Philipps-Universität Marburg Kunstgeschichtliches Institut
SE Der Expressionismus: Bildende Kunst - Architektur - Film WS 2000 / 01
"Erich Mendelsohns Einsteinturm"
Lucy Rychlewicz / Valerie Schmidt
Inhalt
I. Einleitung 4
II. Erich Mendelsohns Biographie (1887-1953) 5
III. Die Idee und die Problematik der Bauarbeiten 8
IV. Expressionismus - ein Definitionsversuch. 10
V. Der Umbruch in der Architektur 12
VI. Architektur im Expressionismus. 13
VII. Mendelsohns Dynamik 14
VIII. Skizzen zur Sternenwarte. 17
IX. Der Einsteinturm als Stahlbetonkonstruktion oder
"Liebes Kind, nie wieder " 18
X. Der Einsteinturm als expressionistisches Bauwerk 20
XI. Die technische Konstruktion. 23
XII. Schlusswort 24
XIII. Literaturverzeichnis. 25
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Wir wandten uns im Laufe des Semesters dem Expressionismus in bildender Kunst , Architektur & Film zu. Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem großartigen, expressionistischen Bauwerk: dem Einsteinturm, Potsdam von Erich Mendelsohn, der von 1920-1924 gebaut wurde. Es handelt sich um die Ausarbeitung eines Referates, welches im Seminar vorgetragen wurde. Die Hausarbeit behandelt die Themen des Referats. Allerdings sind die Schwerpunkte der schriftlichen Ausarbeitung anders gesetzt, da das Referat von Diaprojektionen begleitet wurde. Da die Beschreibung des Grundrisses ohne Diamaterial unanschaulich ist, haben wir von diesem Thema in der Hausarbeit abgesehen. Die Hausarbeit beginnt wie auch das Referat mit der Biographie des Architekten, um den Künstler zu präsentieren und seine Vielfältigkeit und internationalen Werke vorzustellen. Die folgenden Kapitel behandeln jeweils eine verschiedene Facette von Mendelsohns Einsteinturm. Vor dem Bauwerk steht die Idee. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte des Baus. Mit dem Versuch einer Definition des Expressionismus, erklärt das zweite Kapitel die Einordnung in diese Kunstepoche. Das dritte Kapitel erläutert worin Mendelsohn den Umbruch in der Architektur sieht. Aus dem vierten Kapitel gehen die Besonderheiten der Architektur in dieser Periode hervor. Mendelsohns architektonische Vision, ausgedrückt durch die zentrale Forderung nach Dynamik geht aus dem fünften Kapitel hervor.
Die weiteren Kapitel schließen sich eng um den Bau. Betrachtet man die Skizzen zum Einsteinturm, stellt man fest, wie nah das tatsächliche Bauwerk der Vision war. Die Nähe, leider nicht die
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hundertprozentige Umsetzung der Vision geht auf die nicht ausgereifte Technik der Stahlbetonkonstruktion zurück. Letztendlich vollendet rühmt man den Bau als eines der wichtigsten expressionistischen Bauwerke seiner Zeit. Wenn auch für die Kunstgeschichte uninteressant, hat die technische Konstruktion ihre Berechtigung. Da der Bau dem Beweis der Relativitätstheorie dienen sollte und ohne diese Forderung nicht entstanden wäre.
Die Kapitel II, III, IV, VII, IX, XI stammen von Lucy Rychlewicz, die Kapitel V,VI, VIII, X von Valerie Schmidt. Die Einleitung, sowie das Schlusswort wurden gemeinsam verfasst
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Am 21.März 1887 wird Erich Mendelsohn in Allenstein/Ostpreußen als Kind mit 6 Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen geboren. Der 21. März ist gleichzeitig der Geburtstag J.S. Bachs, Frühlingsanfang und der Namenstag des Heiligen Benedikt. "Zeit seines Lebens mißt Mendelsohn dieser Koinzidenz gr0ße 1 Bedeutung bei und wertet sie als positives Omen" 1893-1907 besucht er die Grundschule und das humanistische Gymnasium in Allenstein und entwickelt schon früh Interesse für griechische Geistesgeschichte, Politik, Kunst und Musik. 1907 nach dem Abitur studiert er an der Universität München Volkswirtschaft. 1908 beginnt er sein Architekturstudium in Berlin, setzt es 1910 in München fort und schließt es 1912 mit Diplom ab.. In Königsberg lernt er 1910 seine spätere Frau Luise Maas kennen. 1911-13 entsteht sein erstes Bauwerk, eine jüdische Leichenhalle in
1 "Erich Mendelsohn, 1887-1953 Ideen, Bauten , Projekte", S.15, Kunstbibliothek, Berlin 1987
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Allenstein. 1912-14 arbeitet er als Privatarchitekt in München und verdient seinen Lebensunterhalt vor allem durch das Entwerfen von Plakaten, Bühnen & Kostümen, Schaufensterdekorationen und Möbeln. Zur gleichen Zeit arbeitet er an verschiedenen Bauprojekten und entwirft erste Skizzen für Architekturen in Stahl und Eisenbeton. 1914 unterhält er freundschaftliche Kontakte zu Künstlern der Expressionistengruppe "Der blaue Reiter" (Kandinsky, Marc, Klee) und beteiligt sich an einem Theaterprojekt, welches aber am Ausbruch des ersten Weltkriegs scheitert. Im Winter des gleichen Jahres zieht er von München nach Berlin. Durch Luise Maas macht er Bekanntschaft mit dem Astrophysiker Dr. Erwin Finlay-Freundlich, welcher ihm später den Auftrag für den Einsteinturm vermittelt.1915 heiratet er Luise Maas und wird aufgrund seiner schlechten Augen zuerst verspätet in die Wehrmacht eingezogen. 1917 wird er zuerst an die französische und dann an die russische Front versetzt. Mendelsohn nutzt zu der Zeit seine Nachtwachen zum Zeichnen, wo auch erste Skizzen zum Einsteinturm entstehen.
Aus dem Krieg zurückgekehrt, beginnt er sofort selbständig zu arbeiten, eröffnet in Berlin sein erstes Architekturbüro und wird Mitglied im "Arbeitsrat für Kunst". Im Laufe des nächsten Jahres beschäftigt er sich im besonderen mit eigenen Vorträgen über Architektur und der ersten Ausstellung seiner Architekturskizzen unter dem Titel "Architekturen in Eisen und Beton". Dazu hält er im "Arbeitsrat für Kunst" einen Vortrag über das "Problem der neuen Baukunst". 1919/20 beginnt er 2 Projekte für seinen ersten wichtigen Privatauftraggeber Gustav Herrmann: 1. Einen Gartenpavillon, 2.eine Halle für die Hutfabrik Herrmann & Co. in Luckenwalde. Zur gleichen Zeit beginnen die Bauarbeiten zum Einsteinturm, ein Observatorium und astrophysikalisches Institut in Potsdam, welches 1921 vollendet und 1924 in Betrieb genommen wird. In der Zeit verliert er sein linkes
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Auge durch Krebs.1921-23 beschäftigt er sich hauptsächlich mit Projekten in Berlin und nimmt an zahlreichen Wettbewerben teil. 1923 beginnt er seine zahlreichen Reisen nach Palästina, USA, UdSSR, macht viele interessante Bekanntschaften und erbaut zahlreiche Bauwerke in der ganzen Welt., jedoch auch nach wie vor bevorzugt in Berlin. Viele dieser Bauwerke werden durch den 2. Weltkrieg zerstört. Ein großer Teil seiner Ideen bleibt allerdings nur in Skizzen bestehen. Nach 2-jährigem Aufenthalt in Berlin, reist er 1930 nach Korsika, Griechenland und England und wird dort Ehrenmitglied des "Art-Clubs". 1932 setzt er seine Reiseroute nach Paris und an die Côte d'azur im Rahmen der "Académie Européenne Méditeranée" fort. 1933 eröffnet er mit dem russisch-englischen Architekten Serge Chrmayeff ein Architekturbüro in London. 1935 kommt in Jerusalem ein weiteres dazu. Bis 1938 konzentriert er sich hauptsächlich auf Aufträge für Privathäuser, widmet sich jedoch auch größeren Bauprojekten in England und Palästina ( Synagogen). Mendelsohn wird englischer Staatsbürger, siedelt jedoch kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges nach Jerusalem über. 1941 wird sein Büro in Jerusalem geschlossen. Daraufhin beginnt er eine 3-monatige Studienreise im Osten der USA in einer Gruppe bedeutender deutscher und amerikanischer Architekten. Nach seiner Rückkehr 1941 arbeitet Mendelsohn im Büro des New Yorker Architekten Ely Jacques Kahn und präsentiert im Dezember des gleichen Jahres seine erste Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art .Um 1945, aufgrund der Depression nach Amerikas Kriegseintritt, bleibt Mendelsohn vom Baugeschehen ausgeschlossen und nutzt die Zeit für neue Entwürfe, Gastvorlesungen, und widmet sich seinem langfristig geplanten Buch über neue Architekturtheorien, welche ihm durch ein 2-jähriges Stipendium der John Simon Guggenheim Memorial Foundation ermöglicht wurde. 1945 zieht er nach San Francisco, wo
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Arbeit zitieren:
Valerie Schmidt, Lucy Rychlewicz, 2001, Mendelsohns Einsteinturm, München, GRIN Verlag GmbH
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