Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Das Grab 3
2.1 Grabmythos 4
2.2 Geschichtliche Entwicklung der Grabbauten in Ägypten. 4
3. Lage und Beschaffenheit der Fundstelle 6
4. Grabungsgeschichte. 7
5. Entdeckte Grabanlagen 8
5.1 Das frühzeitliche Grab U-503a. 8
5.1.1 Lage, Aufbau und Fundstücke. 9
5.1.2 Datierung und Fundinterpretation 10
5.2 Das Grab U-343. 10
5.2.1 Lage, Aufbau und Fundstücke. 11
5.2.2 Kurzbeschreibung einiger Keramikfunde. 12
5.2.2.1 W-Ware: Gefäß U-343 / 13 12
5.2.2.2 B-Ware: Gefäß U-343 / 9 12
5.2.2.3 R-Ware: Gefäß U-343 / 17. 13
5.2.2.4 L-Ware: Gefäß U-343 / 4 13
5.2.3 Datierung und Fundinterpretation 13
5.3 Das Königsgrab U-j 14
5.3.1 Lage und Aufbau 14
5.3.2 Fundstücke. 15
5.3.2.1 Keramikfundstücke 15
5.3.2.2 Fundstücke aus Elfenbein und Knochen. 17
5.3.2.3 Anhängetäfelchen 18
5.3.3 Datierung und Fundinterpretation 19
6. Fazit. 21
7. Literatur- und Abbildungsverzeichnis. 22
2
1. Einleitung
Schon seit Urzeiten trauern die Menschen um ihre Verstorbenen. In manchen Kulturkreisen kann diese Trauerphase mehrere Monate oder sogar Jahre andauern. Doch trotz dieser emotional äußerst belastenden Zeit stellt sich auch immer die Frage, wie mit dem Leichnam verfahren werden soll. Ganz unterschiedliche Praktiken haben sich hierbei herausgebildet. In zahlreichen Ländern der Welt werden die Körper der Verstorbenen verbrannt, während Menschen anderer Kulturkreise es als angemessen betrachten, die Leichname zu verspeisen. Dies gilt dann als Zeichen einer großen Anteilnahme am Trauerschmerz der Hinterbliebenen und als sozial angebrachtes Verhalten. 1 In zahlreichen Kulturkreisen ist es usus, den Körper des Verstorbenen in einen Sarg zu legen, um ihn anschließend in einem Loch in der Erde zu begraben.
Auch die alten Ägypter folgten dieser Tradition. Bereits aus der prähistorischen Phase ihrer Kultur lassen sich ganze Friedhöfe finden, die dies beweisen. Waren die Gräber zu Beginn noch einfache Löcher im Wüstensand, entwickelte sich diese Begräbnistradition über die Jahrtausende zu einer der faszinierendsten Totenkulte überhaupt. Großartige Prachtbauten wurden in den Fels gehauen oder im Freien errichtet, um den Körper des Herrschers nach seinem Tod aufzunehmen. Auf diese Weise entstanden die weltweit bekannten Pyramiden von Giseh, die schon Herodot zu den sieben Weltwundern der Antike zählte. 2
Doch wie genau sehen die Wurzeln dieser Begräbniskultur aus? Dies soll in dieser Hausarbeit anhand des frühzeitlichen Friedhofs von Umm el-Qaab untersucht werden.
2. Das Grab
Über nahezu ganz Ägypten finden sich Grabstätten verstreut; ständig werden neue Entdeckungen gemacht. 3 Doch welcher Hintergedanke trieb die Menschen, ihren Königen solch prächtige Grabstätten zu errichten und wie sehen diese zu den unterschiedlichen geschichtlichen Zeiten aus? Diese Frage soll im folgenden Abschnitt geklärt werden.
1 Siehe dazu auch Conklin (2001)
2 http://www.selket.de/mumie.htm
3 Beispielsweise die Entdeckung eines verschollenen Pharaonengrabes der 17. Dynastie in 2001.
Siehe dazu: http://www.archaeologie-online.de/magazin/thema/2001/05/d_1.php
3
2.1 Grabmythos
Im Alten Ägypten herrschte die Vorstellung einer Existenz im Jenseits vor. Trotzdem errichteten die Menschen ihren Verstorbenen ein Grab, das meist eine Art dauerhaftes Haus nach dem Tod darstellte. Aus diesem Grund wurde es oft den Wohnungen der Lebenden in Aufteilung und Ausstattung nachempfunden. Um die Fortexistenz aber zu sichern, wurde der Körper als Mumie in das Grab gegeben, denn nur auf diese Weise wurde er vor dem Verfall geschützt. Nur in einem kompletten und gut erhaltenen Körper war nach dem Glauben der alten Ägypter das Weiterleben nach dem Tod möglich. 4
In seinem architektonischen Ausbau diente das Grab im Neuen Reich sowohl zur Versorgung des Toten als auch als Ort des Kontaktes zu dem Verstorbenen. Ohne eine weitere Versorgung durch die Nachwelt mit lebensnotwendigen Gütern wie Nahrung und Getränken aber auch mit Zaubern würde der Verstorbene ein schreckliches Schicksal erleiden. Hieraus resultierte eine Art
Gefährdungsbewusstsein, welches die Menschen mit ihren Nachkommen Verträge über die genaue Art der späteren Versorgung nach dem Tod abschließen ließ. 5
2.2 Geschichtliche Entwicklung der Grabbauten in Ägypten
In der fünftausendjährigen Geschichte Ägyptens wurden zahllose Grabtypen erschaffen. 6 Die Wissenschaft jedoch setzte und setzt sich meist hauptsächlich mit den architektonisch auffälligen Grabstätten auseinander. Dabei ist jedoch nicht zu vergessen, dass trotz dieses wissenschaftlichen Schwerpunktes über die ganze Zeitspanne der ägyptischen Kultur der Großteil der Menschen in einfachen Gruben beigesetzt wurde, von denen nur ein kleiner aufgeschütteter Erdhügel kündete. Dennoch lassen sich heutzutage einige Grabtypen bestimmten Epochen zuweisen. 7 Die ersten Gräber in Ägypten lassen sich aus der prähistorischen Zeit nachweisen. Sie bestehen hier meist aus flachen, ovalen bis runden Gruben, in die der Körper in einer Hockerstellung eingebracht wurde. Über dem Grab wurde ein kleiner Tumulus aus Erde aufgeschüttet. Dieser Grabtyp wandelt sich im Laufe der Badari- und Naqada-Kultur zu einem meist rechteckigen Grab mit Ausschmierungen von Lehm und Auskleidungen von Ästen, Matten und Brettern. Protodynastische Gräber zeigen
4 Zur Ironie des Erhaltungsstatus der gefundenen Körper siehe auch http://www.selket.de/mumie.htm
5 Vgl. Arnold in LÄ: 826f.
Für eine graphische Darstellung einiger Grabtypen siehe 6
http://www.digitalegypt.ucl.ac.uk/burialcustoms/tombtypes/index.html
7 Vgl. Arnold in LÄ II: 827
4
in der Folgezeit bereits Dächer aus Baumstämmen und Querbalken. Außerdem sind sie bereits mit Ziegeln befestigt. Um die Zeit der Reichseinigung lassen sich zwei Grabtypen unterscheiden. Zum einen das oberägyptische Nomadengrab, das aus mehreren Kammern bestand und um welches Gräber von Dienern angeordnet waren. Das Königsgrab U-j aus Umm el-Qaab wird diesem Typus zugeordnet. Als zweites wurde das unterägyptische Wohnhausgrab aufgeführt, welches ebenfalls aus mehreren Räumen bestand und außerdem einen in Nischen gegliederten Ziegeloberbau besaß. In den folgenden Dynastien setzt sich der Gedanke eines Wohnhauscharakters des Grabes derart fort, dass die unterirdischen Wohnungen immer mehr den Häusern der Lebenden angepasst werden. Die für die dritte Dynastie auffällige Bestattung ärmerer Menschen stellt die Hockerbestattung dar, bei welcher die Körper unter umgestülpten Tonbottichen bestattet werden. In der vierten Dynastie kommen die so genannten Kalkstein-Mastabas des Gisa-Typs in Mode. Die beiden folgenden Dynastien zeigen stark individualisierte Mastaba-Typen, die möglicherweise bereits unter dem Einfluss der Felsengräber standen. Diese Mastabas weisen meist eine Pfeilereingangshalle, Vorraum, Pfeilersaal, Opfersaal und mehrere Serdabs auf. 8
Im Alten Reich werden die Mastabas durch Felsengräber verdrängt. Zu Beginn finden sich Mischformen der beiden Grabtypen, bis in der ersten Zwischenzeit und der 11. Dynastie eine andere Variante des Felsengrabes auftaucht. Hier wird wahrscheinlich anstatt eines Wohnhauses die Unterwelt nachgeahmt. Die Hochzeit des so genannten Abydosgrabes sowie für Ziegelkapellen mit Statuen, Stelen und Opfertafeln an der „Treppe des Großen Gottes“ in Abydos liegt in der 12. und 13. Dynastie.
Im Neuen Reich konzentrieren sich die meisten Felsengräber von Privatleuten in der Nekropole Thebens. Sie sind durch einen Vorhof, einen Quer- und Tiefgang und eine Statuennische gekennzeichnet und werden oftmals von einer Ziegelpyramide gekrönt. Zum Ende der 18. Dynastie lassen sich die meisten Beamten in Memphis bestatten, während in Theben die Gräber von Priestern dominieren. In nachramessidischer Zeit wurden die meisten Grabanlagen in Tempelbezirken errichtet. Hierdurch soll die Teilhabe an religiösen Zeremonien gewährleistet werden. In Theben wurden einige Grabanlagen gefunden, die aus der 25. Dynastie stammen. Diese übertreffen an Größe und Ausstattung alle zuvor angelegten Privatgräber.
8 Vgl. Arnold in LÄ II: 827ff.
5
Auch wenn die Architektur an die Bauformen früherer Zeiten erinnert, finden sich doch auch gänzlich neue gestalterische Ideen. 9
3. Lage und Beschaffenheit der Fundstelle
Die antike Stätte Abydos, die mit ägyptischem Namen Abedschu hieß, befindet sich auf dem Westufer des Nil im 8. unterägyptischen Gau, 11 Kilometer südwestlich vom heutigen el-Bayana. In geschichtlicher Zeit scheint sie mit dem Nil durch eine Art Kanal verbunden gewesen zu sein. 10
Umm el-Qaab als Nekropole von Abydos befindet sich etwa 2 Kilometer vom Fruchtland entfernt. Sie erstreckt sich südlich eines Wadis, das bei Kom es-Sultan in den Nil mündet. 11
Der so genannte Friedhof U befindet sich auf einem flachen Plateau, das vom als B-Friedhof bezeichneten Areal bis zum Heqareschu-Hügel reicht. Zahlreiche Mulden, die sich von der Landschaft abhoben, sowie verstreut umher liegende Knochen und Scherben machten den Ausgräbern die Lage der antiken Stätte deutlich. Die wesentliche Ausdehnung der Fundstelle wird mit 200 x 120m beschrieben. Die Randbereiche des so genannten U-Friedhofs befinden sich nicht mehr auf dem festeren Untergrund des Plateaus, sondern reichen bereits bis in das umgebende leicht abfallende Terrain aus verfestigtem Flugsand hinein. Zu Beginn der Grabungen war die gesamte Fläche mit einer etwa 5-10 cm betragenden Schicht aus Flugsand und dem aus älteren Grabungen entstandenen Aushub überdeckt, der zuvor entfernt werden musste. Etwa 400 Gräber werden heute dem Friedhof U zugerechnet. 12 Untersuchungen des Fundmaterials lassen darauf schließen, dass das Zentrum des Plateaus vor allem in der Naqada I-IIa zur Bestattung verwendet wurde. Eine sehr spärliche Belegung fand in der Zeit von Naqada IIb-c statt, während anschließend auch zahlreiche Gräber in den Randbezirken des Plateaus angelegt wurden. In der Naqada IIIb wurde der Friedhof dann mit weit auseinander liegenden Grabstätten nach Süden ausgedehnt. Bereits in Naqada I sind einige Gräber mit außerordentlich reicher Ausstattung zu finden, wobei dennoch davon ausgegangen wird, dass der Friedhof erst ab Naqada IId einer gesellschaftlichen Elite vorbehalten war. 13
9 Vgl. Arnold in LÄ II: 831 ff.
10 Vgl. Kemp in LÄ I: 28f.
11 Vgl. Dreyer 1998: 3
12 Vgl. Dreyer / Engel et all 1996: 13f.
13 Vgl. Dreyer 1998: 3, siehe dazu auch Dreyer 1992: 295
6
Arbeit zitieren:
Rebecca Müller, 2006, Umm el Qaab – Ein prädynastischer Königsfriedhof, München, GRIN Verlag GmbH
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