Inhaltsverzeichnis
Seite 3
I. Der germanistische Sachstand
Seite 6
II. Das didaktische Konzept
Seite 8
III. Methodik
Seite 8
1. Unterrichtsplanung
Seite 10
2. Positive und negative Gesichtspunkte des Unterrichtverlaufs
Seite 12
IV. Literaturverzeichnis
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1. Primärliteratur
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2. Sekundärliteratur
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I. Der germanistische Sachstand
Da auch die Forschung zu Person und Werken Bertolt Brechts ein weites Feld ist, werde ich mich in diesem Kapitel auf die wesentlichen Meinungen zu den von mir für meine Unterrichtsstunde ausgewählten Texten - das Gedicht Erinnerung an die Marie A., das Stück Die Dreigroschenoper und die Geschichte Maßnahmen gegen die Gewalt - beschränken. Wie so oft in der neueren deutschen Literaturwissenschaft verhält es sich bei Erinnerung an die Marie A. 1 so, dass die Interpretationen sich zwischen den Polen der Analyse unter mehr oder minder starker Berücksichtigung der Biographie 2 und der stark textimmanent orientierten Analyse bewegen. Jan Knopf 3 weist nach, dass sich der Drang der Forschung, das Gedicht aufgrund seines Titels als biographisch zu verstehen, auf die Aussagen der 80-jährigen Aman in dem Dokumentarfilm der DEFA Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen stützt 4 . Aman wird aber, so Knopf, letztmals im August 1920 in Brechts Tagebuch erwähnt, woraus zu folgern ist, dass die Beziehung der beiden zu diesem Zeitpunkt, ein halbes Jahr nach dem Schreiben des Gedichts, noch bestand, weshalb direkte Bezüge zwischen der Entstehung der Erinnerung an die Marie A. und dem Ende der Freundschaft auszuschließen seien 5 . Außerdem sei Marie Rose Aman Rosa gerufen worden 6 und nie Marie, aber die ältere Aman-Schwester, von der Brecht zurückgewiesen worden sei, habe Maria geheißen, woraus sich ergebe, dass Brecht beide Schwestern mit der Änderung des Gedichttitels zu einer Person verschmelzen ließ 7 . Der neue Titel deute also auf „ein raffiniertes Versteckspiel des Autors“ 8 . Ein Beispiel für die biographische Lesart bildet die Interpretation von Müller und Kindt: „Biographisch betrachtet handelt es sich um Brechts Jugendliebe, bei der er über Küsse offenbar nicht hinauskam“ 9 . Aus den Paratexten 10 lesen die beiden eine Unschlüssigkeit
1 Veröffentlicht in der Hauspostille 1927.
2 Im Fall des vorliegenden Gedichts wird der Titel rückgeführt auf Brechts Jugendliebe Marie Rose Aman (eigentlich: Rosa Maria Amann, vgl. Knopf, Jan: Erinnerung an die Marie A. In: Brecht-Handbuch. Hg. von Jan Knopf. Bd. 2 (Gedichte). Stuttgart u.a. 2001, S. 80.).
3 Knopf, Erinnerung, S. 80.
4 Vgl. Frisch, Werner/Obermeier, K.W.: Brecht in Augsburg. Erinnerungen, Dokumente, Texte, Fotos. Berlin u.a. 1975, S. 93; Hennenberg, Fritz: „An jenem Tag im blauen Mond September...“. Ein Brecht-Gedicht und seine musikalische Quelle. In: Neue Zeitschrift für Musik 7/8 (1988), S. 26f.; Kebir, Sabine: Ein akzeptabler Mann? Brecht und die Frauen. Köln 1989, S. 35; Knopf, Jan: Erinnerung, S. 80.
5 Vgl. Knopf, Jan: Erinnerung, S. 80.
6 Vgl. ebd.
7 Vgl. ebd.; vgl. Hillesheim, Jürgen/Wissmann, Pia: Neues über Bertolt Brechts Augsburger Zeit. In: Dreigroschenheft (2000), H.1, S. 25.
8 Knopf, Erinnerung, S. 80.
9 Müller, Hans-Harald/Kindt, Tom: Brechts frühe Lyrik - Brecht, Gott, die Natur und die Liebe. München 2002, S. 86ff.
10 Brecht notierte zur Erstfassung des Gedichts als Titel „Sentimentales Lied No. 1004“ (Anspielung auf Don Giovanni), darunter „Im Zustand der gefüllten Samenblase sieht der Mann in jedem Weib Aphrodite“
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Brechts bezüglich einer Identifikation mit dem Sprecher des Gedichts und interpretieren die Titeländerung als Bekenntnis Brechts zu seiner Jugendliebe 11 .
Bei der textimmanenten Interpretation gibt es in der Forschung zwei Hauptmeinungen, einmal wird die Erinnerung an die Marie A. als Liebesgedicht verstanden und einmal ganz im Gegensatz als Absage an dieses. Weber erklärt das Gedicht zu einem der „zartesten, zurückhaltendsten Liebesgedichte“ 12 Brechts. Arendt sieht das Gedicht als Prozess der Erinnerung an die Liebe an, bei welchem ein „progressiver Identitätsverlust der Geliebten“ 13 stattfinde. Als „Erinnerungsgedicht“ 14 sieht Licher die Erinnerung an die Marie A., Jesse 15 schreibt von einer rasch vergessenen Liebe. Reich-Ranicki 16 sieht im Gedicht ebenfalls die Vergänglichkeit des Liebesglücks, wobei die Liebe aber nicht ganz verschwinde, da die Erinnerung und die Dankbarkeit blieben.
Schuhmann 17 bildet das Bindeglied zwischen beiden textimmanenten Positionen, für ihn ist es ein Liebesgedicht, das erlebtes Liebesglück voraussetzt, er urteilt aber abschließend, dass die Unbeständigkeit der Gefühle und das tiefe Misstrauen gegenüber den Mitmenschen tragfähige und dauerhafte Beziehungen zwischen den Liebenden ausschlössen, was bei Knopf 18 zum „Menschenverschleiß“ und zur „Auslöschung des Individuums“ gesteigert ist. Als Gedicht „von der Vergänglichkeit“ 19 sieht es Mennemeier, Payrhuber thematisiert den „flüchtigen Selbstgenuß“ 20 des Mannes, der seine Liebe zynisch abtue. Die Dreigroschenoper basiert auf dem englischen Stück The Beggar’s Opera (1728) von John Gay, das von Elisabeth Hauptmann für die deutsche Fassung 1927/28 übersetzt wurde. Die erste Fassung des Textes der Dreigroschenoper wurde von ihr und Brecht hergestellt, ehe sich Kurt Weill an die Komposition machte. Die neue Textfassung wurde in Zusammenarbeit von
(Anspielung auf Faust I), geschrieben am „21.II.20 abends 7h im Zug nach Berlin“. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls erwähnenswert, dass Brecht den französischen Schlager Tu ne m’aimais pas! Von Léon Laroche rezipierte, der in Deutschland unter dem Titel Verlornes Glück bekannt war.
11 Vgl. Müller/Kindt, S. 86ff.
12 Weber, Albrecht: Zu Liebesgedichten Bert Brechts. In: Interpretationen zur Lyrik Brechts. Beiträge eines Arbeitskreises. Hg. von Rupert Hirschenauer u.a. München 1975, S. 64; vgl. Knopf, Erinnerung, S. 82.
13 Arendt, Christine: Natur und Liebe in der frühen Lyrik Brechts. Frankfurt/Main u.a. 2001 (Hamburger Beiträge zur Germanistik, Bd. 35), S. 114ff.
14 Licher, Edmund: Zur Lyrik Brechts. Aspekte ihrer Dialektik und Kommunikativität. Frankfurt/Main u.a. 1984 (Europäische Hochschulschriften. Reihe I, Bd. 732), S. 101f.
15 Vgl. Jesse, Horst: Die Lyrik Bertolt Brechts von 1914-1956 unter besonderer Berücksichtigung der „ars vivendi“ angesichts der Todesbedrohungen. Frankfurt/Main u.a. 1994 (Europäische Hochschulschriften. Reihe I, Bd. 1467), S. 90f.
16 Vgl. Reich-Ranicki, Marcel: Ungeheuer oben. Über Bertolt Brecht. Berlin 1996, S. 29; vgl. Knopf, Erinnerung, S. 82.
17 Vgl. Schuhmann, Klaus: Der Lyriker Bertolt Brecht. 1913-1933. München 1971, S. 103ff.
18 Knopf, Jan: Gelegentlich: Poesie. Ein Essay über die Lyrik Bertolt Brechts. Frankfurt/Main 1996, S. 71ff.; vgl. auch Knopf, Jan: Bertolt Brecht. Stuttgart 2000 (RUB 17619), S. 195.
19 Mennemeier, Franz Norbert: Bertolt Brechts Lyrik. Aspekte. Tendenzen. Düsseldorf 1982, S. 62.
20 Payrhuber, Franz-Josef: Bertolt Brecht. Stuttgart 1995, S. 109; vgl. Knopf, Erinnerung, S. 82.
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Arbeit zitieren:
Ines Hoepfel, 2006, Bertolt Brecht im Grundkurs Deutsch der Kollegstufe 13 eines Gymnasiums (Praktikumsbericht über eine Doppelstunde), München, GRIN Verlag GmbH
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