Gliederung
Gliederung 2
A) Antiziganismus und die „Zigeunerfrage“ 3
B) Die Lösung der „Zigeunerfrage“ in Ungarn 4
1) Die Nachkriegsjahre in Ungarn (1945-1957) 4
1.1. Die Manipulation und die Verschlechterung der Lage der „Zigeuner“
nach 1945 4
1.2. Die Gründung des „Kulturverbands der Zigeuner Ungarns“ 5
2) Der Lösungsversuch der „Zigeunerfrage“ von 1957-1989 in Ungarn. 7
2.1. Die Eingliederungsversuche der „Zigeuner“ ins ungarische
Proletariat und der Kampf gegen die Diskriminierung 7
2.2. Die sozialistische Theorie von Arbeit 11
2.3. Die Unvereinbarkeit der sozialistischen Theorie mit der Ideologie
der „Zigeuner“ 12
)C Vergleich zwischen Antiziganismus und Antisemitismus. 16
Literaturverzeichnis. 18
2
A) Antiziganismus und die „Zigeunerfrage“
Die „Zigeuner“ in Ost- und Südwesteuropa hatten, wie auch in anderen Ländern, keine einfache Stellung in ihrem jeweiligen Aufenthaltsland. Grund hierfür war ihre nicht angepasste Lebensweise an ihre Umgebung, wie auch die dadurch hervorgerufene Abwehrhaltung des jeweiligen Landes und der Bevölkerung, was bis zur Verfolgung der „Zigeuner“ hin reichte.
Die „Zigeunerfrage“ wird ursprünglich als eine Rassenfrage verstanden, in Ungarn war diese allerdings nicht so radikal wie beispielsweise während des Nationalsozialismus in Deutschland.
Die Lebensweise der „Zigeuner“ ergab sich, nach der Kommunistischen Partei in Ungarn, aus deren historischen Situation, die erst in der feudalen und anschließend in der kapitalistischen Gesellschaft vorzufinden war. Die nützlichen Funktionen, die die „Zigeuner“ nach den Angaben der Kommunisten in der Vergangenheit hatten, waren unter kapitalistischen Umständen nicht mehr vorhanden und da ihre Fähigkeiten überflüssig wurden, war der Alltag der „Zigeuner“ von Betteln, Hausieren und Faulheit geprägt. Dies schaffte die große Kluft zwischen „Zigeunern“ und „Nicht-Zigeunern“, was zu einer tiefen gegenseitigen Abneigung und zu Misstrauen führte. 1
Im Folgenden werde ich zuerst auf die Nachkriegsjahre im kommunistischen Ungarn eingehen, bevor ich die ungarische „Zigeunerpolitik“ bis 1989 beschreibe, die sowohl die Eingliederungsversuche als auch den Kampf gegen die Diskriminierung der „Zigeuner“ beinhaltet. Anschließend erläutere ich die zwei verschieden Blickwinkel auf die „Zigeunerproblematik“: die Sicht der ungarischen Regierung mit der sozialistischen Arbeitstheorie und die Politik aus der Sicht der „Zigeuner“ in Ungarn. Zuletzt gehe ich noch auf den Antiziganismus im Allgemeinen ein und setze ihn dem ähnlich aufgebauten Antisemitismus gegenüber.
1 Stewart, Michael: Die Roma und der ungarische Kommunismus 1945-1989. Eine Fallstudie. In: Matras,
Y.; Winterberg, H.; Zimmermann, M. (Hg.).: Sinti, Roma, Gypsies. Sprache-Geschichte-Gegenwart.
Metropol Verlag. Berlin, 2003. S. 210
3
B) Die Lösung der „Zigeunerfrage“ in Ungarn
Das kommunistische Regime, das nach dem Zweiten Weltkrieg an die Macht kam, fasste die „Zigeunerfrage“ als Problem einer gesellschaftlichen Schicht bzw. einer Lebensweise auf. Es wurden somit viele Maßnahmen getroffen, die die Lage der Roma in Ungarn in direkter oder indirekter Weise zu verbessern sollte.
1) Die Nachkriegsjahre in Ungarn (1945-1957)
Die Debatten über „Zigeunerpolitik“ der ungarischen Arbeiterpartei waren in den Wirrungen der Nachkriegsjahre sehr theoretisch und fanden in Wahlaufrufen oder anderen Manifesten der kommunistischen Partei keine Erwähnung.
1.1. Die Manipulation und die Verschlechterung der Lage der „Zigeuner“ nach 1945
Von allen Parteien, die nach 1945 um die Stimmen der untersten Schichten der ungarischen Gesellschaften warben, sah die Kommunistische Partei die Roma wenigstens als eine ethnische Gruppe mit spezifischen Interessen an. Zusätzlich ist zu erkennen, dass sich die Roma in den Parlamentswahlen der Nachkriegsjahre mehrheitlich hinter die kommunistische Partei stellten, da diese angeblich am härtesten für die Überwindung der sozialen Ungerechtigkeit und Diskriminierung der Roma eintrat. Auch das Argument, dass die Rote Armee während der NS-Zeit die „Zigeuner“ aus den Konzentrationslagern befreite und ein Gesetz in Ungarn erlies, das die Trennung in Rassen verbot, brachte der Kommunistischen Partei in Ungarn die Zustimmung der „Zigeuner“.
4
Das diese Art Interesse an den „Zigeunern“ eine Manipulation der ungarischen Arbeiterpartei war, um die Roma in die sozialistische Ideologie zu integrieren, wurde schnell deutlich. 2
In den Jahren von 1945-1948 während der Demokratisierung verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Roma in Ungarn drastisch, da durch die Aufteilung des Großgrundbesitzes eine bedeutende Arbeitsmöglichkeit für sie verloren ging. Die Roma wurden größtenteils nicht an der Bodenreform beteiligt, obwohl die Landwirtschaft vorher ein wichtiger Bestandteil ihres Einkommens war. So stieg in der erzwungenen Industrialisierung der Nachkriegsjahre in Ungarn zwar der Anteil der Beschäftigten, die Roma wurden allerdings meist nur als Hilfskräfte für niedere Arbeiten eingesetzt.
1.2. Die Gründung des „Kulturverbands der Zigeuner Ungarns“
Im Jahre 1957 organisierte sich nach dem Vorbild anderer Minderheitenverbände der Kulturverband der Zigeuner Ungarns „Magyarorszagi Ciganyok Kulturalis Szövetsege“, dessen allgemeinen Ziele u.a. die Schaffung von Arbeitsplätzen, bessere Schulbildung und eine allgemeine Verbesserung der Lebensweise war. Der Verband versuchte den Minderheitenstatus anerkennen zu lassen, was allerdings vom Staat als Machtpolitik verstanden wurde und sich der Verband somit immer mehr auf individuelle Interessenvertretung beschränkte. 3 Der Kulturverband sollte somit die Probleme der „Zigeuner“ selbst lösen, allerdings sollten die Staatsorgane ihnen unterstützend zur Seite stehen.
Die Gründung dieses Kulturverbandes war jedoch nicht einfach: Um als Roma öffentlich die Stimme erheben zu können, mussten sie erst darlegen, warum sie als „Zigeuner“ die Unterstützung der Partei in dieser Sache verdient hätten. Nur wenn sie hier einwandfrei überzeugen konnten, durften sie auf eine verfassungsmäßig legale
2 Stewart, Michael: Die Roma und der ungarische Kommunismus 1945-1989. Eine Fallstudie. In: Matras,
Y.; Winterberg, H.; Zimmermann, M. (Hg.).: Sinti, Roma, Gypsies. Sprache-Geschichte-Gegenwart.
Metropol Verlag. Berlin, 2003. S. 193-195
3 www.kum.hu; Außenministerium Budapest, 2004: Zigeuner/Roma in Ungarn. S. 3
5
Arbeit zitieren:
Katharina Bindl, 2007, Die Lösung der Zigeunerfrage in Ungarn während des Kommunismus, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Geschichte und Gegenwart der Zigeuner in Deutschland und in Ungarn
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
Das Konzept und seine Konseque...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Studienarbeit, 30 Seiten
Frauen in Führungspositionen - eine Minderheit
Erfolgsbarrieren und Maßnahmen...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 24 Seiten
Und wieder Euthanasie in Deutschland…?
Aktive Sterbehilfe vs. Palliat...
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 22 Seiten
Ursachenfeld Familie im Kontext der Entstehung und Aufrechterhaltung v...
Untersuchung am Beispiel eines...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 162 Seiten
Frauen in Führungspositionen - Theorien, Forschungsbefunde und Perspek...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Bachelorarbeit, 46 Seiten
Wirkung von Musik - Eine Bestandsaufnahme bisher vorliegender wissensc...
Studienarbeit, 46 Seiten
Mentoring als Strategie von Gender Mainstreaming unter dem Blickwinkel...
Frauenstudien / Gender-Forschung
Magisterarbeit, 180 Seiten
Interkulturelle Beratung - Personenzentrierte Beratung
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 23 Seiten
Gewalt und Aggressionen im Bereich der Schulsozialarbeit
Sozialarbeiterische Handlungsm...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 64 Seiten
Zwischen Inklusion und Exklusion - Aufgaben und Funktion Sozialer Arbe...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Systemische Konzepte und interkulturelle Beratung - Interkulturelle Be...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 132 Seiten
Chancen und Grenzen von Schulsozialarbeit im Bereich Mobbing
Theoretische, konzeptionelle u...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 158 Seiten
Bildungsungleichheit aufgrund der sozialen Herkunft
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Seminararbeit, 18 Seiten
Katharina Bindl hat den Text Die Lösung der Zigeunerfrage in Ungarn während des Kommunismus veröffentlicht
Katharina Bindl hat einen neuen Text hochgeladen
Die Integration Ungarns in den europäischen Wirtschaftsraum
Eine Analyse der außenwirtscha...
Peter Matthias Trick
Politische Geschichte Ungarns 1985-2002
Von der liberalisierten Einpar...
Andreas Schmidt-Schweizer
Wirtschaftsdeutsch in Ungarn: Position, Bedarf und Perspektiven
Die Vermittlung von Wirtschaft...
Viktoria Ilse
Die "Volksdeutschen" in Polen, Frankreich, Ungarn und der Tschechoslow...
Mythos und Realität
Jerzy Kochanowski, Maike Sach
Das Schwarzbuch des Kommunismus
Unterdrückung, Verbrechen und ...
Stephane Courtois, Nicolas Werth, Jean-Louis Panne, Irmela Arnsperger, Bertold Galli, Enrico Heinemann
0 Kommentare