Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung S.3
II. Allgemeine Vorbemerkungen S.4
III. Die Funktion von rituellen Handlungen allgemein anhand
der Rang- und Gesellschaftsordnung S.6
III.I. Gesellschafts- und Rangordnung S.6
III.II. Durchführung S.7
III.III. Wirkung des Rituals S.7
IV. Die Funktion von Emotionen im Speziellen S.8
IV.I. Tränen S.8
IV.I.I. Unterwerfung und Buße S.8
IV.I.II. Bitte S.9
IV.II. Freude und Jubel bei Zustimmung S.10
IV.III. Wut, Zorn und Beschimpfungen bei Ablehnung S.10
V. Fazit S.12
VI. Literaturverzeichnis S.13
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I. Einleitung
Meine Hausarbeit befasst sich im weitesten Sinn mit dem Feld der öffentlichen Kommunikation im Mittelalter, das maßgeblich von Ritualen und Emotionen beherrscht wurde, deren Anwendung sowie Funktion. Im engeren Sinn werde ich versuchen, die rituellen Handlungen im Zusammenhang mit dem politischen und gesellschaftlichen Kontext bzw. Situationen, in denen sie angewendet wurden, darzustellen. Hierbei beschränke ich mich auf die Kommunikation unter gesellschaftlich hochgestellten Personen im weltlichen und geistlichen Bereich, weil es über deren Darstellung wissenschaftlich gesicherte Dokumente gibt, die anschaulich verschiedene Situationen beschreiben, in denen Rituale und Emotionen eine wichtige politische Rolle gespielt haben. Des Weiteren konzentriere ich mich auf die Emotionen Tränen, Freude, Wut und Zorn, da sie die Komplexität zwischen Situation, Ritual und Emotion nützlich kenntlich machen.
Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich auf häufig verwendete Begriffe, deren Definition und theoretischen Grundlagen wie Zeichen, Symbol, Ritual, Emotion und die allgemeine Bedeutung und Verwendung dieser Begriffe für die mittelalterliche Gesellschaft, eingehen.
Im zweiten Teil werde ich auf die Funktion von Ritual und Emotion im Allgemeinen eingehen: welchen wichtigen Platz sie in der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung inne hatten und welche Wirkung durch sie erzielt werden sollte.
Im dritten Teil werde ich die häufigsten Emotionen wie Tränen, Freude und Wut mit den dazugehörigen Ritualen und ihre Funktion einzeln erläutern, um aufzuzeigen, wie sie in konkreten Situationen angewendet wurden und welche Auswirkungen sie auf die jeweilige Situation hatten.
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II. Allgemeine Vorbemerkungen
Für das bessere Verständnis der Interaktion von öffentlicher Kommunikation im Mittelalter werde ich einige Vorraussetzungen für das öffentliche Handeln von herrschaftlichen und geistlich-kirchlichen Persönlichkeiten vorausschicken. Die Definition des Dudens besagt zu dem Wort „Ritual“ 1 : „das Vorgehen nach festgelegter Ordnung“ und „Verhalten in bestimmter Grundsituation“, wobei ein ritueller Akt eine Ehrung oder Disziplinierung sein kann.
In der mittelalterlichen Gesellschaft liegt die Grundsituation vor, dass es sich um eine Gesellschaft ohne Gewaltmonopol und rechtliche Institutionen handelt, in der Vertrauen die wichtigste Basis überhaupt darstellt. Alle Handlungen, die in der Öffentlichkeit getätigt werden, müssen deshalb auf Vertrauen basieren und gleichzeitig dieses Vertrauen wiederum selbst schaffen, damit alle Beteiligten sich für die Zukunft auf jede Art von Abmachung verlassen können, sei es die Erfüllung eines Wunsches, Verzeihung für Fehlverhalten, Verleihung eines Amtes oder ein Friedensschluss. Ein freundlicher Gruß, zum Beispiel, oder die Teilnahme am Friedensmahl („convivium“ 2 ) verpflichtete die Beteiligten zum friedlichen Zusammenleben für die Zukunft. Alle Handlungen besitzen so gleichzeitig immer einen symbolischen und zeichenhaften Charakter für alle Beteiligten oder Zuschauer, durch den sie Klarheit finden und ihre eigene Position im Gesellschaftsgefüge einordnen können.
Unter dem Stichwort „Zeichen“ 3 ist in dieser Arbeit die konkrete Geste, d. h. zum Beispiel die Übergabe eines Geschenks, das selbst wiederum Symbolcharakter besitzen kann, oder ein Dienst, eine Einladung ins Privatgemach, Ehrungen und Herrschaftsdarstellungen zu verstehen. Die Kommunikation läuft in sehr viel größerem Maße auf der demonstrativ-gestischen Ebene ab als auf der verbalen, deshalb können rituelle Handlungen für sich alleine stehen und besitzen für alle Teilnehmer sowie Zuschauer eine hohe und ernstzunehmende Verbindlichkeit. Aus dieser erwächst ein gewisser Zwang zum Mitmachen: wer Bereitschaft zeigt, akzeptiert nicht nur die bestehende Rangordnung, sondern kann durch geschicktes Nutzen der Handlung seine Position in dieser verändern.
Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die aktive und freiwillige Teilnahme an jeglicher Form von zeichenhafter oder ritueller Handlung, die der Verständigung und Einigung zum
1 Duden. Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter Mannheim, Leipzig 2000.
S. 1176.
2 Convivium, i (n): Gastmahl, Gelage, Schmaus
3 Duden, S. 1298
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Kompromiss dient. Wie diese „spontanea“ 4 ausgedrückt wurde, blieb den Partnern überlassen, aber sie musste für alle anderen Zuschauer erkennbar sein. 5
Des Weiteren sollte man anmerken, dass die verwendeten Rituale mit den damaligen religiösen Vorstellungen tief verwurzelt waren. Häufig wurden sie aus der christlichen Liturgie entlehnt und für weltliche Situationen benutzt, womit so auch ein ständiger Austausch zwischen profaner und sakraler Ebenen stattfand 6 .
Die Rituale wurden häufig von Emotionen begleitet, die ihrerseits wieder als Ergänzung aber auch allein stehend betrachtet werden können: Sie wirken sich auf das gesamte Handeln und Verhalten der Menschen aus und bestimmen so unsere Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, was z. B. die Einschätzung von Risiken, Problemlösungen oder das Verhalten gegenüber Mitmenschen betrifft. Besonders große Bedeutung kommt der Emotion bei der Informationsspeicherung und dem Lernprozess zu, von dem im mittelalterlichen Leben vieles abhing. Die Definitionen von Emotion gehen zum Teil weit auseinander, z. B. heißt es im Lehrbuch zur Emotionspsychologie wie folgt: "Eine Emotion ist ein qualitativ näher beschreibbarer Zustand, der mit Veränderungen auf einer oder mehreren der folgenden Ebenen einhergeht: Gefühl, körperlicher Zustand und Ausdruck." 7
Eine weitere Definition, ebenfalls aus der Emotionspsychologie, ist wesentlich differenzierter: "1. Emotionen sind Vorkommnisse von zum Beispiel Freude, Traurigkeit, Ärger, Angst, Mitleid, Enttäuschung, Erleichterung, Stolz, Scham, Schuld, Neid sowie von weiteren Arten von Zuständen, die den genannten genügend ähnlich sind. 2. Diese Phänomene haben folgende Merkmale gemeinsam: (a) Sie sind aktuelle Zustände von Personen; (b) sie unterscheiden sich nach Art oder Qualität und Intensität [...]; (c) sie sind in der Regel objektgerichtet [...]; (d) Personen, die sich in einem der genannten Zustände befinden, haben normalerweise ein charakteristisches Erleben (Erlebensaspekte von Emotionen), und häufig treten auch bestimmte physiologische Veränderungen (physiologischer Aspekt von Emotionen) und Verhaltensweisen (Verhaltensaspekt von Emotionen) auf." 8
4 Spontaneus, a, um (spons): freiwillig, selbstgewählt
5 Althoff, Kultur der Zeichen, S. 294
6 Althoff, Kultur der Zeichen, S. 281
7 Schmidt- Atzert, H.: Lehrbuch der Emotionspsychologie. Stuttgart/ Berlin/ Köln 1996. S. 21
8 Meyer, W.-U., A. Schützwohl und R. Reisenzein: Einführung in die Emotionspsychologie. Band I. Bern/ Göt-
tingen/ Toronto/ Seattle 1993. S. 23f.
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Arbeit zitieren:
Daniela Wuest, 2007, Die Funktion von rituellen Handlungen in Verbindung mit Emotionen, München, GRIN Verlag GmbH
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