Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Poetik. 5
2.1. Poetik in der Antike 5
2.1.1. Aristoteles 5
2.1.2. Platon 6
2.1.3. Horaz. 6
2.2. Poetik und Stil bei Aristoteles 6
3. Rhetorik 9
3.1. Entwicklung der antiken Rhetorik 9
3.2. Die Rhetorik über die Epoche der Antike hinaus 10
3.3. Produktionsstadien einer Rede in der antiken Rhetorik 11
3.3.1. Inventio 11
3.3.2. Dispositio 11
3.3.3. Elocutio 12
3.3.4. Memoria 12
3.3.5. Pronuntiatio / Actio. 12
3.4. Die Stilqualitäten in der antiken Rhetorik 13
3.4.1. Sprachrichtigkeit („latinitas“) 13
3.4.2. Verständlichkeit („perspicuitas“) 13
3.4.3. Angemessenheit („aptum“) 13
3.4.4. Redeschmuck („ornatus“) 14
3.5. Die Unterscheidung der Stilarten. 14
3.5.1. Genus humile bzw. genus subtile. 14
3.5.2. Genus medium 15
3.5.3. Genus grande. 15
3.6. Versuche der Differenzierung zwischen Rhetorik und Stilistik 15
2
4. Stilmittel und rhetorische Figuren 17
4.1. Klassifizierung rhetorischer Figuren 17
4.2. Einteilung in vier Änderungskategorien 18
4.2.1. Figurae per immutationem 18
4.2.2. Figurae per adiectionem. 19
4.2.3. Figurae per detractionem 19
4.2.4. Figurae per transmutationem 19
4.3. Grundlegende Zweiteilung 20
4.3.1. Wortfiguren 20
4.3.2. Gedankenfiguren 20
5. Literaturverzeichnis 21
3
1. Einleitung
„Stil“ ist eines der charakteristischen Merkmale der Literatur - und ein prägender Begriff für die Literatur. Doch, auch wenn ein Großteil der noch heute geläufigen (und manchmal auch gebräuchlichen) Stilfiguren aus der Antike stammt, so hat es die „Stilistik“ oder „Stillehre“ als eigenen Wissenschaftszweig in der Antike nicht gegeben. Ihre Wurzeln hat die „Stilistik“ trotzdem in der Antike - und zwar in den beiden Wissenschaftsdisziplinen der Rhetorik und Poetik.
Bis in das 18. Jahrhundert gilt noch die Einheit von Rhetorik und Poetik, die Stilistik gehört dabei zum Bereich der elocutio, die Seit der Antike das differenzierteste Gebiet im rhetorischen System und in den rhetorischen Lehrbüchern darstellt. 1 Die Annäherung an den Stil in der Antike kann also nur über diese beiden verwandten Disziplinen erfolgen.
1 Vgl.: Gert Ueding und Bernd Steinbrink: „Grundriß der Rhetorik. Geschichte - Technik - Methode.“ 3. überarb. und erw. Aufl.; 1994, Metzler; Seite 214
4
2. Poetik
Wenn man die Stillehre im Zusammenhang mit der Antike behandeln will, so kommt man an zwei maßgeblichen Werken nicht vorbei. Nämlich der „Poetik“ und der „Rhetorik“ von Aristoteles.
Der Terminus „Poetik“ ist aus dem Altgriechischen („poietikè“, vom Stammwort „poiein“: „machen, bilden hervorbringen“) über das Lateinische („poetice“, „ars poetica“), Italienische, Französische ins Deutsche eingegangen und bezeichnet generell die Dichtkunst im Sinne einer Theorie der Praxis. 2 Zu den zentralen Themen der Poetik gehören der Ursprung der Dichtung, deren Beziehung zu den anderen Künsten sowie ihr Verhältnis zur Lebenswirklichkeit, das System der Gattungen und deren ästhetische Gesetze, die Bestimmung unterschiedlicher Stillagen und ihre Eignung für die jeweiligen Gegenstände, die Verslehre sowie die Vorraussetzung für literarische Kritik und Hermeneutik. Bei Aristoteles selbst umfasst die Poetik neben der Dichtung noch die anderen mimetischen Künste wie Musik und Tanz; sie ist generell noch mit allgemeiner Kunstphilosophie vermischt.
2.1. Poetik in der Antike
Ihren Ausgangspunkt hat die poetische Reflexion im 4. Jahrhundert v. Chr. bei der Frage nach dem sozialen Wert der Dichtung genommen. 3
2.1.1. Aristoteles
Als erste Poetik im eigentlichen Sinn kann die um 335 v. Chr. entstandene „Poetik“ des Aristoteles („Peri poietikés“) gelten. Sie versucht alle Gattungen durch ihren speziellen gesellschaftlichen Nutzen zu legitimieren. Dichtung wird als „mimesis praxeos“ verstanden, also nicht vorrangig als kunstvolles Sprechen und Formulieren (in Versen), sondern als Nachahmung menschlichen Handelns.
Aristoteles ist mit seiner Katharsis-Theorie und der Kontrastierung von Tragödie und Epos seit der Wiederentdeckung seiner „Poetik“ im italienischen Humanismus bis ins späte 18. Jahrhundert ein zentraler Orientierungspunkt geblieben.
2 Vgl. Albert Meier: „Poetik“ in Heinz L. Arnold und Heinrich Detering (Hg.) „Grundzüge der Literaturwissenschaft“; 1996, dtv; Seite 205
3 Vgl. Albert Meier: „Poetik“ in Heinz L. Arnold und Heinrich Detering (Hg.) „Grundzüge der Literaturwissenschaft“; 1996, dtv; Seite 207
5
2.1.2. Platon
Im Gegensatz zu Aristoteles begreift Platon das Dichten als Folge einer göttlichen Inspiration, die nicht mehr der rationalen Kontrolle unterliegt und insofern primär sinnlich ist. Daraus war von ihm in seinem bekannten Werk „Politeia“ die Befürchtung abgeleitet worden, die Poesie verderbe die Charakterstärke und führe besonders bei der Jugend zu einer Verweichlichung und folglich zu einer Vernachlässigung der sozialen Pflichten. Für seinen Idealstaat schwebt ihm lediglich eine von der Obrigkeit kontrollierte Zweckpoesie zur Steigerung des Kampfesmutes vor.
2.1.3. Horaz
Die dritte antike Autorität zum Thema Poetik neben Platon und Aristoteles ist Horaz mit seiner 14 v. Chr. veröffentlichten Versepistel „De arte poetica“. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern setzt er sich primär mit der Sprachgestaltung eines poetischen Werkes auseinander - und legt damit einen Grundstein für das, was heute unter Stilistik verstanden wird. Er prägt die poetischen Ideale von Einheit („unum“), Schlichtheit („simplex“) und Angemessenheit („decorum“ bzw. „aptum“). Darüber hinaus betont er den doppelten Wirkungszweck der Poesie in Verbindung von Lehrhaftigkeit und sinnlichem Vergnügen.
2.2. Poetik und Stil bei Aristoteles
„Demzufolge enthält jede Tragödie notwendigerweise sechs Teile, die sie so oder so beschaffen sein lassen. Diese Teile sind: Mythos, Charaktere, Sprache, Erkenntnisfähigkeit, Inszenierung und Melodik. Die Mittel, mit denen nachgeahmt wird, sind zwei, die Art, wie nachgeahmt wird, ist eine; die Gegenstände, die nachgeahmt werden, sind drei; darüber hinaus gibt es nichts.“ 4
Mit den drei Gegenständen, die nachgeahmt werden, bezieht sich Aristoteles auf den Inhalt der Tragödie - hierzu zählt er den Mythos, die Charaktere und die Erkenntnisfähigkeit. Die Art der Nachahmung ist für Aristoteles die Inszenierung des Schauspiels. Und schließlich erwähnt Aristoteles noch die zwei Mittel der Nachahmung: Sprache und Melodik. Diese beiden Parameter sind es auch, die im Zusammenhang mit Stil vordergründig interessant sind. Die Sprache ist dabei für Aristoteles die Verständigung durch Worte. Die Melodik hingegen trägt über die Verständigung hinaus zur anziehenden Form der Tragödie bei. Während die Sprache zusammenfügte Wörter mit einer bestimmten Bedeutung sind, entfaltet sich die
4 Aristoteles: „Poetik“, übers. und hg. von Manfred Fuhrmann, 1999, Reclam, Seite 21
6
Arbeit zitieren:
Mag. phil Simone Krainer, 2006, Stil in der Antike, München, GRIN Verlag GmbH
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