J O H N T O L A N D D I E W U N D E R K R I T I K
Gliederung
I. Einleitung. 1
II. John Toland. 2
III. Der Deismus. 3
III.1. Ziele und Ansichten der Deisten. 4
III.2. Die verschiedenen Strömungen. 5
IV. Die Vernunft in „Christianity not Mysterious“ 7
V. Was ist ein Wunder? 9
V.1. Die Natur von Wundern. 10
V.2. Der Zweck von Wundern. 12
VI. Fazit. 14
VII. Literaturverzeichnis 15
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I. Einleitung
Die religiöse und geistige Lage im Europa des 17. Jahrhunderts war alles andere als einfach. Zwar hätten die Menschen dank der Reformation im 16. Jahrhundert die Möglichkeit haben können, eine Konfession innerhalb des christlichen Glaubens zu wählen von der sie überzeugt gewesen wären, doch sah die Wirklichkeit meist völlig anders aus:
»Und das ist die beklagenswerte Lage unserer Zeit, daß ein Mann nicht offen und klar bekennen darf, was er in Sachen der Religion denkt, mag es noch so wahr und heilsam sein, wenn es nur ein Haar breit von den festgelegten Ansichten irgendeiner Partei oder den gesetzlichen Bestimmungen abweicht. [...] Wie merkwürdig! daß der geweihte Name der Religion, die nichts anderes verkündet als Heiligkeit, Friede und Reinheit, so allgemein mißbraucht werden konnte, um den Ehrgeiz, den Unglauben und die Streitlust zu fördern.« 1
Die freie Wahl der Konfession blieb noch lange Zeit Illusion oder war gar undenkbar. In den meisten Fällen war es verboten, einer anderen Glaubensrichtung anzugehören als das jeweilige Staatsoberhaupt. Auf Grund der Überzeugung der verschiedenen Kirchen, jeweils die einzig wahre Auslegung des Christentums zu vertreten, wurden anders denkende Christen nicht nur verfolgt, zur Buße gezwängt, verbannt und verurteilt, sondern ganz Europa mit lang andauernden, zerstörerischen und blutigen Glaubenskriegen überzogen.
In der vorliegenden Hausarbeit wird ein in dieser Zeit verfasstes religionskritisches Werk des englischen Philosophen John Toland näher betrachtet und besonders darauf eingegangen, inwiefern es Wunder in der Bibel gibt, welcher Natur sie sind und in welcher Beziehung sie zur Vernunft stehen. Dazu ist es notwendig, sich zunächst einmal mit dem Autor und seiner Biographie zu beschäftigen, ebenso wie mit der philosophischen Strömung des Deismus, welcher Toland aus heutiger Sicht angehörte. Aufgrund der verschiedenen Strömungen des Deismus ist es weiterhin unerlässlich, sich mit diesem kurz zu befassen, sowie den Verfasser und sein Werk einzuordnen. Darauf folgt eine kurze Abhand-
1Toland, John: Christentum ohne Geheimnis (Christianity not mysterious). Übers. v. Wilhem Lunde, mit einer Einleitung hg. v. Leopold Zscharnack. Gießen [ 1 1696] 1908, S. 57.
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lung über die Rolle der Vernunft in »christianity not mysterious«, um schließlich auf die Wunder in der Religion eingehen zu können.
II. John Toland
John Toland (Taufname: Junius Janus Toland) entstammte einer irischen streng katholischen Familie und kam vermutlich am 30.09.1670 in Redcastle, Grafschaft Donegal, zur Welt. Später wurde behauptet, er sei ein illegitimer Priestersohn, dies scheint allerdings wenig wahrscheinlich. 2 Toland verstarb am 11.05.1722 in Putney bei London.
Im Jahr 1687, mit 16 Jahren, trat Toland zum Anglikanismus über und begann im gleichen Jahr ein Studium der Theologie in Glasgow, welches er in Leiden (Niederlande) und Oxford fortsetzte. Im Januar 1694 ließ er sich in Oxford nieder und nahm die Arbeit an seinem ersten Werk »christianity not mysterious« auf. Dieses veröffentlichte er 1696 anonym in London, in der zweiten Auflage jedoch unter seinem Namen. Toland wurde daraufhin des Sektierertums bezichtigt 3 und sein Werk 1697 in Irland öffentlich verbrannt, während man in England von einer Verfolgung absah. Weitere Feinde machte er sich, als er in seinem 1698 erschienen Werk Life of Milton die Vermutung vertrat, nicht alle im Namen Christi und der Apostel überlieferten Schriften seien echt. 4
John Toland gilt als Vertreter der englischen Aufklärung, als Freidenker und Deist 5 . Interessanterweise sah er sich selbst als gläubigen Christen und weder als Atheist noch als Deist, 6 obwohl er die zeitgenössische Kirche ablehnte, da sie in seinen Augen nicht identisch mit dem Christentum war. 7 In seinem Werk »christianity not mysterious« versuchte er zu belegen, dass es nichts über- oder gar widernatürliches in der Bibel gäbe, sondern
2 Vgl. Wesseling, Klaus-Gunther: Art. John Toland. In: Biographisches-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XII. Herzberg 1997, Sp. 267.
3 Vgl. Wesseling (1997), Sp. 267.
4 Vgl. Reventlow, Henning Graf: Die Deismusdebatte. Die Hauptvertreter. In: Holzhey, Helmut; Mudroch, Vilem (Hrsg.): Die Philosophie des 18. Jahrhunderts. Grossbritannien und Nordamerika Niederlande, Bd. 1. Basel 2004, S. 190.
5 Vgl. Reventlow (2004), S. 194.
6 Vgl. Zscharnack, Leopold: Einleitung. In: Toland (1908), S. 6.
7 Vgl. Zscharnack (1908), S. 12.
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sich alles mit Vernunft erklären lasse. Während er den Mysterien eine Absage erteilte und die Wunder in der Bibel als nicht wider- oder übervernünftig erklärte, verwarf er alle anderen, außerbiblischen Wundertaten als unnötig, falsch und der Religion Christi nachträglich angedichtet. Die Offenbarung und die Existenz Gottes jedoch stellte er nie in Frage. Denn schließlich wäre es uns gar nicht möglich, von Gott und seinem Willen zu wissen, wenn dieser sich nie offenbart hätte. 8 In seinen Augen griff er mit seinem Werk nicht etwa das Christentum an, wie ihm zu Lebzeiten vorgeworfen wurde, 9 sondern er versuchte ein festes und unerschütterliches Fundament für das Christentum zu gründen. 10
Seinen Unterhalt bestritt Toland zum Teil durch Tätigkeiten im diplomatischen Dienst, indem er zum Beispiel für Robert Harley, den späteren First Earl of Oxford, in unterschiedlichsten politischen Missionen unterwegs war 11 . Weiterhin war er in der gelehrten und philosophischen Schriftstellerei aktiv, im engeren universitären Umfeld war er dagegen, im Unterschied zu manch anderem Philosophen, nicht beschäftigt.
III. Der Deismus
Während die Anhänger einer monotheistischen Religion an einen einzigen Schöpfergott glauben, der allmächtig, allwissend und gütig zu den Menschen ist, 12 lehnen Atheisten eben dieses kategorisch ab. Im 16. Jahrhundert 13 allerdings entstand eine Strömung, welche nicht innerhalb dieser Gruppen anzusiedeln ist. Ihre Anhänger glaubten an die Existenz eines vernunftbegabten höheren Wesens, bzw. Gottes, ebenso wie an die Erschaffung und Ordnung der Welt durch ihn. Oftmals sahen sie sich auch als überzeugte Christen, sein Eingreifen in den Ablauf der Geschichte und die Natur bestritten einige von ihnen jedoch
8 Vgl. Zscharnack (1908), S. 12.
9 Vgl. Wesseling (1997), Sp. 268.
10 Vgl. Zscharnack (1908), S. 12.
11 Vgl. Reventlow (2004), S. 190.
12 Vgl. Cottingham, John: Atheismus und Agnostizismus. In: Papineau, David (Hrsg.): Philosophie: Eine illustrierte Reise durch das Denken. Darmstadt 2006. S.123.
13 Vgl. Gawlick, Günter: Der Deismus als Grundzug der Religionsphilosophie der Aufklärung. In: Hermann Samuel Reimarus (1694 - 1768) ein „bekannter Unbekannter“ der Aufklärung in Hamburg, hrsg. von der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften. Göttingen 1973, S. 19.
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Arbeit zitieren:
Lutz Spitzner, 2006, Die Wunderkritik in John Tolands 'Christentum ohne Geheimnis', München, GRIN Verlag GmbH
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