Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis................................................ 3
1 Berlin vor dem ersten Weltkrieg. 4
1.1 Zur Geschichte des Kabaretts. 4
1.1.1 Überbrettl 4
1.1.2 Schall und Rauch I 5
1.2 Revue. 6
2 Berlin nach dem ersten Weltkrieg 8
2.1 Kabarett nach dem ersten Weltkrieg 9
2.1.1 Schall und Rauch II 9
2.1.2 Rosa Valetti und ihre Kabarette 9
2.1.3 Kabarett der Komiker. 10
2.1.4 Revuette und Tingel Tangel Theater 10
3 Die Entwicklung des politischen Chanson bei
Friedrich Hollaender 12
3.1 Leben und Werk 12
3.2 Liedvergleich. 13
3.2.1 Nachtgespenst. 13
3.2.2 Die Juden sind an allem Schuld 15
4 Gattungseinordnung 16
5 Schlussbemerkung. 18
6 Anhang 20
7 Literatur. 30
3
1 Berlin vor dem ersten Weltkrieg
In den ersten 15 Jahren des 20. Jahrhunderts wurde aus Berlin eine Metropole. Künstler und Dichter kamen hier genauso zusammen wie vergnügungssüchtige Menschen aus allen Teilen des frisch gegründeten Reichs. Noch im Schatten der alten Hauptstädte Wien, Paris und London eiferte das „junge“ Berlin mit seinen knapp vier Millionen Einwohnern seinen Vorbildern nach, übernahm Altbewährtes und Modernes und schaffte seinen eigenen Stil. Von Paul Linckes Berliner Luft bis zu Hollaenders Tingel-Tangel-Theater immer auf der Suche nach Amüsement auf der einen und aktuellen sowie zeitkritischen Inhalten auf der anderen Seite. Tingeltangel kontra Politsatire.
1.1 Zur Geschichte des Kabaretts
Die Geschichte des Kabaretts nimmt ihren Anfang in Paris am Ende des 19. Jahrhunderts. In Montmartre, dem Künstlerbezirk von Paris, gründete der Maler Rodolphe Salis 1881 ein Stammlokal, in dem sich Vertreter aller Künste vereinigten: das Chat noir. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad verlangte auch Publikum Einlass und das Chat noir wurde nach einigen Rangeleien mit der Gendarmerie vor die Wahl gestellt, den Club zu schließen oder öffentlich zu machen. Montmartre wurde zum Wallfahrtsort für Brettl-Besessene. (Brettl: bayrisch = kleines Brett, im Volksmund die seit 1870 aufkommenden Amüsierlokale mit Gesangs- und Tanzdarbietungen. Heute bezeichnet der Begriff Brettl ein Kabarett in kleinem Rahmen.) 2 Spätestens mit der Weltausstellung in Paris 1900 lernten tausende Besucher die neue Bewegung des bürgerlichen Kabaretts kennen, die nun auch den Weg nach Deutschland fand, wo Ernst von Wolzogen in Berlin das erste Kabarett gründet.
1.1.1 Überbrettl
Am 18.01.1901 gründete Ernst von Wolzogen das Bunte Theater (Überbrettl). Den Begriff hatte Wolzogen selbst kreiert. Er fasste die Aussagen „Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll“ (Friedrich Nietzsche) und „Wir werden den Übermensch auf dem Brettl gebären!“ (Otto Julius Bierbaum) zusammen. Daraus schuf er das Überbrettl, quasi die Überwindung des Brettls, also des rein unterhaltenden Vergnügungsetablissements, auf ein literarisch-künstlerisches Niveau unter Beibehaltung der Form.
2 Budzinski, 1985, S.33
4
Das Programm bestand aus erotischen Chansons, Couplets, Parodien auf Dramen und Literatur der Zeit, humoristischen Rezitationen, Einaktern, Schatten- und Puppenspielen. Diesem Vorbild folgten bereits in der Anfangszeit allein in Berlin über 43 weitere Unternehmungen, die jedoch meist nicht von langem Bestand waren. Im Wilhelminischen Reich bestand keine uneingeschränkte Pressefreiheit. Auch wenn die Vorzensur abgeschafft war, so bestand doch die Praxis der Nachzensur durch Polizei und Justiz weiterhin fort, die unter Berufung auf verschiedene Artikel des Strafgesetzbuches - Verbreitung unzüchtiger Schriften, Gotteslästerung, Beleidigung oder Majestätsbeleidigung - die Verbreitung unliebsamer Werke verhindern konnte. Vor allem die öffentliche Aufführung neuer naturalistischer Theaterstücke wurde häufig wegen deren sitttenverderbenden Inhalts verboten. 3 Auf derlei Verbrechen standen hohe Geld- und Gefängnisstrafen, so dass politische Andeutungen eine große Ausnahme waren. Kabarette waren deshalb oft als geschlossene Veranstaltungen ausgegeben und es wurde auf Spendenbasis gespielt oder man hoffte auf hohe Einnahmen durch Essen- und Getränkeverkauf.
1.1.2 Schall und Rauch I
Unter Max Reinhardt, Schauspieler am Deutschen Theater, ab 1906 dessen Direktor, gründete sich bereits fünf Tage nach Wolzogens Brettl-Premiere das Kabarett Schall und Rauch. Das Ensemble bestand aus Mitarbeitern des Deutschen Theaters. Schon längere Zeit spielten sie im Privaten kleine Szenen und Parodien auf das aktuelle Programm des Theaters. Um für den zu ihrer Gruppe gehörigen und an Tbc erkrankten Dichter Christian Morgenstern Geld einzutreiben, traten sie in nun öffentlich auf. Das Programm war ein großer Erfolg, der vor allem auf die erfolgreiche Parodierung der Dramenkultur der Zeit zurückgeführt werden kann. So wurde unter anderem Schillers Don Carlos in vier verschiedenen Variationen parodiert. Was für ein kleines, in der Theaterszene erfahrenes Publikum galt, traf allerdings nicht auf die breite Masse zu. Reinhardt musste das bald nach Umzug in das ehemalige „Hotel Arnim“, Unter den Linden 44 erkennen. Die Parodien traten immer mehr hinter die Einakter zurück, die das Kleine Theater, wie es inzwischen hieß, zu einer Art Kammerbühne werden ließen. Der Ruf Reinhardts als Regisseur wuchs zusehends. Das Kabarett Schall und Rauch ging dabei jedoch unter.
3 http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/kunst/zensur/index.html zugegriffen am 13.03.2007
5
1.2 Revue
Durch die im europäischen Vergleich späte Gründung eines einheitlichen Reiches, musste Berlin gegenüber seinen Hauptstadtschwestern wie Paris und Wien in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts in Kunst und Kultur einiges aufholen. Je mehr aus Berlin eine Metropole wurde, desto mehr Vergnügungs- und Unterhaltungsstätten entstanden. Besonders rund um die Friedrichstraße pulsierte nach der Eröffnung des Berliner Zentralbahnhofs (1898) das Leben. Zu den bedeutendsten Etablissements unter den 80 Varietés der Zeit gehörte das Metropoltheater in der Behrensstraße an dem Ort, an dem sich heute die Komische Oper befindet. Richard Schultz kreierte hier mit großem Aufwand die großen Jahresrevuen, die ausschließlich auf die Ereignisse in Berlin Bezug nahmen. „In diesen Jahresrevuen fanden alle irgendwie zu szenischer Wirkung geeigneten jüngsten Begebenheiten der Politik, der Kunst, der Gerichtssäle und der Gesellschaft, vermischt mit volkstümlichen Typen, in drastischer, aber niemals verletzender Form und ohne ein Schielen nach rechts oder nach links ihre satirische oder possenhafte Verwertung. Eine wesentliche Grundlage für den Erfolg war es, dass man auf die differenzierten Geschmacksrichtungen eines vielfältigen Publikums einzugehen verstand. Für den Feinschmecker fanden sich immer Szenen literarischen Charakters, und den Durchschnitt befriedigten derb-komische, possenhafte Auftritte, melodiöse Lieder und Duette. Das Ganze aber war in den Rahmen einer bis dahin nicht gekannten Ausstattungspracht gestellt, deren Reiz noch durch das Angebot vieler schöner Frauen gewann.“ 4
Der Erfolg, den das Theater in dieser Form noch bis 1913 haben sollte und der in Deutschland konkurrenzlos blieb, fußte also auf drei Pfeilern.
Die Ausstattung: An Kosten für Kostüme, Bühnenbild und neueste Lichttechnik wurden nicht gespart.
Das Star-Ensemble: Schultz schaffte es ein qualitativ hochwertiges Ensemble zusammenzustellen und über Jahre zu binden. Dazu gehörten nicht nur Fritzi Massary und Joseph Giampietro, sondern auch sein Autor Julius Freund und seine Musiker Paul Lincke, Rolf Nelson und Victor Hollaender.
Das Programm: Man entsprach den aktuellen Wünschen des Publikums.
4 Vgl. Jansen, 1987, S.29
6
„Aktualität in unvermittelter, d.h. nicht erst intellektuell abzuleitender Form, wie sie das Metropol-Theater in den groß angelegten Revueszenen bot, stellte auf den damaligen Berliner Bühnen ein Novum dar. In keinem anderen Theater der Reichshauptstadt fand eine vergleichbar kommentierende Bespiegelung der aktuellen Berliner Situation statt.“ 5
Ende des Jahres 1913 zerbrach das gute Ensemble. Die Massary gab das Revuespiel zugunsten einer Operettenkarriere auf und kurz nacheinander starben J. Giampietro und J. Freund.
Der Kriegsbeginn 1914 machte vorerst allen Veranstaltungen ein Ende und auch als der Spielbetrieb am Ende des Jahres wieder aufgenommen wurde, war die Nachfrage nach Jahresrevuen erschöpft. Rudolf Nelson schuf im selben Jahr die erste Kabarettrevue, das Ganze nur ein wenig kleiner. Auch Otto Reutter, der beliebte Coupletsänger aus Sachsen-Anhalt mit der Berliner Schnauze, versuchte sich an der Revue- mit Programmen zum Krieg. Die Revue war also nach dem Ende der Metropol-Jahresrevuen nicht tot, sondern hatte sich als Gattung durchgesetzt.
5 Jansen, 1987, S.29
7
2 Berlin nach dem ersten Weltkrieg
Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Zensurschranken aufgehoben. Die Grenzen für politisch-satirisches Kabarett waren vorerst nicht mehr existent. Die meisten der knapp 180 Kabarette die 1922 verzeichnet waren, hatten sich allerdings dem billigen Amüsierbetrieb verschrieben. Leichte Kost wurde gewünscht und geliefert. Groß angelegte Ausstattungsrevuen „mit glanzvollen Szenenbildern, luxuriösen Kostümen, einem Großaufgebot an Mitwirkenden“ 6 und sensationellem Aufwand, buhlten um die Gunst der Zuhörer. „Nacktrevuen“ waren hoch in Mode. Erfolg hatte, wer die meisten und schönsten Frauen nebeneinander aufstellte, nackt oder in großartigen Kostümen. Berühmt wurden unter anderem James Klein, als Erfinder des Nacktballetts, Hermann Haller mit den Tiller-Girls, und Eric Charell mit seinem Ballett.
„Das >>Berliner Tageblatt<< stellte 1926 fest:’Neun Theater suchen für jeden Abend etwa 11000 Revuefreunde; das ist auch für Berlin ein Rekord und eine ernstliche Gefahr für die Schauspielbühnen.’“ 7
Literarisches Kabarett musste sich in den zwanziger Jahren immer damit auseinandersetzen, den Erwartungen des Publikums nach Unterhaltung zu entsprechen oder es musste nach kurzer Zeit aufgeben. Einige haben trotz allem versucht, neue Töne anzuschlagen und nicht nur der breiten Masse zu entsprechen.
6 Rösler, 1980, S.176
7 Rösler, 1980, S.176
8 Jansen, 1987, S.119
8
Arbeit zitieren:
Dominik Mühe, 2007, Die Geschichte des Berliner Kabaretts vor und nach dem ersten Weltkrieg - Friedrich Hollaender zwischen Amüsierbrettl und politischem Kabarett, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Motiv des Aussatzes in der deutschen Literatur unter besonderer B...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Ästhetische Kontroversen im Pa...
Hausarbeit (Hauptseminar), 40 Seiten
Anglizismen - Einfluss des Englischen auf die deutsche Muttersprache
Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Hausarbeit, 13 Seiten
Jugendstil und exotische Fremde
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Die Chansons Georg Kreislers und ihre Stellung in der Entwicklung des ...
Magisterarbeit, 150 Seiten
Linguistische Textanalyse - Drei unterschiedliche Ansätze und deren Um...
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Kinderszenen von Robert Schumann, Zyklus oder Sammlung „putziger D...
Hausarbeit, 16 Seiten
Internetkommunikation, Kommunikation zwischen Mündlichkeit und Schrift...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Das Zuschauermodell der psychoanalytischen Filmtheorie und des Neoform...
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Ausarbeitung einer neuen S...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Seminararbeit, 21 Seiten
Interaktive Verhältnis zwischen Zuschauer und filmischer Textstruktur
Filmrezeption und Kognitionspr...
Seminararbeit, 14 Seiten
Psychoanalyse und Kino. Was hat Freud gegen das Kino?
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Zwischenprüfungsarbeit, 30 Seiten
"Unter der Linden" von Walther von der Vogelweide - eine Pa...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 21 Seiten
Akustischer Einsatz mittelalterlicher Lyrik im Deutschunterricht am Be...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 42 Seiten
Musikwissenschaft: Die Geschichte des Berliner Kabaretts vor und nach dem ersten Weltkrieg - Friedrich Hollaender zwischen Amüsierbrettl und politischem Kabarett ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Dominik Mühe hat den Text Die Geschichte des Berliner Kabaretts vor und nach dem ersten Weltkrieg - Friedrich Hollaender zwischen Amüsierbrettl und politischem Kabarett veröffentlicht
Dominik Mühe hat einen neuen Text hochgeladen
Der Erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur
Barbara Korte, Sylvia Paletschek, Wolfgang Hochbruck
Fronterfahrung und Heimatalltag im Ersten Weltkrieg
unter besonderer Berücksichtig...
Clemens Krüger
0 Kommentare