Inhaltsverzeichnis
I. Einführung 1
I.1 Einführung in Chinas Volkswirtschaft. 1
I.2 Ziele, Aufbau und Schlüsselfragen der Studie 3
II. Kapitalmarktentwicklung in der VR China. 7
II.1 Rahmenbedingungen. 7
II.2 Effizienz des chinesischen Finanzsystems 7
II.3 Der Bankensektor 9
II.3.1 Die Struktur des chinesischen Bankensektors 9
II.3.2 Transformationsprobleme des chinesischen Bankensektors 10
II.3.2.1 Problem der notleidenden Kredite 11
II.3.3 Basler Eigenkapitalvereinbarungen und die chinesischen Banken 13
II.3.3.1 Basel I. 13
II.3.3.2 Basel II. 15
II.3.3.2.1 Modifizierter Standardansatz 16
II.3.3.2.2 Internal Ratingbased Approach. 17
II.3.4 Corporate Governance chinesischer Banken 18
II.3.4.1 Risikomanagement 18
II.3.4.1 Internes Kontrollsystem 19
II.3.4.1 Credit Scoring Modelle 19
II.3.5 Auswirkung des instabilen Bankensektor als Bedrohung für Chinas
Wirtschaft 20
II.4.1 Die Aktienmärkte. 22
II.4.1.1 Entwicklung und Größe der Aktienmärkte 22
II.4.1.2 Institutionelle und internationale Investoren 23
II.4.1.3 Marktsegmente und Börsenhandel. 24
II.4.1.4 Transformationsprobleme der Aktienmärkte 25
II.4.1.4.1 Korruption bei der Emissionsplatzierung 26
II.4.1.4.2 Staatlicher Einfluss auf das Volumen handelbarer Aktien 27
II.4.1.4.2.1 Reformierung staatlicher Einflüsse auf das Volumen handelbare
Aktien. 28
II.4.1.4.3 Anlegerschutz. 29
II.4.1.4.4 Marktvolatilität. 30
II.4.2 Die Anleihemärkte. 32
I
II.4.2.1 Entwicklung und Größe der Anleihemärkte 32
II.4.2.2 Die Struktur der chinesischen Anleihemärkte. 34
II.4.2.2.1 Der Interbankenmarkt 34
II.4.2.2.2 Der Anleihemarkt an den Börsen. 35
II.4.2.3 Transformationsprobleme des Anleihemarktes 36
II.4.2.3.1 Restriktive Emissionsverordnungen für Corporate Bonds 36
II.4.2.3.2 Regulierung der Zinssätze. 37
II.4.2.3.3 Diskriminierung des Sekundärhandels 38
II.5 Regulierungsbehörden im chinesischen Finanzsystem 39
III Einführung in das Credit Rating. 41
III.1 Definition und Funktion von Rating 41
III.1.1 Definition und Erläuterung von Credit Rating 41
III.2 Aussage des Ratings 42
III.3 Ratingqualität 43
III.4 Nachfrager von Ratings 43
III.5 Rating Prozess. 44
III.6 Ratingarten 47
III.6.1 Internes- und externes Rating 47
III.6. 2 Solicit - und Unsolicit Rating. 48
III.6.3 Debt - und Equity Ratings 48
III.6.4 Emissions- und Emittentenrating. 48
III.7 Ratingtypen 49
III.7.1 Einteilung der Ratingtypen in Dimensionen 49
III.7.2 Ratings für lang- und kurzfristige Anleihen 50
III.7.3 Ratings für Strukturierte Finanzierungen 50
III.7.3.1 Strukturierte Finanzierungen in der VR China. 51
III.7.4 Ratings für Counterparty-Risk und Vorzugsaktien. 52
III.7.4.1 Finanzderivate in der VR China 53
III.7.5 Financial-Strength-Ratings 53
III.7.6 Rating für Bankdepositen 54
III.7.7 Rating von Investmentfonds 54
III.7.8 Länderratings. 54
III.7.8.1 Sovereign Ceiling Konzept. 55
III.7.8.2 Das Länderrating der VR China 56
II
IV Ratingnutzen und Rolle der Ratingagenturen in den Finanzmärkten. 58
IV.1 Ratingnutzen für den Investor. 58
IV.2 Ratingnutzen für den Emittenten 58
IV.3 Rolle der Ratingagenturen in den globalen Finanzmärkten. 59
IV.3.1 Kritik an der Rolle der Ratingagenturen in Emerging Markets 60
IV.3.2 Schwacher Track Record globaler Ratingagenturen in Emerging Markets60
IV.3.3 Ursachen für den schwachen Track Record am Beispiel der asiatischen
W ährungskrise 1997/98 62
V. Die Rolle von Ratingagenturen in der VR China 63
V.1 Anzahl und Typen von Credit Ratingagenturen 63
V.2 Entwicklung des Ratingmarktes in der VR China 64
V.3 Nationale Ratingagenturen in der VR China. 67
V.3.1 Informationspolitik chinesischer Credit Ratingagenturen 67
V.3.2 Geschäftsbereiche der chinesischen Credit Ratingagenturen 68
V.3.3 Die fünf großen chinesischen Ratingagenturen 70
V.3.3.1 China Chengxin. 70
V.3.3.1.1 Kooperation mit internationalen Agenturen und Eigentümerstruktur70
V.3.3.1.2 Rating-Auswertung 71
V.3.3.2 Dagong Global Credit Rating 71
V.3.3.2.1 Kooperation mit internationalen Agenturen und Eigentümerstruktur72
V.3.3.2.2 Rating-Auswertung 72
V.3.3.3 Xinhua Shanghai Far East 74
V.3.3.3.1 Kooperation mit internationalen Agenturen und Eigentümerstruktur75
V.3.3.3.2 Rating-Auswertung 75
V.3.3.4 Lianhe 77
V.3.3.4.1 Kooperation mit internationalen Agenturen und Eigentümerstruktur78
V.3.3.4.2 Rating-Auswertung 78
V.3.3.5 Shanghai Brilliance. 79
V.3.3.5.1 Kooperation mit internationalen Agenturen und Eigentümerstruktur80
V.3.3.5.2 Rating Auswertung 80
V.4 Die internationalen Ratingagenturen in der VR China 81
V.4.1 Rahmenbedingungen für internationale Credit Ratingagenturen 81
V.4.2 Moody’s Investors Service 82
V.4.2.1 Das China Engagement von Moody’s Investor Relations. 83
III
V.4.2.2 Rating-Auswertung. 83
V.4.3 Standard and Poor’s 85
V.4.3.1 Das China Engagement von Standard and Poor’s. 86
V.4.3.2 Rating-Auswertung. 87
V.4.4 Fitchratings 89
V.4.4.1 Das Chinaengagement von Fitchratings 90
V.4.4.2 Rating-Auswertung. 90
VI Ratingqualität der Ratingagenturen in der VR China. 93
VI.1.1 Inflationäre Vergabe von Top-Investmentgrade Ratings 94
VI.1.1.1 Ursachen für die inflationäre Vergabe von Top-Investmentgrade- Ratings95
VI.1.2 Ratingverfahren chinesischer Credit Ratingagenturen 97
VII. Regulierung der Ratingbranche der VR Chinas 99
VII.1 Indirekte Regulierung der chinesischen Ratingbranche 100
VIII. Risiko- und Kreditkultur in der VR China. 102
VIII.1 Guanxi-System 102
VIII.2 Bilanzierungsstandards 104
VIIII Kritische Würdigung und Ausblick. 105
Literatur 111
Prim ärquellen. 111
Sekund ärquellen 113
Abbildungsverzeichnis 120
Anlagen 122
IV
I. Einführung
I.1 Einführung in Chinas Volkswirtschaft
Seit den 1980er Jahren haben die Wirtschaftsreformen Deng Xiaopings, die „Politik der offenen Tür“, Chinas Volkswirtschaft grundlegend verändert. Das schnelle und konstante Wirtschaftswachstum von jährlich durchschnittlich 9,5 % 1 ließ das Bruttonationalprodukt Chinas im Jahr 2005 auf ca. 2.000 Mrd. USD steigen, was in etwa 18% der US-Wirtschaft entsprach. Das verschaffte dem Reich der Mitte die Position der viertgrößten Volkswirtschaft der Erde 2 . Bei konstantem Wachstum wird China im Jahr 2009 die Bundesrepublik Deutschland als drittgrößte Wirtschaftsnation der Erde überholen. Mittlerweile ist China größter Handelspartner Japans und drittgrößter der USA. Damit realisiert China Mao Tse Tungs Vision vom "Großen Sprung nach vorne". Viele Experten prognostizieren, dass China sein Wirtschaftswachstum in den nächsten 20 bis 30 Jahren aufrechterhalten kann und damit die USA als größte Volkswirtschaft der Erde auf Platz zwei verdrängen wird.
Doch trotz dieser Leistungen steht die chinesische Wirtschaft vor großen Herausforderungen dieses Wirtschaftswachstum und die Preisstabilität
beizubehalten. Seit dem Jahr 2003 hat das Land zwar makroökonomische Steuerungsinstrumente eingeführt und Investitionen in überhitzte Branchen wie den Immobiliensektor und die Stahlindustrie eingefroren. Doch nach Einschätzungen von Analysten ist es wahrscheinlich, dass trotz dieser Maßnahmen die Spekulationsblase in der Immobilienbranche bald platzen könnte, was das Wirtschaftswachstum Chinas ernsthaft beeinträchtigen würde 3 .
Die Probleme der chinesischen Volkswirtschaft sind auf das schwache Wirtschafts-und Sozialsystem zurückzuführen. Fehlende Rechtssicherheit, Schwierigkeiten bei der Reformierung der staatlichen Unternehmen und ein strukturell schwaches Finanzsystem sind die Ursache, für eine große Ineffizienz bei der Allokation von Ressourcen. Insbesondere das schwache Finanzsystem beschäftigt die chinesische
1 BNP-Wachstum von durchschnittlich 9,5% in den letzten Jahren (vgl. BIS-Papers Nr. 26).
2 In Kaufkraftparitäten gerechnet ist das BNP der VR China sogar das zweitgrößte der Welt
3 Zhang, 2004, S.2
1
Regierung. Denn die Mehrzahl der chinesischen Banken tragen eine ungeheure Last an faulen Krediten in ihren Bilanzen und weisen gravierende operative Schwächen auf. Zudem ist die die chinesische Volkswirtschaft überwiegend von der Finanzierung durch Bankkredite abhängig. So liegt der Focus der Reformen auf einer Diversifizierung der volkswirtschaftlichen Finanzierung. Denn gemessen an der Größe des Landes und der Finanzierungsnachfrage der Unternehmen, sind die Anleihe- und Aktienmärkte geradezu winzig. Strukturelle Hindernisse, systematische Korruption, Rechtsunsicherheit, eine verworrene Regulierung und eine unterentwickelte Ratingbranche beeinträchtigen die Entwicklung der Kapitalmärkte 4 .
Doch vorerst geht der Wirtschaftsboom ungebremst weiter. Der Börsengang der Commercial Bank of China im Oktober 2006 war der größte in der Börsengeschichte. Investoren kauften für über 17 Mrd. USD Anteile an der chinesischen Geschäftsbank, welche von Fitchratings noch im August 2006 in einem Financial Strengt Rating als technisch insolvent eingestuft wurde. Und die New York Times veröffentlichte im November 2006 Insiderinformationen über die China Construction Bank, welche die Bank beschuldigen, im Zuge ihres Börsengangs im Oktober 2005 über 3 Milliarden USD an faulen Krediten in ihren Büchern vertuscht zu haben.
Diese Intransparenz hat System. Internationale Bilanzierungsstandards werden in China nicht eingehalten und börsengelistete Unternehmen können von Mutterfirmen geleitet werden, die nicht zur Offenlegung ihrer Bilanzen verpflichtet sind. Erschwerend für Analysten und Investoren kommt hinzu, dass die Regierung irreführende Statistiken veröffentlicht.
Unter Experten herrscht die einhellige Meinung, dass die internationalen Ratingagenturen, die eingeschränkt auf dem chinesischen Markt tätig sind, „in einem solchen Nebel operieren, dass viele Investoren den Wert ihrer Arbeit in Frage stellen“ und das Rating chinesischer Unternehmen mit einem Ratespiel vergleichen 5 . Noch problematischer, auch die chinesische Ratingbranche kämpft um ihre Glaubwürdigkeit, die aufgrund der inflationären Vergabe von AAA-Ratings massiv in Frage gestellt ist. Kritiker sprechen davon, dass “credit ratings have
4 Deutsche Bank Research, (a/2004), S.1
5 Neue Epoche, Rating oder Ratespiel, (Mai/2006). Kennedy, (2006)
2
become a kind of an ornament” 6 für den chinesischen Emittenten. Und die Ratings chinesischer Agenturen werden als irrelevant für die chinesischen Kapitalmarktakteure eingestuft 7 . So herrscht die weit verbreitete Meinung unter Experten, dass die Schwächen des chinesischen Finanzsektors in Zukunft eine ernsthafte Krise verursachen werden, es sei denn China leitet umfangreiche Reformen ein.
Abb.1: Entwicklung des chinesischen BNPs 1952-2005
Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/China. Abfrage 29.12.2006
I.2 Ziele, Aufbau und Schlüsselfragen der Studie
Ziele:
Ziel der Studie ist es, den Istzustand des chinesischen Finanzsystems im
6 Kennedy, (2006), S.11
7 The Standard, (Mrz/2006)
3
Allgemeinen und im Besonderen die Entwicklung der chinesischen Ratingbranche, sowie die Aktivitäten der internationalen Ratingagenturen in der VR China darzustellen. Aufbau der Studie:
Im zweiten Teil der Studie werden Entwicklung und strukturelle Probleme des Bankensektors, sowie der Aktien- und Anleihemärkte vorgestellt. Der dritte Teil, Einführung in das Credit Rating, und der vierte Teil, Ratingnutzen und Rolle der Ratingagenturen in den Finanzmärkten, leiten zum fünften Abschnitt über. In diesem werden die Aktivitäten der maßgeblichen nationalen und internationalen Ratingagenturen (Credit Rating Agencies, CRAs) in der VR China aufgezeigt. Der sechste, siebte und achte Teil untersucht Ratingqualität, Regulierung der Ratingbranche und Risiko- und Kreditkultur in der VR China. Im neunten Abschnitt wird eine Kritische Würdigung und ein abschließender Ausblick vollzogen.
Eingrenzung des Themas:
Die Erörterung des Grauen Kapitalmarkt Chinas, die generelle Auswirkung des WTO-Beitritts auf das chinesische Finanzsystem und die Untersuchung nationaler und internationaler Kreditinformationsbüros in China hätten den Rahmen der Studie gesprengt und wurden in der Betrachtung nicht berücksichtigt.
Schlüsselfragen:
Sind die Basler Eigenkapitalvereinbarung auf Chinas Bankensektor anwendbar? Gefährdet der Bankensektor das chinesische Finanzsystem? Welche Größe und Struktur haben die Aktien- und Anleihemärkte Chinas? Wie ist die Ratingqualität amerikanischer Ratingagenturen in Emerging Markets? Was sind die Aktivitäten der amerikanischer Ratingagenturen in China? Was sind die Aktivitäten der chinesischen Ratingagenturen in China? Wie ist die Ratingqualität chinesischer Ratingagenturen?
Sind die chinesischen Ratingagenturen in die chinesischen Kapitalmärkte integriert?
Literaturstudien:
Als Primärquellen für den Abschnitt Kapitalmarkentwicklung, wurden die englischsprachigen Webseiten der chinesischen Regulierungsbehören und teilweise auch der Banken ausgewertet. Als Sekundärquellen dienten insbesondere die
4
Studien der Deutschen Bank Research (2002-05), McKinsey (2006), Bottelier (2004), Ma (2006), Heilmann (2001-02), Pißler (2002) und Zhang (2004). Bezüglich der Fachpresse boten insbesondere der China Economic Review, die China Daily und The Hongkong Standard aktuelle Informationen über Kapitalmarkt- und Ratingentwicklung in der VR China.
Die Informationen über die chinesischen Ratingagenturen basieren auf den Studien von Gras (2004), Wassmuth (2004) und Kennedy (2006). Neue Erkenntnisse, ergänzende und aktualisierende Informationen stammen von den
Unternehmenshomepages der Agenturen und Behörden, sowie aus Umfragen bei den CRAs und einer E-Mailbefragung des China-Experten Prof. Dr. Kersten. Bei der Übersetzung der chinesischen Webseiten wurde der Autor von der Everling Rating Advisory GmbH Frankfurt unterstützt.
Umfragen:
Im Zuge der Umfrageaktion per Fax und E-Mail wurden zweimal die fünf Marktführer der chinesischen Ratingbranche und die drei in China agierenden amerikanischen Ratingagenturen mit einem Fragebogen kontaktiert (s. Anlage 8). Der Rücklauf bei den chinesischen Agenturen war gering. Wenn überhaupt geantwortet wurde, schickten die Agenturen eine Liste mit einer Anzahl von aktuellen Ratings, ohne näher auf den Inhalt des Fragebogens einzugehen.
Dank der im Internet publizierten Ratingaktivitäten und des zufrieden stellenden Umfragerücklaufs bei den amerikanischen Agenturen in China, konnte diesbezüglich eine Vollerhebung durchgeführt werden.
Insgesamt wurden 347 Emittenten (davon 229 bewertet in 2006) mit 500 Ratings (davon 65% Long-Term- und 10% Short-Term-Ratings, sowie 25% Financial Strength Ratings) durch Umfragen und Auswertung der englischen und chinesischen Webpublikationen erhoben.
5
Abb.2: Häufigkeitsverteilung der untersuchten Ratingagenturen nach bewerteten Emittenten im Jahr 2006
Quelle: Eigen Umfragen und Auswertungen Unternehmenshomepage, (Nov/2006) (Mehrfachnennungen der Emittenten sind möglich)
Nach Schätzungen von Wassmuth ließen in China bis ins Jahr 2004 1.300 Firmen Ratings durchführen. Damit entspricht der Umfragerücklauf von 187 gerateten Emittenten bei den chinesischen CRAs im Jahr 2006, einer Stichprobe von 14,4% der Grundgesamtheit.
Umfrageauswertung:
Bezüglich der Marktanteile und Ratingqualität (Track Record) der chinesischen CRAs ließen sich keine verlässlichen Rückschlüsse ziehen. Ursachen hierfür sind: relativ hoher Anteil ausländischer Ratings in der Stichprobe Marktverzerrendes Bild der Stichprobe, da die Ratinghäufigkeit der Marktführer ChengXin und Lianhe nur 8% bzw. 9% ausmachen
kaum Vergaberedundanzen der Ratings zwischen nationalen und internationalen Credit Ratingagenturen keine Angaben über Prognoseausfall der Ratings
Die Vollerhebung bei den amerikanischen Agenturen, lässt allerdings eine hinreichende Aussage bezüglich der Ratingaktivitäten der internationalen CRAs in China treffen. Und auf Basis der Stichprobe bei den chinesischen Agenturen, lässt sich auf eine tendenzielle Vergabehäufigkeit von Investment- und Non-Investmentgrade Ratings in China schließen, sowie eine Aussage bezüglich der Ratingaktivitäten in den verschiedenen Unternehmensbranchen ableiten (s. Anlage 10-16).
6
II. Kapitalmarktentwicklung in der VR China
II.1 Rahmenbedingungen
Die VR China ist trotz ihres gigantischen Wirtschaftswachstums der letzten Jahre und immenser sozioökonomischer Entwicklungsfortschritte 8 immer noch als eine emerging market economy 9 zu klassifizieren. Zudem ist die Entwicklung des chinesischen Finanzsektors durch den Transformationsprozess von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einer freien Marktwirtschaft geprägt. So ist nach Heilmann die Gründung, Liberalisierung und Regulierung der chinesischen Kapitalmärkte zu förderst politischen Zielsetzungen untergeordnet und dient insbesondere der Finanzierung von defizitären staatseigenen Unternehmen (state owned enterprises, SOE’s) 10 .
Die chinesische Währung Rimimbi (RMB) untersteht einem quasi fixen Wechselkursregime. Die Regierung spielt eine entscheidende Rolle bei der Kreditvergabe und der Verzinsung des Kapitals. Die Anleihe- und Aktienmärkte sind verhältnismäßig klein und es existieren Emissionsquotierungen für chinesische Unternehmen und Markteintrittsbarrieren für internationale Investoren. So ist trotz des WTO-Beitritts der VR China und der damit einhergehenden Liberalisierung der chinesischen Kapitalmärkte, die Folgen der zentralen Planwirtschaft noch nicht überwunden.
II.2 Effizienz des chinesischen Finanzsystems
Die Kapitalallokation des chinesischen Finanzsystems funktioniert äußerst ineffizient. Nach Angaben von McKinsey produzierten die privaten Unternehmen in China im Jahr 2003 52% des BNPs 11 , bezogen aber nur 27% aller vergebenen
8 1978 lebten noch 53% der Bevölkerung Chinas unterhalb der Armutsgrenze, d. h. nach UN-
Definition von weniger als einem USD pro Tag. 2001 lebten nur noch 8% unterhalb der
Armutsgrenze. Vgl. www.wikipedia.org/china. Abfrage 20.10.2006
9 Der Begriff wurde von dem Weltbankökonom Antoine van Agtame in den 1980er Jahren geprägt
und wird gewöhnlich zur Beschreibung von Volkswirtschaften benutzt, deren Märkte sich in einer
Übergangsphase von einem Entwicklungslandstatus (developing country) zu einer entwickelten
Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft (developed country) befinden. Die Weltbank führt China,
Indien, Indonesien, Brasilien und Russland als die fünf größten Emerging Markets der Welt. Vgl.
Chuan Li, What are Emerging Markets).
10 Heilmann, (2002), S.15
11 2005 produzierte der Privatsektor bereits 70% des chinesischen BNPs. Vgl.
http://en.wikipedia.org/wiki/China. Abfrage 29.12.2006
7
Kredite. Da der Privatsektor von der staatlich gelenkten Kreditvergabe benachteiligt wird, finanzieren sich viele Firmen über den informellen Kreditmarkt, der von McKinsey auf über 100 Mrd. USD geschätzt wird Die SOEs, die nur noch 23% des BNP erwirtschaften, erhielten dagegen 35% aller vergebenen Darlehen. Obwohl viele SOEs mittlerweile umstrukturiert wurden und hoch profitabel produzieren, ist diese Gruppe in allen Branchen nur halb so produktiv wie ihre private Konkurrenz. Diese ineffiziente und unproduktive Kapitalallokation führt zu einer hohen Zahl von uneinbringlichen Krediten (Non Performing Loans, NPLs), die zeitweise bis zu 50% aller ausgegeben Kredite in der chinesischen Volkswirtschaft ausmachten. Die Rekapitalisierungskosten belasten den Staatshausalt mit über 500 Mrd. USD.
Diese ineffiziente Kapitalallokation ist die Ursache für die schwindende Investitionseffizienz. Benötigte China Anfang der 1990er Jahre noch 3,30 USD, um 1 USD BNP zu erwirtschaften, brauchte das Land im Jahr 2001 bereits 4,90 USD für 1 USD Wachstum. Doch China nimmt diesen Missstand in Kauf, da eine schnelle Privatisierung der verbleibenden SOEs Massenentlassungen in Millionen-Höhe unvermeidbar machen würde und aufgrund eines bislang fehlenden sozialen Sicherungssystems Unruhen in der Bevölkerung befürchtet werden 12 .
Abb.3: Investitionseffizienz in der VR China
Quelle: Deutsche Bank Research, 2004
12 McKinsey, (2006), S. 9-13
8
Abb.4: Allgemeine Struktur des Finanzsystems
Quelle: McKinsey Global Institute analysis, 2006
II.3 Der Bankensektor
II.3.1 Die Struktur des chinesischen Bankensektors
Das Bankensystem war bis ins Jahr 1984 zentralisiert und bestand aus der Notenbank People’s Bank of China (PBOC), der ein regional und branchenspezifisch strukturiertes Staatsbankensystem unterstellt war. Im Zuge der Bankensektorreformen wurde ein zweistufiges Bankensystem eingeführt, in dem die PBOC nur noch die Funktionen einer Noten- und Zentralbank behielt und der chinesische Bankenmarkt nun in vier Hauptgruppen unterteilt werden kann.
Gemessen an den Bankeinlagen der Volkswirtschaft Chinas im Jahr 2004 bilden die „Großen Vier“, womit die mittlerweile teilweise privatisierten Staatsbanken gemeint sind, mit den Entwicklungsbanken 13 die größte Gruppe. Die Entwicklungsbanken entstanden im Jahr 1994, als Peking die politisch gelenkte Kreditvergabe (policy lending) von den vier Staatsbanken auf die Entwicklungsbanken (Policy Banks) übertrug. Seitdem sind die „Großen Vier“ nicht länger auf die ihnen damals
13 Die Agricultural Development Bank, Die China Development Bank und die China Export-Import
Bank.
9
zugedachten Geschäftsgebiete 14 spezialisiert, sondern müssen als kommerzielle Kreditinstitute unter den Bedingungen der Profitmaximierung und Risikominimierung am Markt agieren. Auf diese Gruppe von Banken entfielen im Jahr 2004 68% aller Einlagen.
Die Geschäftsbanken, auch Aktienbanken genannt, werden von 120 Banken gebildet, auf die etwa 18% aller Einlagen entfallen, und deren Anteilseigner neben der Regierung auch private Investoren sind.
Die Kreditkooperativen bilden die dritte Gruppe auf die ca. 11% der Bankeinlagen entfallen.
Die ausländische Banken, deren Anzahl sich nach Angaben der PBOC Mitte 2006 auf 71 Institute belief, die 214 Niederlassungen in China besaßen, hielten Ende 2005 in China nur einen Marktanteil von 2%.
Finanzinstitute des Nicht-Banken-Sektors, bilden die kleinste Gruppe im Bankensektor, die so genannten Trust and Investment Companies (TIC's), sowie Finanzierungs-, und Leasing-Gesellschaften. Auf sie entfallen ca. 1% der gesamten Einlagen 15 .
II.3.2 Transformationsprobleme des chinesischen Bankensektors
„Chinas Finanzmarkt steht auf schwachen Füßen“, titelte die FAZ im Oktober 2006 in einem Artikel vor dem Hintergrund des Börsenganges (IPO) der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), deren Emissionsvolumen in Höhe von 17,4 Mrd. Euro den Börsengang weltweit zum Größten seiner Art machte. Während der Hongkong Standard nach dem historischen Doppellisting der ICBC-Aktie in Hongkong und Shanghai einen Fondsmanager von Merrill Lynch zitierte, die mit der Credit
So war die Agricultural Bank of China (ABC) ursprünglich nur für die Finanzierung 14
der Landwirtschaft und der ländlichen Entwicklung verantwortlich. Die Bank of China (BOC), war zuständig für den Devisenhandel und die Vergabe von Handelskrediten. Die China Construction Bank (CCB) war auf die Finanzierung von Bau- und Infrastrukturprojekten spezialisiert. Und die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) finanzierte Gewerbe und Industrie in den Städten. Vgl. Deutsche Bank Research, (a/2004)
15 Deutsche Bank Research, (a/2004), S. 3-7. FAZ, (2006). Wassmuth, (2004), S.227-228
10
Suisse zu den größten internationalen Investoren gehören: „Many investors are holding the stock for a longer term because they have confidence in the bank, as it is the largest lender in the fastest growing economy“ 16 .
Der Optimismus der Anleger täuscht aber über den wahren Zustand des chinesischen Bankenwesens hinweg. Die FAZ zitierte in einem Artikel Michel Petit, Geschäftsführer von Standard and Poor’s in Tokio mit der Aussage, dass „gemessen am weltweiten Standard, Chinas Bankensystem in Hinblick auf die Qualität der Anlagen, der Unternehmensführung, des Risikomanagements, des internen Kontrollsystems, der Transparenz und der Finanzstärke hinter praktisch allen Märkten in Industrie- und Schwellenländern zurück bleibt“.
II.3.2.1 Problem der notleidenden Kredite
Durch den WTO-Beitritt Chinas im Jahr 2001, ist Peking bis zum Dezember 2006 gezwungen, weite Teile des Bankensektors für die internationale Konkurrenz zu öffnen. Daher, aber auch insbesondere wegen der Asienkrise 1997/98, welche China die potentielle Verletzlichkeit seines Finanzsystems aufzeigte, wurden in den letzten Jahren schrittweise große Anstrengungen 17 unternommen, die strukturellen Defizite des chinesischen Bankensektors, wie den Abbau der NPLs und eine geringe Eigenkapitalquote der Banken, zu verbessern.
16 The Standard, (Okt/2006)
Nach Bottelier wurden 1998 vier staatliche Auffanggesellschaften, so genannte 17
Asset Management Companies (AMCs) gegründet (Xinda, Huarong,Great Wall und Orient „to assist in the process of NPL clean up which started in 1999. Vgl. Bottelier, (2004), S. 2.
Die AMCs operieren hauptsächlich mit Debt-Equity Swaps (Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital) oder Verkäufen von Sicherheiten, da es in China keinen Markt für den Handel mit gefallenen Wertpapieren gibt. Auch die Methode der Verbriefung Not leidender Kredite findet Anwendung. Dabei werden inländische Anleihen ausgegeben, die mit notleidenden Krediten besichert sind und deren Anleihezinsen mit Rückforderungen von Schuldnern fauler Kredite gezahlt werden. Vgl. Chen, (b/2004), S. 9 ff.
11
Die hohen Kreditausfälle im Bankensektor sind das Erbe der staatlich gelenkten Kreditvergaben an unrentable SOEs, die später die Kredite nicht mehr zurück zahlen konnten. Das Problem verschärfte sich, als neue Wirtschaftsreformen zur Sanierung des SOE-Sektors eingeleitet wurden, in deren Zuge diese unrentablen Unternehmen aufgelöst oder umstrukturiert wurden. Dadurch mussten die Gläubigerbanken der betroffenen Unternehmen hohe Zahlungsausfälle in Kauf nehmen.
Nach Angaben von Ma 18 und Bottelier saniert Peking seit dem Jahr 1998 die vier großen Staatsbanken, welche 2003 noch 90% aller Kredite der SOEs trugen 19 und im Jahr 2006 53% der gesamten Bankeinlagen der VR China verzeichneten, mit großem finanziellem Aufwand.
Die Sanierungsmethoden der chinesischen Regierung bestehen insbesondere aus „massiven Finanzspritzen aus dem Topf der chinesischen Währungsreserven“ 20 , aus der Übernahme der Verbindlichkeiten durch die PBOC und durch eigens gegründete Auffanggesellschaften für Not leidende Kredite (s. Fußnote 17).
Die FAZ und Ma sprechen davon, dass die vier großen Staatsbanken im Jahr 2005 noch durchschnittlich 10,1% uneinbringliche Forderungen hatten und Peking seit dem Jahr 1998 407 Mrd. USD in diese Institute „pumpte“, was etwa 18% des BNPs im Jahr 2005 entsprach. So erhielt die ICBC im Jahr 2005 alleine 15 Mrd. USD und durfte weitere 85 Mrd. USD auf die staatlichen Auffanggesellschaften überschreiben.
Während der chinesische Staat in den letzen Jahren den Geschäftsbanken massive Hilfe zu Teil werden ließ, konzentrierte sich die PBOC und die China Banking Regulatory Commission (CBRC) nun mehr auf die Kreditkooperativen, welche im Jahr 2002 nach offiziellen Angaben noch 37% aller ausgegebenen Kredite als Not leidend führten und 91% aller Agrarkredite in China vergaben. Nach Angaben der PBOC sind im ersten Quartal 2006 nur noch 13,5% aller Kredite der Kreditkooperativen uneinbringlich. Der Rückgang dieser NPLs ist auf staatliche Finanzspritzen, darunter 425 Mrd. RMB alleine im ersten Quartal 2006, zurück zu
Ma, (2006), S. 14-16 18
19 Economist Intelligence Unit, (2003)
20 FAZ, (2006)
12
führen.
Doch unqualifiziertes Bankpersonal, fehlendes Management-Know-how und mangelhafte IT-Infrastruktur werden auch zukünftig eine effektive Kreditallokation beeinträchtigen. Ob weitere Reformschritte, wie die Übertragung der Managementverantwortung von den Kreditkooperativen auf die Provinzregierung, erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten 21 .
Die Frage nach der exakten Höhe der NPLs insgesamt muss aufgrund der Vielzahl von Quellen und der unzuverlässigen offiziellen Statistiken der VR China unbeantwortet bleiben. Die Studie vom Ma (2006) schätzt, dass das Gesamtvolumen der NPLs Ende der 1990er Jahre 40%-50% aller ausgegebenen Kredite entsprochen haben dürfte und die Restrukturierungskosten letztendlich bis auf 30% des BNPs von 2005 steigen könnten 22 . Fitch Ratings schätzt den Berg der Problemkredite auf rund 670 Mrd. USD, davon seien 220 Mrd. USD uneinbringlich. Wobei, wie die FAZ berichtete, die offizielle Pekinger Buchführung nur 150 Mrd. USD als uneinbringliche Forderungen in ihren Büchern führt und 225 Mrd. USD als zweifelhafte Kredite.
II.3.3 Basler Eigenkapitalvereinbarungen und die chinesischen Banken
II.3.3.1 Basel I
Im Jahr 2004 kündigte China an, die Eigenkapitalanforderungen für seine Banken auf Grundlage einer überarbeiteten Version der ersten Basler
Eigenkapitalverordnung (Basel I) bis Januar 2007 implementieren zu wollen, aber Basel II vorerst nicht beizutreten 23 .
Die Eigenkapitalvereinbarung aus dem Jahr 1988 koppelt das Kreditrisiko der Banken an ihr Eigenkapital 24 und fordert eine Unterlegung der Aktiva (im Wesentlichen vergebene Kredite) mit einer pauschalen Eigenkapitalquote von 8%.
21 PBOC, China Monetary Policy Report Q1 2006, S. 13-14
22 Ma, (2006), S. 8
23 The Global Implementation Of Basel II, (2005), S. 8-9
24 Das Eigenkapital (EK) wird unterschieden in Tier 1 (Aktienkapital und Rücklagen) und Tier 2 EK
(langfristige Wertpapiere usw.). Die 8% EK-Unterlegung muss mindestens mit 50% Tier 1 EK
unterlegt sein. Vgl. Brau/Gstach, (2002), S. 28
13
So werden die Forderungen der Banken entsprechend ihrer Schuldnerkategorie (Adresse) in drei Risikogewichte eingeteilt.
Abb.5: Bonitätsgewichtung und Schuldnerkategorie nach Basel I
Berechnung des erforderlichen Eigenkapitals (EK) nach Basel I
Dementsprechend strebt die PBOC und CBRC bis zum Jahr 2006 die Erhöhung der Eigenkapitalquote des Bankensektors von bisher 5% auf 8% an und erhoffen sich durch die Einführung weiterer Reformen, wie bspw. Kreditklassifizierungsmethoden, eine Stärkung der Capital Adequacy Ratio (CAR) 25 der chinesischen Kreditinstitute. Nach einem Bericht der FAZ, wurden Anfang 2006 28.000 Banken in China untersucht, von denen nur 53 Institute die Mindestreserveanforderung von 8% erfüllten.
Doch die Reformanstrengungen verzeichnen nach Angaben der
Regulierungsbehörde China Banking Regulation Commission (CBRC) erste Erfolge, denn der Anteil der NPL's im Verhältnis aller ausgegebenen Kredite konnte im Jahr 2006 auf 7,5% gesenkt werden. Dabei verzeichneten u. a. die staatlichen Banken einen NPL-Anteil von 9,5% und die privaten Geschäftsbanken einen NPL-Anteil von 3,2% 26 .
25 CAR = Vorhandenes Risikokapital / Risikokapitalbedarf x 100. Ist der Quotient < 100% besteht
Unterkapitalisierung für die Deckung des Risikokapitals. Das Risikokapital besteht aus der
Aggregation von Markt-, Kredit,-Operational- und Geschäftsrisiko. Vgl. Knippschild, (2005), S. 30
26 www.cbrc.gov.cn/english. Abfrage 17.01.2007
14
Abb.6: Volumen Fauler Kredit des chinesischen Bankensektors
Quelle: Deutsche Bank Research, 2005
II.3.3.2 Basel II
Ein Beitritt zur zweiten Basler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) 27 würde sich aufgrund des Ausmaßes der NPLs und der faktischen Insolvenz vieler chinesischer Banken als schwierig gestalten. Insbesondere die neuen
Mindestkapitalanforderungen des zweiten Konsultationspapiers würden die chinesischen Banken wegen ihrer dünnen Eigenkapitaldecke vor große Herausforderungen stellen. Denn die Eigenkapitalregeln werden bei der Beurteilung des Kreditrisikos nun stärker differenziert. Neben dem Kreditrisiko müssen zusätzlich Markt- und operationelle Risiken für die Eigenkapitalunterlegung gewichtet werden.
Zur Messung des Kreditrisikos haben die Banken die Wahl zwischen der modifizierten Form des bisherigen Standardansatzes und einem Internal Ratingbased Approach (IRB-Ansatz).
27 Das Basel II Konzept soll den Banken ermöglichen ihre Risiken individueller zu messen. Es gilt:
wer weniger Risiken eingegangen ist, muss weniger Eigenkapital hinterlegen. Die Eigenkapitalregeln
(Säule I) werden in Basel II ergänzt durch einen intensiveren bankenaufsichtlichen
Überprüfungsprozess (Säule II) und einer erweiterten Offenlegungspflicht (Säule III) zur Stärkung der
Marktdisziplin. Vgl. Braun/Gstach, (2002), S. 30
15
II.3.3.2.1 Modifizierter Standardansatz
Bei dem sogenannten Standardansatz ergibt sich das Risikogewicht aus der Bonitätsbeurteilung der Adresse, die durch eine autorisierte, externe Ratingagentur erstellt wird. Innerhalb erweiterter Schuldnerkategorien des Standardansatzes wird jede Adresse einem Bonitätsgewichtungsfaktor entsprechend ihrem Rating zugeordnet 28 .
Abb.7: Bonitätsgewichtungsfaktor nach Basel II
Quelle: Eigene Tabelle in Anlehnung an Hückman
Bei Einführung der Basel-II-Mindestkapitalanforderungen könnten die chinesischen Banken gegenüber dem prinzipiell in China etablierten Basel-I-Standard die Eigenkapitalunterlegung für Unternehmenskredite nicht senken, da für Unternehmen mit einem schlechteren Rating als BB- die Eigenkapitalunterlegung von 8% (100% von 8%) auf 12% (150% von 8%) aufzustocken wäre. Wassmuth führt an 29 , dass in den letzten Jahren ca. 1.300 chinesische Unternehmen von nationalen CRAs geratet wurden. 30% dieser Unternehmen, welche auch Kunden der Banken sind, erhielten ein Rating zwischen AAA bis A-, und auch 87 % der Ratings, welche im Rahmen der Studie erhoben wurden, lagen im Investmentbereich (s. Anlage 10-13).
28 Hückmann, (2003), S. 23-31
29 Wassmuth, (2004), S. 269
16
Aufgrund der staatlichen Garantien für die meisten Emittenten täuscht aber die hohe Anzahl der Investmentgrade-Ratings und zeigt nur ein verzerrtes Bild der wirtschaftlichen Realität chinesischer Unternehmen 30 . So äußerte Liu Tinghuan, der ehemalige Gouverneur der PBOC, das nahezu alle Kreditnehmer der Banken ein Rating unter BBB erhalten müssten und deshalb die Implementierung der Basel II Kriterien mittelfristig nicht durchführbar sei 31 .
II.3.3.2.2 Internal Ratingbased Approach
Der IRB-Ansatz erlaubt den Banken, nach aufsichtsrechtlich streng vorgegebenen Kriterien, die Verwendung eigener Ratingsysteme. Hierbei werden die Forderungen in sechs Schuldnerklassen eingeteilt und in drei Risikokomponenten unterschieden, welche den erwarteten Verlust einer Forderung (Expected Loss, EL) bestimmen. Die Ausfallswahrscheinlichkeit einer Adresse (Probability of Default, PD) schätzt das Risiko, dass der Kreditnehmer im nächsten Jahr ausfällt 32 . Fällt eine Adresse tatsächlich aus, so hängt der Verlust von der Höhe der ausstehenden Forderung ab (Exposure at Default, EAD). Die Verlustintensität (Loss given Default, LGD) prognostiziert dann den erwarteten Verlust im Zeitpunkt des Ausfalls anhand des Rangs im Insolvenzfall und den Kreditsicherheiten der Bank.
Der IRB-Ansatz zerfällt für Unternehmensforderungen in zwei Unteransätze. Zum einen in die fortgeschrittene Methode, bei der die Kreditinstitute hoch entwickelte Ratingsysteme vorweisen müssen, um die EAD- und LGD-Faktoren bestimmen zu können. Dieser Ansatz kommt i. d. R. nur für global agierende Großbanken in Frage. Zum anderen vereinfacht der Basisansatz hingegen die Bestimmung des Expected Loss, in dem die Banken nur die Ausfallswahrscheinlichkeit (PD) mit ihrem Ratingsystem bestimmen müssen 33 . Dabei wird für die ermittelte Ratingklasse eine
30 Vgl. hierzu Kapitel V.3.3.3.2. Dabei wird ersichtlich, dass die Ratingverteilung der PI-Ratings von
SFE im Gegensatz zu den Verteilungen der Solicit-Ratings die chinesischen Unternehmen deutlich
schlechtere Ratings bekommen.
31 Wassmuth, (2004), S. 268
32 Ausfallkriterien sind Zahlungsverzug größer als 90 Tage oder die Bildung von
Einzelwertberichtigungen.
33 Hierzu können verschiedene statistisch-mathematische Verfahren eingesetzt werden. Bspw.
17
auf historischen Ausfalldaten beruhende Ausfallswahrscheinlichkeit geschätzt, mit der die Risikogewichtung des Kreditnehmers errechnet wird. Die EAD- und LGD-Faktoren werden in diesem Fall von der Bankenaufsicht vorgegeben 34 .
Nach Einschätzung von Wassmuth ist der so genannte IRB-Ansatz in China vorerst nicht praktikabel. „Die technischen und datenmäßigen Voraussetzungen dürften hierfür noch nicht gegeben sein. Die Alternative, der auf externes Rating von Ratingagenturen abstellende Standardansatz, erscheint praktikabler“ 35 .
II.3.4 Corporate Governance chinesischer Banken
II.3.4.1 Risikomanagement
Ein Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich, wie das seit 1998 existierende deutsche KonTraG, gibt es in der VR China nicht 36 . Die „Großen Vier“ der chinesischen Banken verzeichneten in den letzten Jahren aber beträchtliche Fortschritte bei der Etablierung einer Corporate Governance 37 . So wurden Risikomanagement-und Reportingsysteme, sowie interne
Revisionsinstanzen eingeführt (s. Abb.:8). Denn die CBRC forciert die Etablierung von Risikomanagement bei den chinesischen Kreditinstituten. So müssen alle Banken spezielle Riskmanagementabteilungen gründen, welche getrennt vom Tagesgeschäft operieren und direkt dem Seniormanagement berichten 38 . Das eingeführte Risikomanagementsystem soll operationelle Risiken durch geteilte Verantwortung und Früherkennung verhindern. Bis zur Entscheidung über einen Kreditantrag, prüfen nicht nur die Bankniederlassungen vor Ort, sondern auch ein Due Dilligence 39 Team und ein zentrales Risiko-Überwachungskomitee die
Lineare Diskriminanzmodelle, Expertensysteme und künstliche neuronale Netze. Vgl. Munsch/ Weiß,
(2004), S. 74-78
34 Hückmann, (2003). S. 33. Knippschild, (2005), S. 18
35 Wassmuth, (2004), S. 283
36 Interview, Kersten, (2006)
37 Näheres hierzu vgl. Fußnote 70
38 www.cbrc.gov.cn/english
39 Im Rahmen einer Financial Due Dilligence (FDD) wird eine Bestandsaufnahme aller für den
geplanten Unternehmenserwerb finanzwirtschaftlichen Tatbestände u. a mit dem Substanzwert- oder
Ertragswertverfahren aufgenommen. Ein Rating unterscheidet sich von einer FDD, da hier am Ende
eine Notation steht, welche die Bonität eines Unternehmens vergleicht und nicht eine Summe die den
Wert des Unternehmens wieder spiegelt. Vgl. Brau/Gstach, (2002), S.20
18
Kreditrisiken 40 .
Abb.8: Risikomanagementprozess bei der Kreditvergabe chinesischer Banken
Quelle: Zhang
II.3.4.2 Internes Kontrollsystem
Die Entwicklung interner Revisionsinstanzen wird von den „Großen Vier“ ernst genommen. Allerdings hapert es an der Umsetzung, da das Management aufgrund der notwendigen Modernisierungsprozesse bislang der Geschäfts- und Produktentwicklung größere Prioritäten einräumten, als der Stärkung einer internen Kontrollkultur 41 . Die Bank of China (BOC) verweist aber in ihrem Halbjahresbericht 2006 auf die Umsetzung der PBOC Richtlinien für Interne Kontrollmechanismen für Commercial Banks 42 . Nach Angaben der PBOC führten auch die CCB und die ICBC im Jahr 2005 unabhängige interne Revisionsabteilungen und Compliance-Richtlinien für Management und Mitarbeiter ein 43 .
II.3.4.3 Credit Scoring Modelle
Mittlerweile etablieren Chinas Banken auch flächendeckend auf Datenbanken
40 Zhang, (2004), S. 46
41 Zhang, (2004), S. 47-49
42 BOC, Interim Report 2006, S. 46
43 PBOC, China Monetary Policy Report Q1 2006, S. 13
19
basierende analytische Risikomessungsinstrumente. Da aber die verschiedenen Kreditinstitute nicht vernetzt sind, existiert eine hohe Datenredundanz. Anstrengungen der PBOC seit November 2003, eine zentrale Kreditauskunftsdatei, das Credit Information System Bureau (Zhengxin guanli ju 7µKÚ), ähnlich der deutschen SCHUFA, aufzubauen, scheiterten bislang an fehlenden IT-Kapazitäten der Banken 44 .
Nach den Forschungsergebnissen von Zhang führten die Staatsbanken aufgrund mangelhafter IT-Infrastruktur, der geringen Dichte an historischen Daten und fehlendem Expertenwissen bisher keine fortgeschrittenen Credit Risk Modelle (s. Anlage 4) zur Messung von Portfoliorisiken ein. So sind auch umfangreiche interne Credit-Ratingsysteme subjektiver Natur. Einige Banken implementierten Ratingmodelle, mit denen quantitative und qualitative Parameter untersucht werden können. Allerdings fehlt eine historische Datenbasis, um statistische Prognosen durchführen zu können 45 . Seit Juni 2006 testet die BOC ein zweidimensionales Credit Rating Modell, welches die Ausfallwahrscheinlichkeit der Adressen auf Basis historischer Daten von Unternehmensratings und Underlaying Credit Assets (Kreditbesicherungen) berechnet. Nach Angaben der BOC konnten im ersten Halbjahr 2006 43,7% aller nationalen Kunden ein A-Rating verzeichnen, was einen Anstieg von 1,8% im Vergleich zum Jahr 2005 ausmachte 46 .
II.3.5 Auswirkung des instabilen Bankensektor als Bedrohung für Chinas Wirtschaft
Viele Beobachter halten den schwachen Bankensektor für eine tickende Zeitbombe, welche die Stabilität der chinesischen Wirtschaft bedroht. Denn der Bankensektor dominiert Chinas Finanzsystem. So werden 83% des Finanzierungsbedarfes der Unternehmen durch Bankkredite gestillt, 11% durch Staatsanleihen, 5% durch Aktien, und nur 1% durch Unternehmensanleihen 47 . Nach einer Studie von McKinsey liegt im Vergleich zu China diesbezüglich der Anteil der Bankeinlagen in den Industrienationen bei 20% und in anderen Schwellenländern bei maximal 50%.
44 Zhang, (2004), S. 48-49. Interview, Kersten, (2006)
45 Zhang, (2004), S. 50
46 BOC, Interim Report 2006, S. 43
47 Deutsche Bank Research, (2005), S. 42
20
Doch dank des hohen Wirtschaftswachstums und der hohen Devisenzuflüsse durch internationale Investoren investieren in China Staat und Unternehmen überwiegend finanziert durch Bankkredite. Sobald das Wirtschaftswachstum jedoch abflacht, könnte die Wachstumsblase platzen und die unterkapitalisierten 48 und zinsgeschäftabhängigen chinesischen Banken hätten keine ausreichenden Rücklagen, um konjunkturelle Schwächephasen eigenständig zu überstehen.
Nach Einschätzung der Deutschen Bank Research ist sich die chinesische Regierung bewusst, „dass Restrukturierungen notwendig sind, um das hohe Wachstumstempo langfristig aufrechtzuerhalten. Sie [die chinesische Regierung] hat die Probleme erkannt und versucht, mit der Bankenreform die Grundlagen für ein marktorientiertes System zu schaffen“ 49 . Und Horst Löchel, Direktor des Shanghai International Banking and Finance Institute, sagte der FAZ im Oktober 2006, „dass im Prinzip China wahrscheinlich einer der besten Orte der Welt für das Bankgeschäft ist. Nicht nur wegen der Größe des Marktes, sondern auch deshalb, weil sein gesamtes Finanzsystem von Banken getrieben ist".
Dieser Optimismus basiert auf dem ungebrochenen Wirtschaftswachstum der VR China (s. Abb.: 9) und scheint vor dem Hintergrund folgender Faktoren vorerst begründet:
eingeleitete Reformen im Finanzsektor enormes Erschließungspotential der chinesischen Absatzmärkte hohe Sparquote chinesischer Bürger anhaltender Zufluss von Direktinvestitionen quasi-fixer Wechselkurs der chinesischen Währung, hohe Devisenreserven moderate Staatsverschuldung
So erwartet der Deutsche Bank Research mittelfristig eine durch den WTO-Beitritt Chinas beschleunigte Konsolidierung und Privatisierung im chinesischen
48 Nach Angaben der Deutschen Bank Research lag 2002 die Gesamtkapitalrendite (ROA) der
Staatsbanken BOC und ICBC bei 0,15% und 0,3%. Bei den Geschäftsbanken China Merchants Bank
und Pudong Dev. Bank lag die ROA bei 1,1% und 0,8%. Vgl. DB Research (a/2004), S.3
49 Deutsche Bank Research, (2005), S. 17
21
Bankensektor 50 . Fest steht aber auch, dass durch die Öffnung des Bankensektors im Rahmen des WTO-Beitritts kurzfristig, eine Wettbewerbs bedingte Anpassung der chinesischen Kreditinstitute an westliche Standards nicht zu erwarten ist. So bestehen auch über den 31.12.2006 hinaus Beteiligungsbeschränkungen für den Aktienerwerb von Staatsbanken und es existieren weitere restriktive Auflagen, welche die Expansion ausländischer Banken in der VR China einschränken 51 . So wird auch in naher Zukunft der chinesische Staatshaushalt durch die Sanierung des Bankensektors belastet werden.
Abb.9: Hohes Wachstum und hohe Investitionsquote Chinas im internationalen Vergleich
Quelle: Deutsche Bank Research, 2005
II.4.1 Die Aktienmärkte
II.4.1.1 Entwicklung und Größe der Aktienmärkte
1990 und 1991 wurden die heutigen Börsen 52 in Schanghai (SHSE) und Shenzhen (SZSE) gegründet, um den SOEs neue Wege der Kapitalbeschaffung zu eröffnen
50 Deutsche Bank Research, China Spezial (a/2004), S. 13-19
51 DB Research, (a/2004), S. 6
52 Weitere wichtige Börsen der VR China sind die HKSE, die Warenbörsen für Agrarprodukte in
Dalian, und Zhengzhou, die Terminbörse in Shanghai und die elektronischen Handelsysteme STAQ
und NET.
22
und damit die Umstrukturierung der Unternehmen zu fördern 53 .
Die Entwicklung der chinesischen Aktienmärkte verlief rasant. Waren 1993 noch 183 Unternehmen registriert, hatte sich zwischen 1997 und 2001 die Zahl der notierten Firmen auf 1.200 erhöht 54 . Und in der Börsenhausse von 2001/02 machte der Finanzplatz Shanghai der Hongkonger Börse den zweiten Platz unter den asiatischen Börsen streitig 55 .
Nach Angaben der Börsenplätze waren im Oktober 2006 884 Unternehmen in Shanghai und 595 Unternehmen in Shenzhen gelistet, die insgesamt 109 B-Aktien emittierten. Im Jahr 2006 wurden an der SHSE und SZSE Aktien, Fonds, Regierungs- und Unternehmensanleihen, sowie Optionsscheine gehandelt . Im Dezember 2006 verzeichneten die Börsenplätze Shanghai und Shenzhen eine Marktkapitalisierung 56 der A- und B-Aktien von 686,5 Mrd. USD und 192 Mrd. USD und bilden somit - ohne Japan - den viertgrößten Börsenplatz Asiens. Nach Informationen von Sinomania könnte die Marktkapitalisierung der chinesischen Wertpapiermärkte im Jahr 2010 etwa 2.000 Mrd. USD betragen. Damit würde der chinesische Börsenplatz eine Platzierung unter den Top Ten der internationalen Wertpapierbörsen belegen - noch vor der Deutschen Börse 57 -. Diese Einschätzung wird von der Securities Regulatory Comission (CRSC) geteilt, die der VR China im Jahr 2012 bis zu 10.000 börsennotierte Unternehmen voraussagt. Zudem wird die Mobilisierung der auf 3.300 Mrd. EURO taxierten Spareinlagen chinesischer Bürger und ein sich bildender Markt für private Altersvorsorge die Kapitalmärkte mit zusätzlicher Liquidität versorgen 58 .
II.4.1.2 Institutionelle und internationale Investoren
Im Zuge des WTO-Beitritts öffnete die VR China ihre Kapitalmärkte für institutionelle Investoren aus Übersee. So hatte bspw. die SHSE Ende 2005 156 Mitglieder,
53 Börse Shanghai, Fact Book 2005, S. 2 ff.
54 Wassmuth, (2004), S. 63
55 www.sinomania.com. Abfrage 09.09.2006
56 Börse Hongkong, China Stock Markets Web (2006)
57 Die NYSE verzeichnete im April 2006 eine Marktkapitalisierung von 14.330 Mrd. USD, gefolgt von
der Tokio SE mit 4.910 Mrd. USD. An achter Stelle folgt die Deutsche Börse mit einer
Marktkapitalisierung von 1.470 Mrd. USD. Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/boerse. Abfrage
11.11.2006
58 Pißler, (2002), S. 5. FAZ, ( 2006)
23
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Diplom Betriebswirt (FH) Melchior Ballreich, 2007, Kapitalmarktentwicklung und Credit Rating in der Volksrepublik China, München, GRIN Verlag GmbH
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