Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Was bedeutet Interaktion ? 4
3. Die Themenzentrierte Interaktion 5
3.1 Ruth Charlotte Cohn 5
3.2 Die Grundlagen der TZI 7
3 3 D i e A x i o m e 9
3.3.1 Das anthropologische Axiom 9
3.3.2 Das ethisch - soziale Axiom 10
3.3.3 Das pragmatisch - politische Axiom 11
3 4 D i e P o s t u l a t e 1 2
3 5 D i e H i l f s r e g e l n 1 3
3.6 Das Strukturmodell der TZI 14
4. TZI in der Erwachsenenbildung 1 6
4.1 Ein allgemeiner Überblick 18
4.2 Das ICH in der Gruppe 18
4.3 Das WIR in der Gruppe 20
4.4 Das ES in der Gruppe 21
4 5 D e r G l o b e 2 3
4.6 Die Funktion des Leiters 24
5. Parallelen und Widersprüche der TZI zur „klassischen“ 25
Erwachsenenbildung
6. Beispiel einer TZI - Gruppe 2 7
7. Schlussbemerkung 2 9
8. Literaturverzeichnis 3 0
2
1. Einleitung
Da ich während meiner persönlichen Erfahrungen mit TZI eher den Bereich kennen gelernt habe, der sich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt, warf sich für mich vor Beginn die Frage auf, wie TZI in der Erwachsenenbildung betrieben wird. Zuerst überlegte ich mir Schlagwörter, die ich mit dem Begriff Erwachsenenbildung in Zusammenhang brachte. Dazu gehörten: „Motivation“, „Konzepte der Gruppenarbeit“, Gruppenarbeit in der Erwachsenenbildung“, „Methoden“ und „Gleichberechtigung“. Da dies alles Schlagwörter sind, die sich mit der TZI in Verbindung bringen ließen, entschied ich mich für genau dies Thema. Hiermit habe ich eine Methode gefunden, die lebendiges Lernen verspricht, wobei ich persönlich lebendig mit motivierend verbinde. Da TZI, was ich bereits wusste, universell in fast allen Bereichen einsetzbar ist, entschied ich mich, die Erfahrungen die ich bereits mit Jugendlichen und Kindern gemacht habe, zu erweitern. So entstand das Thema meiner Hausarbeit: Themenzentrierte Interaktion in der Erwachsenenbildung. Aufgrund vieler verschiedener Punkte unserer gesellschaftlichen Entwicklung, z.B. entsprechend viele Kürzungen im Bereich der Weiterbildung ist es wichtig, dass Anbieter dessen kostengünstig und trotzdem effektiv arbeiten. Sie müssen ihre Teilnehmer von ihrem Konzept überzeugen, um Kunden zu behalten. Um diese Qualität zu sichern, spielt die Methode, durch die das Wissen vermittelt wird, sicherlich eine große Rolle. Gestaltet ein Erwachsenenbildner seinen Kurs zum Beispiel nicht teilnehmergerecht, brechen die Teilnehmer den Kurs ab oder nehmen andere Anbieter in Anspruch. Ich habe deshalb einmal die klassische, konstruktivistische Erwachsenenbildung mit der TZI verglichen und außerdem ein Praxisbeispiel angeführt, um deutlich zu machen, was passieren kann, wenn ein Kurs nicht teilnehmergerecht geführt wird.
Das Ziel dieser Auseinandersetzung mit TZI ist für mich, selbst eine Möglichkeit zu haben, in meiner späteren Berufspraxis professionell mit Gruppen arbeiten oder mich selbst als Teilnehmer in eine Gruppe integrieren zu können. Ausschlaggebend war für mich, dass Gruppenarbeit ein Thema ist, was fast überall in der sozialen Arbeit auftaucht und dass ich mich mit einem Gruppenkonzept auseinandersetze, welches ich in der Praxis anwenden kann.
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren beim Jugendamt Braunschweig und leite Gruppenseminare, in denen es um berufliche Orientierung für Jugendliche geht. Das Konzept der TZI ist für mich eben auf diesen Bereich übertragbar und eröffnet mir trotzdem neue Erkenntnisbereiche, nämlich in der Anwendung in der Erwachsenenbildung.
3
2. Was bedeutet Interaktion ?
Die themenzentrierte Interaktion ist, dem Namen nach, eine besondere Form von Interaktion. Ich habe mir deshalb Gedanken darüber gemacht, was Interaktion überhaupt ist und möchte dies hier als Grundlage für meine Arbeit aufgreifen. Der Begriff Interaktion wird in einem Wörterbuch der Sozialarbeit und Sozialpädagogik als „Bezeichnung für Verbindungen, Beziehungen zwischen Personen und Situationen“ 1 bestimmt, die „bei den Partnern von sozialer Interaktion spezifische Reaktionen, Verhaltensweisen, Handlungen sowie Änderungen in Verhaltens- und Handlungsbereitschaft einseitig oder wechselseitig hervorrufen.“ 2 .
Das Fachlexikon der sozialen Arbeit definiert den Begriff Interaktion als „Bezeichnung für das aufeinander bezogene und sich gegenseitig beeinflussende Handeln von zwei oder mehr Personen oder Gruppen“ 3 .
Es wird also deutlich, das Interaktion auf jeden Fall zwischen mehreren Personen stattfindet und diese auch mehr oder weniger beeinflusst. Um den Begriff Interaktion weitgehender zu verstehen, habe ich mich mit Erving Goffmans „Interaktionsrituale“ auseinandergesetzt. Er beschreibt Interaktion als Austausch durch direkte persönliche Kontakte, durch Zeichen wie Tonfall, Pose oder Blicke, aber er beschreibt Interaktion auch als Austausch durch verbale Kommunikation. Merkmale verbaler Kommunikation zwischen mehreren Personen sind, dass sie sich freiwillig dazu bereit erklärt haben, miteinander zu kommunizieren. Dies ist ebenfalls eine wichtige Grundlage der themenzentrierten Interaktion. Goffman bezeichnet Interaktion als „jene Ereignisse, die im Verlauf und auf Grund des Zusammenseins von Leuten entstehen. Die Grundelemente des Verhaltens sind Blicke, Gesten, Haltungen und sprachliche Äußerungen, die Leute ständig in die Situation einbringen, unabhängig davon, ob diese Situation erwünscht ist oder nicht.“ 4
Grundsätzlich ist Interaktion also all das, was zwischen mehreren Personen passiert, sobald sie miteinander in Kontakt treten. Die themenzentrierte Interaktion bezieht sich auf genau diese Vorgänge und versucht, sie durch ein Konzept bewusst und kontrolliert ablaufen zu lassen.
1 Arnold Schwendtke (Hrsg.): Wörterbuch der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Heidelberg, Quelle & Meyer, 1980, S. 134
2 Ebd.
3 Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hrsg.): Fachlexikon der sozialen Arbeit, Frankfurt am Main, 2002, S. 492
4 Erving Goffman: Interaktionsrituale, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 1971, S. 7
4
3. Die themenzentrierte Interaktion
Die themenzentrierte Interaktion (im Folgenden: TZI) ist ein Modell der Gruppenarbeit, das aus den Erkenntnissen der Psychoanalyse und den Eindrücken der Gruppentherapie entstanden ist. Die Gruppentherapeutin und Psychoanalytikerin Ruth C. Cohn hat ein Konzept entwickelt, das ganzheitliches, lebendiges Lernen in jeder Lebenssituation möglich macht. Ein offenes Gruppenmodell, was in jedem Kreis einsetzbar ist, war ihr Anliegen.
TZI bedeutet also, dass die sowieso stattfindende Interaktion in einer Gruppe so eingesetzt wird, dass man einen positiven Lernerfolg daraus erhält. Mit dem von Ruth Cohn entwickelten Ansatz „verbindet TZI die individuellen, zwischenmenschlichen und sachlichen Aspekte des Lernens zu einem pädagogischen System, das alle Chancen bietet, Lerninhalte und Arbeitsprobleme nicht nur vordergründig auf der intellektuellen Ebene abzuhandeln - Kopf, Herz und Hand sind aktiv einbezogen.“ 5 Die TZI soll Aufgaben und Themen in den Focus der Teilnehmer rücken (themenzentriert), um diese dann im Zusammenhang zwischen allen Teilnehmern zu bearbeiten (interaktionell).
3.1 Ruth Charlotte Cohn
Die Gründerin der TZI, Ruth C. Cohn, wurde als Tochter eines Bankiers 1912 in Berlin -Charlottenburg geboren und wuchs in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach dem Abitur studierte sie Literatur und Psychologie. „Mein Kampf“ von Adolf Hitler und die darin enthaltene Aufforderung zur legalisierten Gewalt machten sie aufmerksam. Sie selbst war Jüdin und wurde Zeugin von Überfällen auf jüdische Studenten. Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 verließ sie am 31. März Deutschland und studierte in Zürich Psychoanalyse. In Zürich heiratete sie und emigrierte 1941 mit Mann und Kind nach New York. 6
Dort erwirbt sie einen international anerkannten Abschluss als Psychoanalytikerin. Man legte ihr jedoch im Psychoanalytischen Institut nahe, nur Kinder zu therapieren, weil sie
5 Barbara Langmaack & Michael Braune - Krickau: Wie die Gruppe laufen lernt, Weinheim, Beltz, 1995, S. 98
6 Vgl. Cornelia Löhmer & Rüdiger Standhardt: Themenzentrierte Interaktion, Mannheim, PAL Verlagsgesellschft, 1992 S. 15 ff
5
nicht zu einer medizinischen Berufsgruppe gehörte. Daraufhin ließ sie sich als Lehrerin ausbilden und begann, therapeutisch mit Kindern zu arbeiten. Da sich jedoch rasch bemerkbar machte, dass die Probleme der Kinder von ihren Eltern und deren Umfeld beeinflusst waren, kam Ruth C. Cohn auf diesem Umweg zur Therapie Erwachsener.
Sie fragte sich jedoch bald, wieso durch die psychoanalytische Praxis nur einer so begrenzten Zahl von Leuten geholfen werden konnte und ob sich dieser Zustand nicht ändern ließe. „Die politische Ohnmacht der Psychoanalyse und [ ihr ] Interesse am Aufbau einer humanen Gesellschaft“ 7 prägten ihre politische Grundhaltung. 8 „ Ich glaube an Sozialismus, nicht aber an Gewalt und Diktatur des Proletariats. Ich dachte damals und denke heute, dass Revolutionen, die nur die ökonomischen und politischen Umstände und nicht die Menschen selbst in ihrer Haltung verändern, zwar die Umkehrung von oben / unten und unten / oben bewirken, nicht aber Armut und Ungerechtigkeit selbst. So verändern sich die Namen der Gewaltträger und der unterdrückten, nicht aber die Phänomene der Gewalt und Hilflosigkeit“ 9
Mit der Entwicklung der TZI gründete sie eine gesellschaftspädagogisch - therapeutische Methode. Ruth Cohn integrierte in die Methode der TZI einige andere Ansätze, z.B. die Gestaltarbeit nach Fritz Perls, Familienskulpturen von Virginia Satir, Bioenergetik nach Wilhelm Reich, interpersonale Therapie nach Harry Strack Sullivan und natürlich gruppendynamische Ansätze. Im Vordergrund steht der Mensch mit seinen Stärken und seiner Möglichkeit zu autonomer Entscheidung. Außerdem wird die Balance zwischen dem Individuum, der Gruppe und dem Thema stark in den Mittelpunkt gestellt. Da in Deutschland durch den Nationalsozialismus fast alle therapeutischen Ansätze und Methoden abgebrochen waren, begann Ruth Cohn bei ihren Europaaufenthalten, TZI verstärkt zu vermitteln.
7 Cornelia Löhmer & Rüdiger Standhardt: Themenzentrierte Interaktio n, Mannheim, PAL Verlagsgesellschft, 1992, S.15 f
8 Vgl. Ebd.
9 Ruth C. Cohn (1979) zitiert in: Ebd., S. 16
6
3.2 Grundlagen der TZI
Ausschlaggebend für die Entwicklung der TZI waren vor allem die Erfahrungen Ruth Cohns mit dem Nationalsozialismus in Deutschland. Die damit verbundenen Werthaltungen, Weltbilder, Menschenbilder und Kommunikationsformen regten sie zur Entwicklung der TZI an.
So entstanden wesentliche Kerngedanken, die sich in der von ihr entwickelten pädagogisch
- therapeutischen Methode der TZI wiederspiegeln. Für Ruth C. Cohn hatte die TZI immer eine gesellschaftspolitische Dimension.
Die TZI ist ein Konzept zum Sich - selbst- und Gruppenleiten und hat seine Grundlagen in den Hauptaussagen der Humanistischen Psychologie (im Folgenden HP). „Das Credo [ der TZI ] ist die Philosophie der Humanistischen Psychologie [...], deren Wertmaßstäbe und Handlungsanweisungen Hintergrund für die TZI sind“ 10 . Die HP entstand 1962 in den USA und wurde von dem Motivationspsychologen Maslow (1908 -1970) entwickelt. Die HP wird als dritte Kraft zwischen Psychoanalyse und behavioristischer Psychologie bezeichnet. Die Bedeutung des Individuums gegenüber dem statistischen (Durchschnitts-) Menschen der herkömmlichen Psychologie wird hier stärker betont. 11
Die Grundsätze der HP werden wie folgt zusammengefasst: „ 1. Du kannst, wenn Du willst.
2. Es gibt keine Zufälle. Der Mensch führt Situationen herbei, nimmt sie wahr oder vermeidet sie.
3. Die Realität geschieht hier und jetzt. Die Wirklichkeit ist immer das Gegenwärtige, von Vergangenheit und Zukunft beeinflusst.
4. Auch Schmerz, Leid, Konflikt und Tod gehören zum Leben; sie sind nicht durch Vermeidung oder scheinbare Beseitigung zu bewältigen.
5. Du bist dein Körper und hast nicht etwa einen. Seelische Vorgänge sind ein Aspekt körperlicher Vorgänge und umgekehrt. Höre nicht nur auf den Kopf !
6. Abschied von dem, was sein soll und nicht ist, und Hinwendung zu dem, was da ist, kennzeichnet eine lebensbejahende Einstellung, die Gemeinschaft und Zusammenarbeit fördert.“ 12
10 Barbara Langmaack: Themenzentrierte Interaktion, Weinheim, Beltz, 1994, S.1
11 Vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hrsg.): Fachlexikon der sozialen Arbeit, Frankfurt am Main, 2002, S. 475
12 Barbara Langmaack: Themenzentrierte Interaktion, Weinheim, Beltz, 1994, S. 168
7
Das Menschenbild, was aus den aufgeführten Grundsätzen resultiert, ist dadurch gekennzeichnet, dass der Mensch seine Vergangenheit kennt, seine Zukunft entwickelt, in der Gegenwart handelt, sich von der Gleichheit untereinander tragen läst und die Andersartigkeit anderer akzeptiert, die Chance nutzt, voneinander zu lernen und nicht stehen bleibt, wenn es Entwicklungsmöglichkeiten gibt. 13 Bezeichnend ist, dass sich in der Humanistischen Psychologie ein Menschenbild abzeichnet, was geprägt ist durch Selbstverantwortung und Selbstaktivierung. 14 “ Der Glaube an die Fähigkeit des Menschen, aus eigener Kraft sein Leben zu gestalten, ist ein wichtiger Grundsatz der Humanistischen Psychologie.“ 15 Ruth C. Cohns Hauptgedanke bei der Entwicklung der TZI war die Betrachtung und Erforschung der menschlichen Existenz. Sie bezeichnet die TZI als „gelebte Ethik“ 16 und fordert eine menschlichere Lebensweise.
„Ganz im Hier und Jetzt zu leben, sich voll einzusetzen für das, was als wertvoll erscheint, sei es ästhetisch oder materiell, seien es sexuelle oder freundschaftliche Beziehungen oder persönliche Leistungen“ 17
Ein wesentliches Kennzeichen der TZI ist außerdem ein Gleichgewicht von Beziehungs-und Sachebene.
„Ist diese Beziehung ausgewogen, entsteht ein Klima, in dem die Lernenden sowohl in ihren kognitiv-rationalen als auch in ihren emotional-sozialen Fähigkeiten ernstgenommen und unterstützt werden.“ 18
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Ziel der TZI „Das pädagogische und therapeutische Konzept der TZI bezieht sich in erster Linie auf zeitlich begrenzte Verstörtheit und Prävention, also Hilfe zur Selbsthilfe, und nicht auf psychische Störungen und Krankheiten.[...] Das Ziel der TZI ist nicht die Aufarbeitung individueller Probleme, Wünsche und Anliegen der Teilnehmenden, sondern ein „Wachwerden“ für die Möglichkeiten der Veränderungen in der Gegenwart.“ 19
Ruth Cohn entwickelte eine Wertebasis und philosophischen Hintergrund für die TZI, die aus drei Axiomen besteht. Aus diesen humanistischen Axiomen hat Ruth Cohn zwei Postulate abgeleitet, die deutlich machen, wie die Axiome im alltäglichen Leben in
13 Vgl. Barbara Langmaack: Einführung in d ie Themenzentrierte Interaktion, Weinheim, Beltz, 2001 S. 38
14 Vgl. Barbara Langmaack & Michael Braune-Krickau: Wie die Gruppe laufen lernt, Weinheim, Psychologie Verlags Union, S. 97 f
15 Ebd. S.98
16 Barbara Langmaack: Themenzentrierte Interaktion, Weinheim, Beltz, 1994 S. 163
17 Ebd. S. 164
18 Cornelia Löhmer & Rüdiger Standhardt: Themenzentrierte Interaktio n, Mannheim, PAL Verlagsgesellschft, 1992, S.11
19 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Lena Metzing, 2004, Themenzentrierte Interaktion in der Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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