,QKDOW
Einleitung 3
1 Das Fähigkeitskonzept 3
1.1 Begriffsklärung 4
1.1.1 Koordinative Leistungsvoraussetzungen 4
1.1.2 Motorische Fertigkeiten 4
1.1.3 Motorische Fähigkeiten 5
1.2 Ansätze zur Strukturierung 5
1.3 Die Grenzen des Fähigkeitskonzepts 7
2 Das Vereinigungsmodell 8
2.1 Das Modell 9
2.1.1 Informationsanforderungen 9
2.1.2 Druckbedingungen 11
2.1.3 Anwendbarkeit und Grenzen des Strukturmodells 14
2.2 Der Koordinations-Anforderungs Regler 15
2.2.1 Der Regler 16
2.2.2 Beispiele 17
2.2.3 Benutzung des KAR und Reglerverschiebungen 21
3 Training der Koordination 22
3.1 Altersbezogene Aspekte der Koordinationsentwicklung 22
3.2 Methoden und Inhalte des Koordinationstrainings 24
3.3 Methodische Grundformel der Koordinationsschulung 25
Schluss 25
Literaturverzeichnis 27
2
(LQOHLWXQJ
„Ihr Turner habt halt eine gute Koordination. Deshalb seid ihr eben oft in anderen Sportarten gut.“ Ähnliche Sprüche höre ich häufig. Diese Aussage impliziert, dass Turnen die Koordination schult und selbige auf andere Sportarten übertragbar ist. Ihr wird also eine gewisse Generalität und Transferabilität zugesprochen. Ich habe dieser Einschätzung bisher durchaus zugestimmt. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Koordination im Rahmen dieser Hausarbeit, erhoffe ich mir, abschließend diese Aussage etwas differenzierter einschätzen zu können.
Die Arbeit wird in drei Kapitel gegliedert. Im ersten wird das bisher in der Literatur dominante )lKLJNHLWVNRQ]HSW näher untersucht, verschiedene fähigkeitsorientierte
Strukturierungsansätze vorgestellt und die Grenzen dieses Konzeptes aufgezeigt. Das zweite Kapitel, das den Schwerpunkt der Arbeit bildet, beschäftig sich mit einem neuen und mir bis dato unbekannten 6WUXNWXUPRGHOO, das versucht, die bestehenden Ansätze zu
vereinen. Außerdem wird in diesem Kapitel der Koordinations-Anforderungs-Regler, ein vom Strukturmodell abgeleitetes Modul zur Erstellung von Anforderungsprofilen einer Sportart, vorgestellt. Der dritte und letzte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem 7UDLQLQJ GHU .RRUGLQDWLRQ. Es werden altersbezogene Aspekte der Koordinationsentwicklung und
Methoden und Inhalte des Koordinationstrainings thematisiert sowie die methodische Grundformel der Koordinationsschulung vorgestellt.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird ausschließlich die maskuline Form verwendet. 'DV)lKLJNHLWVNRQ]HSW
Den Begriff .RRUGLQDWLRQ habe ich bisher immer eng mit den NRRUGLQDWLYHQ)lKLJNHLWHQ
verbunden, da sich die mir bislang bekannten Strukturierungsversuche im Wesentlichen am Fähigkeitskonzept orientieren. Dass die Koordination aber nicht unbedingt fähigkeitsorientiert interpretiert werden muss, ist mir bei Bearbeitung der Thematik bewusst geworden. In diesem Kapitel sollen verschiedene fähigkeitsorientierte 6WUXNWXULHUXQJVDQVlW]H dargestellt werden und abschließend die *UHQ]HQ GHV )lKLJNHLWVNRQ]HSWHV aufgezeigt werden. Beginnen möchte ich mit einigen wesentlichen
Begriffen zur Thematik.
3
%HJULIIVNOlUXQJ
In diesem Kapitel wird versucht den Begriff NRRUGLQDWLYH/HLVWXQJVYRUDXVVHW]XQJHQ, der in
der Literatur sehr unterschiedlich verwendet wird, einzugrenzen. Außerdem sollen die PRWRULVFKHQ)HUWLJNHLWHQ von den PRWRULVFKHQ)lKLJNHLWHQ abgegrenzt werden.
.RRUGLQDWLYH/HLVWXQJVYRUDXVVHW]XQJHQ
Der BegriffNRRUGLQDWLYH/HLVWXQJVYRUDXVVHW]XQJHQ wird in der Literatur sehr vielfältig und unterschiedlich verwendet. Meinel/Schnabel (1998) setzen die koordinativen Leistungsvoraussetzungen mit den NRRUGLQDWLYHQ)lKLJNHLWHQ gleich, während Hirtz (1994) die koordinativen Fähigkeiten zusammen mit den PRWRULVFKHQ )HUWLJNHLWHQ als
koordinative Leistungsvoraussetzungen definiert. Unter Vorbehalt zählt er noch weitere Komponenten wie individuell gespeicherte Bewegungserfahrung, psychomotorische Grundfunktionen und generalisierte motorische Programme (GMP) hinzu. Im Folgenden soll der Begriff PRWRULVFKH )HUWLJNHLWHQ, die nach Hirtz Teil der
koordinativen Leistungsvoraussetzungen sind, näher beleuchtet werden.
0RWRULVFKH)HUWLJNHLWHQ
Eine motorische Fertigkeit ist eine „spezielle erworbene und gespeicherte dispositionelle Eigenschaft im Sinne von relativ stabilen motorischen Handlungen bzw. von automatisierten Komponenten, Teilhandlungen bzw. Operationen“ (Hirtz 1994); also kurz: eine gelernte, abrufbare und weitgehend stabile Technik. Nach Roth (2001) zeigen sich die motorischen Fertigkeiten in den äußerlich sichtbaren, voneinander abgrenzbaren Sporttechniken. Jede motorische Fertigkeit entspricht demnach genau einer strukturellen Bewegungsform und umgekehrt.
Roth unterteilt die motorischen Fertigkeiten, die PRWRUVNLOOV, in elementare motorische und sportmotorische Fertigkeiten. Die HOHPHQWDUHQ PRWRULVFKHQ )HUWLJNHLWHQ dienen der
Bewältigung alltäglicher und grundlegender, sportbezogener Aufgabenstellungen. Bewegungen wie Gehen, Laufen, Kriechen, Hüpfen, Springen, Heben, Tragen, Ziehen, Schieben, Klettern, Steigen, Rollen und Wälzen werden zu dieser Gruppe gezählt und können als Mindestbestandteile der normalen menschlichen Fertigkeitsausstattung betrachtet werden. Aufbauend auf diesen elementaren Fertigkeiten entwickeln sich die VSRUWPRWRULVFKHQ)HUWLJNHLWHQ, die in der Ausführung sportlicher Techniken zum Ausdruck
kommen.
4
Neben den motorischen Fertigkeiten taucht in der Literatur häufig der Begriff PRWRULVFKH )lKLJNHLWHQ auf, der im folgenden Absatz beschrieben wird.
0RWRULVFKH)lKLJNHLWHQ
Die motorischen Fähigkeiten oder PRWRU DELOLWLHV sind nach Roth (2001) von
unterschiedlichem Allgemeinheitsgrad und können, diesem Rechnung tragend, hierarchisch gegliedert werden. Oben in der Hierarchie stehen einige wenige, 0LQLPXPSULQ]LS, einfach strukturierte, (OHPHQWDUSULQ]LS, und von einander unabhängige, 8QDEKlQJLJNHLWVSULQ]LS, %DVLVIHUWLJNHLWHQ, die die Dimensionen der menschlichen Motorik
bilden (vergl. Roth 1982).
In der obersten Ebene geht Roth (1982) von einer Zweiteilung des Bereichs der motorischen Fähigkeiten aus. Die zentralnervös bedingten koordinativen Fähigkeiten werden von den energetisch bedingten konditionellen Fähigkeiten abgegrenzt. Schon Gundlach (1968) beschreibt die NRRUGLQDWLYHQ )lKLJNHLWHQ als „generelle,
bewegungs- und sportartübergreifende Fähigkeiten, die das Niveau wesentlicher Vorgänge bei der Steuerung und Regelung menschlicher Willkürbewegungen“ bestimmen. Definitionen für diesen Begriff gibt es unzählige; die Komponente Generalität sowie die Funktion der koordinativen Fähigkeiten für die Bewegungssteuerung tauchen aber in fast allen auf. NRQGLWLRQHOOHQ )lKLJNHLWHQ
Die repräsentieren technikübergreifende
Leistungsvoraussetzungen auf dem Niveau der Energiebereitstellung und Energieübertragung (vergl. Roth 2001).
Nach der Abgrenzung der einzelnen Begriffe sollen nun einige Ansätze zur Strukturierung der Koordination innerhalb des Fähigkeitskonzeptes vorgestellt werden.
$QVlW]H]XU6WUXNWXULHUXQJ
Die Gestaltung der verschiedenen Modelle zur Strukturierung der Koordination bzw. der koordinativen Fähigkeiten ist u. a. davon abhängig, welche 2UGQXQJVNULWHULHQ zugrunde
gelegt werden. Solche Kriterien können z. B. sein: Allgemeinheitsgrad, Komplexität, Art und Umfang der beteiligten Muskelgruppen, Beteiligung dominanter sensorischer Prozesse, Zeitfaktor und Variabilitätsgrad.
5RWK(1982) gliedert in einen induktiven und einen deduktiven Ansatz. Beim LQGXNWLYHQ
$QVDW] wird auf Grundlage von beobachtbarem bzw. messbarem motorischen Verhalten
5
auf eine allgemein Fähigkeitsstruktur geschlossen, während beim GHGXNWLYHQ $QVDW] die
Fähigkeiten aus bestehenden sozialwissenschaftlichen Theorien des motorischen Verhaltens abgeleitet werden.
Roth nimmt eine Zweiteilung der koordinativen Fähigkeiten vor. Er unterscheidet
zwischen der )lKLJNHLW]XU.RRUGLQDWLRQXQWHU=HLWGUXFN und der )lKLJNHLW]XUJHQDXHQ .RQWUROOH GHU %HZHJXQJ. Als zweites, nachgeordnetes Klassifikationskriterium nimmt er die 6LWXDWLRQVYDULDELOLWlW bzw. 6LWXDWLRQVNRQVWDQ] hinzu. Somit ergeben sich YLHU NRRUGLQDWLYH*UXQGIlKLJNHLWHQ: 1. die Fähigkeit zur schnellen motorischen Steuerung, 2.
die Fähigkeit zur schnellen motorischen Anpassung und Umstellung, 3. die Fähigkeit zur präzisen motorischen Steuerung und 4. die Fähigkeit zur präzisen motorischen Anpassung und Umstellung.
Vom induktiven Ansatz ausgehend kommt +LUW] (1985) zu einer Strukturierung in NRRUGLQDWLYH)lKLJNHLWHQ, dem Modell, das den größten Bekanntheitsgrad in Deutschland
und den meisten Einfluss auf die deutsche Sportpraxis hat.
Folgende Graphik zeigt die 5 koordinativen Fähigkeiten nach Hirtz und deren Beziehungen zueinander.
Abb. 1. Die 5 koordinativen Fähigkeiten und ihre Beziehung zueinander (nach Hirtz 1985, S. 33)
Ein ebenfalls sehr bekanntes Modell ist der Vorschlag von =LPPHUPDQQ (vergl. z. B. Zimmermann 1998), der NRRUGLQDWLYH )lKLJNHLWHQ unterscheidet: Die
Kopplungsfähigkeit, die Differenzierungsfähig, die Gleichgewichtsfähigkeit, die Orientierungsfähigkeit, die Rhythmisierungsfähigkeit, die Reaktionsfähigkeit und die Umstellungsfähigkeit. Er nimmt also im Vergleich zu Hirtz die Kopplungs- und die Umstellungsfähigkeit mit auf.
Im Gegensatz zu Hirtz und Zimmermann gehen 3XQL(1961) und %OXPH (1978) nicht von Fähigkeiten, sondern von $QIRUGHUXQJVNODVVHQ aus. Blume unterscheidet in 7
Anforderungen: Orientierungs-, Differenzierungs-, Kopplungs-, Gleichgewichts-, Reaktions-, Rhythmus- und Umstellungsanforderungen. Puni beschränkt sich auf 5: Zeit-, Raum-, Rhythmus-, Genauigkeits- und Geschicklichkeitsanforderungen.
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Eine weitere Gruppe von Ansätzen hat 0RWRULNPRGXOH als Bausteine der
Bewegungskoordination; so z. B. derPRGXODUH$QVDW], der IlKLJNHLWV]HQWULHUWH$QVDW], der DXVIKUXQJV]HQWULHUWH$QVDW]und derZDKUQHKPXQJV]HQWULHUWH$QVDW].
Die Liste mit Strukturierungsvorschlägen könnte noch fortgeführt werden, was jedoch nicht Sinn dieser Hausarbeit ist. Es sollte nur an einigen Beispielen verdeutlicht werden, wie vielfältig die verschiedenen Ansätze und Lösungsmöglichkeiten bzgl. dieser Thematik sind.
Die große Varietät der Entwürfe weist indirekt auf die Problematik hin, mit der das Fähigkeitskonzept verbunden ist. Abschließend werden deshalb Probleme und Grenzen dieser Konzeption thematisiert.
'LH*UHQ]HQGHV)lKLJNHLWVNRQ]HSWV
Wesentliche Merkmale von Fähigkeiten sind der hohe Allgemeinheitsgrad und der Generalitätsanspruch (vergl. Hirtz 1994). So ist eine Fähigkeit nur dann eine Fähigkeit, wenn sie Voraussetzung für viele Bewegungshandlungen ist und ein Transfer zwischen sportlichen Handlungen festgestellt werden kann (vergl. Neumaier 1999). Eine
$EJUHQ]XQJ ]X PRWRULVFKHQ )HUWLJNHLWHQ ist oft schwierig, da beides koordinative
Leistungsvoraussetzungen sind, die durch Prozesse der Bewegungskoordination bestimmt werden. Der Unterschied besteht lediglich im Allgemeinheitsgrad. Motorische Fähig- und Fertigkeiten sind eng miteinander verknüpft, da sie sich wechselseitig bedingen: Entsprechende motorische Fähigkeiten sind die Voraussetzung zur Ausübung bestimmter motorischer Fertigkeiten, bei deren Training wiederum die motorischen Fähigkeiten weiterentwickelt werden.
Auch die $EJUHQ]XQJHQ LQQHUKDOE GHV )lKLJNHLWVNRQ]HSWHV ist diffizil (vergl. Hirtz
1998): Aufgrund der großen Komplexität der Fähigkeiten ist eine idealtypische Differenzierung der Komponenten kaum möglich. Die einzelnen Fähigkeiten sind immer gekoppelt; bei Bewegungen wird immer die Fähigkeitsstruktur als Ganzes beansprucht. Warum sollen also einzelne Fähigkeiten differenziert werden?
Ein weiterer Aspekt, der gegen das Fähigkeitskonzept spricht ist die Tatsache, dass der
*HQHUDOLWlWVDQVSUXFK und somit auch der Transferabilitätsanspruch, der Grundbedingung für den Begriff der Fähigkeit ist, zunehmend LQ )UDJH JHVWHOOW wird. Der Erwerb von
([SHUWLVHQ, d. h. spezifisch vernetzten, komplexen Fertigkeits- und Wissensstrukturen wird
häufig als erfolgsversprechender erachtet (vergl. Neumaier 1999).
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Arbeit zitieren:
Dr. Florian Krick, 2002, Koordination, München, GRIN Verlag GmbH
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