad-hoc Hypothesen 17
5. Fazit 18
6. Rezeptionsgeschichte 19
7. Kritische Würdigung und Reflexion 20
8. Bibliografie 23
II
1. Einleitung
Paul Karl Feyerabend war mir bis Anfang 1994 eine unbekannte Grösse. Als ich u.a. mittels Massenmedien über sein Leben, sein Wirken, seinen gedanklichen Kosmos sowie sein Ableben informiert wurde, gab es manch interessanten Schlüsselbegriff, der mich zu weiterer Recherche ermutigte. Seine unkonventionelle Art den Wissenschaftsbetrieb zu beleuchten, weckte mein Interesse. Die von mir rezipierten Zeitungsberichte und Texte liessen auf einen aussergewöhnlichen und provokativen Denker schliessen, über dessen Ideen kontrovers debattiert wurde. Dieser Denker begleitete mich durch meine Zeit an der Universität; gerade auch deshalb, weil die Art dieses „erkenntnistheoretischen Anarchisten“ als wohltuendes Gegengewicht, zum manchmal von mir als etwas statisch empfundenen Hochschulbetriebs gewertet werden kann, weil ich des öfteren auf Hochschulniveau eine freie Debatte um philosophische Themen vermisst habe. Im Wintersemester 2002 / 2003 besuchte ich bei Privatdozentin Frau Ursula Pia Jauch ein Seminar zum Thema „philosophische Rebellen“, in dem ich die rebellischen Aspekte von Feyerabend erneut untersuchen und kennenlernen konnte. Vom Hauptwerk Feyerabends „Against Method“ 1 oder „Wider den Methodenzwang“ ausgehend, das formal „kein systematisches Traktat, sondern ein Brief an einen Freund“ (Feyerabend 1995 a: 11) ist, versuche ich seine Argumentation aufzuzeigen.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile; einen systematischen sowie einen historischen. Im ersten Teil möchte ich die Gedanken um Feyerabends Vorstoss des „Anything goes“ darlegen und seine Thesen und Aspekte wiedergeben. Der zweite Teil stellt seine Argumentation anhand des Beispiels des „Turmarguments“ von Galileo Galilei vor. Die Arbeit schliesst ein Fazit seines Vorstosses, eine kurze Rezeptionsgeschichte seiner Gedanken sowie eine kritische Würdigung der von mir rezipierten Texte ein.
1 Englische Erstausgabe 1975.
1
2. Biographie und Bibliographie
2.1 Biographie Feyerabends
Paul Karl Feyerabend kam am 13. Januar 1924 in Österreich zur Welt und starb am 11. Februar 1994 in der französischen Schweiz an einem Krebsleiden. Der Philosoph Feyerabend studierte zuerst ab 1946 Theaterwissenschaft und musische Fächer in Weimar, Geschichte, Mathematik, Physik und Astronomie in Wien sowie Philosophie in London und Kopenhagen. In Wien war Feyerabend Mitglied eines Diskussionskreises um Vic-tor Kraft (Mitglied des Wiener Kreises), in dem über philosophische Grundlagenprobleme der Naturwissenschaft diskutiert wurde. Dieser Diskussionskreis wurde u. a. von Wittgenstein besucht. Nach der Promotion im Jahre 1951 wollte Feyerabend bei Wittgenstein weiterstudieren, doch der Verfasser des „Tractatus Logico-philosophicus“ 2 verstarb in der Zwischenzeit. Durch einen respektlosen Diskussionsbeitrag auf einem Forum im österreichischen Alpbach 1948 erregte er die Aufmerksamkeit Poppers, der ihn danach nach England einlud. Seine Universitätskarriere mit Stationen wie Bristol, Berkeley, Neuseeland und Zürich begann. Von 1958 bis 1990 war Feyerabend Profes-sor für Philosophie an der University of California in Berkeley. Von Ende der Siebzigerjahre bis 1991 nahm er zusätzlich eine halbe Professur an der ETH in Zürich wahr. Feyerabend befasste sich primär mit Fragen der Wissenschaftstheorie, der Erkenntnis-theorie sowie soziokulturellen Folgen der Wissenschaft.
2.2 Bibliografie Feyerabends
Berühmt wurde Feyerabend durch das Leitmotiv „Anything goes“, das er 1975 in seinem Hauptwerk „Against Method“ oder „Wider den Methodenzwang“ formuliert hatte. Dieser Schrift gingen verschiedene Aufsätze zu diesem Kontext voraus. In „Wider den Methodenzwang“, nachfolgend als WM bezeichnet, bestreitet er die These von Popper und Lakatos, dass es Regelmässigkeiten in der Wissenschaft gibt. Der Fortschritt in der Wissenschaft, gemessen an den Wissenschaftskriterien und der jeweils herrschenden Theorie beruht auf Irrtümern, Irrationalitäten und abgelehnten Theorien. Diesen Gedanken möchte ich in dieser Arbeit erläutern und anhand eines Beispiels angehen.
2 Erschienen 1919.
2
In Feyerabends Buch „Science in a Free Society“ 3 , oder „Erkenntnis für freie Menschen“ erweitert er sein Konzept auf die Gesellschaft. In dem von ihm beschriebenen demokratischen Relativismus soll der Bürger frei und kritisch denkend sein. Ein Bürger verwendet die Massstäbe seiner Tradition, der er angehört. Ob Astrologie, Voodoo-Praktiken oder die Relativitätstheorie angemessene Formen der Lebensorientierung sind, entscheiden in der freien Gesellschaft alle Bürger und nicht nur die Wissenschaftler.
Ein weiteres Werk, das ich kurz in diesem Kontext erwähnen möchte, ist „Farewell to reason“ 4 oder „Irrwege der Vernunft“. In dieser Schrift erweitert er den Gedanken des „Anything goes“ auf die Kulturkreise der Menschen sowie der ihr immanenten Unterschiede. Die Horizonterweiterung der eigenen Sicht kann in einem gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld gewinnbringend, die Vielfalt fruchtbar sein.
3 Englische Erstausgabe 1978.
4 Englische Erstausgabe 1987.
3
3. Aspekte von Feyerabends „Anything goes“
3.1 Einleitung Theorieteil
„Der wilde Krieger, der seinen verwundeten Feind pflegt, anstatt ihn sterben zu lassen, wie es die Regel seiner Gesellschaft von ihm verlangt, mag völlig unbegründet handeln, doch er ist in dem Augenblick gerechtfertigt, wo sich herausstellt, daß Bündnisse rivalisierender Kulturen oft zu größerem Nutzen führen als die Vernichtung des Gegners. Das ist gemeint mit dem Slogan: "anything goesmach was du willst“ (Hinz 1996: 148).
Anhand dieses einleitenden Zitats aus „Thesen zum Anarchismus“ lässt sich zeigen, dass der Gedanke Feyerabends gerade heute in der Übertragung auf einen weltpolitischen Kontext immer noch sehr aktuell ist. In diesem Teil möchte ich seinen Gedanken zu erfassen versuchen und mich dabei auf eine wissenschaftliche Ebene begeben. Die Initialzündung zu seinem Vorstoss fand Feyerabends bei Kierkegaards „Afsluttende uvidenskabelig Efterskrift til de philosophiske Smuler“ 5 , wie er im Jahre 1971 Hans Albert in einem Brief mitteilte. Ich finde „darin viel, was mir paßt und bin überzeugt, daß die Wissenschaft voll von der Subjektivität ist, von der K. redet. Werde vielleicht einen Aufsatz schreiben über Kierkegaardsche Wissenschaft“ (Baum 1997: 240). Er führt seine Idee weiter aus über Kierkegaards Verbindung des Glaubens, der Wahrheitssuche mit dem Christentum sowie der Ursprungsfrage, wieweit ein Individuum in ein Verhältnis zum Christentum kommen kann. Den Bogen zwischen Kierkegaard und Feyerabend bildet der Aspekt, wieweit die Wahrheitssuche auch subjektive Elemente beinhalten kann. Feyerabend überträgt dies dann auf die Wissenschaft sowie deren Wahrheitsanspruch im Zusammenhang mit dem Subjekt 6 . Eine genaue Darstellung seiner durch Kierkegaard beeinflussten Position stelle ich im Teil „Mesoebene“ vor.
Gehen wir zurück zur Idee Feyerabends. Vorab müssen drei Ebenen unterschieden werden, denn Feyerabend argumentiert mehrschichtig. Die erste (innerste) Ebene ist die des Individuums selber, das eine Idee hat und nach gewissen Kriterien und Gewohnheiten eine Hypothese bildet. Nach dieser von mir genannten Mikroebene kommt die zweite Ebene, diejenigen des Wissenschaftsbetriebs, in der sich der Forscher befindet. Diese Mesoebene generiert u.a. ebenfalls die Methode, an der er sich orientieren muss, sofern
5 „Abschliessende unwissenschaftliche Nachschrift zu den philosophischen Brocken“.
6 Orientiert an: Nida-Rümelin, Volpi 1988: 8f.
4
er vom Betrieb akzeptiert werden will. Die Makroebene ist die des zu untersuchenden Materials, das Korpus. Diese Ebene verfügt über eine bestimmte Natur, eine bestimmte Qualität, die es adäquat zu analysieren gilt. Obwohl alle Ebenen miteinander vernetzt sind und eine lineare Leseweise nicht möglich ist, versuche ich sie der Übersichtlichkeit wegen einzeln aufzuführen.
3.1.1 Makroebene (Kontext, Korpus)
Am Anfang einer Hypothesenbildung steht immer eine Idee, die mit den Begebenheiten ihres Kontextes konfrontiert wird. Diese die Hypothese umfassenden Strukturen und Traditionen beeinflussen diesen Prozess. Jede Idee wird quasi in einen Kontext „hinein-geboren“, d.h. jeder kreative Vorgang entwickelt seine Gebilde in einem zum voraus definierten Umfeld. Weil gemäss Feyerabend dieser zu analysierende Kontext als sehr komplex und vielfältig zu charakterisieren ist, kann ihm nicht eine einzige Methode gerecht werden. Die Wechselwirkungen der einzelnen Elemente mit anderen Teilnehmern sind äusserst vielfältig und verworren. Die Wissenschaft reagiert darauf mit Methoden, die stark vereinfachen. Das Datenmaterial, das der Forscher in sein Vorgehen einbeziehen muss, ist komplex, mehrschichtig und lässt sich nicht nur in „eine“ Form pressen.
„Wer sich dem reichen [...] Material zuwendet und es nicht darauf abgesehen hat, es zu verdünnen, um seine niedrigen Instinkte zu befriedigen, nämlich die Sucht nach geistiger Sicherheit in Form von Klarheit, Präzision, ‚Objektivität‘, ‚Wahrheit‘, der wird einsehen, dass es nur einen Grundsatz gibt der sich unter allen Umständen und in allen Stadien der menschlichen Entwicklung vertreten lässt. Es ist der Grundsatz: Anything goes“ (Feyerabend 1995 a: 45, Hervorhebung i.O.).
3.1.2 Mesoebene (Wissenschaftsbetrieb mit bestimmter Methode und Struktur)
Diese Forschungsstandards des Wissenschaftsbetriebs haben sich im Vorfeld definiert und sind Ergebnisse langer Entstehungsprozesse sowie alter Traditionen. Feyerabend schlägt eine Methodologie vor, die die Geschichte als voll von „Zufällen, Verbindungen und merkwürdigen Kollisionen von Ereignissen“ (Feyerabend 1995 a: 13) beschreibt. Diese liberale Haltung gegenüber Regelverletzungen ist nach seiner Geschichtsbetrachtung „schlechthin notwendig“ (Feyerabend 1995 a: 21, Hervorhebung i.O.) für den Er-kenntnisfortschritt. Die Geschichte und die Analyse historischer Beispiele hat gezeigt,
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Ralf Thür, 2003, Anything goes, Paul Karl Feyerabends Argumentation in "Against Method", Munich, GRIN Publishing GmbH
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