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FS Deutsch 5.9.2000
Referent: Albrecht Trübenbacher
Thema: Planung einer Unterrichtsreihe zu „Jud Süß“ für eine Oberstufenklasse in
Vorbereitung eines Besuchs des Harlan-Films „Jud Süß“ im Haus der Wannsee-Konferenz INHALT:
Begriffsklärung...................................................................................... Antjüdische Regeln des kanonischen Rechts......................................... Juden im MA.......................................................................................... Juden in der Neuzeit............................................................................... Historischer Hintergrund zur Person von Süß....................................... Zum Begriff des „Hoffaktors“............................................................... Zur Kabbala............................................................................................ Wilhelm Hauff und ‚Jud Süß‘................................................................ Jud Süß (erschienen 1827).................................................................
Inhalt der Novelle............................................................................... Juden im 19.Jh. in Berlin und den Staaten des Deutschen Bundes........ Lion Feuchtwanger und ‚Jud Süß‘......................................................... Jud Süß (erschienen 1925)................................................................. Inhalt des Romans.............................................................................. Juden um 1920....................................................................................... Sachanalyse............................................................................................ Sprachliche Merkmale bei Feuchtwanger.............................................. Feuchtwanger über ‚Jud Süß‘................................................................. Anmerkungen zur Verfilmung durch Harlan......................................... Zur Zielsetzung des Filmes.................................................................... Auswirkungen des Filmes...................................................................... Harlan 1948 vor seinem Prozess an den Rabbiner Dr. Prinz................. Ideen zu einer Unterrichtsreihe.............................................................. Ziel der Reihe..................................................................................... Methoden............................................................................................
Materialien (bisher vorbereitete Folien/ Texte).................................
Verwendete Literatur............................................................................. Weitere Literaturhinweise...................................................................... BEGRIFFSKLÄRUNG:
- Antijudaismus = gegen das Judentum als Religion gerichtetes Denken Taufe ermöglicht gesellschaftliche Anerkennung
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- Antisemitismus = gegen das Judentum als „ Rasse“ gerichtetes Denken ungenau, weil Semiten auch Araber umfasst
ANTJÜDISCHE REGELN DES KANONISCHEN RECHTS:
geprägt durch Auffassung der Kirche, Juden seien verstockt, weil sie sich nicht missionieren ließen
Zerstreuung der Juden in alle Welt Gottesstrafe für Jesu Kreuzigung Tötung der Juden nicht erlaubt
ab 11. Jh. Verhärtung: soziale/ rechtl. Lage der Juden sollte verschlechtert werden Kreuzzüge als Feldzug gegen „ alle Feinde Christi“ führt zur Vernichtung der jüd. Gemeinden am Rhein und anderswo
306 Verbot von Ehe und geschlechtlichem Verkehr zwischen Juden und Christen Verbot des gemeinsamen Essens 535 Verbot für Juden, öffentliche Ämter zu bekleiden 538 Verbot für Juden, christliche Knechte, Mägde, Sklaven zu halten dürfen sich während Karwoche nicht öffentlich zeigen 692 Christen dürfen keine jüd. Ärzte konsultieren 1050 Verbot für Christen, bei Juden zu wohnen 1078 Juden müssen wie Christen den Kirchenzehnt entrichten 1179 Juden dürfen Christen nicht anklagen, auch nicht gegen sie zeugen Juden dürfen zum Christentum konvertierte Juden nicht enterben 1215 4. Laterankonzil: Juden müssen ein Kennzeichen tragen Verbot von „ Wucherzinsen“ , ohne Begriff zu präzisieren führt zur Abdrängung der Juden in Geldhandel; Zugang zu Zünften/ Gilden verwehrt, weil diese auf christl. Rechts- u. Verhaltensformen basierten 1222 Verbot des Synagogenbaus 1267 Juden dürfen nur in eigenen Vierteln wohnen Verbot der Teilnahme an jüd. Festen für Christen Juden dürfen mit einfachen Leuten nicht über kathol. Glauben disputieren 1279 Verbot des Bodenverkaufs an Juden durch Christen 1434 Juden dürfen keinen akademischen Grad erwerben Juden zur Teilnahme an Zwangspredigten verpflichtet
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JUDEN IM MA:
- im 9. und 10.Jh. völlig gleichberechtigt
- 1090 gewährt Heinrich IV. jüd. Gemeinden in Worms und Speyer alle Rechte, die sie für ihre Händlerberufe benötigen (Befreiung von best. Abgaben/ Zöllen, eigene Gerichtsbarkeit, dürfen christl. Personal beschäftigen <-> Kirche)
- Schutzversprechen nach den Pogromen von 1096 erneuert im Mainzer Landfrieden jedoch: Juden durften keine Waffen tragen = Personen minderen Rechts Schutzversprechen zudem folgenlos, führt jedoch zu einer Judensteuer => neben kirchenrechtlicher auch politische Entrechtung 1235 Erscheinen der Ritualmordlüge (Fulda: Ermordung von 32 Juden) 1236 Friedrich II. / Innozenz IV. erklären Unwahrheit der Ritualmordlüge => Beruhigung der Lage
1250 Ende der Stauferzeit, eine für die Juden günstige Epoche
1298 Lüge über rituelle Hostienschändungen
Pogrome in Franken und Bayern, 5 000 Tote
um 1350 Pogrome, Zerstörung von 100 jüd. Gemeinden aus finanziellen Interessen begründet mit Mär von Juden als Brunnenvergifter und Verbreiter der Pest Bild des „ teuflischen Judentums“ von Bettelorden verbreitet Folgen: Vertreibung der Juden aus meisten Städten oder Bezahlung von teuren
im 15.Jh. Könige erlangen wieder Verfügung über Judensteuer
=> verbesserter Schutz (Übergriffe führen zu Maßnahmen der Zentralgewalt)
JUDEN IN DER NEUZEIT:
1509 Kaiser Maximilian I. verfügt, alle jüdischen religiösen Schriften außer Thora und Bücher der Propheten einzuziehen in der Folge Streit um Status der Juden:
Reuchlin und Hutten erklären: Juden seien keine Ketzer, da sie niemals Bestandteil der
Kirche gewesen seien; Talmud sei nicht christenfeindlich (-> 'XQNHOPlQQHUEULHIH)
1521 Luther erklärt, Juden seien zu bekehren; bei Weigerung seien sie in Frieden zu lassen Scheitern seiner Judenmission führt zu Antisemitismus
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1548 Paul II. ordnet Einziehung jüd. Schriften an
1614 Fettmilch- Pogrom in Frankfurt, der bedeutendsten jüd. Gemeinde der Zeit In Folge dessen: dauerhaftes Bleiberecht für Juden, allerdings limitiert auf 500 Haushaltungen, Beschränkung der Zuwanderung auf 6 Paare/ Jahr; 12 Hochzeiten/ Jahr 1776 Chr. W. Dohms (Theologe und Jurist) kritisiert die Diskriminierung der Juden als der Aufklärung unwürdig und fordert die Gleichstellung, allerdings sei zuvor eine „ bürgerliche Verbesserung“ der Juden zu erreichen
1793 Fichte wendet sich gegen die Emanzipation (Reaktion auf Gleichstellung in Frankreich 1791)
zu Beginn des 19.Jh. Anfänge der Rassenlehre; Ausgrenzung der Juden als „ Nicht-Deutsche“
HISTOR. HINTERGRUND ZUR PERSON VON SÜß:
viele Angaben zu Süß offenbar nicht eindeutig belegt 1498 Verbot des Aufenthaltes für Juden in Württemberg 1514 Tübinger Vertrag, der Landständen umfassende Rechte garantiert 1692 Josef Süß Oppenheimer als (Halb-?) Jude in Heidelberg geboren (Vater der christlich-adelige Feldmarschall Heydersdorf?, über Judentum entscheidet Herkunft der Mutter)
1717-1735 Wechselgeschäfte/ Warenhandel in Frankfurt und Mannheim 1732 Finanzberater des Prinzen Karl Alexander von Württemberg 1733 Alexander wird Herzog; ernennt Süß zu seinem Hoffaktor und finanziellen Berater
Süß:
- als dandyhaft und arrogant charakterisiert, verachtet hochmütig alteingesessene Familien
- saniert Wirtschaft des bankrotten Landes
- wird am meisten angefeindet wg. einer 5%-Steuer auf Beamtengehälter
- Einführung eines staatlichen Leder-, Salz-, Tabak- und Weinmonopols
- gründet ferner Tabak-, Seiden- und Porzellanmanufaktur sowie erste Bank Württembergs
- überträgt ertragreiche Pachtmonopole auch gegen Bestechung befreundeten Glaubensgenossen => Hass christl. Bürger
- bereichert sich außerordentlich, teils durch skrupellose Manipulationen
- dabei versinken 25-50% der Bevölkerung in Armut
- übernimmt jedoch nie ein offizielles Amt
- Hass erweckt, dass Süß am Hofleben teilnimmt und sich nicht wie andere Hoffaktoren im
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Hintergrund hält
protestantisches Land fühlt sich von katholischem Herrscher bedroht Widerstand konzentriert sich im Landstand (= Parlament) 1737 Dekret, das Süß von der Verantwortung für alle vergangenen und zukünftigen Handlungen freispricht
12.3.1737 Tod Alexanders durch einen Schlaganfall Süß wird durch Major von Röder auf der Flucht verhaftet ohne Schuldbeweis angeklagt u.a. wg. Betrugs
13.12.1737 Todesurteil gegen Jud Süß: Für keinen der zehn Anklagepunkte fanden sich Beweise.
4.2.1738 hingerichtet entgegen Gutachten eines der bedeutendsten Juristen, des Tübingers Johann Heinrich Harpprecht.
Exekution als Schauspiel geplant: Höhepunkt sollte erwartete Taufe des Süß' sein, um sich vor Hinrichtung zu retten; dieser jedoch weigert sich und stirbt unter Ausruf des jüd. Glaubensbekenntnisses
Nach seinem Tod setzt eine Flut von Veröffentlichungen ein (Flugblätter, Broschüren, dramat. Bearbeitungen), die seine Figur schauerlich mystifizieren. Texte bestimmt von Antijudaismus, Sexual- und Sozialneid
ZUM BEGRIFF DES „ HOFFAKTORS“ :
- jüd. Finanziers, Teil des Hofbeamtentums
- erhielten Privilegien, die aber auf Territorium des jeweiligen Landesherrn beschränkt blieben, anderswo galten sie als „ normale“ Juden
- Privilegien: i.d.R. Befreiung von Zöllen, Steuern, Judenabgaben
- beliebt wg. ihrer unbedingten Loyalität, Unabhängigkeit von partikularen Interessen der Stände/ Städte/ Zünfte/ Kirche
- zeichnen sich durch finanzielle Macht und internationale Verbindungen aus => Unabhängigkeit der Fürsten von ständischen Geldern
ZUR KABBALA:
Kabbala = Aufnahme, das Empfangene; Name für ein System jüd. Theosophie 1 galt als geheime mdl. Überlieferung, ausgehend von Adam über Patriarchen/ Propheten bis in die Neuzeit
1 religiös-weltanschauliche Richtung, die in meditativer Berührung mit Gott den Weltbau und den Sinn des
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Inhalt der Lehre:
- Gott ist grenzenlos, steht über und außerhalb des Alls, sogar über Sein und Denken
- Gott ist „ En Sof“ , ohne Ende, für den Intellekt unfassbar
- um seine Existenz erkennbar zu machen, muss dieses En Sof sich kreativ-aktiv zeigen
- dies geschieht durch das Medium der zehn Sephirot (Zählungen, Sphären), Stufen der göttl. Emanation 2 , aus denen die Welt geschaffen ist:
1. Krone 2. Weisheit 3. Verstehen, Intelligenz 4. Gnade (Liebe, die Gnade der Liebe)
5. Stärke, Gerechtigkeit 6. Schönheit, aktives Mitleid 7. Beständigkeit 8. Majestät
9. Fundament (der Welt) 10. Königtum
„ Als [...] der Verborgene aller Verborgenen eine Form annahm, erschuf Er alles in männlicher und weiblicher Form, da Dinge in keiner anderen Form eine Fortsetzung finden konnten.
Daher strahlte :HLVKHLW, die zweite Sephira, [...] in männlich und weiblich aus, denn Weisheit weitete sich aus, und 9HUVWHKHQ (Intelligenz), die dritte Sephira, ging aus ihr hervor, und so wurde männlich und weiblich erlangt, nämlich :HLVKHLW, der Vater, und 9HUVWHKHQ, die Mutter.“
Aus deren Vereinigung rühren durch Ausstrahlung die weiteren Sephirot-Paare her. Da die beiden Sephirot Ausstrahlung der ersten, höchsten sind, bilden sie das erste Triangel im System der Kabbala.
Die Theorien über die zehn Sephirot gehen weit auseinander. Die Kabbala spaltet sich auf in eine theoretische und eine praktische Kabbala. Allen gemeinsam ist die Annahme, dass nicht gedankliche Spekulation und/ oder religiöse Lebensführung allein die Annäherung an Gott bringen können, sondern die Versenkung in eine bis zum Ursprung der Menschheit reichende geheime Überlieferung.
Im späten 15.Jh. begann eine Bewegung christl. Theologen und Philosophen, Lehren der Kabbala mit Aspekten christl. Theologie in Zusammenhang zu bringen. Im Laufe der Zeit wurden populärwissenschaftliche Darstellungen Ursache von Verwechslung kabbalistischer Anschauungen mit Numerologie und Zauberkraft.
1663 lässt Prinzessin Antonia von Württemberg eine Lehrtafel zur christl. Kabbalistik anbringen.
Einflüsse der christl. Kabbalistik sind zudem bei Hegel und Schelling nachweisbar.
Weltgeschehens erkennen will
2 das Hervorgehen aller Dinge aus dem unveränderlichen, vollkommenen, göttlichen Einen (bes. in der
neuplatonischen und gnostischen Lehre)
Arbeit zitieren:
Albrecht Trübenbacher, 2000, Planung einer Unterrichtsreihe zu 'Jud Süß' für eine Oberstufenklasse in Vorbereitung eines Besuchs des Harlan-Films 'Jud Süß' im Haus der Wannsee-Konferenz, München, GRIN Verlag GmbH
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