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INHALTSANGABE
1. Einleitung 3
1.1. Die Analyse eines Werkes oder Textes 3
1.1.1. Die „interne“ Analyse 3
1.1.2. Die „externe“ Analyse 4
1.2. Die „soziopsychologische“ Analyse 5
1.2.1. Was ist Literatursoziologie 5
1.2.2. Individuum und Gesellschaft 7
1.2.3. Der Einfluss der Psychoanalyse 8
1.2.4. Der soziopsychologische Aspekt 10
2. Heins Novelle „Der fremde Freund“ 11
2.1. Der Autor 11
2.2. Der Text selbst 11
2.2.1. Sprache und Stil 11
2.2.2. Der Inhalt 12
2.2.3. Die Erzählperspektive 12
2.2.4. Die Symbole 13
2.3. Lebensglück oder Lebensverfehlung 14
3. Soziopsychologische Betrachtungen 15
3.1. Die Frage nach der Produktion 15
3.1.1. Die DDR-Literatur 15
3.1.2. Hein als typischer Vertreter der DDR Literaten 16
3.2.1. Welche Gesellschaft wird hier dargestellt 18
3.2.2. Eine mögliche Lesart 19
4. Zusammenfassung und Schlussbetrachtungen 22
5. Literatur- und Quellenverzeichnis 24
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1. Einleitung
Die vorliegende Proseminararbeit wurde zunächst unter dem Arbeitstitel „Soziologische Betrachtungen zu Christoph Heins ‚Der fremde Freund’ begonnen. Im Zuge der Recherche ergab sich die Notwendigkeit, den Titel den Ergebnissen anzupassen. Individuum und Gesellschaft sind in der Novelle minutiös miteinander verwoben. Dennoch ist die Psyche der Gesellschaft als Ganzheit nicht identisch mit einer Summe aller Psychen der einzelnen Individuen, sondern soziopsychologische Phänomene erhalten eine neue Dimension durch die zahlreichen Wechselwirkungen und Antagonismen zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Inwieweit kulturelle Werke, und somit auch die literarische Produktion, Vermarktung und Rezeption, in diesem Spannungsfeld stehen, soll die folgende Untersuchung anhand der Novelle „Der fremde Freund“, als Fallbeispiel, versuchen aufzuzeigen.
1.1. Die Analyse eines Werkes oder Textes
Die Analyse eines Textes kann entweder „intern“, also werk- oder textimmanent erfolgen, oder aber „ extern“, d.h. von äußeren Faktoren bestimmt und geleitet vorgenommen werden. 1 Verdienst war es „interne“ und „externe“ Faktoren in seiner „Theorie des Felds“
Bourdieus zu vereinen.
1.1.1. Die „interne“ Analyse
Man kann wie Saussure, der von einer „inneren Sprachwissenschaft“ gesprochen hat, auch einen Text nach formalen Kriterien interpretieren. Diese so genannte „interne“ Interpretation ist in der institutionellen Doxa (griech.: Meinung, bei Bourdieu: Prinzipien des Urteilens und Bewertens) verankert. Der „New Criticism“ hat die „reine“ Lektüre zur Theorie erhoben und den Text verabsolutiert und somit eine sozusagen zeitlose Bedeutung der kulturellen Werke postuliert. Es gäbe also keine historischen Bedingungen oder sozialen Funktionen von Literatur. Die Interpretation wäre somit eine ausschließlich werkimmanente und ahistorische.
1 Vgl.: Bourdieu, Pierre: „Für eine Wissenschaft von den kulturellen Werken“ (1986), Vortrag, gehalten im Rahmen des Christian Gauss
Seminars in Criticism, Princeton University, 1986. In: Bourdieu, Pierre: „Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns“, aus dem Frz. v.
Hella Beister, Suhrkamp, Frankfurt/M. 1998 (= es 1985), S. 55 – 74 (Originalausgabe: „Raisons pratiques. Sur la théorie de l’action“, Ed. du
Seuil, Paris 1994).
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Die kulturellen Werke würden als Strukturen ohne strukturierendes Subjekt begriffen. Demnach würden also Texte historische Realisierungen ohne Bezug auf ökonomische oder soziale Bedingungen der Produktion, beziehungsweise der Produzenten, darstellen.
1.1.2. Die „externe“ Analyse
Die externe Analyse begreift das Verhältnis zwischen sozialer Welt und kulturellen Werken nach der Logik der Widerspiegelung.
Die äußere Analyse versucht, die Werke auf die Weltanschauung oder auf die gesellschaftlichen Interessen einer Gesellschaftsklasse zurückzuführen. Foucault hat mit seinem „symbolischen Strukturalismus“ den Begriff der „Relationen“ von Saussure zwar beibehalten, doch sind ihm sehr wohl die Interdependenzbeziehungen der Werke untereinander bewusst geworden. Das „Regelsystem von Unterschied und Streuung“ wird somit als ein „Feld strategischer Möglichkeiten“ verstanden. Kulturelle Produzenten haben also einen gemeinsamen „Raum des Möglichen“, gemeinsame Bezüge und gemeinsame Orientierungspunkte.
Laut Bourdieu taugen alle diese Analysen nichts und er hat deshalb die „Theorie des Felds“ entwickelt. Er ist der Ansicht, dass die menschliche Freiheit vielfältigen Begrenzungen durch unbewusste verinnerlichte Faktoren, durch Illusionen und sozioökonomische Strukturen, aber auch durch historische Gegebenheiten, Geschlecht, Nationalität und Weltanschauung unterliege. Ein individueller Handlungsspielraum sei dennoch gegeben und auf diesem beschränkten Hintergrund gebe es sozialen Wandel und Innovation aufgrund zahlreicher Antagonismen.
Die Intention der vorliegenden Proseminararbeit ist es, aufzuzeigen, inwieweit in Heins Novelle „Der fremde Freund“ individuell-psychischen, sowie epochalen gesellschaftsbedingten Faktoren und Phänomenen Ausdruck verliehen wird.
Auch Christoph Hein geht es darum, eine Verbindung zwischen der ästhetischen Kategorie und der aufklärerischen Funktion der Literatur in der Gesellschaft herzustellen. Die „direkte Mitteilung über die Welt“ durch Bewusstmachung des Unbewussten betrachtet er sogar nicht nur als eine moralische, sondern vor allem als eine ästhetische Kategorie. Hein hätte es sogar
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laut seiner eigenen Aussage, begrüßt, wenn sich die Rezipienten auch mehr auf seine Texte einlassen würden, anstatt in seinen Werken ständig nur „Mitteilungen“ von einem „unterdrückten Autor aus der DDR“ zu sehen. Er räumt jedoch ein, dass oft „ein dritter auch genauer sieht als man selbst“ 2
1.2. Die „soziopsychologische“ Analyse
1.2.1. Was ist Literatursoziologie?
2 „Dialog ist das Gegenteil von Belehren. Gespräch mit Christoph Hein“, in: Hammer, Klaus (Hrsg.): „Chronist ohne Botschaft – Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch“, 1. Aufl., Aufbau-Verlag Berlin und Weimar GmbH 1992, S. 11 - 50.
3 Wilpert, von Gero: „Sachwörterbuch der Literatur“, 8., verbesserte und erweiterte Aufl., Kröner Verl. Stuttgart 2001, S. 479.
4 Hein, Christoph: „Der Tangospieler. Roman“, 2. Aufl., Luchterhand Literaturverlag GmbH Frankfurt/M. 1989. 5 Vgl.: Meyer-Gosau, Frauke: „Christoph Hein, Politiker“, in: Hammer, Klaus (Hrsg.): „Chronist ohne Botschaft – Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch“, 1. Aufl., Aufbau-Verlag Berlin und Weimar GmbH 1992, S. 178.
6 Jakobson, Roman: „Linguistik und Poetik“, Dt. 1960, in: Ihwe 1971 – 1972, Bd. 1, S. 99 – 135.
7 Ich erinnere mich z. B. an die Äußerung des Schriftstellers Hamid Sadrs („Der Brief“) im Rahmen seiner Lesung während des PS Neuer dt. Literatur: Deutschspr. Novellen d. späteren 20. Jhdts. u. d. Ggw. des Inst. f. Germanistik an der Univ. Wien im WS 2006/07, wo er nach der Interpretation seines Werkes durch die StudentenInnen sagte: „Aber so viel habe ich doch gar nicht geschrieben.“ 8 „Dialog ist das Gegenteil von Belehren. Gespräch mit Christoph Hein“, in: Hammer, Klaus (Hrsg.): „Chronist ohne Botschaft – Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch“, 1. Aufl., Aufbau-Verlag Berlin und Weimar GmbH 1992, S. 12 - 13.
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anderer Stelle sagt Hein auf die Frage, ob die ästhetische Funktion aus dem aktuellen Bedürfnis heraus zu kurz gekommen sei: „Wenn man nicht aufpasst, kann über der Erfüllung einer moralisch wertvollen Aufgabe leicht die ganze Arbeit untergehen. Aber es hat eben mit Moral, wenig mit Kunst zu tun.“ 10
1.2.2. Individuum und Gesellschaft
Wer Individualität und Kollektivität zu Gegensätzen macht [...], begibt sich der Möglichkeit, im Zentrum des Individuellen selber Kollektives zu entdecken; Kollektives in Form von Kultur [...] oder [...] im Sinn des 'Habitus', der den Künstler mit der Kollektivität und seinem Zeitalter verbindet [...], ohne dass dieser es merkte [...]." 11
„Individuum“ und „Gesellschaft“ sind also keine Gegenpole, sondern müssen in ihrer wechselseitigen Bedingtheit verstanden werden.
Die Strukturen der menschlichen Psyche, die Strukturen der menschlichen Gesellschaft und die Strukturen der menschlichen Geschichte, sie sind Komplementärerscheinungen und nur im Zusammenhang miteinander zu erforschen. 12
Je weiter die Zivilisation fortschreitet, desto mehr wird auch jeder Einzelne in ein Interdependenzgeflecht eingebunden. Die Gesellschaft zwingt das Individuum zu einer
9 „Dialog ist das Gegenteil von Belehren. Gespräch mit Christoph Hein“, in: Hammer, Klaus (Hrsg.): „Chronist ohne Botschaft – Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch“, 1. Aufl., Aufbau-Verlag Berlin und Weimar GmbH 1992, S. 15.
10 „Dialog ist das Gegenteil von Belehren. Gespräch mit Christoph Hein“, in: Hammer, Klaus (Hrsg.): „Chronist ohne Botschaft – Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch“, 1. Aufl., Aufbau-Verlag Berlin und Weimar GmbH 1992, S. 17.
11 Literaturtheorie-Kultursoziologie-Bourdieu - TourLiteratur Literaturtheorie - Kultursoziologie (Pierre Bourdieu) ... In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Sonderheft 27, S. 163. ... www.tour-literatur.de/literaturtheorie/bourdieu-kultursoziol.htm - 60k12 Literaturtheorie-Zivilisationstheorie-Elias - TourLiteratur Literaturtheorie - Zivilisationstheorie (Norbert Elias) ... In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 35, S. 31. ... www.tour-literatur.de/literaturtheorie/elias_zivilisationstheorie.htm - 56k -
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Dr. phil. Daria Hagemeister, 2007, Soziopsychologische Betrachtungen zu Christoph Heins 'Der fremde Freund', Munich, GRIN Publishing GmbH
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