1. Einleitung. 3
2. Didos Minnemonologe 4
3. Zur Schuldfrage innerhalb der Dido-Minne 8
4. Didos Konflikt zwischen Minne und Ehre 9
5. Abschiedsgespräch zwischen Dido und Eneas. 11
6. Bewertung der Dido-Minne 12
7. Fazit 14
Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Der 'Eneasroman' von Heinrich von Veldeke berichtet über die Flucht des Eneas aus dem brennenden Troja, die schicksalshafte Liebesbeziehung zur karthagischen Königin Dido und schließlich von seiner glückenden Erringung der Landesherrschaft und der Gründung des späteren Rom.
Die umfangreiche Dichtung in Reimpaarversen ist der erste deutschsprachige Antikenroman und setzt den Anfang des höfischen Romans in deutscher Sprache. Hierbei handelt es sich um eine Bearbeitung des altfranzösischen 'Roman d'Eneas', der um 1160 wohl im Umkreis des anglo-normannischen Hofes Heinrichs II. entstand; dieser ist ebenfalls eine Bearbeitung von Vergils lateinischem Epos 'Aeneis'. Im Folgenden möchte ich mich speziell mit der Dido-Minne in Veldekes Werk auseinandersetzen.
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2. Didos Minnemonologe
Sie beginnt ihren Monolog mit einer Klage: 'waz sal werden der armen frouwen Dîdôn?' (51,16f. = 1362f.). Schon hier wird die düstere Prophezeiung des künftigen Unglücks zwischen den Zeilen klar. Sie schildert ihren leidvollen Zustand und sucht nach Gründen. Sie sieht ihr Minneleid als Strafe (sie leit michel ungemach 52,1 = 1387) und fragt sich: 'wie lange sal ez sus stân? waz hân ich dem tage getân?' (52,3f. = 1389f.). Sie verknüpft zudem ihre leidvollen Erfahrungen mit dem Leid der Trojaner und des Eneas.
Didos Liebe wird einerseits nach antikem und französischem Vorbild, aber auch mythologisch durch den Kuss der Venus begründet, andererseits psychologisch erklärt: das gemeinsame Schicksal der schuldlosen Vertreibung aus der Heimat, der Flucht und der Existenz in der Fremde. Es kündigt sich bei der ersten Begegnung mit Eneas an, dass Dido versucht, ihr Leben mit dem des Eneas in schicksalhafter Gemeinschaft zu verbinden - dies wird im Klagemonolog aufgenommen und gerät im Abschiedsdialog mit Eneas zum Höhepunkt: 69,10 = 2076 'jâ ne was ez niht mîn rât, daz man Troie zerbrach, dâ mir sô grôz ungemach ane was gehalden. waz sal des nû gewalden? hazzet den der ez geriet. ichn slûch ouch ûwern vater niet.' Wieder versucht sie, die Ursache für ihr Leiden zu finden. Sie beklagt den Verlust ihrer Tugenden: ouwê, war sal mîn êre und mîn rât und mîn sin, daz ich her zû komen bin? (52,16ff. = 1402ff.). Diese sind die Qualitäten, die sie als Königin in besonderem Maße auszeichneten, bevor sie von der Liebe überwältigt wurde. Gegen die Gewalt der Minne erweisen sich selbst die intellektuellen Fähigkeiten
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als machtlos. Ihr Schicksal ist vorgezeichnet, die Ausschließlichkeit ihres Begehrens gewährt keinen Raum zur Reflexion über Ehre und Pflicht. Das artikuliert sich in dem Wunsch, ihr Liebessehnen möge erhört werden: 'ob ich iemer sal genesen, od ich mûz schiere tôt wesen.' (52,21f. = 1407f.).
In der Klage der Dido - ein Monolog von 20 Versen - werden bereits alle wesentlichen Elemente der Dido-Minne formuliert: ihre Verkennung der eigenen Rolle, der Verlust der Ehre und ihr Tod.
Nachdem die Minne Besitz von ihr ergriffen hat, gehorchen ihr die sinne nicht mehr. Erst im Angesicht des Todes ist Dido für Momente fähig, den Verlust ihrer intellektuellen Fähigkeiten und damit den Zusammenbruch ihrer Persönlichkeit rational zu erfassen:
'ouwî êre unde gût, 76,32 = 2378 wunne unde wîstûm, gewalt unde rîchtûm, des hete ich alles mîn teil.'
Jetzt spricht sie Eneas von jeder Schuld frei; im Gegensatz zum Abschiedsgespräch, bei dem sie, vom Schmerz überwältigt, Vorwürfe gegen ihn erhebt: 'wande ir sît es âne scholt' (76,17 = 2363). Sie gewinnt Einsicht in die arglose Zuneigung des Eneas und in die Lauterkeit seiner Absichten, die letztlich einem höheren Gebot als dem der Minne unterliegen: 'ir wâret mir genûch holt' (76,18 = 2364). Seine Zuneigung war also ehrlich und wahr, weil sie seiner eigentlichen Bestimmung angemessen war; sie baut ihre jedoch auf falschen Voraussetzungen auf: 'ich minnete ûch zunmâzen.' (76,19 = 2365). Man könnte darauf schließen, dass rehte minne im Einklang mit der Bestimmung des Menschen einhergeht. Die Minne zeigt erst dort ihre negativen und heillosen Wirkungen, wo sie sich nicht höherem Wollen unterordnet. Wenn Dido bekennt, dass ihre Liebe das zulässige Maß überschritten hat, möchte sie dennoch ihre große Liebe rechtfertigen, indem sie ihre Zügellosigkeit auf den Verlust ihrer rationalen Fähigkeiten zurückführt - das ist ein Zugeständnis ihrer Schwäche und eine Kapitulation vor der Übermacht der Minne: 'ouwê, unsenfte minne, wie dû mich hâst bedwungen! (76,28f. = 2374f.).
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Arbeit zitieren:
Nelli Schulz, 2004, Die Dido-Minne in Heinrich von Veldekes Eneasroman, München, GRIN Verlag GmbH
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