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In fast allen Arbeitsfeldern der Sozialarbeit haben es die Sozialarbeiter 1 mit den verschiedensten Formen von Konflikten zu tun, die sich bei unbedachter Herangehensweise zu einer Spirale von Komplikationen ausweiten können. Um einen Konflikt konstruktiv bearbeiten zu können, muss ein Sozialarbeiter Grundprinzipien beachten, sowie sich Methoden und Wissen angeeignet haben, die es ihm möglich machen, überhaupt einen Konflikt zu erkennen und sich den Konfliktparteien dann als Hilfestellung zur Verfügung zu stellen. Ich habe die Arbeit so aufgebaut, dass ich zunächst mit der Definition von sozialen Konflikten das Problemfeld deutlicher herausheben möchte, um im Folgenden solche Umgangsformen zu beschreiben, wie sie sich gesellschaftlich eingebürgert haben. Danach fahre ich damit fort, an Beispielen einen Einblick in die Bandbreite der verschiedenen Herangehensweisen an Konflikte in Arbeitsfeldern der Sozialarbeit darzustellen und im Zuge dessen die Grundsätze und Phasen der Mediation als Beispiel für eine konstruktive Bearbeitung von Konflikten zu zeigen. Danach möchte ich die meines Erachtens nach wichtigsten methodischen Fähigkeiten eines Sozialarbeiters herausarbeiten, die für die Anwendung von Konfliktvermittlung nötig sind..
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Die landläufige Meinung über den Begriff „Konflikt“ ist mit „Streit“, oder „gewalttätige Auseinandersetzung“ fast gleichzusetzen. Diese weitgefasste Definition ist für den wissenschaftlichen Gebrauch zu ungenau und mit dem, was sich als Definition endgültig durchgesetzt hat, kaum bis gar nicht zu vereinbaren.
1 Hier - wie auch in der gesamten Arbeit - benutze ich den Begriff nur in der männlichen Form. Ich gehe davon aus, dass dieses nicht als Diskriminierung von Frauen angesehen wird, denn es geschieht lediglich aus formalen Gründen.
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Auch einige frühe wissenschaftlichen Definitionen 2 sind für den sozialpraktischen Bereich nicht brauchbar, da sie ebenfalls zu allumfassend sind und dann jeder mit jedem in einem Konflikt leben würde, „ weil es unwahrscheinlich ist, dass wir mit auch nur einem Menschen in jeder Hinsicht Einigkeit besitzen“ (Glasl 1999).
Die momentan anerkannteste Definition von sozialen Konflikten findet sich bei Glasl. Zunächst unterscheidet Glasl in LQWUDSV\FKLVFKH und LQWHUSHUVRQDOH .RQIOLNWH.
,QWUDSV\FKLVFKH.RQIOLNWH sind Konflikte, die ich mit mir selbst habe, etwa
bei dem Finden einer Entscheidung, oder wenn ich etwas tun will, was aber meinen Werten zuwider läuft.
,QWHUSHUVRQDOH.RQIOLNWH sind Konflikte, die wir mit anderen Menschen haben und nur bei dieser Konfliktform handelt es sich um VR]LDOH.RQIOLNWH.
Demnach ist ein sozialer Konflikt eine Interaktion - also eine aufeinander bezogene Kommunikation oder Handlung - zwischen zwei oder mehreren (Konflikt-) Parteien, in welcher mindestens eine Partei 8QVWLPPLJNHLWHQ
erlebt. Die Unstimmigkeiten können im Denken, im Wahrnehmen, im Vorstellen, im Fühlen und / oder im Wollen erlebt werden und es ist dabei unwichtig, ob alle Unstimmigkeiten zusammen treffen, oder ob „ nur“ in einem Feld eine Unvereinbarkeit erlebt wird.
Es ist für einen Konflikt aber existentiell wichtig, dass diese Unvereinbarkeiten durch irgendein +DQGHOQ mit der anderen Partei NRPPXQL]LHUW werden und
damit für sie real werden. Wenn zum Beispiel ein Widerspruch in der Vorstellung zwar vorhanden ist, aber es zwischen den Parteien darüber nicht zu einem Austausch kommt, ist kein Konflikt gegeben. Weiterhin ist eine Voraussetzung für einen Konflikt, dass mindestens eine Partei die Unstimmigkeiten mit der anderen Partei so erfährt, dass sie es als eine %HHLQWUlFKWLJXQJ für ihre Interessen oder ihr Sein empfindet und es als
von der anderen Partei verschuldet wahrnimmt. Selbst wenn die verursachende Partei die Interaktion nicht als Konflikt empfindet, wird die, welche sich beeinträchtigt fühlt, sich in der Kommunikation bewusst oder unbewusst so
2 Zum Beispiel von D. Berlew, 1977, die besagt, dass ein Konflikt dann gegeben ist, wenn man untereinander eine Unstimmigkeit hat. Oder R. Dahrendorf, 1961, nach dessen Definition jede Beziehung ein Konflikt ist, die von offenen oder latenten Gegensätzen gekennzeichnet ist. Aus: Glasl, 1999
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verhalten, dass sie die Beeinträchtigung beenden will und damit mit der verursachenden Partei in einen Konflikt geht.
Entscheidend ist bei Glasl für die Klassifikation eines Konfliktes eine, die Unstimmigkeit ausdrückende Handlung, bei der es sich um einfache verbale oder nonverbale Kommunikation handeln kann. Es ist ein Trugschluss anzunehmen, mit einem Konflikt muss immer ein Gewalthandeln in Verbindung stehen, vielmehr kann Gewalt auch eine Möglichkeit der Kommunikation sein, welche meist erst am Ende anderer Kommunikationen, innerhalb einer Eskalationsspirale, steht.
Interessant bei Konflikten ist die (LJHQG\QDPLN, die sich durch verschiedene
Veränderungen bei den Konfliktgegnern entwickelt. Die Veränderungen wirken sich auf die Wahrnehmungs-, Denk- und Vorstellungsfähigkeit aus, so dass es immer schwieriger wird, den anderen objektiv und nicht durch eine gefärbte Brille zu sehen. Dadurch werden Handlungen auch schärfer interpretiert, sie werden in dieser Situation zu einem weiteren Konfliktgrund, obwohl sie vielleicht an anderer Stelle gar nicht beachtet worden wären. Das Gefühlsleben verändert sich innerhalb des Konfliktes insofern, als oftmals eine Verschärfung der Fronten erlebt wird und dass für ein anfangs sympathisches Gegenüber mit der Zeit nur noch Ablehnung empfunden wird. Der Wille wird im Konflikt einseitiger, es werden keine Kompromissmöglichkeiten mehr zugelassen, sondern es wird auf der eigenen, subjektiv natürlich einzig richtigen, Lösung beharrt. Die Veränderungen beeinflussen das Verhalten des Akteurs, so dass es schärfer und aggressiver wird. Das führt wiederum zu schärferen Reaktionen und kann den Konflikt in eine regelrechte Eskalationsspirale bringen. 3 Das ist dann auch der Punkt, an dem es sinnvoller ist, sich mit einem unparteiischen (allparteiischen s.u.) Dritten zusammenzusetzen, um dem Konflikt eine konstruktive Zielrichtung zu geben.
Zu Glasls Definition hinzuzufügen ist die Unterscheidung zwischen einem „ HFKWHQ“ und einem „ XQHFKWHQ³VR]LDOHQ.RQIOLNW.
Dabei definiert sich der unechte Konflikt durch das Nichtvorhandensein bestimmter Kriterien. In einem unechten Konflikt haben die Konfliktpartner
3 vgl. Glasl, 1999, oder zusammenfassend: K. Faller: Mediation in der pädagogischen Arbeit, 1998, aus: Pillardy: Konfliktmanagement-Mediation, Arbeitsmaterialien für Trainingsseminare, 2000/01,
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keinen gemeinsamen Sinn, den es zu verfolgen gilt, oder auf dessen Basis sie zu einer gemeinsamen Lösung tendieren könnten.
Die fehlende Bereitschaft, diese gemeinsame Lösung zu finden, ist ein weiteres Kriterium, das den unechten vom echtem Konflikt unterscheidet, sowie das Fehlen gemeinsamer Werte und Tabus, die auch selbst im Konfliktfall für beide Parteien gelten und die auch wieder eine Voraussetzung für eine konstruktive Vorgehensweise bilden.
In einem echten Konflikt ist der Konfliktgegner auch der Verursacher der erlebten Beeinträchtigung. Im unechten Konflikt kommt es zu einer Aggressionsverschiebung zwischen dem Verursacher und einer anderen Person, die in eine Art Blitzableiterrolle für angestaute Frustrationen oder Aggressionen 4 gedrängt wird.
Die Unterscheidung zwischen unechtem und echtem Konflikt ist gerade für die Konfliktvermittlung wichtig, da aus einem unechten Konflikt zuerst ein echter Konflikt gemacht werden muss, um ihn konstruktiv bearbeiten zu können. Meines Erachtens lassen sich „ echte“ auch als „ konstruktive“ Konflikte und „ unechte“ auch als „ destruktive“ Konflikte bezeichnen. Interessant für die Bearbeitung von Konflikten ist das Wissen über die Mannigfaltigkeit möglicher Ursachen eines Konfliktes. In diesem Zusammenhang sei das sogenannte „ (LVEHUJPRGHOO“ 5 erwähnt, welches
besagt, dass, selbst wenn eine Konfliktursache eindeutig sein kann, es viele Ursachen geben kann, die im Hintergrund stehen und den Konflikt beeinflussen. Für eine erfolgreiche Konfliktbearbeitung ist es wichtig, diese so gut es geht mit einzubeziehen und erst unter ihrer Berücksichtigung Lösungen zu entwickeln.
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Es gibt viele verschiede Umgangsformen mit Konflikten. Zu welcher Form man greift, hängt von den bisherigen Erfahrungen mit Konflikten ab, es hängt davon ab, wie wichtig einem der Konflikt ist und was man mit dem Konflikt
4 ein Beispiel für einen unechten Konflikt wäre der prügelnde Randalierer, der in dem Opfer nicht den Verursacher seines Problems sieht, sondern es nur zum „ Abreagieren“ braucht 5 vgl. Besemer, 2000
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Arbeit zitieren:
Stefan Grote, 2002, Methodische Anforderungen an den Sozialarbeiter bei Konfliktvermittlung, München, GRIN Verlag GmbH
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