Gliederung
1. Einleitung 2
2. Hintergrund 3
2.1 Die Tradition des Hexenglaubens und der Walpurgisnacht 3
2.2 Die griechische Mythologie 4
3. Die Walpurgisnacht in Goethes Faust I 7
3.1 Inhalt 7
3.2 Personen 8
3.3 Sprachliche Form 9
3.4 Der Walpurgisnachtstraum 11
4. Die klassische Walpurgisnacht in Goethes Faust II 12
4.1 Inhalt 13
4.2 Personen 15
4.3 Sprachliche Form 19
5. Vergleich der Walpurgisnachtszenen 22
5.1 Gemeinsamkeiten 22
5.2 Unterschiede 24
6. Die Funktion der Walpurgisnachtszenen für das komplette Werk 30
7. Abschlussbemerkung 36
8. Literaturverzeichnis 38
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1. Einleitung
Die Faust-Dichtung, die Johann Wolfgang Goethe ein halbes Jahr vor seinem Tod abgeschlossen hat, ist als sein Lebenswerk nicht nur für die Literaturwissenschaft interessant. Es scheint, als sei „Faust“ zu einem „Allgemeingut“ geworden, das Kunst, Religion, Wissenschaft und Kultur untrennbar miteinander verbindet 1 und die „Faust-Figur“ zu einem allgemeingültigen Repräsentanten der Gesellschaft werden lässt. 2 Goethe lässt viele Erlebnisse in sein Lebenswerk einfließen, wie zum Beispiel das Miterleben der Entwicklung einer modernen, demokratischen und industriellen Gesellschaft, wodurch die Komplexität der Faust-Dichtung geprägt ist. Das umfangreiche Werk entfaltet sich durch die Fülle von Bildern, Figuren, Gestalten und Mythen, ebenso wie Inspirationen aus der Bibel, aus europäischem Glauben und verschiedenen Brauchtümern, die Goethe in das Faust-Werk integriert hat. 3 Die wohl mythischsten und gestaltenreichsten Szenen der Faust-Dichtung sind die der Walpurgisnächte, mit welchen sich die vorliegende Arbeit im Weiteren beschäftigen wird. Sie spielen in Goethes Faust eine rätselhafte Rolle, die durch viele Interpretationsanstöße zu erklären versucht wurden. 4 Goethe führt in den beiden Szenen etwas vor, „was eigentlich nur vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt werden kann“. 5 Die Walpurgisnacht des ersten Faust-Teils ist durch das wüste und exzessive Treiben auf dem Blocksberg im Norden geprägt und stellt eine mitreißende, aber auch verwirrende „Traum- und Zaubersphäre“ (Vers 3871) dar. Sich dessen anschließend folgt der „Walpurgisnachtstraum“, der wie ein handlungsloses Zwischenspiel und Intermezzo des Dramas wirkt. Die „klassische Walpurgisnacht“ im zweiten Teil der Dichtung charakterisiert Goethe durch „griechische Begriffe“, die seines Erachtens passender sind, um seine Vorstellung einer „Walpurgisnacht“ auf griechischem Boden, in antiker Natur und mit mythischen Figuren verwirklichen zu können. 6 Wie sind die beiden „Walpurgisnachtszenen“ inhaltlich aufgebaut, welche Personen spielen wichtige Rollen und wie sind die Szenen strukturiert? Welche Unterschiede und
1 Vgl.: Greiner-Vogel, Hedwig: Goethes Faust. Das Menschheits-Drama der Gegenwart. Dornach/Schweiz: Philosophisch-Antroposophischer Verlag, 1982. S. 13.
2 Vgl.: Ebd. S. 17.
3 Vgl.: Hermes, Eberhard: Lektürenhilfen. Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Erster und Zweiter Teil. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 1988. S. 5.
4 Vgl.: Greiner-Vogel, Hedwig: S. 96.
5 Steiner, Rudolf: Das Faust-Problem: Die romantische und die klassische Walpurgisnacht. Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes „Faust“. Band II. Zwölf Vorträge, gehalten in Dornach vom 30. September 1916 bis 19. Januar 1919. Dornach/Schweiz: Rudolf Steiner Verlag, 1974. S. 137.
6 Vgl.: Ebd.: S. 137.
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Gemeinsamkeiten weisen sie auf und vor allem: Welche Bedeutung haben die „nordische“ und die „klassische Walpurgisnacht“ für die gesamte Faust-Dichtung? Im Folgenden geht es um die Beantwortung dieser Fragestellungen, wobei ich in einem ersten Schritt den Hintergrund, auf dem die „Walpurgisnachtszenen“ in Goethes „Faust“ aufbauen, näher beleuchten werde.
2. Hintergrund
Der Hintergrund der beiden „Walpurgisnachtszenen“ geht in zwei verschiedene Richtungen. In „Faust I“ steht die Tradition der „romantischen Walpurgisnacht“ im Mittelpunkt. Damit verbunden ist von Hexen die Rede, die sich in einer bestimmten Nacht versammeln und zusammen feiern. In der „klassischen Walpurgisnacht“ in Goethes „Faust II“ geht es dann mehr um Mythologie: Goethe gestaltet die Szene als einen großen Schauplatz antiker griechischer Figuren, die als Mythen bekannt sind und verwendet sie in freier Form, um seine Absichten mit ihnen zu verwirklichen. Was hat es aber mit dem Hexenglauben auf sich? Wann, wo und warum findet die Walpurgisnacht statt? Was genau ist ein Mythos und welche Figuren der „klassischen Walpurgisnacht“ sind in der griechischen Mythologie wieder zu finden? Diese Fragen leiten zu dem ersten Hintergrundabschnitt über, der sich mit der Tradition des Hexenglaubens und der Walpurgisnacht befasst.
2.1 Die Tradition des Hexenglaubens und der Walpurgisnacht
Der Hexenglaube und der Glaube an Zauberei ist so alt wie die Menschheit selbst. Bereits in der Antike wird ein Gesetz festgelegt, welches Hexen, die Feldfrüchte mit Zauberei verderben, mit schweren Strafen droht. Dabei glaubt man gibt es „holde“ und „unholde“ Geister und Hexen, die dem Menschen Heil und Unheil bescheren können. Der Zauberglaube ist nicht isoliert zu sehen, sondern muss in Verbindung mit der Kirchengeschichte, mit der Medizin, der Naturforschung und der Geschichte des Strafrechts betrachtet werden. 7 Während der Magier als Gelehrter und Hilfeleistender gilt, gibt es Menschen, besonders Frauen, die für Ketzerei auf dem Scheiterhaufen sterben sollen. Dazu gehören die „Maleficae“, die Übeltäterinnen. Von ihnen wird angenommen, dass sie von bösen Geistern die Macht bekommen, der Natur, den Tieren und den Menschen Unheil zu bescheren. Ein weiterer Glaube kommt der so genannten
7 Vgl.: Neeb, Reinhold: Hexen, Folter, Scheiterhaufen. Hexenverfolgung und Hexenglauben im alten Oberhessen. Gießen: Brühlscher Verlag, 1991. S. 11.
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„Striga“ zu. Diese Weibspersonen sind angeblich in der Lage, mit Hilfe einer speziellen Hexensalbe, womit sie einen Gegenstand bestreichen, diesen als Flugobjekt nutzen zu können. Vorstellbar ist auch die Annahme, es gäbe Menschen, die sich in Tiere verwandeln können, um so den Menschen Böses zu tun. 8 Die Tradition der „Pakt-Formel“ in Goethes Faust kommt im 13. Jahrhundert auf. Die Idee, man könnte mit dem Teufel einen Pakt eingehen um somit Hexenprozesse zu vollziehen, führt dazu, dass die Mitwirkenden dieser Hexenprozesse vernichtet werden dürfen, da sie sich gegen die Kirche und demnach gegen Gott stellen. 9 Jemanden als Hexe auf dem Scheiterhaufen hinrichten zu dürfen, muss natürlich begründet werden. So werden verschiedene Hexenproben und Foltermaßnahmen vollzogen, um die angeblichen Hexen zu entlarven oder zu einem Geständnis zu bewegen. 10
In der „romantischen Walpurgisnacht“ wird die Nacht zum 1. Mai gefeiert, was als bekannteste Tradition der Hexen und Geister gilt. In dieser Nacht treffen sich die Hexen und Teufelsgestalten auf dem Blocksberg, dem Brocken im Harz, auf dem sie ein wildes und euphorisches Fest feiern. Es wird fröhlich gegessen, getrunken und ungehemmt getanzt. Dabei entwickeln sich Orgien, die völlig ungezügelt, pervertiert und sexuell geprägt sind. 11 Der Brocken ist die höchste Erhebung des Harzes, hat eine Kuppe aus Granit und ist von zahlreichen Windböen und Niederschlägen gekennzeichnet. Eine besondere Erscheinung auf dem Brocken ist das so genannte „Brockengespenst“. Es entsteht, wenn die Sonne untergeht und Schattenbilder dabei auf eine östliche Nebelwand geworfen werden. 12 Benannt ist die Walpurgisnacht nach der heiligen Walpurga (* 770 in England, † 25.02.779 in Heidenheim). Die Benediktinerin wirkt als Äbtissin 13 im Doppelkloster Heidenheim. 14 Auf diesen Hintergrund bezieht sich Goethe vor allem in seinem „Faust I“ und dessen „Walpurgisnachtszene“. Soll die „klassische Walpurgisnacht“ genauer betrachtet werden, wird der historische Hintergrund der Mythologie benötigt.
8 Vgl.: Neeb, Reinhold: S. 13.
9 Vgl.: Ebd.
10 Vgl.: Ebd.: S. 24.
11 Vgl.: Jeßing, Benedikt (Hrsg.): Metzler-Goethe-Lexikon : Personen - Sachen - Begriffe. 2., verbesserte Auflage. Stuttgart [u.a.] : Metzler, 2004. S. 459.
12 Vgl.: Der neue Brockhaus: Lexikon und Wörterbuch in fünf Bänden und einem Atlas. Sechste, völlig neubearbeitete Auflage. Wiesbaden: F.A. Brockhaus, 1979. Band 1. S. 374.
13 Die Vorsteherin eines Frauenklosters mit Benediktinerregeln (Forderung des Verweilens im Heimatkloster, Gehorsam unter dem Abt, Abkehr vom weltlichen Leben und Streben nach Vollkommenheit). Vgl.: Der neue Brockhaus: Band 1. S. 18/259.
14 Vgl.: Der neue Brockhaus: Band 5. S. 498.
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2.2 Die griechische Mythologie
Die Mythologie besteht aus der Gesamtheit der verschiedenen Mythen. Das Wort „Mythos“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Erzählung“. In Mythen werden die Zusammenhänge der Welt aufgegriffen. Dabei treten oft göttliche Mächte auf, es wird von besonderen Taten und Ereignissen berichtet, das Paradies und der Sündenfall werden definiert oder es treten naturhafte Erscheinungen in den Mittelpunkt der Erzählungen. Mythen sind häufig in Dichtungen zu erkennen, die Allegorien und Fabelwesen beinhalten. 15 Mythen sind aber keine Produkte menschlicher Phantasie, sondern ein Erzeugnis der griechischen Natur. 16 Genau diese Produkte werden als „unsterblich“ angesehen, da sie „die vitalen Grunderfahrungen des Menschen, die [...] damals wie heute ihre Gültigkeit haben, in Worten und Bildern eindringlich zum Ausdruck“ 17 bringen. So werden auch für Goethes Dichtungen die Gestalten und Motive der Mythologie zu einem nutzbaren Aspekt. Goethe erlaubt sich verschiedene Mythen sehr frei für seine Werke zu verwenden und sie durch seine dichterische Phantasie umzugestalten. Das heißt, dass er Verwandtschaftszweige zwischen Figuren verändert, einzelne Erzählungen modernisiert oder verschiedene Mythenstränge miteinander kombiniert. 18 Goethe versucht so die alten Bilder „auf neue Weise literarisch nutzbar“ 19 zu machen, wodurch Faust in der „klassischen Walpurgisnacht“ nicht auf den wiederbelebten antiken Mythos, sondern auf das aus den antiken Relikten geschaffene neuzeitliche Konstrukt trifft. 20 Die traditionellen Erzählungen, wie zum Beispiel der schönen Helena, Orpheus oder Oidipus, gehören zum Bildungserbe. Der Mythos wird von Generation zu Generation weitergegeben, ohne dass klar ist, wer den Mythos zum ersten Mal erzählt hat. Dass die Generationen Mythen nicht als „veraltert“ ansehen, liegt daran, dass Mythen zeitlos das berichten, was die menschliche Existenz betrifft. 21 Die Mythologie wird im Laufe der Jahre vor allem durch die griechische Kultur verändert und den gesellschaftlichen Umständen angepasst. Durch diese Anpassung „leben“ die Mythen weiter. Auch die Dichter
15 Vgl.: Der neue Brockhaus: Band 3. S. 649/650.
16 Vgl.: Lohmeyer, Dorothea: Faust und die Welt. Der zweite Teil der Dichtung. Eine Anleitung zum Lesen des Textes. München: Verlag C.H. Beck, 1975. S. 236.
17 Lücke, Susanne und Hans-K.: Antike Mythologie. Ein Handbuch. Der Mythos und seine Überlieferung in Literatur und bildender Kunst. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1999. S. 7.
18 Vgl.: Jeßing, Benedikt: Metzler-Goethe-Lexikon. S. 307.
19 Hesse-Belasi, Gabriele: Signifikationsprozesse in Goethes ‚Faust’, zweiter Teil. Mythologische Figur und poetisches Verfahren. Frankfurt am Main (u.a.): Lang, 1992. S. 119.
20 Vgl.: Ebd.
21 Vgl.: Graf, Fritz: Griechische Mythologie. Eine Einführung. Düsseldorf/Zürich: Artemis und Winkler,
1999. S. 7-9.
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arbeiten an der der Veränderung der Mythen. 22 Griechische Mythen sind immer in Verbindung mit Göttern zu sehen, da sie die wirkenden Mächte in antiken Erzählungen sind und somit die griechische Mythologie prägen. 23 Das Finale der „klassischen Walpurgisnacht“, das Meeresfest, wird auch von griechischen Göttern geleitet. Nereus und Proteus sind Meeresgottheiten, die als „alte Männer des Meeres“ bezeichnet werden, und als weise, freundlich und gerecht gelten. 24 Die Göttin der Unterwelt wird im zweiten Akt Goethes „Faust II“ nur indirekt eingeführt. Der Gang in die Unterwelt führt Faust zu Persephone, die Tochter von Zeus. Sie wird laut den mythischen Erzählungen im Einverständnis ihres Vaters von Hades entführt und lebt ein drittel ihres Lebens bei ihm im dunklen Palast der Unterwelt. Danach kehrt sie auf die Erde zurück und lebt bei ihrer Mutter. 25 Andere mythische Figuren, die in der „klassischen Walpurgisnacht“ vorkommen, sind zum Beispiel Helena (die nur indirekt in die Szene eingeführt wird), Galatea, oder die Sirenen, die Sphinxe und Chiron, die ich in Abschnitt 4.2 näher erläutere.
Helena gilt in der griechischen Mythologie als die Königin von Sparta und ist ebenfalls wie Persephone die Tochter von Zeus. Bereits mit zwölf Jahren wird sie entführt, kann aber von ihren Brüdern befreit werden. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Schönheit wird sie von jedem Mann ihrer Zeit umworben. Helena entscheidet sich für Menelaos, dem Prinzen von Mykene, wird aber von dem jungen trojanischen Fürstensohn Paris nach Troja entführt. Daraufhin setzt Menelaos alles in Bewegung, um sie zurückzugewinnen, was zu den Geschehnissen des Trojanischen Krieges beiträgt. Über Helenas Schicksal besteht keine Einstimmigkeit. Eine der Versionen erzählt davon, wie sie getötet wird und dem Himmel emporsteigt, während eine andere Erzählung berichtet, dass sie mit Menelaos nach Sparta zurückkehrt, länger lebt als ihr Mann und von ihren Söhnen vertrieben wird. Eine andere Sage behauptet, dass Helena nie in Troja angekommen ist, da sie auf halber Strecke in Ägypten zurückgeblieben sei. 26 Galatea, Nereus Tochter, ist in der Mythologie als hübsche Meeresnymphe bekannt. Polyphemos, der Sohn Poseidons, verliebt sich in sie, doch sie verachtet seine hässliche
22 Vgl.: Ebd.: S. 17.
23 Vgl.: Ebd.: S 98.
24 Vgl.: Tripp, Edward (dt. Übersetzung von Rauthe, Rainer): Reclams Lexikon der antiken Mythologie.
7. Auflage. Stuttgart: Reclam, 2001. S. 362/457.
25 Vgl.: Ebd.: S. 204/422. 26 Vgl.: Ebd.: S. 210-213.
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Erscheinung. Polyphemos bringt Galateas Liebhaber um, wodurch ihr Hass ihm gegenüber noch mehr entbrennt. 27
Sicherlich sind nicht alle Einzelheiten eines Mythos traditionell verwurzelt. Es werden Aspekte ausgelassen oder hinzugedichtet. Aber der Ausgangspunkt, das Hauptbild, worum es geht, ist traditionell verfestigt und davon leiten sich die zahlreichen Erweiterungen ab. 28
3. Die Walpurgisnacht in Goethes Faust I
Kurz bevor der erste Teil der Faust-Dramaturgie zu Ende ist, lässt Goethe in der Walpurgisnacht die Konzeption des Bösen noch einmal aufleben. Mephisto hofft, Faust in dem orgiastischen Fest der Hexen und anderen höllenabkömmlichen Figuren in seinen Bann zu ziehen. Die Walpurgisnacht ist eine weitere Station der Weltfahrt Fausts und soll seinen Drang nach Erkenntnis endlich befriedigen. Sie ist eine Wandelszene, in der Faust und Mephisto durch die Landschaft um den Blocksberg herumstreifen und eine traum- und zauberhafte Szenerie erleben. In der „Walpurgisnachtszene“ ist nicht klar, ob es sich um Realität handelt, oder ob nur der Seelenzustand Faust widergespiegelt werden soll. 29
Entstanden ist die erste „Walpurgisnachtszene“ des Faust-Dramas erst in der dritten Arbeitsphase Goethes. Es gibt Anzeichen, dass Goethes Konzeption für die Walpurgisnacht im Jahr 1799 entsteht. Von Ende 1800 bis Februar 1801 wird die Szene wohl geschrieben, da Goethe sich zu dieser Zeit stark mit Hexenliteratur beschäftigt. Die Walpurgisnacht kann als eine Art „Epilog in der Hölle“ angesehen werden, da sich die Szene auf dem Blocksberg, dem Höllenberg, abspielt und so die Sphäre der Hölle ankündigt. 30
3.1 Inhalt
Nachdem Faust, von Mephisto geleitet, Gretchens Bruder Valentin mit einer Klinge tödlich verletzt, fliehen die beiden in die Walpurgisnacht. Jedes Jahr feiern die Hexen in der Nacht zum ersten Mai auf dem Brocken im Harz ein euphorisches Fest mit viel
27 Vgl.: Ebd.: S. 444/445.
28 Vgl.: Graf, Fritz: S. 135.
29 Vgl.: Hermes, Eberhard: S. 77.
30 Vgl.: Gaier, Ulrich: Kommentar zu Goethes Faust. Stuttgart: Reclam, 2002. S. 110.
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Inga Hemmerling, 2006, Die Bedeutung der Walpurgisnacht in Goethes Faust I und II, Munich, GRIN Publishing GmbH
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