Universität Karlsruhe (TH), Institut für Literaturwissenschaft
Mediävistische Vorlesung: „Europäische Lebensformen im Mittelalter“
8. Semester
Gesellschaftliche Stellung und Bedeutung des Spielmanns im Mittelalter
von
Daniela Nicole Wüst
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Merkmale des Spielmanns 4
II.I. Herkunft 5
II.II. Der Begriff des „Spielmanns“ 5
II.III. Die Namensgebung 6
II.IV. Die Kleidung 7
II.V. Die Spielorte und Repertoire 8
II.V.I. Die Spielorte 8
II.V.II. Repertoire 9
II.VI. Die Entlohnung 10
II.VII. Die Wanderschaft 11
III. Die Stellung in der Gesellschaft 12
III.I. Rechtliche Stellung 12
III.II. Die Verteufelung durch die Kirche: Die „Ministri Satanae“ 13
IV. Fazit 15
V. Literaturverzeichnis 17
Gesellschaftliche Stellung und Bedeutung des Spielmanns im Mittelalter
„Sie machen die besten Lieder und Reihen der Welt von Gedichten und Melodeyen,
und was sie sangen, das sungen die Leut alle gern, und alle Meister pfiffen,
und andere Spielleut führten den Gesang und das Gedicht.“
(Johannes von Limburg, 1370)
I. Einleitung
Meine Hausarbeit befasst sich mit dem Spielmann in der mittelalterlichen Gesellschaft als Bestandteil des damaligen kulturellen Lebens. Ich werde zuerst die den Begriff und die Person des Spielmanns definieren. Danach werde ich im zweiten Teil der Arbeit auf seine Stellung in der Gesellschaft, d.h. seine soziale Anerkennung, Einbindung und Akzeptanz, eingehen. Im letzten Teil erläutere ich die Verbreitung seiner Musik durch Fahrten und ihre Eigentümlichkeiten, die einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der mittelalterlichen Musik geleistet hat.
Sein Stand in der Gesellschaft war häufig umstritten: er war Unterhaltungskünstler für das „Volk“ auf dem Marktplatz oder am Hof, er war ein wichtiges Kommunikationsmittel, da er Nachrichten, Klatsch und Tratsch aus anderen Gegenden mitbrachte und keiner soviel Freiheiten zur Kritik an den herrschenden Schichten des Adel, des Klerus und dem reichem Bürgertum besaß wie er. Und nicht zuletzt wird der fahrende Musiker als „Hauptträger der mittelalterlichen Musikkultur“1 bezeichnet.
Ziel meiner Arbeit ist es deshalb, einen Überblick über diese genannten Bereiche, ihre Zusammenhänge und Entwicklungen zu geben, wobei ich mich auf den europäischen Raum beschränken werde und nur den fahrenden Musiker als vornehmlichen „Berufsmusiker“ berücksichtige, der sich zeitlebens oder zumindest periodisch „auf Fahrt“ befand.
II. Merkmale des Spielmanns
In jeder Kultur gibt es eine soziales Gruppe, die sich durch „Unbehaustheit, Heimatlosigkeit und unablässiges, zumindest zeitweiliges Wandern“2 auszeichnet. Ihr Ziel ist es, enge räumliche Grenzen zu überschreiten und in ferne Gegenden zu ziehen. Sie tragen dabei einen erheblichen Teil zum kulturellen Austausch und der geographischen Erschließung bei: Ihre Rolle als internationales Bindeglied auf materieller wie geistiger Ebene ist nicht zu unterschätzen. Und welches Medium eignet sich besser dazu als die Musik?
Der Spielmann gehört keinem Stand an und auch keiner geschlossenen sozialen Schicht, deshalb ist sein Standort innerhalb der teils streng hierarchisch gegliederten Gesellschaft kaum zu bestimmen. Er findet sich in jeder Gesellschaftsschicht, da er von Geburt sowohl Leibeigener, als auch Adliger oder Ritter sein konnte. Er war manchmal ein hoch angesehener Gast bei Hof, aber auch der verachtete Tagedieb in der untersten sozialen Schicht. Man muss darum immer die sozialgeschichtliche Entwicklung berücksichtigen, die sich maßgeblich auf den Beruf des fahrenden Musiker auswirkte: so erfolgte die Spezialisierung zum alleinigen Musiker erst im Laufe des Spätmittelalters parallel zur Zunftbildung. Die Hebung des allgemeinen Bildungsstandes und die Herausbildung des frühen Kapitalismus durch die Zünfte beeinflusste den sozialen Stand des Spielmanns erheblich: Es wurde nun der Berufsstand über den Geburtsstand festgelegt, was für den Spielmann, der keinem Stand angehörte, bedeutete, dass er gesellschaftlich noch mehr ins Abseits geriet.
Der Bedeutungsverlust des mittelalterlichen Spielmanns, mit Ausnahmen des Bettelmusikanten, setzt bereits Mitte des 13. Jahrhunderts ein, als sich das feudalistische System aufzulösen begann und er somit gezwungen war, sesshaft zu werden. Mit Aufkommen des Notendrucks und der Förderung des Lesens in der Reformationszeit, konnte Musik auch ohne das Zutun des Spielmanns verbreitet werden, was zur Folge hatte, dass er im internationalen Verkehr als persönlicher Vermittler zunehmend an Bedeutung verlor.
II.I. Herkunft
[...]
1 Gennrich, F.: Internationale mittelalterliche Melodien. In: ZfMw 11 (1929). S. 264
2 Salmen, Walter: Der Fahrende Musiker im europäischen Mittelalter.S.7
Quote paper:
Daniela Wuest, 2007, Gesellschaftliche Stellung und Bedeutung des Spielmanns im Mittelalter, Munich, GRIN Publishing GmbH
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