Das geldpolitische Instrumentarium der Europäischen Zentralbank
von
Susanne Kroll und Katharina Möbius
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Ziele und Strategien der Geldpolitik 4
3. Das Instrument der Offenmarktgeschäfte 7
3.1 Verfahrensweisen 9
3.2. Befristete Transaktionen 13
3.2.1 Hauptrefinanzierungsgeschäfte 14
3.2.2 Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte 15
3.2.3 Feinsteuerungsoperationen 15
3.2.4 Strukturelle Operationen 16
3.3 Definitive Käufe und Verkäufe 16
3.4 Emission von Schuldverschreibungen 17
3.5 Devisenswapgeschäfte 17
3.6 Hereinnahme von Termineinlagen 18
4. Das Instrument der ständigen Fazilitäten 19
4.1 Spitzenrefinanzierungsfazilität 19
4.2 Einlagefazilität 20
5. Die Leitzinssätze der EZB 21
6. Das Instrument der Mindestreserven 22
7. Wirkungen und Grenzen der Geldpolitik 24
Literatur- und Quellenverzeichnis 26
Anhang 28
1. Einführung
Geldpolitik hat die Aufgabe, eine optimale Geldversorgung der Wirtschaft zu gewährleisten. Mit dem Entstehen einer einheitlichen Währung ging die Verantwortung für die Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet auf die Europäische Zentralbank (EZB) über. Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) setzt sich dabei aus der EZB und den nationalen Zentralbanken zusammen. Um den Sachverhalt transparent zu machen, dass nicht alle Mitgliedstaaten den Euro eingeführt haben, wird momentan noch zwischen dem ESZB und dem „Eurosystem“ unterschieden, wobei sich das Eurosystem dann aus der EZB und den Mitgliedstaaten mit Euro zusammensetzt. Die Mitgliedstaaten, die nicht am Euro- Währungsgebiet teilnehmen, haben einen Sonderstatus und führen weiter eine eigenständige nationale Geldpolitik, wobei sie dafür dann auch nicht am Entscheidungs- und Umsetzungsprozess der Geldpolitik für den Euroraum beteiligt sind. 1
Die Geschäftsbanken die an den geldpolitischen Geschäften der EZB teilnehmen wollen, müssen bestimmte Bedingungen erfüllen. Sie müssen in das Mindestreservesystem einbezogen sein, es muss sich um finanziell solide Institute handeln, die der Bankenaufsicht unterliegen und sie müssen eine effiziente Durchführung der Transaktionen gewährleisten. Die Nachfrage nach Zentralbankgeld durch die Geschäftsbanken resultiert unter anderem aus der Pflicht, bei der Zentralbank Mindestreserven zu hinterlegen. Demnach müssen die Geschäftsbanken für Verbindlichkeiten, die sie gegenüber Einlegern eingegangen sind, Guthaben in Euro bei der EZB in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes halten. 2 Die Nachfrage der Geschäftsbanken nach Zentralbankgeld wird nur bedient, wenn sie ausreichend Sicherheiten stellen. Dies kann entweder durch Eigentumsübertragung oder als Pfandhinterlegung geschehen.
Die EZB unterscheidet zwei Kategorien von Sicherheiten, die akzeptiert werden. Zur ersten Kategorie zählen marktfähige Schuldtitel, die von der EZB festgelegte einheitliche und im gesamten Euroraum geltende Zulassungskriterien erfüllen. Zur Kategorie zwei zählen weitere markfähige und auch nicht marktfähige Sicherheiten, für die die nationalen Zentralbanken Zulassungskriterien auf der Basis von EZB Mindeststandards festlegen. In der Praxis werden überwiegend Sicherheiten der Kategorie 1 verwendet und hier vor allem Staatsanleihen und von Kreditinstituten begebene Wertpapiere. 3
2. Ziele und Strategien der Geldpolitik
Als geldpolitische Strategie wird das konzeptionelle Gerüst für die Geldpolitik im Sinne einer mittel- bis langfristig ausgerichteten Grundsatzentscheidung über den Instrumenteneinsatz zur Erreichung des geldpolitischen Finalzieles bezeichnet. Diese Strategie bezieht sich auf den gesamten Prozess vom Einsatz der Instrumente über die operativen Ziele und ggf. expliziter Zwischenziele bis hin zu den Endzielen der Geldpolitik.
Die geldpolitische Strategie der EZB richtet sich strikt an ihrem vorrangigen Ziel, der Gewährleistung der Preisstabilität, aus und beinhaltet 2 Säulen, die zur Erreichung des Zieles führen sollen und die in Abbildung 1 veranschaulicht sind. Als Preisstabilität wird eine Norm bezeichnet, wonach die gesamtwirtschaftliche Inflationsrate eine bestimmte Marge weder über- noch unterschreiten darf. Diese wird gemessen am sogenannten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) und die Preissteigerungsrate soll mittelfristig unter, aber nahe von 2% gegenüber dem Vorjahr liegen.4
Abbildung 1: Die stabilitätsorientierte geldpolitische Strategie der EZB5 [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
In der ersten Säule erfolgt die Schwerpunktsetzung der Geldmenge. Für die EZB stellt die Inflation letztlich ein monetäres Phänomen dar, daher wird der Geldmenge eine herausragende Rolle beigemessen. Ausgangspunkt für die Entwicklung der Geldmenge ist die Fisher’sche Quantitätsgleichung des Geldes: Geldmengenwachstum = reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) -Wachstum + Inflation – Veränderung der Umlaufgeschwindigkeit. Im Jahr 1998 wurde vom EZB-Rat ein bisher unveränderter quantitativer Referenzwert für das Geldmengenwachstum von M36 bekannt gegeben. Dieser soll nur um 4,5 % wachsen unter der Annahme, dass das BIP mittelfristig um 2 - 2,5 % wächst. Der Referenzwert soll als Richtschnur der Geldpolitik dienen und zur Beibehaltung der Preisstabilität beitragen. Erhebliche und anhaltende Abweichungen des Geldmengenwachstums vom Referenzwert signalisieren Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht und werden als Indikatoren für geldpolitischen Handlungsbedarf angesehen. Tatsächlich ist die Geldmenge in Deutschland jedoch stark gewachsen. Im dritten Quartal 2006 lag das Geldmengenwachstum von M3 bei 10,5 %. 7
[...]
1 Vgl. Stocker, 2001, S. 22.
2 Weiterführende Informationen zur Mindestreservepolitik der EZB erfolgen im Kapitel 6.
3 Vgl. Baßeler, u.a., 2002, S. 511 f.
4 Vgl. Heering, 2002, S. 37 f.
5 In Anlehnung an Heering, 2002, S. 45.
6 Geldmenge M3 beinhaltet den Bargeldumlauf zuzüglich bestimmter Verbindlichkeiten der im Euro- Währungsgebiet ansässigen Monetären Finanzinstitute (MFI): Sicht-, Termin- und Spareinlagen, Repogeschäfte, Schuldverschreibungen, Geldmarktfondanteile und Geldmarktpapiere.
7 Vgl. Anhang 1
Quote paper:
Susanne Kroll, Katharina Möbius, 2007, Das geldpolitische Instrumentarium der Europäischen Zentralbank, Munich, GRIN Publishing GmbH
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