Freie Universität Berlin
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
HS 31208: Politische Regulierung von Wirtschaftswachstum und Naturressourcen in
den Transformationsökonomien Osteuropas
Wintersemester 2005/06
Aufbaumodul: Regionale Politikanalyse
Russland und der Energiechartavertrag
- Positionen, Probleme und Perspektiven -
Verfasserin:
Katharina Mikuleak
Politikwissenschaft/Diplom, 7.Fachsemester
Inhalt
Abkürzungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Einleitung 4
1. Der Energiechartavertrag 6
1.1. Entstehungsprozess 6
1.2. Ziele und ausgewählte Vertragsinhalte 8
2. Akteurskonstellationen im Energiechartavertrag 10
2.1. Die Ausgangssituation und Interessen der Europäischen Union 10
2.2. Die energiepolitische Bedeutung der Russischen Föderation 14
3. Russische Positionen im Ratifizierungsverfahren 16
3.1. Streitpunkt: Transitprotokoll 18
3.2. Fehlende Anreizstruktur nach Kyoto und die Debatte um Russlands WTO-Beitritt 21
4. Aktuelle Situation und Perspektiven 23
5. Politikwissenschaftliche Einordnung und Bewertung 26
Fazit 28
Literaturverzeichnis
Einführung
Dass die Energiereserven weltweit abnehmen ist durchaus kein neues Phänomen. Der Gedanke, der Ressourcenknappheit mit internationalen Regelwerken entgegenzuwirken und dadurch eine kalkulierbare Verteilung zu ermöglichen, manifestierte sich jedoch erst in den 1990er Jahren.
Das ist vor allem dadurch begründet, dass es erst mit dem Zusammenbruch des Ostblockes möglich wurde, weltweit verbindliche Regelwerke zu forcieren. Ein Teil der Welt war nun nicht mehr kategorisch von Vereinbarungen ausgeschlossen. Besonders die Öffnung Russlands spielte für den Energieweltmarkt eine herausragende Rolle, da dort die größten Erdgasreserven der Erde lagern.
Nach der Auflösung des Ostblockes waren plötzlich zahlreiche Staaten von den Herausforderungen der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Transformation betroffen. Auch und vor allem die russische Energieindustrie stand vor dem Niedergang, Investitionen in Milliardenhöhe waren (und sind) nötig, um dem Boden die wertvollen Ressourcen und Reserven zu entziehen. Der Zerfall der Sowjetunion war auch eine Phase unkalkulierbarer wirtschaftlicher und politischer Instabilitäten. Deshalb war es gerade für die Europäische Gemeinschaft von besonderem Interesse, die Länder aus dem Einflussbereich der UDSSR zu unterstützen und in ihre Regelwerke einzubinden.
Als der niederländische Ministerpräsident Rudolphus Lubbers 1990 ein internationales Abkommen zur Bildung einer gesamteuropäischen Energiegemeinschaft vorschlug, in das explizit die Ostblock-Staaten mit einbezogen werden sollten, wurde das auch von der sowjetischen Seite begrüßt. Aus den ersten Ansätzen, die in der Europäischen Energiecharta umgesetzt wurden, entstand vier Jahre später der Energiechartavertrag, das erste internationale und völkerrechtlich verbindliche Vertragswerk für den Energiesektor. Zunächst wurde es als großer Erfolg gefeiert, da erstmals die Sowjetunion beziehungsweise Russland tatsächlich in ein derartiges Vertragswerk eingebunden war. Auf die Euphorie folgte jedoch bald Ernüchterung: Russland hat den Energiechartavertrag zwar unterzeichnet, jedoch bis heute nicht ratifiziert. Im Jahre 2003 hat Russland obendrein die Verhandlungen zur Ratifizierung abgebrochen. Unüberbrückbare Differenzen bezüglich der Vertragsinhalte, wie zum Beispiel der geplante Abschluss eines Transitprotokolls, das das Monopol der Russen über die Leitungsnetze einschränken könnte und die mit dem Vertrag verbundene Übernahme der WTO-Standards für den Handel mit Energieerzeugnissen, werden von russischer Seite als Gründe dafür angeführt. Der Verhandlungsstopp fällt zudem auch mit den russischen WTO-Beitrittsverhandlungen zusammen, die zu diesem Zeitpunkt mit der Europäischen Union geführt wurden.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich untersuchen, welche Rolle Russland beim Energiechartavertrag tatsächlich einnimmt beziehungsweise welchen Stellenwert der Vertrag für Russland hat. Russlands Position gegenüber dem Vertrag möchte ich abschließend unter neorealistischer Perspektive politikwissenschaftlich bewerten. Ich gehe dabei von folgenden Annahmen aus:
Zu untersuchende Indikatoren für diese Annahmen sind die Abhängigkeit der EU von russischen Energieimporten, die russische Energiepolitik, die in den vergangenen Jahren vor allem von bilateralen Verhandlungen geprägt war, die Problemstrukturen im Energiechartavertrag und die Rolle der WTO-Beitrittsverhandlungen.
Quellen stehen in erster Linie im Internet und in Energie- und Wirtschaftsfachzeitschriften zur Verfügung. Ausreichende politikwissenschaftliche Literatur speziell zur Bewertung des Energiechartavertrages gibt es bisher kaum. Vereinzelt sind Artikel in Sammelbänden oder als Diplom- beziehungsweise Magisterarbeit oder Dissertation erschienen.
Ein deutlicher Analyseschwerpunkt ist dabei die Auseinandersetzung um das geplante Transitprotokoll. Daran lassen sich die unterschiedlichen Akteurspositionen sehr gut herausarbeiten. Der Fokus meiner Arbeit liegt auf der Rolle Russlands im Vertrag. Andere Gegenstände des im Zusammenhang mit dem Energiechartavertrag lassen sich hingegen schwerer analysieren, da viele Bestimmungen und Vertragsprozesse noch nicht ausgereift sind, um sie mit politikwissenschaftlichen Kriterien auf Wirksamkeit zu prüfen. Das Thema hat in der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte aufgrund langwieriger, oft ergebnisloser Prozesse momentan an Aufmerksamkeit verloren, weshalb es nur unzureichend aktuelle Dokumente gibt. Die folgende Arbeit versucht demnach die bisherigen Ergebnisse zu sammeln, auszuwerten und zu ergänzen.
[....]
Quote paper:
Katharina Mikulcak, 2006, Russland und der Energiechartavertrag. Positionen, Probleme und Perspektiven, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Ukraine und Weißrussland als energiepolitische Pufferzone zwischen Rus...
Wirtschaftliche, soziale und m...
Politics - International Politics - Region: Eastern Europe
Scholary Paper (Seminar), 27 Pages
Untersuchungen der deutschen Mediendebatten um den möglichen EU-Beitri...
Politics - International Politics - Topic: European Union
Research Paper, 55 Pages
Europas Energiestrategie: Ein Balanceakt zwischen Versorgungssicherhei...
Notwendigkeit einer internatio...
Politics - International Politics - Topic: European Union
Scholary Paper (Seminar), 43 Pages
Der START-Prozess: Chance oder Risiko für Russland
Politics - International Politics - Region: Russia
Termpaper, 30 Pages
Perspektiven für einen europäisch-russischen Energiemarkt
Eine Analyse des europäischen ...
Politics - International Politics - Region: Russia
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Comparing Euroscepticism in Poland and the Czech Republic
Politics - International Politics - Region: Eastern Europe
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Internationale Organisationen und soziologischer Konstruktivismus
Politics - International Politics - General and Theories
Scholarly Essay, 10 Pages
Ein möglicher Türkei-Beitritt zur Europäischen Union
Implikationen für die EU-Außen...
Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Semiotische Codes in der Werbung - Plakative Zeichen in der Werbung
German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Als erstes stirbt die Wahrheit - Krisenberichterstattung der deutsch...
Termpaper, 16 Pages
Machiavelli - Ein kurzer Überblick über Leben und Werk
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Termpaper, 14 Pages
Die ahausener Union und katholische Liga im dreißigjährigen Krieg
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Die Denkansätze des Leviathan ...
Philosophy - Early Modern Philosophy (approx. 1350 - 1600)
Termpaper, 15 Pages
Katharina Mikulcak's text Russland und der Energiechartavertrag. Positionen, Probleme und Perspektiven is now available as a printed book
Katharina Mikulcak has published the text Russland und der Energiechartavertrag. Positionen, Probleme und Perspektiven
Katharina Mikulcak has uploaded a new text
Theorie der Wirtschaftspolitik: Erfahrungen - Probleme - Perspektiven
Erfahrungen,
Hartmut Berg
Metaphysik heute - Probleme und Perspektiven der Ontologie / Metaphysi...
Matthias Lutz-Bachmann, Thomas M. Schmidt
Wirtschaftsdeutsch in Ungarn: Position, Bedarf und Perspektiven
Die Vermittlung von Wirtschaft...
Viktoria Ilse
Probleme und Perspektiven im Energieumweltrecht
Dokumentation der XIII. Jahres...
Wolfram Cremer, Johann C. Pielow
Philosophische Probleme internationaler Politik und transnationalen Re...
Heinz-Gerd Schmitz
0 comments